
Beschreibung der Problemlage ■ Return to Work bei neurologisch Erkrankten: bisherige Interventionsansätze im Rahmen des deutschen Sozialversicherungssystems ■ BETA-MeH-Intervention: Innovative Elemente und Erfahrungen der Interventionspartner:innen ■ Fallbeschreibungen ■ BETA-MeH-Studie ■ Besondere Herausforderungen mit Blick auf den Transfe
Die vorliegende Machbarkeitsstudie untersuchte den Einsatz des KI-basierten Sprechassistenzsystems SprechenISi-Speech im Eigentraining von Patienten mit ParkinsonKrankheit und Dysarthrie. Zehn Patienten nutzten die App im Rahmen einer zweiwöchigen stationären Phase der Parkinson-Komplextherapie (PKT) sowie einer anschließenden zweiwöchigen häuslichen Trainingsphase. Methodisch wurde ein Mixed-Methods-Design realisiert, bestehend aus einer standardisierten Einführung durch Logopäden, ergänzenden Beratungs- und Schulungsmaterialien, niedrigschwelligem technischem Support, der Analyse von Nutzungsdaten sowie Fragebögen und leitfadengestützten Interviews mit Patienten und Therapeuten. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Usability und Akzeptanz. Im Mittel absolvierten die Patienten vier Trainingseinheiten von jeweils 20 Minuten pro Woche und berichteten von gesteigerter Trainingsmotivation, wahrgenommenen Verbesserungen der Sprechverständlichkeit, größerem Selbstvertrauen und einer Zunahme erlebter Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig wurde das KI-generierte Feedback teilweise als wenig verständlich und nur eingeschränkt hilfreich bewertet. Aus therapeutischer Perspektive erwies sich die Implementierung grundsätzlich als machbar, sofern die Einführung praxisnah erfolgte, technischer Support leicht zugänglich war und die Anwendung in bestehende klinische Routinen integriert werden konnte. Dabei traten erhöhte organisatorische Anforderungen insbesondere in der Anfangsphase auf, die sich mit wachsender Routine verringerten. Insgesamt deuten die Befunde darauf hin, dass SprechenISi-Speech geeignet ist, die Übungsfrequenz außerhalb der Präsenztherapie zu erhöhen und logopädische Interventionen effektiv zu ergänzen. Für eine nachhaltige Implementierung sind jedoch verständliches und motivierendes Feedback, technische Stabilität, klar definierte Prozesse sowie der gezielte Ausbau digitaler und organisatorischer Kompetenzen auf Seiten der Therapeuten von zentraler Bedeutung. Schlüsselwörter: Aphasie, Stroke Unit, Kommunikation, personenzentrierte Gesundheitsversorgung
Background: Improving recovery from unilateral spatial neglect (USN) is an important aspect of neurorehabilitation. Method: This controlled, registered but not randomised crossover study compared the effects of wearing prismatic goggles (PA; prism adaptation), which shift the visual environment to the right by 10 degrees, during physiotherapy and occupational therapy sessions, with the same treatment without the goggles. Twenty patients with USN due to either stroke or intracerebral bleeding were recruited during the subacute phase of recovery. The primary outcome measures were the Barthel Index (BI) and omissions on the left in the Apples Cancellation Task; however, we also used the Early Rehabilitation Barthel Index (ERBI) and several other conventional neuropsychological tests as secondary outcome measures. Patients were treated either first for three weeks while wearing the goggles, followed by three weeks without them, or vice versa. We also intended to analyse the ecological validity of neuropsychological testing in predicting recovery. Results: Patients improved on all scales and tests over six weeks; however, there was no differential improvement for PA. The Apples Cancellation Task predicted BI and ERBI scores after six weeks, as well as ERBI scores after three weeks, but not at the initial assessment. Conclusions: Visually unrestricted PA during conventional physiotherapeutic and occupational treatment does not improve recovery from USN. It seems possible to predict the recovery of USN patients using the Apples Cancellation Task; however, this will probably not be feasible until patients have recovered from global deterioration to some extent. Keywords: prism adaptation, physiotherapeutic and occupational treatment, controlled trial, unilateral spatial neglect, neuropsychological testing
Eine Aphasie nach Schlaganfall kann weitreichende Folgen für Betroffene haben. Sprachliche Einschränkungen können die Kommunikation mit Gesundheitsfachpersonal während der Behandlung beeinflussen. Erfahrungen von Patienten mit Aphasie werden in der aktuellen deutschsprachigen Forschung noch kaum berücksichtigt. Ziel dieser Studie war die Erfassung des interprofessionellen Umgangs mit akuter Aphasie auf der Stroke Unit aus der Perspektive von Patienten und Angehörigen im Sinne einer qualitativen Erhebung. In Problemzentrierten Interviews [57] wurden zwei Patienten mit Aphasie und zwei Angehörige retrospektiv befragt. Zuvor erfolgte eine Diagnostik der sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten der Patienten. Mittels einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse [38] wurden die Interviews ausgewertet. Die vorherrschenden Themen einer unzureichenden Information und Aufklärung sowie der fehlende Einbezug der Angehörigen zeigen eine mangelhafte Umsetzung einer Personenzentrierten Gesundheitsversorgung (PZG) auf der Stroke Unit. Als Hauptursache wird Zeit- und Personalmangel im Gesundheitssystem gesehen. In der Sprachtherapie wird der Bereich der Dysphagie als Schwerpunkt betrachtet; Aphasien nehmen eine untergeordnete Rolle ein. Im Fall der Teilnehmenden fand keine Beratung bezüglich Kommunikationsstrategien statt. Patienten und Personal nutzten intuitiv nonverbale Strategien. In Gesprächen mit Betroffenen fand teilweise eine Anpassung der verbalen Kommunikation des Personals statt. Keiner der befragten Personen wurden Methoden der Unterstützten Kommunikation angeboten. Aus Ergebnissen und Literatur abgeleitete Lösungsmöglichkeiten beziehen sich u.a. auf Whiteboards am Bett der Patienten. Eine speziell konzipierte Checkliste für das Personal beinhaltet sprachförderliche Verhaltensweisen in Gesprächen mit Patienten mit Aphasie. Informationsmaterial in Leichter Sprache sowie Kontaktdaten für die weiterführende Rehabilitation könnten neben festen Ansprechpartnern in der Klinik die PZG auf der Stroke Unit verbessern. Schlüsselwörter: Aphasie, Stroke Unit, Kommunikation, Personenzentrierte Gesundheitsversorgung
Änderungen des Therapieziels, eine palliative Behandlung und die Begleitung Sterbender und deren Angehöriger sind essentieller Bestandteil der neurologischen Frührehabilitation. Diese Situationen stellen für die behandelnden Ärzte, aber auch für das nicht ärztliche Behandlungsteam, eine ethisch-moralische, kommunikative und rechtliche Herausforderung dar. Die vorliegende Arbeit schlägt eine aus medizinisch und juristischer Sicht standardisierte und nachvollziehbar dokumentierte Vorgehensweise bei Therapiezieländerungen in der neurologischen Frührehabilitation vor. Die Vorgehensweise soll den Prinzipien des Respekts vor Autonomie, Nutzen, Vermeiden von Schaden und Gerechtigkeit für den betroffenen Patienten entsprechen. Schlüsselwörter: Neurologische Frührehabilitation, Therapiebegrenzung, Therapieabbruch, Palliation
S. Heinemann-Steinweh, C. Wippich, H. Grötzbach, U. Beushausen: Amsterdam-Nijmegen Everyday Language Test (ANELT) – Deutsche Fassung (S.127) E.-V. Häkkilä, H. Schuh, H. Grötzbach, U. Beushausen: Eating Assessment Tool (EAT-10) (S.130) N. Sediqi, N. Vöcks, H. Grötzbach, U. Beushausen: Functional Outcome Questionnaire for Aphasia (FOQ-A)132 N. Sediqi, N. Vöcks, H. Grötzbach, U. Beushausen: Modellorientierte Diagnostik der Verbverarbeitung (MoVe) (S.134) A. Bayrhof, V. Mair-Ramm, H. Grötzbach, U. Beushausen: Nonverbaler Semantiktest (NVST) (S.136) H. Schuh, E.-V. Häkkilä, H. Grötzbach, U. Beushausen Sprachsystematisches Aphasiescreening (SAPS) (S.139) V. Mair-Ramm, A. Bayrhof, H. Grötzbach, U. Beushausen: Der deutsche Sydney Swallow Questionnaire (SSQ-G) (S. 141) C. Wippich, S. Heinemann-Steinweh, H. Grötzbach, U. Beushausen Szenario-Test (S. 143)
Ungefähr 30 % der Betroªenen entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression. Besonders Menschen mit einer Aphasie sind durch die mangelnde Mitteilungsfähigkeit und eingeschränktes Sprachverstehen anfällig für psychologische Auªälligkeiten. Derzeit existiert jedoch kein geeignetes sprachliches Diagnostikinstrument für diese Gruppe von Patientinnen und Patienten. Daraus ergab sich das Ziel dieser Forschungsarbeit, den Patient Health Questionnaire (PHQ-9) [14] als statistisch gut abgesicherten Depressionsfragebogen sprachlich zu vereinfachen, um ihn bei Menschen mit Aphasie anwenden zu können. In der korrelativen Studie wurden die originale und sprachlich vereinfachte Version des PHQ-9 an einer Kontrollstichprobe ohne neurologische Beeinträchtigung und Aphasie mit 98 Probandinnen und Probanden geprü. Anschließend fand die Version in einfacher Sprache in der Pilotstudie eine erste Anwendung an fünf Menschen mit Aphasie. Die Ergebnisse der explorativen Studie sind als systematische, qualitative Einzelfallbeschreibungen dargestellt. Als zusätzliches Diagnostikinstrument wurde in beiden Studien die Revised Visual Analog Mood Scale (VAMS-R) [12] hinzugezogen. Der PHQ-9 in einfacher Sprache weist gute Testgütekriterien auf, mit einer Übereinstimmungsreliabilität von r = 0,950 mit der originalen Version und einer internen Konsistenz von Cronbachʼs α= 0,857 bei Sprachgesunden, womit eine hoch reliable, konsistente Version besteht, parallel zur Originalfassung. Einzelne schwer übertragbare Items zeigten etwas niedrigere Korrelationen als andere, die durch eine erneute sprachliche Überarbeitung noch mehr angeglichen werden könnten. In der Pilotstudie konnte eine gute Anwendbarkeit des PHQ-9 in einfacher Sprache an Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelgradiger aphasischer Symptomatik festgestellt werden. Die VAMS-R zeigte keine hinreichende Interpretierbarkeit zur Messung einer depressiven Verstimmung. Schlüsselwörter: Poststroke-Depression, Aphasie, Diagnostik, einfache Sprache
Hintergrund: Die neurologische Rehabilitation ist in Deutschland in verschiedene Phasen gegliedert. Die Eingangskriterien der Phasen sind durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation definiert, die Teilhabeeinschränkungen der Patienten wurden bis vor kurzem mittels des Barthel-Index (BI) eingeschätzt. Basierend auf dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz wurde das Antragsverfahren auf Anschlussrehabilitation (AR-Antrag) vereinheitlicht. In diesem Rahmen wurde ein einheitliches Antragsformular entworfen, in welchem zur Evaluation der Teilhabeeinschränkungen nun das SINGER-Patientenprofil (SPP) verwendet wird. Fragestellung: Steht mit dem SPP ein geeignetes Instrument zur Phaseneinteilung der Patienten in der neurologischen Rehabilitation zur Verfügung? Methodik: In einer retrospektiven Analyse wurden 15.378 SINGER-Patientenprofile mit dem jeweils parallel erhobenen BI verglichen. Neben einer Korrelationsanalyse erfolgte eine ROC-Kurven-Analyse zur Bestimmung der Phasengrenzen anhand des SINGER-Patientenprofils auf der Basis etablierter, durch den Barthel-Index als Goldstandard definierter Phasenübergänge. Ergebnisse: Die Analyse ergab eine sehr starke Korrelation zwischen dem SPP und dem BI (r = 0,798; p < 0,001). Die Grenzwertoptimierung mittels ROC-Kurven-Analyse ergab zwischen den Rehabilitationsphasen C und D einen SPPGrenzwert von 79,5 Punkten, zwischen der Phase B und C einen SPP-Grenzwert von 46,5. Bei alleiniger Verwendung dieser Phasengrenzen käme es zu einer Fehlallokation von ca. 11% bzw. 14% der Fälle, gemessen an der bisherigen BIbasierten Einteilung der Phasen. Schlussfolgerung: Das SPP korreliert statistisch hoch mit dem BI, trotzdem erscheint es nicht geeignet, als Kriterium zur Phaseneinteilung in der neurologischen Rehabilitation herangezogen zu werden, da es trotz statistischer Grenzwertoptimierung hierbei zu einer Vielzahl von Fehlallokationen von Patienten kommen würde, was medizinisch-therapeutisch und wirtschaftlich hoch problematisch ist. Wir empfehlen, zur Phasenabgrenzung den BI zu verwenden und nicht das SPP, weiterhin empfehlen wir die zusätzliche Betrachtung der klinischen Patientencharakteristika, welche sich nicht immer gänzlich in Indices abbilden lassen und daher ausführlich in Prosaform im AR-Antrag übermittelt werden sollten. Schlüsselwörter: SINGER-Patientenprofil, Barthel-Index, Neurologische Rehabilitation, weiterführende Rehabilitation, Anschlussrehabilitation, AR-Antrag
Der Lebensstil eines Menschen mit Multipler Sklerose (MmMS) ist lange Zeit nicht als Kernthema ärztlicher Bemühungen aufgefasst worden. Für die Patienten mit chronischen Krankheiten reflektiert die Frage nach dem Lebensstil das Bemühen, den Krankheitsverlauf beeinflussen zu können, ein Stück Kontrolle wiederzugewinnen, Symptomlast zu lindern und die Krankheitsfolgen zu bewältigen. Zu den Lebensstilfaktoren gehören vor allem körperliche/sportliche Aktivität, Umgang mit der Erkrankung (coping) und mentales Wohlbefinden, anregende Tätigkeiten (auch im Beruf), stabile soziale Einbindung und Unterstützung, ausgeglichene Ernährung, Vermeidung von Nikotin und Drogen und frühe und konsequente Wahrnehmung ärztlich-therapeutischer Möglichkeiten. Die zentrale Schwierigkeit ist es, die sog. Intentions- Verhaltenslücke zu überwinden und so eine Änderung des Lebensstils herbeizuführen. Dies kann am ehesten mittels psychologischer Konzepte erreicht werden. Im weiteren Sinne ist ein solchermaßen informierter, kompetenter und Verantwortung übernehmender Patient auch in ein stabiles Arzt-Patienten-Verhältnis im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung (»shared decision making« [SDM]) eingebunden. Zunehmend wird realisiert, dass der persönliche Lebensstil entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität hat. Die Zahl der diesbezüglichen Studien ist daher in den letzten Jahren rasant angestiegen. In der vorliegenden Arbeit geben wir eine Übersicht über die Vielzahl der beteiligten Komponenten des Lebensstils und ihre Bedeutung für die Lebenszufriedenheit sowie den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose. Schlüsselwörter: Multiple Sklerose, Lebensstil, Lebensstiländerung, transtheoretisches Modell, körperliche Aktivität, Wohlbefinden, Krankheitsverarbeitung, partizipative Entscheidungsfindung
Zur Beurteilung der sensomotorischen Fähigkeiten von Patienten der neurologisch-neurochirurgischen Frührehabilitation (NNFR) wurde am Lurija Institut der Kliniken Schmieder ein neues sensomotorisches Assessment für die Nutzung in der Physiotherapie (SeMo-P) erarbeitet. Dieser Artikel beschreibt die Entwicklung des Messinstruments und stellt die vier Hauptkategorien Sensibilität, aktive und passive Gelenkbeweglichkeit und Mobilität dar. Darüber hinaus werden Verlaufsdaten aus einer psychometrischen Studie präsentiert, um Erkenntnisse über sensomotorische Veränderungen von NNFR-Patienten im Verlauf von vier Wochen stationärer Rehabilitation zu gewinnen. Schlüsselwörter: neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation, NNFR, Physiotherapie, Sensomotorik, sensomotorisches Assessment, Verlaufsdaten
Die funktionelle Bildgebung spielt eine immer größere Rolle in der Neurologie und der neurologischen Rehabilitation. Dieses kurze Review zeigt den Beitrag der Bildgebung in der Rehabilitation exemplarisch an einigen Arbeiten auf – von der Grundlagenwissenschaft über die Diagnostik bis zur Anwendung. Es werden auch die Herausforderung und Grenzen angesprochen und es wird ein Ausblick auf die Zukunft gegeben. Schlüsselwörter: funktionelle Bildgebung, neurologische Rehabilitation, Reorganisation
Die Abteilung für Psychotherapeutische Neurologie wurde in den Klinken Schmieder 1993 am Standort Konstanz gegründet und hat sich seither als ein wichtiger integraler Teil der neurologischen Rehabilitation etabliert. Seit 2010 besteht eine zweite Abteilung für psychotherapeutische Neurologie am Standort Gailingen. Besonderheit des Behandlungsansatzes ist eine Integration psychotherapeutischen Denkens und Handelns in die neurologische Rehabilitation. Psychotherapie wird dabei als eine Voraussetzung verstanden, mit in der neurologischen Rehabilitation häufigen und geradezu typischen komplexen bio-psycho-sozialen Bedingungsgefügen arbeiten zu können. Und dies umso mehr, wenn psychomentale Funktionsstörungen maßgeblich zur Beeinträchtigung führen und somit deren Verbesserung wesentlich zur Wiederherstellung von Teilhabe beiträgt. Dies betrifft insbesondere die weiten Spektren neurologisch-psychischer Komorbidität und funktioneller neurologischer Störungen. Neben der Hinzunahme der psychotherapeutischen Kompetenz stellt zudem eine integrierende transdisziplinäre Metakompetenz einen wichtigen Faktor dar, um bio-psycho-soziale Wechselwirkungen verstehen und therapeutisch beeinflussen zu können. Im Artikel geben wir einen Überblick über Häufigkeit und Bedeutung komorbider neurologisch-psychischer Störungen sowie Funktioneller Neurologischer Störungen und skizzieren die Besonderheiten dieses integrierten rehabilitativen Behandlungsansatzes. Schlüsselwörter: psychotherapeutische Neurologie, Funktionelle Neurologische Störungen, neurologisch psychische Komorbidität
Die Satellitenstation der Kliniken Schmieder im Klinikum Stuttgart überwindet die üblicherweise vorhandene räumliche Trennung von in Ballungszentren gelegener maximalversorgender Akutklinik und in der Peripherie lokalisiertem Rehabilitationskrankenhaus. Als privater Anbieter für neurologisch neurochirurgische Frührehabilitation ist sie eine »Klinik in der Klinik« unter dem Dach des kommunalen, großstädtischen Maximalversorgers und ein Beispiel für die sektorübergreifende räumliche Integration von Rehabilitations- und Akutmedizin. Der vorliegende Artikel präsentiert Basisdaten und Outcomeparameter dieses Modellprojekts und ordnet diese in den Kontext der aktuellen Studienlage ein. Schlüsselwörter: neurologisch neurochirurgische Frührehabilitation, Phase B, prolongiertes Weaning, klinische Kooperationsmodelle
Grundzüge der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung und neurologischen Berufstherapie haben sich schon in den ersten Jahrzehnten der Kliniken Schmieder aus den Leitsätzen und Konzepten des Klinikgründers entwickelt: Berufsberatungskommission zur Fallberatung mit den Sozialträgern, gewerbliche Berufstherapie mit Arbeitstherapie und praktischer Arbeitserprobung in den Kliniken Schmieder Gailingen und konzeptionelle Ausrichtung einer multiprofessionellen Neurorehabilitation an Leistungsbeurteilung und -prognose, mit früher Integration sozialtherapeutischer und beruflicher Maßnahmen sowie einem ganzheitlichen Rehabilitationsziel aller körperlichen, geistigen und seelischen Leistungen neben der sozialen und beruflichen Leistung. Bis heute hat sich infolge einer weiterentwickelten gesetzlichen Grundlage eine differenzierte Fördermöglichkeit neurologischer Patientinnen und Patienten zur beruflichen Wiedereingliederung durch verschiedene Sozialträger ausgebildet. Moderne Konzepte neurologischer Berufstherapie nutzen standardisierte Assessmentverfahren und evidenzbasierte Behandlungsverfahren der relevanten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit in den Bereichen Kognition, Kommunikation und Arbeitsverhalten. Damit gelingt auch bei Hirngeschädigten oftmals eine erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung. Schlüsselwörter: sozialmedizinische Leistungsbeurteilung, neurologische Berufstherapie, berufliche Wiedereingliederung
Dieser Beitrag beschreibt zum einen die Entwicklung der Kliniken Schmieder von einer 1950 gegründeten »Kuranstalt« zu einer neurologischen Fachklinik, die an fünf Standorten in Baden-Württemberg 1.362 Betten für stationäre Patientinnen und Patienten vorhält und neben der Akutversorgung in den Phasen B, C und D der neurologischen Rehabilitationskette behandelt, tagesklinische und ambulante Therapien sowie eine Digitale Nachsorge anbietet. Zum anderen werden die vom Klinikgründer, Prof. Dr. Friedrich Georg Schmieder, formulierten Hypothesen zu den Themen Plastizität und Lernen bei neurologischen Erkrankungen sowie daraus resultierende therapeutische Ansätze dargestellt und im Kontext neurowissenschaftlicher Erkenntnisse der letzten ca. 25 Jahre diskutiert. Darüber hinaus werden die Entwicklung der Psychotherapeutischen Neurologie, das Lurija Institut für Forschung und das Zenith Institut für Fort- und Weiterbildung ausführlich vorgestellt. Schlüsselwörter: neurologische Rehabilitation, psychotherapeutische Neurologie, Prof. Dr. Friedrich Georg Schmieder, Kliniken Schmieder, Lurija Institut, Zenith Institut
Die neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation (Phase B) nimmt eine zentrale Rolle bei der Behandlung von Patienten mit schweren neurologischen Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma (SHT) und Schlaganfall ein. Ziel der Frührehabilitation ist es, mit einer frühzeitigen Behandlung Funktionen zu erhalten oder wiederherzustellen, um dauerhafte Behinderungen zu minimieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Sowohl das SHT als auch der Schlaganfall sind häufige Ursachen für langfristige körperliche und kognitive Einschränkungen, die erhebliche persönliche Belastungen sowie weitreichende sozioökonomische Auswirkungen mit sich bringen. Um die Herausforderungen dieser komplexen Patientenversorgung zu meistern, sind spezifische strukturelle und personelle Voraussetzungen notwendig. Hierzu zählen neben technisch gut ausgestatteten Zimmern und digitalen Dokumentationssystemen vor allem interdisziplinäre Teams aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten. Regelmäßige Stationskonferenzen und Visiten dienen der kontinuierlichen Anpassung und Abstimmung individueller Therapieziele. Die zahlreichen Herausforderungen im klinischen Management umfassen unter anderem Vigilanzstörungen, Beatmungsentwöhnung, Dysphagie und Trachealkanülenmanagement, motorische und sprachliche Defizite, Hygiene- und Infektionsmanagement sowie ethische Aspekte. Kooperationen innerhalb des Krankenhauses sowie mit externen Einrichtungen sind essenziell, um eine gute medizinische Betreuung, eine lückenlose Versorgung und eine erfolgreiche Überleitung in nachfolgende Rehabilitationsphasen oder in die weitere Versorgung sicherzustellen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über Strukturen, Herausforderungen und Lösungsansätze in der neurologischen- neurochirurgischen Frührehabilitation und betont die Bedeutung einer frühzeitig begonnenen, interdisziplinären und kooperativen Behandlung am Beispiel der Kliniken Schmieder Allensbach. Schlüsselwörter: neurologisch-neurochirurgische Frührehabilitation, Phase B, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma
Schmerzen kommen in der Neurorehabilitation regelhaft vor. Sie verursachen schmerzbedingtes Leiden, mindern die Lebensqualität und beeinträchtigen das rehabilitative Outcome. Akute Schmerzen bedürfen einer raschen diagnostischen Abklärung und analgetischen Behandlung. Chronische Schmerzen werden in der Neurorehabilitation multimodal mit einem interdisziplinären Konzept behandelt. Wichtige Komponenten des Schmerzmanagements umfassen Kenntnisse zu angepassten Behandlungsalgorithmen bei nozizeptiven, peripheren und zentralen neuropathischen und noziplastischen Schmerzformen, zu den neurophysiologischen Grundlagen der neuronalen Schmerzwahrnehmung und Schmerzverarbeitung und zur neuen Klassifikation chronischer Schmerzen in der ICD-11. Vorgestellt werden weiterhin Grundlagen der Therapiezielformulierung bei Schmerzen, der gezielten Schmerzerfassung, der Schmerzprophylaxe und Schmerzedukation, der psychologischen Schmerztherapie, der funktionell übenden Schmerztherapie einschließlich Spiegeltherapie und Graded Motor Imagery und der physikalischen Therapie bei Schmerz. Berichtet werden neue Methoden zur Schmerztherapie wie Virtuelle Realität (VR). Ein effektives Schmerzmanagement in der Neurorehabilitation basiert auf einem bio-psycho-soziales Schmerzverständnis und zielt therapeutisch bei den Betroffenen auf eine Verbesserung der Teilhabe an Freizeit, Familie, Beruf und Gesellschaft. Schlüsselwörter: neurologische Rehabilitation, akuter Schmerz, chronischer Schmerz, Schmerzmanagement, multimodale Schmerztherapie
Für die Diagnostik und Untersuchungen zur Pathophysiologie von funktionellen Bewegungsstörungen leisten elektrophysiologische Verfahren einen wichtigen Beitrag. Hinweise für eine funktionelle Genese von Symptomen sind Inkonsistenz und Inkongruenz der Beschwerden. Diese lassen sich z. T. elektrophysiologisch erfassen. Als Beispiele diagnostischer Untersuchungen seien eine differenzierte elektromyographische Analyse bei funktionellem Tremor und der Nachweis eines Bereitschaftspotentials vor einem Myoklonus sowie die Erholungszeit der R2-Komponente des Blinkreflexes bei Blepharospasmus genannt. In pathophysiologischer Hinsicht konnten insbesondere eine paradoxe Inhibition der Erregbarkeit des motorischen Systems bei Bewegungsvorstellung und Interaktionen zwischen der Bearbeitung emotionaler Stimuli und Aktivitätsänderungen in sensomotorischen Kortexarealen nachgewiesen werden. Zusammen mit Erkenntnissen aus funktionell-bildgebenden Verfahren lassen sich somit Hirnaktivitäts-Änderungen bei funktionellen Bewegungsstörungen darstellen. Schlüsselwörter: funktionelle Bewegungsstörung, Elektrophysiologie, Tremor, Myoklonus, Dystonie
Die Kliniken Schmieder widmeten sich seit 2021 der Rehabilitation von Betroffenen eines Post-COVID-Syndroms (PCC). Im Rahmen der rehabilitationswissenschaftlichen Begleitforschung stand die grundlagenwissenschaftliche Einordnung der häufig anzutreffenden Fatigue und Fatigability (=Nachlassen der Performance) im Vordergrund. PCC-Betroffene zeigten in der Bewegungsanalyse nur in wenigen Fällen ein ähnliches Ermüdungsverhalten wie MS-Patienten. Auffälligkeiten konnten im Bereich des Sauerstoffverbrauchs und der Ventilation bei 27 % der PCC-Betroffenen beobachtet werden. Im Bereich der Therapieforschung entwickelten die Kliniken Schmieder mit universitären Partnern eine kognitive Verhaltenstherapie, die spezifisch auf die Bedürfnisse der PCCBetroffenen zugeschnitten war. Die Machbarkeit dieser, bei hoher allgemeiner Zufriedenheit der PCC-Betroffenen, konnte gezeigt werden und erste Hinweise auf eine Wirksamkeit konnten abgeleitet werden. Die Kliniken Schmieder nahmen an der multizentrischen Post- COVID-Rehabilitationsstudie POCORE mit über 1.000 Teilnehmern teil. Die vorliegenden neuropsychologischen Defizite lagen insbesondere im Bereich der Reaktionszeiten (gemessen mit der TAP bei 70 %) und der Daueraufmerksamkeit (55 %). Die mit dem FSMC gemessene Fatigue lag zur Aufnahme bei 84,6% der PCC-Betroffenen im Bereich der schweren Fatigue, bei Entlassung waren es 77,4 %. Der MoCa war als alleiniges Screeninginstrument nur bedingt geeignet. Insbesondere im Aufmerksamkeitsbereich fanden sich kleine Therapieeffekte bei allerdings deutlich chronifiziertem Rehabilitandenkollektiv (Zeit nach dem Infekt im Durchschnitt 29 Monate). Weitere innovative Ansätze besonders im Bereich der ambulanten Nachsorge scheinen notwendig. Schlüsselwörter: Post-COVID-Syndrom, Fatigue, Fatigability, Kognitive Verhaltenstherapie, Rehabilitation
Im vorliegenden Beitrag werden physio- und ergotherapeutische Grundprinzipien der Kliniken Schmieder dargestellt. Die relevantesten Eckpfeiler der motorischen Neurorehabilitation sind die Umsetzung bestehender Leitlinien, die Anwendung der Prinzipien des motorischen Lernens, ein Rehaziel-zentrierter Einsatz moderner therapeutischer Verfahren wie gerätegestützte Therapien, Virtuelle Realität, modifizierte Constraint-Induced Movement Therapy, Arm- Fähigkeitstraining, Spiegeltherapie, funktionelle Elektrostimulation. Ein differenziertes Prioritätenmodell erlaubt eine individuelle Zusteuerung der für Patientinnen und Patienten wesentlichen Therapieinhalte. Validierte und quantifizierbare Assessments garantieren eine Objektivierung der während der Rehabilitation auftretenden motorischen Veränderungen. Durch Etablierung einer Digitalen Nachsorge wird eine Brücke zwischen stationärer und ambulanter Versorgung geschlagen. Schlüsselwörter: motorische Neurorehabilitation, motorisches Lernen, gerätegestützte Therapie, virtuelle Realität, CIMT-Therapie, Spiegeltherapie, funktionelle Elektrostimulation