
Unwanted - and especially wanted - encounters with pornography are now widespread among adolescents in Germany. Nevertheless, the topic is rarely addressed at home or in school education. In this context, professional sex education can and should provide a safe space and guidance, where young people can talk about their experiences with pornography and be educated about sexual media content - content that they often find both fascinating and unsettling - including how it is produced, its degree of realism, possible effects, and legal aspects. The goal is to strengthen adolescents' pornography literacy - that is, to empower them to engage with the omnipresent digital pornography in a reflective and self-determined way, which may also include actively avoiding it. This article first provides research-based foundational knowledge about pornography, then outlines ten field-tested recommendations for educational practice with specific methods, and concludes with a collection of educational resources. It aims to motivate and inspire professionals to address the topic of pornography in an age-appropriate and target group-sensitive manner in their work.
Introduction The legal, medical and social possibility of changing one's sex or adapting it to one's subjective sense of identity is seen by many contemporary commentators as a sign of our times. Trans serves as a model for changes that also affect the cisgender world. A similar role model function has already been described sociologically by Reimut Reiche for (male) homosexuality. Objectives The work examines how homosexual and transgender subcultures serve(d) as models and role models for profound transformations in general sexual and gender culture. Methods First, Reimut Reiche's thesis of a "homosexualization of sexuality" taking place in the post-1968s is reconstructed. This is supplemented by the thesis of a "transsexualization of sex" that began at the turn of the millennium, in which transgender act as an avant-garde. Both diagnoses are discussed with regards to possible counter-movements (homo-/transphobia) and related to Volkmar Sigusch's diagnosis of a neosexual revolution. Results Following Reiche, the homosexualization of sexuality can be identified by the following markers: Shift to mobility, sequential monogamy, childlessness, onanism/paracoital acts and egalitarian fetishization. The "transsexualization of sex" becomes apparent in an increasing prosthetization/modeling of the sexual body, a shift in gender semantics to transgression and play, a decoupling of gender and sexual practices, the spread of identity-sensitive forms of interaction and the shift in sexual experience from compulsion to conscious malleability. Conclusion Transgender people are currently the focus of attention because they exemplify a new approach to gender/sex under changing economic and technological conditions.
Introduction In the wake of current debates on sexual consent, attempts are being made to elevate consent to a defining criterion of pornography. Such attempts aim to purify and normatively upgrade the term pornography by excluding sexual representations that are not produced and/or distributed consensually from the definition. Research objectives This article examines the plausibility, contradictions, and consequences of (re)definitions of pornography based on consent, focusing on their empirical operationalizability and, thus, scientific suitability. Methods In addition to discussing the specific mediality of pornography and definitional distinctions from other forms of mediatized sexuality, the article draws on relevant experience from empirical pornography research and on current image and video analysis methods in empirical social research, as well as on scientific-theoretical foundations of social sciences. In addition, a series of examples is employed to illustrate the implications and paradoxes of consent-based definitions of pornography. Results Definitions of pornography based on consent prove to be empirically unworkable, as there are no elaborate scientific methods that allow us to determine with sufficient certainty whether visual representations were created and/or distributed consensually. Conclusions Definitions of pornography that do not rely solely on criteria, aspects, assumptions, and/or meanings inherent in depictions (such as consent), but also on criteria, aspects, assumptions, and/or meanings external to depictions, must be ruled out as scientific definitions.
Künstliche Intelligenz (KI) ist in der heutigen Zeit ein aufstrebendes Technologiefeld und birgt ein immenses Transformationspotenzial. Die LOVIS gGmbH, ein Non-Profit Tech-Start-up, hat das KI-unterstützte Projekt FragLovis ins Leben gerufen. FragLovis ist eine deutschsprachige Website mit einem KI-unterstützten Chatbot namens „Lovis“ sowie einer Wissensplattform (https://fraglovis.de/). Das Angebot ermöglicht es Jugendlichen, anonym und diskret Fragen zu stellen und sofortige, von Sexualpädagog*innen entwickelte Antworten zu erhalten. Dies fördert eine offene und sichere Kommunikation über Sexualität, ohne Scham und Unsicherheit. Die LOVIS gGmbH arbeitet remote in einem Team mit Kompetenzen aus den Bereichen Tech, Sexualpädagogik, Design, Redaktion, Marketing, Strategieentwicklung und Finanzen und nutzt KI, um sofortige und individualisierte Antworten auf diverse sexuelle Fragestellungen zu bieten. Der Chatbot „Lovis“ ist darauf trainiert, präzise und einfühlsame Antworten zu geben, und versteht sich als Ergänzung zu analogen Bildungsangeboten und Schulen, um eine ganzheitliche Bildungs- und Beratungsumgebung für Jugendliche zu schaffen. Damit bietet FragLovis eine moderne, digitale und bedarfsgerechte Lösung für die Sexuelle Bildung junger Menschen.
Die gynäkologische Untersuchung ist eine intime Situation: Was für Frauenärzt*innen tägliche Routine ist, ist für viele Patient*innen mit Unwohlsein, Scham und Angst verbunden. Diese emotionale Diskrepanz ebenso wie eine mögliche erotische Spannung werden von den Beteiligten kaum wahrgenommen. Damit diese Begegnung nicht zum Übergriff wird, ist eine angemessene Selbstreflexion der Fachleute angezeigt. Patient*innen brauchen Transparenz und Information, um über Ablauf und Umfang der Untersuchung mitbestimmen zu können. Richtlinien der gynäkologischen Fachdisziplin und ein strukturierter Leitfaden für die Untersuchung sind sinnvoll und hilfreich.
Einleitung Trotz eines erhöhten Bewusstseins für Cybergrooming in Forschung und Praxis sind Präventions- und Interventionsmaßnahmen für Betroffene und Täter*innen in diesem Phänomenbereich weitestgehend unerforscht. Forschungsziele Das vorliegende Narrative Review bietet einen kompakten Überblick über bestehende Präventions- und Interventionsangebote für Betroffene und Täter*innen bei Cybergrooming sowie über Ansätze aus verwandten Bereichen. Methoden Über eine Literaturrecherche bei Google Scholar und die Analyse von Literaturlisten einschlägiger Publikationen wurden 18 geeignete Publikationen in das Review aufgenommen. Dabei handelt es sich um Arbeiten aus den Jahren 2007 bis 2024. Ergebnisse Insgesamt scheinen primäre und sekundäre Präventionsangebote überwiegend an Betroffene gerichtet zu sein. Besonderer Wert wird dabei auf die (Psycho-)Edukation der (potenziell) Betroffenen und die Einbindung von Erziehungsberechtigten und Lehrkräften in den Präventionsprozess gelegt. Öffentliche Kampagnen, die sich an (potenzielle) Täter*innen richten, könnten ein stärkeres Bewusstsein für die rechtlichen Rahmenbedingungen und etablierte Hilfsmöglichkeiten herstellen. Die Anonymität des Internets und die leichte Zugänglichkeit zu Inhalten aller Art scheinen wichtige Katalysatoren für den Cybergrooming-Prozess zu sein. Somit könnten Änderungen und Restriktionen in der Online-Umgebung auch zur Prävention von Cybergrooming beitragen. Diesbezüglich müssen jedoch diverse datenschutzrechtliche, gesamtgesellschaftliche und politische Aspekte berücksichtigt werden. Schlussfolgerung Weiterhin fehlen großflächig angelegte Evaluationen bestehender Präventions- und Interventionsprogramme. Insbesondere Wissen über Vulnerabilitätsfaktoren bei Betroffenen und über spezifische Risikofaktoren und Vorgehensweisen von Täter*innen könnten ein Schlüssel sein, um die Präventionsbemühungen bei Cybergrooming effektiver zu gestalten.
Einleitung Der Zugang zu objektiven Informationen über Schwangerschaftsabbrüche ist ein wesentlicher Bestandteil der reproduktiven Gesundheit und entscheidend dafür, dass ungewollt Schwangere eine fundierte Entscheidung treffen können – sei es für einen Schwangerschaftsabbruch oder für die Fortsetzung der Schwangerschaft. Die zentralen Informationsquellen sind neben Ärzt*innen, Fachkräfte der psychosozialen Versorgung sowie das Internet. Forschungsziele Die Studie untersucht die Rolle von Online-Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch aus Sicht von Beratungsfachkräften. Ziel ist es, Erkenntnisse über die Bedeutung digitaler Informationen für die psychosoziale Beratungspraxis zu gewinnen. Methoden Im Rahmen der Studie „Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer – Angebote der Beratung und Versorgung“ (ELSA) wurden im Jahr 2022 sechs Fokusgruppeninterviews mit 25 Beraterinnen aus Nord-, Ost-, Süd- und Westdeutschland und der Verteilung auf Groß-, Mittel- und Kleinstädte durchgeführt, die in der allgemeinen Schwangeren- und/oder der Schwangerschaftskonfliktberatung tätig sind. Die erhobenen Daten wurden mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Ergebnisse Onlineinformationen über Schwangerschaftsabbrüche haben eine hohe Relevanz für die Beratungssituation, da Klient*innen häufig mit einem auf digitalen Informationen basierendem Vorwissen in die Beratung kommen, wenngleich ihre Informationsquellen innerhalb der Beratungen so gut wie nie Gesprächsgegenstand sind. Die Fachkräfte zeigen überwiegend eine kritische Haltung im Hinblick auf Online-Informationen zu Schwangerschaftsabbrüchen und führen neben fehlenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen auch eigene mangelnde digitale Kompetenzen an, die sie daran hindern, Potenziale der internetbasierten Informationsbereitstellung besser zu nutzen. Schlussfolgerung Damit sich Beratungsfachkräfte souverän im Kontext der digitalen Informationen über Schwangerschaftsabbrüche bewegen und diese gezielt im Beratungsgespräch aufgreifen können, benötigen sie in erster Linie Ressourcen, um ihr eigenes Wissen zu erweitern und selbst den digitalen Raum mit sachlich korrekten, neutralen und nützlichen Informationen mitzugestalten.
Einleitung Forschung zur Sexualität von trans* Personen weist darauf hin, dass einige trans* Personen aufgrund von Geschlechtsdysphorie ihre sexuelle Praxis einschränken, während andere dies nicht tun. Die vorliegende Studie untersucht mögliche Ursachen dieser Unterschiede bei trans*-männlichen und nicht-binären Personen mit weiblichem Zuweisungsgeschlecht (engl. assigned female at birth: AFAB). Der Fokus liegt dabei auf der Ebene der vergeschlechtlichten sozialen Bedeutung von Körpern und ihrem Einfluss auf das sexuelle Erleben und Verhalten. Forschungsziele Ziel der Studie ist es, die Veränderungen der sexuellen Praxis im Transitionsprozess trans*-männlicher und nicht-binärer Personen (AFAB) nachzuvollziehen und den Einfluss zu analysieren, den die (eigene wie fremde) Interpretation vergeschlechtlichter Körpermerkmale auf diese Veränderungen hat. Methoden Es wurde eine qualitative Inhaltsanalyse halb-strukturierter Interviews mit N = 16 trans*-männlichen und nicht-binären Personen (AFAB) sowie ein qualitativer Gruppenvergleich durchgeführt, beides den Empfehlungen von Kuckartz und Rädiker (2022) folgend. Die vorliegende Auswertung stellt eine Sekundäranalyse der im Rahmen einer Studie von Engelmann et. al. (2022) durchgeführten Interviews dar. Ergebnisse Die Teilnehmenden beschreiben komplexe Dynamiken von medizinisch herbeigeführten körperlichen Veränderungen, Selbst- und Körperbildern sowie sozialen Erfahrungen, die im Verlauf ihrer Transition entweder zu Einschränkungen oder Erweiterungen ihrer sexuellen Praxis beitrugen. Die Richtung dieser Entwicklung wurde dadurch beeinflusst, ob sich die Teilnehmenden von Partner*innen ihrem geschlechtlichen Selbstverständnis entsprechend wahrgenommen und begehrt fühlten und ob sie selbst ein Geschlechterkonzept hatten, dass es ihnen ermöglichte, die soziale Bedeutung ihres Genitals als weiblich zu verschieben. Schlussfolgerung Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass bei der Interpretation vergeschlechtlichter Körpermerkmale Spielräume bestehen, die von trans*-männlichen und nicht-binären Personen sowie ihren Partner*innen genutzt werden und zu einer Erweiterung des sexuellen Handlungsspielraumes im Verlauf von Transitionsprozessen beitragen können.