
Zusammenfassung Arzneimittel auf Cannabis-Basis werden in der Palliativversorgung zur Behandlung multipler Symptome zunehmend als Add-on-Therapie verschrieben. In der Palliative Care sind Schmerzen, Übelkeit, Appetitmangel, Schlafstörungen, Fatigue und depressive Verstimmung eine Thematik. Eine begleitende Therapie mit Medizinalcannabis ist hierbei empfehlenswert. Durch die vielfältigen Wirkungen von medizinischem Cannabis lassen sich in dieser Lebensphase oft weitere Medikamente einsparen. Damit erfüllt der Einsatz von medizinischem Cannabis die zentralen Qualitätsansprüche der palliativmedizinischen Versorgung.
Zusammenfassung Pogostemon cablin (Blanco) Benth. ist eine südostasiatische traditionelle Heilpflanze, die insbesondere wegen ihres charakteristisch riechenden ätherischen Öls vielfältige Verwendung bei neurologischen Erkrankungen, als Appetitanreger, Antiemetikum und als Repellent gegen Insekten fand sowie bis heute Bestandteil international bekannter Parfüms ist. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Patschuli zusätzlich ein Bestandteil von Präparaten, die aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften eingesetzt werden. Klinische Anwendung findet das ätherische Patschuliöl in der Aromatherapie stressbedingter Erkrankungen.
ZUSAMMENFASSUNG Pflanzliche Arzneimittel (HMPs) werden häufig als Ergänzung zur konventionellen Medizin genutzt, jedoch noch unzureichend in die gynäkologische Standardtherapie integriert. Analyse von patientenberichteten Erfahrungen, um Anwendungsmuster, Wirksamkeit und Verträglichkeit von HMPs bei gynäkologischen Beschwerden besser zu verstehen. Auswertung realer Versorgungsdaten aus der pharmako-epidemiologischen Datenbank PhytoVIS (n=1658) mittels deskriptiver und bivariater nicht parametrischer Statistik. HMPs wurden insgesamt als sehr gut wirksam und verträglich bewertet. Bei Menstruationsbeschwerden wurde v. a. Vitex agnus-castus L., bei klimakterischen Beschwerden Actaea racemosa L. und bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen v. a. Arctostaphylos uva-ursi (L.) Spreng. eingesetzt. Tees wurden bevorzugt bei Harnwegsinfekten sowie bei sehr jungen oder älteren Patientinnen, während andere Darreichungsformen eher bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden genutzt wurden. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf patientenrelevante Präferenzen und unterstützen die bessere Integration pflanzlicher Arzneimittel in gynäkologische Behandlungsstrategien zur bedarfsgerechten Versorgung.
Zusammenfassung Muskulo-skelettale Schmerzen, definiert als Schmerzen, die verschiedene Strukturen des Bewegungsapparats wie Knochen, Muskeln, Gelenke, Bänder, Faszien oder Sehnen betreffen, gelten als erhebliches medizinisches und sozioökonomisches Problem. Die Pathophysiologie muskulo-skelettaler Schmerzen beinhaltet u. a. entzündliche Prozesse. Die konventionelle Therapie birgt das Risiko zahlreicher Nebenwirkungen. Pflanzliche Substanzen/Produkte haben ein deutlich günstigeres Sicherheitsprofil. Eine Überprüfung der Monografien des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ergab, dass 4 ätherische Öle zur streng äußerlichen Behandlung von Schmerzen und/oder Entzündungen des Bewegungsapparats empfohlen werden. Verschiedene in ätherischen Ölen enthaltene Wirkstoffe (u. a. Menthol, α-Pinen) können für die schmerzstillende und/oder entzündungshemmende Wirkung verantwortlich sein. Bestandteile ätherischer Öle modulieren nachweislich spezifisch die Funktion von TRP-Rezeptoren und können indirekt auch die Sekretion proinflammatorischer Zytokine reduzieren.
Zusammenfassung Der Heilpflanzengarten des Botanischen Gartens der Universität Zürich stellt einen bedeutenden Lern-, Forschungs- und Vermittlungsraum für die moderne Phytotherapie dar. Der vorliegende Beitrag analysiert Struktur, didaktische Konzeption und phytotherapeutische Relevanz des Gartens anhand eines Besuchs im Oktober 2025. Die Beobachtungen basieren auf einer fotografischen Dokumentation und werden im Kontext aktueller phytotherapeutischer, ethnobotanischer und ökologischer Erkenntnisse eingeordnet. Der Garten zeigt sich als Modellraum für evidenzbasierte Pflanzenheilkunde, interdisziplinäre Wissensvermittlung und biodiversitätsorientierte Gesundheitsbildung. Die Analyse verdeutlicht, wie botanische Vielfalt, didaktische Struktur und kulturhistorische Einbettung zur Stärkung phytotherapeutischer Kompetenz beitragen.
Zusammenfassung Die Blätter, Blüten und Wurzeln von Pulicaria dysenterica (L.) Bernh., des Ruhrflohkrauts, (Asteraceae) wurden in Europa bis zum Ende des 18. Jahrhunderts u. a. zur Behandlung von Dysenterien und auch danach als Repellens gegen Flöhe angewendet. Heute ist die medizinische Anwendung dieser Pflanze in Europa weitgehend in Vergessenheit geraten, jedoch wird P. dysenterica nach wie vor in der Volksmedizin einiger Länder Mittelasiens angewendet, u. a. zur Behandlung von Dysenterien und Wunden. Phytochemische Studien haben zur Isolierung und Strukturaufklärung von Terpenen, Flavonoiden, einigen weiteren phenolischen Stoffen, Polyinen und Polyenen geführt. Abgesehen davon wurde das ätherische Öl der oberirdischen Teile untersucht. Derzeit gibt es nur wenige moderne In-vitro-Studien zu den Extrakten und zu dem ätherischen Öl, die eine erste Erklärung für die traditionellen Anwendungsgebiete geben. Weitere Untersuchungen und Studien sind erforderlich, um die therapeutische Wirksamkeit und etwaige toxische Wirkungen dieser Pflanze bzw. deren Pflanzenteile bewerten zu können.
Arnikablüten (Arnicae flos Ph. Eur., von Arnica montana L., Asteraceae) und ihre Zubereitungen werden in der Phytotherapie als traditionelle Arzneimittel zur Linderung der Beschwerden bei stumpfen Traumata und entzündlichen Prozessen des Bewegungsapparates verwendet. In neuesten Arbeiten haben wir jetzt eine sehr gute Wirksamkeit der Arnikatinktur (Ph. Eur.) gegen die in tropischen Regionen weit verbreitete kutane Leishmaniose, eine durch protozoale Erreger der Gattung Leishmania hervorgerufene und durch Insekten übertragene Parasitose, entdeckt. Diese wurde in umfangreichen In-vitro- und In-vivo-Experimenten eingehend dokumentiert und charakterisiert, sodass jetzt auch eine erste klinische Studie mit humanen Patienten durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Diese gibt Anlass zu der Hoffnung, dass Arnikatinktur bald als neue effektive, sichere und erschwingliche Therapie etabliert werden kann.
Methodische Mängel und statistische Inkonsistenzen in klinischen Studien werden im regulären Peer-Review-Verfahren häufig übersehen. Diese Arbeit untersucht, inwieweit moderne Large Language Models (LLM) als Werkzeug zur Identifikation solcher Fehler dienen können. Drei aktuelle Modelle (ChatGPT 5.2, Claude 4.5 und Gemini 3) wurden auf einen bereits publizierten klinischen Studienbericht (Kaewborisutsakul et al., 2025) angesetzt. Die Untersuchung erfolgte in einer initialen Testreihe (R1) mittels eines 4-stufigen, eskalierenden Abfrageprotokolls (Probing) von einer unspezifischen (D1) bis hin zur vertieften Mängelsuche (D4). Ergänzend wurden in einem Add-on (R2–4) Abfragen mit zunehmend spezifischen Abfrageprotokollen durchgeführt. Die Analyse erfolgte verblindet gegenüber einer vorab erstellten Expertenkritik. Im Erstkontakt bestätigten die Systeme noch die von den Autoren behauptete Solidität weitgehend. Erst nach Nachhaken (Probing) identifizierten sie u. a. mathematisch unmögliche Streuungsangaben, physiologisch unplausible Laborwerte, rechnerisch unpassende p-Werte, Widersprüche zwischen Abstract, Text und Tabellen, Inkonsistenzen der Rescue-Medikation sowie weitere z.T. kritische Mängel. Nach mehrfachem Nachfragen wird die Aussagekraft der Studie zunehmend infrage gestellt. Während Claude und Gemini bei gezieltem Nachfragen im Add-on deutlich an analytischer Tiefe gewannen, erreichte ChatGPT seine Sättigungsgrenze bereits mit weniger spezifischen Prompts. Halluzinationen (falsch-positive Fehlerfunde) traten nicht auf. LLM können klinische Studien effizient auf handwerkliche Fehler durchleuchten. Voraussetzung für valide Ergebnisse ist jedoch ein mehrstufiges Abfrageverfahren. Der parallele Einsatz verschiedener Modelle ist sinnvoll, da diese sich gegenseitig ergänzen und individuelle blinde Flecken minimieren.
Ingwer (Zingiber officinale Roscoe) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gewählt. Ingwerrhizom ist seit Jahrtausenden Bestandteil traditioneller Medizinsysteme vieler unterschiedlicher Kulturen und heute sowohl arzneilich als auch als Lebensmittel etabliert. Arzneilich genutzt wird der getrocknete Wurzelstock (Rhizom), der in nationalen und internationalen Arzneibüchern sowie in Monografien des HMPC und der WHO beschrieben ist. Botanisch handelt es sich um einen ausdauernden Rhizom-Geophyten aus der Familie der Zingiberaceae. Ursprünglich stammt Ingwer aus dem Raum des östlichen Himalayas und Südchinas, wird heute aber weltweit in tropischen Regionen kultiviert. Hauptanbauländer sind Indien, Nigeria und China. Medizingeschichtlich galt Ingwer bereits in der Antike als wärmendes, verdauungsförderndes Mittel. Dieses Wissen wurde im Mittelalter in Klöstern und der arabischen Medizin weiterentwickelt und blieb bis in die Neuzeit erhalten. Die heute bekannteste Anwendung – gegen Reisekrankheit – ist vergleichsweise jung und erst seit dem 19. Jahrhundert belegt. Ingwer enthält eine Ätherisch-Öl-Fraktion (1–3%) mit Sesquiterpenen, überwiegend vom Bisabolantyp sowie nicht-flüchtige Scharfstoffe (bis zu 2,5%), v. a. die homologe Reihe der Gingerole und deren Abbauprodukte, die Shogaole. Diese Inhaltsstoffe sind maßgeblich für Geruch, Geschmack und pharmakologische Wirkungen verantwortlich. Moderne analytische Methoden wie Dünnschichtchromatografie, Gaschromatografie und HPLC dienen der Qualitätssicherung. Klinisch ist Ingwer v. a. zur Prävention und Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit gut belegt. Weitere traditionelle Anwendungsgebiete umfassen leichte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Erkältungssymptome und leichte Gelenkschmerzen. Die Wirkung beruht überwiegend auf einer peripheren Modulation der Magenmotilität und der Darm-Hirn-Achse, u. a. durch Effekte auf 5-HT3-Rezeptoren. Ingwer gilt insgesamt als gut verträglich und stellt eine sinnvolle pflanzliche Option bei gastrointestinalen Beschwerden dar.
Der Ingwerwurzelstock gilt als das am gründlichsten untersuchte pflanzliche Mittel gegen Übelkeit und Reisekrankheit. In Ratgebern für Reisende wie auch in der Werbung für Phytopharmaka begegnet einem häufig die Behauptung, Ingwer sei bereits seit der Antike gezielt gegen die Seekrankheit eingesetzt worden. Die historische Überlieferung ergibt indes ein etwas anderes Bild: Zwar ist die Kinetose in der griechisch-römischen Medizin als Phänomen klar beschrieben, doch erscheint Ingwer in den europäischen Quellen über lange Zeit vornehmlich als stomachisches, karminatives und allgemein „wärmendes“ Gewürz- und Arzneimittel. Die Indikation gegen Reisekrankheit lässt sich hingegen zunächst nur in Reiseberichten und Briefen von Laien fassen und verfestigt sich erst im 19. Jahrhundert.