
Der Beitrag analysiert die stadtpolitischen Auseinandersetzungen um den ehemaligen Universitätscampus der Goethe-Universität Frankfurt am Main – den Campus Bockenheim. Ausgehend von einer historischen und räumlichen Annäherung rekonstruieren die Autor*innen exemplarische Initiativen und Kollektive – die Besetzung der Dondorf-Druckerei durch das Kollektiv „Druckerei für Alle!“, die ada_kantine und die Feministische Bibliothek – als Gegen-Institutionen: selbstorganisierte Strukturen, die alternative Modi des Zusammenlebens, Entscheidens und Versorgens erproben und dabei hegemoniale Narrative herausfordern. Im Zentrum steht die Frage, wie durch kollektive Aneignung und Wissensproduktion von unten das Gemeinsame täglich neu produziert wird – und wie es zugleich durch Kooptationsversuche von Stadt und Land bedroht ist.
Der Beitrag untersucht Verkehrskonflikte als subjektiv wahrgenommene und räumlich verhandelte Aushandlungsprozesse. Er wird dabei von zwei Thesen geleitet: Erstens, dass Infrastrukturdefizite eine zentrale Konfliktursache darstellen und zweitens, dass raumgreifende, dominante Verhaltensweisen diese Konflikte verstärken. Anhand qualitativer empirischer Methoden wie Interviews und kognitiven Kartierungen untersuchen wir zunächst welche infrastrukturellen und verhaltensbezogenen Faktoren (1) die Wahrnehmungen, (2) die Handlungsstrategien und (3) die Raumkonflikte von Radfahrenden prägen. Aus den Analyseergebnissen leiten wir in einem weiteren Schritt (4) Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für Politik und Planung ab, um Städte fahrradfreundlicher zu gestalten und Konflikte im Straßenverkehr zu minimieren. Unser abschließendes Fazit kontextualisiert diese Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen im größeren Rahmen des Verkehrssystems und den Herausforderungen einer sozial und ökologisch nachhaltigen Verkehrswende.
Die Mietwohnungskrise ist nicht nur ein viel diskutiertes, sondern mittlerweile auch ein viel beforschtes Thema. Zusehends hat sich die Wohnungsforschung in den vergangenen Jahren verzweigt und betrachtet mietassoziierte Phänomene multiperspektivisch. Der Soziologe Michael Byrne sichtet und systematisiert diesen Forschungsstand. Er betrachtet die Privatvermietung aus einer kritischen Perspektive mit dem Ziel, für die Machtasymmetrien zwischen Mieter_innen und Vermieter_innen auf Akteursebene zu sensibilisieren. Dazu verknüpft er Literatur zu subjektiven Wohnerfahrungen mit Forschungen zu strukturellen Bedingungsfaktoren und zeigt die Einbindung des Mietwohnens in die Konfiguration ökonomischer Ungleichheiten. Sein überzeugendes narratives Review verdeutlicht die Komplexität des Mietwesens und legt eine Reihe von Leerstellen frei – von mangelhaften Datenlagen über konzeptionelle Undurchsichtigkeiten bis hin zur Frage der Validität von Gegenwartsdiagnosen. Eines ist nach der Lektüre klar: Nach einem Literaturkonvolut ist vor einem Literaturkonvolut.
Der sub\urban-Redaktion sei herzlich gedankt für die Initiative, Klaus Ronneberger in Form dieser Diskussion zu würdigen. Der folgende Text basiert auf meinem Beitrag bei der Veranstaltung „Ein Leben für Emanzipation. Ohne Phrasen. Eine Gedenkveranstaltung für unseren Freund und Genossen Klaus Ronneberger“ am 25. Oktober 2025 in der Karl-Marx-Buchhandlung in Frankfurt am Main – Klaus’ zweitem Wohnzimmer, wo er in den letzten Jahrzehnten fast täglich war und mit Angestellten und anderen Kund*innen, etwa mir, den kritischen Austausch pflegte über die Welt, die Stadt, die Musik, das Essen. Im Folgenden beziehe ich mich sowohl auf den vorliegenden Text „Container des 21. Jahrhunderts“, der, wie so viele von Klaus’ Beiträgen, etwas versteckt in einem Sammelband erschienen ist, als auch auf weitere seiner Arbeiten.
Eine 2021 in der sub\urban ausgetragene Debatte über das Ende des Städtischen skizzierte mögliche Auswirkungen der Pandemie auf das Leben in urbanen Räumen. Ländliche Räume galten als vermeintlich sichere Zufluchtsorte, weswegen Höhne und Michel (2021) einen möglichen Exodus aus den Städten diskutierten. Mit zeitlichem Abstand zur Pandemie zeigt sich allerdings, dass dieser Exodus ausgeblieben ist. Dennoch hat sich seit der Coronapandemie etwas am Stadt-Land-Verhältnis geändert. Im Rückblick bietet die sub\urban-Debatte Anlass, das post-pandemische Verhältnis von städtischen und ländlichen Räumen unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes in Deutschland und Nordamerika neu zu beleuchten. Ergebnisse einer qualitativen Fallstudie aus der kanadischen Provinz British Columbia zeigen, dass konfligierende geographische Imaginationen über das Stadt-Land-Verhältnis ländliche Räume nach der Pandemie prägen. Dabei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: erstens eine Veränderung der Gruppen, die Träger:innen des Zuzugs in ländliche Räume sind und zweitens der Verlust bisheriger Peripheriemerkmale des Zuzugsortes. Beides trägt zu einer Entwicklung bei, die als Entstehung post-peripherer Orte beschrieben werden kann.