
Der Nobelpreis fur Physiologie oder Medizin geht dieses Jahr zu gleichen Teilen an die US-Amerikaner William George Kaelin und Gregg Leonard Semenza sowie den Briten Sir Peter John Ratcliffe. Sie haben den Mechanismus des zellularen Sauerstoffsensors aufgeklart, mit dem Zellen ihre Genaktivitat an Veranderungen der Sauerstoffzufuhr anpassen. Dieser Mechanismus ist fur die Aufrechterhaltung von Zell- und Organfunktionen von groBer Bedeutung und an Regelkreisen beteiligt, die beispielsweise die Blut- und GefaBbildung steuern. Da viele Erkrankungen mit Sauerstoffmangel einhergehen, haben diese Anpassungsreaktionen eine weitreichende medizinische Bedeutung. Die Kenntnisse iiber den Sauerstoffsensor werden bereits therapeutisch genutzt, um Blutarmut zu korrigieren oder Tumorwachstum zu bremsen.
Der Beitrag berichtet uber die Geschichte, Aufgaben und Forschungsschwerpunkte des Instituts, das mit seinem Hochsicherheitslaboratorium als einzige Einrichtung in Europa darauf eingerichtet ist, experimentelle Arbeiten mit hochgefahrlichen Erregern durchzufuhren.
Bei der Bekampfung von Pathogenen richtete sich das Augenmerk lange Zeit darauf, Virulenzfaktoren zu suchen und darauf zielende Abwehrstrategien zu entwickeln. Die neuen Methoden der Bioanalytik gewahren tiefere Einblicke in die Interaktionen zwischen Wirt und Bakterien. Der Beitrag beschaftigt sich mit dem infektionsrelevanten Stoffwechsel von enteropathogenen Bakterien und stellt das Isotopologue Profiling vor. Mit dieser Technik kann man das Schicksal isotopenmarkierter Molekule verfolgen und Einblick in kritische Stoffwechselwege der Bakterien gewinnen, woraus sich Angriffspunkte fur eine gezielte Bekampfung ergeben.
Durch den weltweiten Verkehr und Handel gelangen in zunehmendem Mas exotische Stechmucken nach Europa und mit ihnen auch viele Krankheitserreger, die die Mucken als Vektoren nutzen. Es ist daher von grostem medizinischem Interesse, das Vordringen exotischer Mucken initial zu bekampfen, damit sie sich nicht als invasive Arten fest etablieren und damit Krankheitserreger verbreiten konnen. Effektive Masnahmen hangen von genauen Kenntnissen uber das Vorkommen der Muckenarten ab. Ein einmaliges Projekt ruft zur Mitarbeit auf, um diese sonst schwer zu erhebenden Daten zu gewinnen.
Bei der Suche nach Moglichkeiten, die Konzentration des klimawirksamen Kohlendioxids in der Atmosphare konstant zu halten oder sogar zu mindern, richtet sich das Augenmerk auf Pflanzenbestande, die durch ihre Photosyntheseaktivitat CO2 assimilieren und in Biomasse festlegen. Als geeigneter Kandidat wird oft Bambus genannt, der nicht nur wegen seines schnellen Wachstums eine rasche C02-Aufnahme aus der Atmosphare verspricht, sondern auch aufgrund einer breiten Palette von Produkten an eine langfristige Fixierung von Kohlendioxid denken lasst. Die bisher vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass Bambus kein die Baume uberragender C02- Speicher ist. Anbau und Kultivierung von Bambus haben jedoch wirtschaftlich und okologisch grose Bedeutung.
In 8000 Jahre altem Eichenholz, das vor der Ostseekuste geborgen wurde, fanden sich Frasgange von Larven des Eichenbockkafers. Wenn der Eichenbock damals dieselben Anforderungen an seinen Lebensraum gestellt hat wie heute, lasst der Fund Ruckschlusse auf die Umweltbedingungen zu Lebzeiten des Baumes zu. - Das dendrochronologisch untersuchte Holz stammt aus einer uber 260-jahrigen Eiche vom Schwarzen Grund, einer submarinen Fundstelle bei Dahmeshoved vor der schleswig-holsteinischen Ostseekuste. Das Holz wurde aus 9 m Wassertiefe geborgen, wo es ca. 8000 Jahre lang gelegen hat. Diese Jahresangabe ergibt sich durch einen optischen und statistischen Vergleich der Jahrringe mit einer C-14-datierten Holzprobe einer anderen submarinen Fundstelle (Neubukow-Salzhaff), die von einem zeitgleich gewachsenen Baum stammt. In einem Holzstuck des Baumes vom Schwarzen Grund lies sich ein Frasgang mit einem Durchmesser von etwa 1,5 cm nachweisen. Als Urheber kommt aus differentialdiagnostischer Sicht nur die Larve des Eichenbocks in Frage.