
Kennzeichnend für die Alpen-Adria-Region ist deren ethnolinguistische Vielfalt. Wie der Forschungsstand zeigt, ist diese jedoch auch durch ethnische Selbsteinschätzungen, die vom objektiven Merkmal Sprache abweichen (= diffuse Ethnizität), in ihrem Bestand gefährdet. Ziel vorliegenden Beitrages ist es, das damit zusammenhängende Gefährdungspotenzial für den Erhalt der Ethnodiversität im Kernraum der genannten Region zu analysieren. Bei den Vor- Ort-Erhebungen wurde insbesondere auf die deutschen Sprachinseln in den friulanischen und slowenischen Alpen sowie auf die istrorumänische Sprachgruppe im Nordosten der Halbinsel Istrien eingegangen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass mit Ausnahme der deutsch- und mit Einschränkungen der slowenischsprachigen Kanaltaler Minderheit bei den Sprachgruppen Friauls diffuse Ethnizität überwiegt. Diese ist in den deutschen Sprachinseln, d.h. in Pladen/ Sappada, Tischelwang/Timau und Zahre/Sauris, ähnlich stark ausgeprägt wie im slowenischsprachigen Resiatal/Rezija in derselben Region. Zwar nimmt die Zahl der Sprecher überall ab, doch ist deren Existenz nicht bedroht. Demgegenüber ist die deutsche Sprachinsel Zarz/Sorica in den slowenischen Alpen faktisch erloschen, und es kann nur mehr von symbolischer Ethnizität gesprochen werden. Von allen Sprachgruppen im Untersuchungsgebiet ist die istrorumänische in der Čičarija und Čepićko Polje am meisten gefährdet. Dies trifft besonders auf die aktuell nur mehr etwa 40 „Čiči“ umfassenden Bewohner des Dorfes Žejân/Žejane zu, die ihrem Idiom beinahe gleichgültig gegenüberstehen. Bei den etwa 70 istrorumänisch sprechenden Bewohnern in der Čepićko Polje, die sich mehrheitlich als „Vlaši“ betrachten, ist das Sprachbewusstsein zum Rumänischen noch nicht so stark verloren gegangen. Im Gegensatz zur ehemaligen deutschen Sprachinsel Zarz könnte eine der kleinsten autochthonen Sprachgruppen in der EU bei verbesserten Rahmenbedingungen zumindest in der nächsten Generation erhalten bleiben.
Dieser Aufsatz zeichnet die Geschichte der deutschen Nordschleswiger von der Herausbildung einer eigenen Identität zu Beginn des 19. Jahrhunderts über die langanhaltenden Wirren des nationalen Konflikts bis hin zu den Herausforderungen einer zunehmend globalisierten und individualisierten Gesellschaft heute nach. In dieser Zeit waren sie Bürger in der dänischen Doppelmonarchie, in Preußen und im Deutschen Reich sowie in dem kleinen dänischen Nationalstaat, der sich nach 1864 entwickelt hatte. Ihr Selbstverständnis war immer wieder Prüfungen und Anpassungen unterworfen. Doch auch zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts sind die deutschen Nordschleswiger ein fester Bestandteil der dänischen Gesellschaft.
Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts war Spanien zunehmend erfolgreich im Prozess der Staatsbildung, während es aber nicht gelang, ein einheitliches Nationalbewusstsein in der Bevölkerung zu etablieren. Mit dem Beginn der Industrialisierung und ihren Auswirkungen begannen katalanische und baskische Intellektuelle, Diskurse zu entwickeln, um die Besonderheit der regionalen Eigenheiten zu fördern und sich der zunehmenden staatlichen Zentralisierung zu widersetzen. Ende des 19. Jahrhunderts führte Sabino Arana Goiri ein nationales Narrativ für die baskische Provinz Bizkaia ein, das sich stark auf die „Rassen- und Geschichtsgesetzgebung“ stützte. Nachdem er die Gesamtheit der baskischen Provinzen in seinen Diskurs einbezogen hatte, wurde die regionale Bewegung bald zu einem voll entwickelten Nationalismus mit der Hegemonie von Aranas nationaler Partei (PNV). Der folgende Artikel beleuchtet die diachrone Entwicklung des baskischen Nationaldiskurses von seiner Frühphase bis ins 21. Jahrhundert, indem er Schlüsseltexte des baskischen Nationalismus analysiert. Der Diskurs wird in Bezug auf den nationalen Diskurs des Zentralstaates analysiert, und es wird behauptet, dass die Entwicklung der peripheren Nationalismen in Spanien nur verständlich ist, wenn man sie als ein fortlaufendes wechselseitiges Phänomen versteht. Die diachrone Analyse des baskischen Nationaldiskurses zeigt, dass sich die Bewegung von einem radikalen, auf Rasse basierenden Nationalismus zu einem entwickelt hat, der die Sprache als zentrales Identitätsmerkmal betrachtet und dabei zwischen Radikalität und Pragmatismus schwankt. Darüber hinaus unterstreicht die Analyse die Tatsache, dass die Unterdrückung des nationalen Diskurses an der Peripherie, wie sie beispielsweise während des Franco-Regimes stattfand, das Auftreten neuer Protagonisten und eine zunehmende Radikalität förderte. Dies bedeutet, dass mögliche Lösungen für den Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie die Ansprüche beider Seiten ausbalancieren und gleichzeitig den wechselseitigen Charakter der Uneinigkeit akzeptieren müssen.
In the fifth monitoring cycle, the Advisory Committee on the Framework Convention for the Protection of National Minorities surprisingly for the first time addressed issues related to the so-called Beneš Deacrees, which severely affected the German and Hungarian minorities in Czechoslovakia in the period immediately after the Second World War. In light of the Advisory Committee’s 2022 Opinion, which invited the Slovak authorities to enter into a dialogue with representatives of the affected national minorities on the possible negative effects of the postwar regulations, this article addresses the substance of the dispute between Slovakia and its Hungarian minority and presents relevant legal aspects in light of current Slovak administrative and judicial practice. The authors make suggestions on how the recommended dialogue could be used to solve the problem
The prevalent conception of the Israel-Palestinian “peace process” has long outlived any expectation for its success, and has provided cover for Israel’s de facto capacity to dictate terms. That framework fetishizes the two-state solution, mistaking the means (partition) for the end (mutual self-determination), while conceptually fragmenting the Palestinian political community so as to deprive it of its equal standing. Practical, moral, and legal considerations require nothing less than a re-imagining of the project of Jewish self-determination in Israel/ Palestine to accommodate the realization of Palestinian national rights on terms of equality. At the same time, it is errant and counterproductive for critics to treat the essence of that project – distinguishable both from the false universalism that marked the Labor Zionist era and from the unadorned ethno-nationalism that marks the contemporary practice of the Israeli state – as reducible to a colonialism fit to be vanquished. A consociational approach to the conflicting national aspirations promises a more productive engagement with the practical requisites of a mutual self-determination consistent with international legal standards.