
Auch in den letzten beiden Jahren erschienen zahlreiche Studien zu Adolf Hitler. Im vorliegenden Essay wird diese jüngere Forschung beleuchtet und werden innovative Ansätze dieses etablierten Themas aufgezeigt. So enthüllt Lutz Hachmeisters systematische Untersuchung von Hitlers Interviews mit ausländischen Journalisten dessen Medienstrategie. Zwei neue Darstellungen des Hitler-Putsches von 1923 bieten unterschiedliche Interpretationen: Während Wolfgang Niess Hitler als „Randfigur“ eines breiteren konservativen Komplotts sieht, untersucht Sven Felix Kellerhoff erstmals systematisch Mussolinis ‚Marsch auf Rom‘ als direktes Vorbild für Hitlers Putschversuch. Felix Bohrs bahnbrechende Analyse des Führerhauptquartiers „Wolfsschanze“ bietet umfassende Einblicke in Alltag und Machtstrukturen innerhalb von Hitlers engster Entourage während der kriegsentscheidenden Jahre. Zeitgeschichtlich wertvoll sind die literarischen Texte des Historikers Felix Hartlaub, der als Augenzeuge die „schwüle Atmosphäre“ des Bunkers dokumentierte. Die besprochenen Werke zeigen, dass die Hitler-Forschung trotz der Fülle existierender Literatur weiterhin neue Erkenntnisse liefert, auch dank innovativer methodischer Ansätze und der Erschließung bisher vernachlässigter Quellenbestände. In Summe vertiefen diese Studien unser Verständnis von Hitlers Herrschaftspraxis, Medienstrategie und der Funktionsweise seines inneren Zirkels erheblich.
Die Verbindung von xenophobem Nationalismus mit einer radikalen Freiheitsrhetorik ist eine der vermeintlich widersprüchlichsten Charakteristiken des erstarkten Rechtspopulismus der vergangenen Jahrzehnte. Forschende haben das Aufkommen dieser Neuen Rechten vermehrt als Ende der neoliberalen Ära des Freihandels und globalen Austausches oder als Rückkehr des Faschismus gedeutet und dabei auf Brüche in der liberalen Nachkriegsordnung verwiesen. Gleichzeitig inszenieren sich rechtspopulistische Akteur_innen als Avantgarde einer Revolution gegen den Status quo. Aber verkörpert der heutige Rechtspopulismus tatsächlich einen radikalen Bruch mit den geistes- und ideengeschichtlichen Strukturen der neoliberalen Ordnung? Quinn Slobodians „Hayek’s Bastards“ mahnt an, Kontinuitäten genauer zu betrachten und zeigt anhand einer genealogischen Studie weitestgehend vernachlässigter Denker_innen, wie die heutige libertäre Rechte aus den Reihen der neoliberalen Mont Pelerin Society (MPS) entstanden ist. Slobodians Buch erzählt, wie sich die neoliberale Bewegung durch ein gewandeltes Feindbild und die Hinwendung zu einer rigiden Auffassung menschlicher Natur und Differenz in den 1990er Jahren von Hayek’schen Prinzipien entfernte und einem libertären Rechtspopulismus zuwandte. Dabei bietet „Hayek’s Bastards“ nicht nur eine Antwort auf die Frage, wie der gewichtigste Angriff auf die liberale Ordnung unter dem paradoxen Banner der Freiheit entstehen konnte; das Buch weist auch den Weg für eine neue Geistesgeschichte des rechten Libertarismus, die außerakademische Akteur_innen einbindet, popkulturelle Formate als Quellen erschließt und den mutmaßlichen Widerspruch eines neoliberalen Populismus auflöst.
In dem vorliegenden Besprechungsessay der sechsbändigen Anthologie „A Global History of Crime and Punishment“ des Verlags Bloomsbury Academic wird hervorgehoben, dass die Bände trotz ihrer einheitlichen Struktur und des globalen Anspruchs inhaltlich und methodisch äußerst uneinheitlich aufgebaut sind. Viele Beiträge bieten zwar spezialisierte Einblicke, vernachlässigen jedoch den globalen oder transnationalen Vergleich. Kritische Erwähnung finden auch die unzureichende Integration nicht-englischsprachiger Forschung und die mangelnde Definition von Terminologie und Kategorien, die Vergleichbarkeit erst ermöglicht hätten. Trotz dieser Schwächen bieten viele Beiträge wertvolle Erkenntnisse und originäre Forschung, insbesondere zu außereuropäischen Strafsystemen. Handbuchartige Überblicke sollte man jedoch nicht erwarten.