
Anhand einer Kurzgeschichte, «Die Schrift Gottes» des argentinischen Schriftstellers Borges, wird dargestellt, wie durch unablässige und intensive Konzentration auf die Lebensumstände, in denen man gefangen ist, sich unerwartet und unvermutet Möglichkeiten auftun, sinnvolle Muster, die «Schrift Gottes», darin zu erkennen. Das sind Momente höchster spiritueller Erfahrung, die die tiefe Überzeugung vermitteln, eine kleine Faser in einem komplexen universellen Gewebe zu sein. Es wird aufgezeigt, dass Freud mit der Psychoanalyse ungewollt einen Weg für diese moderne Form von Spiritualität eröffnet hat, die Jung in vielen seiner Schriften dann weiterentwickelt hat: eine Spiritualität, die – inhaltlos und offen gegenüber dem Unbekannten, dem Unbewussten – im psychoanalytischen Setting sehr oft erfahrbar wird. Anhand von Träumen und Synchronizitätserlebnissen von Patienten wird diese Spiritualität ausführlich beschrieben.
Jungs Auffassung vom Ich als ein Komplex von Vorstellungen, der das Zentrum des Bewusstseinsfeldes aufmacht, wird in Beziehung zu kognitionspsychologischen und neuropsychologischen Befunden und Überlegungen zum Phänomen der Synästhesie untersucht.
Der Konflikt zwischen Tiefenpsychologie und Theologie kann gelöst werden, wenn man die Bewusstseinsevolution betrachtet. Dann erweist er sich als Folge der Bewusstseinsmutation: jener erkenntnistheoretischen Revolution, bei der im Verlauf der Neuzeit die archaische Weltsicht, aus der die Theologie hervorging, überwunden und durch eine fundamental neue abgelöst worden ist.
Leider besteht für diesen Artikel keine Zusammenfassung. Als Einstieg stellen wir den Textanfang zur Verfügung. So wichtig es mir scheint, nach langer Zeit wieder eine Arbeit zur Typologie der Analytischen Psychologie [Hansen, 2002] zu finden, so gross ist mein Unbehagen mit dieser Form des Umganges, zu der sich der Autor scheinbar durch J. Hillman und P. Schellenbaum veranlasst fühlte, obwohl Schellenbaum sich vermutlich bewusst und absichtlich nicht «ausdrücklich auf Jungsche typologische Terminologie» bezieht, wie Hansen auf Seite 290 im 6. Absatz schreibt, aber «die gleichen Begriffe verwendet», obwohl es sich dann doch wohl nur um den gleichen Wortgebrauch handelt, wenn Jungs Inhaltsbestimmung nicht gelten soll und keine neue Inhaltsdefinition gegeben wäre.
Der Konflikt zwischen Tiefenpsychologie und Theologie kann gelöst werden, wenn man die Bewusstseinsevolution betrachtet. Dann erweist er sich als Folge der Bewusstseinsmutation: jener erkenntnistheoretischen Revolution, bei der im Verlauf der Neuzeit die archaische Weltsicht, aus der die Theologie hervorging, überwunden und durch eine fundamental neue abgelöst worden ist.
In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob das von C.G. Jung formulierte Animus-Konzept nur auf Frauen anzuwenden sei oder auch für Männer Gültigkeit besitze. Zur Beantwortung dieses Forschungsproblems wurde ein halbstandardisiertes Interview entwickelt, das mit 28 Sachverständigen der Analytischen Psychologie durchgeführt wurde. Durch die Befragung ergab sich, dass die Geschlechtsspezifität des Animus-Konzepts von einer überraschend grossen Anzahl der Experten und Expertinnen (24 von 28) abgelehnt wird. Geschlechtsspezifische Unterschiede traten hingegen auf, wenn es um die Frage ging, wie der Animus in Erscheinung tritt. Ferner liessen sich aus dem erhobenen Datenmaterial durch Ähnlichkeitswerte Antwortkategorien bilden, die als Ausgangspunkt für die Berechnung einer NMDS dienten. Mit Hilfe dieses Verfahrens konnten dann die individuellen Abweichungen aller Befragten zu den gemeinsamen Auffassungen hinsichtlich des Animus-Konzepts einerseits und zu Jungs ursprünglichem Standpunkt andererseits ermittelt werden. Die detaillierte Datenerhebung und die neuartige Auswertung ermöglichten somit eine empirische Überprüfung des kontrovers diskutierten Animus-Konzeptes.
Entgegen der Behauptung Toblers, Jung habe der systemtheoretische Ansatz bei der Formulierung seiner Theorie gefehlt, kann belegt werden, dass Jung systemorientiert dachte, seine Erkenntnisse jedoch nicht in eine Systemtheorie, sondern in einen geisteswissenschaftlichen Kontext einzubringen suchte. Kritisiert wird Toblers Versuch, allein mit Hilfe der Systemtheorie erkenntnisleitend vorzugehen, da dies nicht nur zu einer inadäquaten Annäherung an die Analytische Psychologie führt, sondern auch die Lebenswirklichkeit des historisch-empirischen Menschen im 21. Jahrhundert, die durch die Aufgabe der Bewältigung einer Vielzahl von Dissoziationen gekennzeichnet ist, übergeht. Beispielhaft wird dies am systemischen Begriff der Autopoiese gezeigt, die eine Auffassung der Wirklichkeit unter dem Aspekt der Einheitlichkeit und Harmonie suggeriert, während erkenntnisleitend und lebenspraktisch von einem Konzept der Diskontinuität auszugehen ist.
Betrachtet wird die Entwicklung der Imaginationsfähigkeit und der Symbolisierungsfähigkeit in Beziehung zur Entwicklung des «inneren Raumes». Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass es auch Imaginationen, Phantasien und Träume gibt, die nicht zu Symbolen werden können, sowie die Frage, was ein Symbol zu einem Symbol werden lässt. Die Bedeutung des «symbolischen Raumes» als «potentieller Raum», als Schutzraum oder «Ort des seelischen Rückzugs» wird in Zusammenhang mit der Entwicklung der symbolischen Einstellung betrachtet. Unter symbolischer Einstellung wird die Fähigkeit verstanden, sich mit sich selbst in Verbindung zu setzen und in einen Dialog mit den eigenen Bildern, Träumen und Imaginationen eintreten zu können. Diese Fähigkeit zu einem Dialog mit sich selbst ist ein kreativer Prozess, der Niederschlag internalisierter Beziehungserfahrungen ist. Die Funktionen des inneren Raumes für die Entwicklung der Symbolisierungsfähigkeit werden dargestellt. Anhand von zwei Bildern, dem «Geisslein im Uhrenkasten» und der «Frau im Kleiderschrank» und zwei Fallvignetten werden die Gedanken über Symbole und Symbolbildungsprozesse erläutert.
Die Autorin widmet sich dem Problem der Symbolisierungsfähigkeit. Dem Kontinuum von der symbolischen Gleichsetzung im Sinne von H. Segal über die Übergangsobjekte von Winnicott bis zur echten Symbolisierungsfähigkeit fügt sie noch eine «vierte Position» hinzu, die vor oder jenseits der symbolischen Gleichsetzung liegen kann. Am Beispiel des planlosen, inhaltslosen und bedeutungslosen Spielens mancher schwer gestörter Kinder legt sie dar, dass das Problem die unerträgliche Ferne des Objekts ist, nicht seine übermässige Nähe. Sie vertritt die Meinung, dass gute Erfahrungen nicht nur einen positiven Effekt auf die emotionale Entwicklung von Kindern haben, sondern auch auf die geistige Entwicklung. Die Autorin illustriert ihre theoretischen Überlegungen mit einigen klinischen Beispielen.
Der Konflikt zwischen Tiefenpsychologie und Theologie kann gelöst werden, wenn man die Bewusstseinsevolution betrachtet. Dann erweist er sich als Folge der Bewusstseinsmutation: jener erkenntnistheoretischen Revolution, bei der im Verlauf der Neuzeit die archaische Weltsicht, aus der die Theologie hervorging, überwunden und durch eine fundamental neue abgelöst worden ist.
Leider besteht für diesen Artikel keine Zusammenfassung. Als Einstieg stellen wir den Textanfang zur Verfügung. Als eine in Südafrika geborene und arbeitende Psychiaterin und Analytikerin möchte ich auf einige Aussagen in Alfred Plauts Artikel «Kulturelle Einflüsse auf die analytische Psychotherapie»[Anal Psychol 2002;33:221–230] reagieren. Ich schätze es sehr, dass dieses wichtige Thema auch in Europa ange-sprochen wird. Es ist etwas, womit wir uns in Afrika ständig auseinandersetzen müssen. Ich habe Vera Bührmann und ihre Arbeit in über 20 Jahren gut kennen gelernt. Sie ist mit schwarzafrikanischen Menschen (das Wort «Banlu» wird im neuen Südafrika nicht benutzt, da es von der Apartheidregierung missbraucht wurde) aufgewachsen, sie sprach Zulu und Xhosa, und ihre qualitative Forschung war von einem tiefen Respekt ihren Mitmenschen gegenüber gekennzeichnet. Wenn das heissen soll, dass sie «native» geworden war, so mag das vielleicht stimmen. Was ich jedoch weiss, ist, dass sie niemals ihre eigene Kultur, ihre Identität, und niemals ihr klinisches Urteilsvermögen verloren hatte.
Jungs Theorie von der Dynamik des kollektiven Unbewussten besagt, dass sich im kollektiven Unbewussten einer Gesellschaft jeweils das belebt und konstelliert, was dem kollektiven Bewusstsein zu der Zeit am meisten fehlt: Das gehäufte Auftreten von Dinosauriern in den Fantasien, Träumen und anderweitigen Produktionen des kollektiven Unbewussten in den vergangenen Jahren, die anhaltende Faszination durch Engel und neuerdings durch das «göttliche Kind», das auch in der Harry-Potter-Gestalt erkennbar ist, lässt auf bestimmte Konstellationen von Archetypen schliessen, die sich kompensatorisch zum gegenwärtigen kollektiven Bewusstsein entfalten. Der Beitrag plädiert für ein Wahrnehmen solcher Konstellationen und ihrer heilsamen kompensatorischen Wirkung, auch angesichts sogenannter Modetrends.
Diese Arbeit legt eine postjungianische Sicht der Kinderanalyse dar. Methode und Bedeutung der Säuglingsbeobachtung werden untersucht, um deren Relevanz für die Hypothesenbildung bezüglich der Säuglingsentwicklung und für die Praxis der Kinderanalyse zu verstehen. Säuglingsbeobachtung und klinisches Material aus der Analyse eines psychotischen Kindes werden herangezogen, um die theoretischen Konzepte zu veranschaulichen.
In der ersten Phase der Therapie ist es geglückt, der Patientin einen Raum zur Verfügung zu stellen, in der gerade in der Distanz der Phantasie eine therapeutische Kommunikation ermöglicht wurde. Diese Phantasie diente dazu, die negative Übertragung der Vater-Figur in der therapeutischen Situation mit mir abzuwehren. Durch die Anteilnahme am «symbolischen Raum» der Patientin wurde eine Annäherung an ihre innere Erlebniswelt möglich. Gleichzeitig konnte ich mir genügend Raum verschaffen – gerade vermittelt über das Verstehen der Figuren als dargestellte Teile ihres Selbst – um ihre Lage benennen und uns dem langsamen Verstehen annähern zu können. Dieser Verstehensprozess ermöglichte das allmähliche «Wissbar-Werden» ihrer inneren Verlassenheitsgefühle, gerade durch die in meiner Gegenübertragung immer wieder deutlich spürbaren und benennbaren Affekte. Diese «haltende Funktion» im Sinne des Containments hat zu einer Transformation emotionaler Inhalte beigetragen, wodurch sich die Patientin in unseren Stunden soweit von ihren frühen negativen Beziehungserfahrungen distanzieren konnte, dass sie mich in einem ersten Versuch als «den hilfreichen Dritten» in der Krisensituation nutzen konnte. Im Verlauf der Stunden und durch die sich abbildenden Prozesse der «Bewusstwerdung» in der Erzählung gelingt es A., die gegensätzlichen Strebungen aus ihrem Unbewussten in eine bewusstseinsnähere Form zu bringen. Ihr Ego-Komplex konnte dadurch an Kraft gewinnen und erlaubte es, sich dem «Undenkbaren» immer weiter anzunähern und schliesslich auszusprechen, wodurch es den Urteilsfunktionen der Patientin verfügbar gemacht werden konnte. Doch noch ist in der Erzählung der Patientin nicht entschieden, ob die Heldin nun von dieser Welt ist oder in das Reich der Götter gehört. Die Wirksamkeit des Unbewussten mit den noch inferioren Urteilsfunktionen wird gerade auf den ersten 62 Seiten, die sie vor der Therapie geschrieben hatte, in erstaunlicher Form sichtbar. Die Heldin muss einen «weiblichen Heldenkampf» um Bewusstheit führen, der im Fortsetzungsteil, der während unserer Therapie entstand, immer sichtbarer wurde. Doch so, wie der Mut der Heldin in der weiteren Entwicklung der Erzählung während unserer Therapiestunden zunimmt, sich ihrer Herkunft zu stellen, beginnt die Patientin auch ihre persönliche Konfliktsituation zu verstehen. Die dabei nun direkter erlebbaren Affekte von Trauer und Wut können nun ähnlich zur Matrix einer «Mutter-Kind-Interaktion» im therapeutischen Raum gehalten werden. Ich meine, dass gerade durch meine Akzeptanz der Abwehrmassnahmen der Patientin, die in dem Angebot der Erzählung verborgen waren, und die Nutzung dieser Erzählung als besondere Form eines Symbolisierungsprozesses, die Möglichkeiten der Patientin gewachsen sind, sich dem Risiko einer vertrauensvollen Beziehung zu stellen, was eben auch eine Modifikation der Komplexe durch neue Beziehungserfahrungen bedeutet. Zum Abschluss meiner Darstellung dieses ersten Therapieschrittes möchte ich noch einmal die junge Heldin der Erzählung (die inzwischen auf 104 Seiten gewachsen ist) zitieren, die folgendes mit ihrer Freundin bespricht und damit die Erweiterung des «Blickwinkels» der Patientin andeutet: «(...) – , wollte ihre Freundin wissen. , bestätigte sie (die Heldin). Plötzlich schaute sie ihre Freundin aufgeregt an. (...)»
Der Konflikt zwischen Tiefenpsychologie und Theologie kann gelöst werden, wenn man die Bewusstseinsevolution betrachtet. Dann erweist er sich als Folge der Bewusstseinsmutation: jener erkenntnistheoretischen Revolution, bei der im Verlauf der Neuzeit die archaische Weltsicht, aus der die Theologie hervorging, überwunden und durch eine fundamental neue abgelöst worden ist.
Von Patientinnen und Therapeutinnen wurden Beurteilungen von jungianisch orientierten Psychotherapiestunden und ausserdem Symbole für einen Aspekt des Schattens erhoben. Zwischen der Zufriedenheit mit der Therapie und Merkmalen einer offenen therapeutischen Beziehung bestehen enge Zusammenhänge. In zwei weiteren Untersuchungen wurden die Schattensymbole der Patientinnen und Therapeutinnen mit Methoden und Begriffen anderer als jungianischer Theorien untersucht: Aussenstehende hatten die Symbole nach Ähnlichkeit und interpersonalem Stil im Sinne der Sullivanschule einzuschätzen. Die resultierenden Ähnlichkeitsgruppierungen zeigen den interpersonalen Stil als Urteilsdimensionen und entsprechen Unterschieden im Erleben der Beteiligten. Die Gruppierungen der Therapeutinnensymbole stimmen z.T. mit dem Modell der therapeutischen Beziehung von Müller überein. Vermeidung von Dominanz seitens Therapeutinnen scheint mit Vermeidung von Schwäche seitens Patientinnen einherzugehen.
Wir kommen kulturgeschichtlich zunehmend in eine Zeit hinein, in der dem Phänomen der Grenze gesellschaftlich wie subjektpsychologisch erhöhte Bedeutung zukommt. In der Archetypologie der Grenze waltet eine Gegensatzdynamik, aus der es kein Entrinnen gibt. Das zeigt sich insbesondere da, wo wir Grenzwirklichkeiten gesellschaftlich, ökonomisch oder humanistisch motiviert reduzieren, aufheben wollen. Insofern verweist die Phänomenologie wie die psychologische Dynamik von Grenze direkt ins Kernland jungianischen Seelen- und Seinsverständnisses: Wirklichkeit ist gegensatzpolar strukturiert. Auch in der psychotherapeutischen Arbeit sind wir heute herausgefordert, Antworten auf menschliches Leiden zu finden, das durch die Grenzphänomenologie des Dissoziablen, Multiplen und Kontradiktorischen geprägt ist.