
Die MÖglichkeit, eine beidseitige InnenohrschwerhÖrigkeit mit Steroiden oder Cyclophosphamid zu heilen, erregte durch die Mitteilung McCabes (1979) einiges Aufsehen, wenngleich Ähnliche Beobachtungen im Einzelfall auch vorher schon angestellt worden waren. Seine pathomechanistische Vorstellung einer «Autoimmun-InnenohrschwerhÖrigkeit» wurde begeistert aufgegriffen, und viele experimentelle und klinische Arbeitsgruppen sind seitdem darum bemÜht, den Beweis fÜr die Existenz einer Autoimmunerkrankung des Innenohres zu erbringen. Bis heute ist es jedoch nicht gelungen, die strengen Kriterien, welche von den Immunologen und Immunpathologen fÜr die Definition einer Autoimmunerkrankung gefordert werden, auf bestimmte Innenohrer-krankungen zu Übertragen. An einigen exemplarischen klinischen Fallbeispielen werden eindrÜckliche HÖrverbesserungen sowohl mit als auch ohne Steroidtherapie aufgezeigt. Es scheint tatsÄchlich eine Gruppe von Innenohr-schwerhÖrigkeiten zu existieren, die besonders gut auf Steroide anspricht und fÜr die wir die Bezeichnung «kortisonsensible InnenohrschwerhÖrigkeit» vorschlagen. Dieser Begriff impliziert nicht zwangslÄufig das Einordnen in einen noch nicht vollstÄndig aufgeklÄrten Immunpathomechanismus.
Die Duplexsonographie des Kehlkopfes gelingt mit Hilfe einer kombinierten Anwendung von B-Bild-Sonographie und gepulster Doppler-Untersuchung bei He-Phonation. Dabei kÖnnen die Bewegungen und Bewegungsrichtungen der intralaryngealen Strukturen beurteilt werden. Es werden die Untersuchungsergebnisse von 50 erwachsenen Probanden und Patienten erÖrtert. Nach Beschreibung des methodischen Vorgehens werden Erfahrungen Über die Funktionsdiagnostik der normalen und pathologischen intralaryngealen Morphologie am Beispiel der Laryngitis, des Reinke-Ödems und der kompensierten und dekompensierten einseitigen StimmlippenlÄhmung erÖrtert. GrundsÄtzlich kÖnnen die im B-Bild nicht oder nur begrenzt darstellbaren Strukturen der Glottisebene bei Phonation mit Hilfe des gepulsten Dopplers gefunden und reproduzierbar als Doppler-Spektrum dargestellt werden. Die Duplexsonographie des Kehlkopfes unterstÜtzt somit die SensitivitÄt der B-Bild-Sonographie des Kehlkopfes.
Als MÖbius-Syndrom wurde ursprÜnglich eine kongenitale Fazialis-Abdu-zens-Parese bezeicbnet. Wegen der Seltenheit des Syndroms wurden in der Folgezeit meist nur kasuistische BeitrÄge verÖffentlicht. Das «ursprÜngliche Syndrom» wurde dabei Überwiegend im Zusammenhang mit zusÄtzlichen Paresen anderer Hirnnerven, Äusseren Missbildungen an GesichtsschÄdel und ExtremitÄten sowie psychomotorischen Defekten beschrieben, was zu einer immer verwirrenderen Vielfalt in der Zuordnung verschiedener Krankheitsbilder zum ursprÜnglichen MÖbius-Syndrom gefÜhrt hat. Die Verschiedenheit der unter dem Begriff «MÖbius-Syndrom» publizierten SchÄdigungsmuster zeigt, dass es sich bei diesem kongenitalen neuromuskulÄren Syndrom hin-sichtlich Ätiologie und Pathogenese um sehr unterschiedliche Krankheitsbilder handelt. Trotz dieser HeterogenitÄt wirft das Syndrom ein gemeinsames, wenn auch schwer lÖsbares therapeutisches Problem auf: die kosmetische und funktionelle Rehabilitation im Bereich der fachspezifischen Hirnnerven und des GesichtsschÄdels. FÜr die HNO-Heilkunde steht dabei die Korrektur der Fazialisparese im Vordergrund. Aufgrund der bei insgesamt 12 Patienten erhobenen klinischen und elektrophysiologischen Befunde konnte gezeigt werden, dass nervenplastische Massnahmen beim MÖbius-Syndrom kontrain-diziert sind. Auch muskulÄre ZÜgelplastiken mÜssen sehr sorgfÄltig indiziert werden, da einige pathologische und neurologische Besonderheiten des Syndroms das angestrebte Behandlungsziel beeintrÄchtigen.
Nach Über 10jÄhriger Erfahrung mit der endonasalen Chirurgie der NasennebenhÖhlen unter kombinierter Anwendung von Mikroskop und Endoskop, die als endonasale mikro-endoskopische NebenhÖhlenchirurgie bezeichnet wird, hat der Autor eine Systematik der endonasalen mikro-endoskopischen StirnhÖhlenchirurgie, betreffend Indikation und Technik, entwickelt. Folgende Typen werden differenziert: 1. die einfache Drainage, 2. die erweiterte Drainage und 3. die Mediandrainage der StirnhÖhle. Indikationen und Technik werden beschrieben und anhand von Beispielen erlÄutert. FÜr die mehrfach voroperierte «ProblemstirnhÖhle» hat sich die Kombination von makround mikrochirurgischer osteoplastischer StirnhÖhlenoperation von aussen mit Fettobliteration und endonasaler mikro-endoskopischer Siebbeinsanierung bewÄhrt. Unter den 389 endonasalen StirnhÖhlenoperationen sind auch 45 Patienten, bei denen dieser Eingriff zur Behandlung von sinugenen, orbitalen und hÄmatogen entstandenen endokraniellen Komplikationen erfolgreich vorgenommen werden konnte.
Die umfangreiche Vaporisation der Schleimhaut des Mittelohrs im Meerschweinchenversuch verursacht keinen bedeutenden Anstieg der Schwelle bei «brainstem evoked response audiometry» und geht auch mit keiner morphologischen VerÄnderung des Innenohrs im Lichtmikroskop einher. Wir haben in unseren Versuchen – im Vergleich mit den Daten der Literatur – grosse Energieabgabe und Impulszeit (10 W, 0,5 s) angewandt. Der Gebrauch des CO2-Laserstrahles ist gegenindiziert, wenn sich unterhalb des Zielgebietes keine KnochenoberflÄche befmdet, wenn z.B. der Kanal des Nervus facialis dehiszent ist, wenn eine Labyrinthfistel besteht oder wenn die Dura und/oder der Sinus sigmoideus frei liegt. Mit nicht superpulsiertem CO2-Laserstrahl soil eine Stapedektomie nur ausgefÜhrt werden, wenn Daten weiterer objektiver Tierversuche vorliegen. Bei der Behandlung der Myringitis bullosa, bei Parazentese, Myringoplastik, Sanation der PaukenhÖhle und Tympanoplastik ist die CO2-Lasermikrochirurgie bei Beachtung der Voraussetzungen der Sicherheit ein zeitgemÄsser Behelf, der gute Ergebnisse verspricht und dessen klinische Anwendung angebracht erscheint. Wir haben das Verfahren in unserer Klinik bei den angegebenen Indikationen eingefÜhrt. Über unsere klinischen Erfahrungen werden wir spÄter berichten.
Allergische Reaktionen an der Nase sind lÄngst zu einem internationalen Forschungsgebiet von Allergologen und Immunologen geworden. Aufgmnd ihrer ZugÄnglichkeit bietet sich die Nase fÜr experimentelle Untersuchungen und die ÜberprÜfung der Relevanz von In-vitro-Befunden fÜr die «natÜrliche» allergische Reaktion an. Diese Tatsache hat zu einem erheblichen Gewinn an Kenntnissen zum Pathomechanismus einer hÄufigen Erkrankung, der allergischen Rhinitis, gefÜhrt. IgE-vermittelte Reaktionen lÖsen nicht nur Sofortsymptome aus, sondern werden von einer SpÄtphase gefolgt, die durch die Einwanderung und Aktivierung verschiedener Zellpopulationen charakterisiert ist. Zu diesen Zellpopulationen sind basophile Granulozyten, Mastzellen, eosinophile und neutrophile Granulozyten, T-Lymphozyten, Makrophagen und Monozyten zu rechnen. Die Aktivierung dieser Zellen fiihrt zur Freisetzung von Mediatoren und zur konsekutiven Steigerung der spezifischen und unspezifischen Reaktionsbereitschaft des Organs. Der «zellulÄre Anteil» der IgE-vermittelten Reaktion stellt damit das Bindeglied zwischen der akuten allergischen Phase und der chronischen EntzÜndung der Schleimhaut dar. Dabei lÄsst sich die SpÄtphase heute nur ansatzweise in ihrer KomplexitÄt und der Interaktion ihrer zellulÄren Elemente erfassen: Mastzellen sind nicht nur Mediatorzellen, sondern transportieren IgE-AntikÖrper und synthetisieren Lymphokine; sie haben damit auch immunologische und immunmodulierende Funktionen. T-Lymphozyten und Makrophagen sind nicht nur an der humoralen Immunantwort bzw. IgE-Synthese, sondern auch an der Modulation der allergischen SpÄtphase beteiligt. Die mÖglichen EinflÜsse von Gewebszellen, wie z.B. den Epi-thelzellen, auf die lokale Immunpathologie sind in ersten AnsÄtzen bekannt. Die weltweiten ForschungsbemÜhungen schlagen sich allerdings schon jetzt in einer wachsenden Kenntnis der therapeutischen (medikamentÖsen und allergenspezifischen) Ansatzpunkte nieder. Bereits heute sind die grundlegenden Pathomechanismen Bestandteile der therapeutischen Überlegungen und ersetzen zunehmend empirische Erfahrungswerte. Gleichzeitig erÖffnen sich neue Wege fÜr den Einsatz spezifischer Antagonisten zur Reduktion einzelner krankheitsrelevanter Zellen oder Mediatoren.
In einer retrospektiven Studie konnten 170 Patienten 20 Monate bis 10 Jahre nach beidseitiger endonasaler mikro-endoskopischer Pansinusoperation bzw. Siebbeinoperation nachuntersucht werden. Die Nachuntersuchung bestand aus einer standardisierten Befragung und einer klinischen Untersuchung mit dem flexiblen Endoskop. Die Bewertung gemÄss der von uns defmierten Ergebnisgraduierung als Kombination von Untersuchungsbefund und subjektiver EinschÄtzung des Operationsergebnisses ergab einen Operationserfolg in 92%. Anhand zweier FÄlle einer Carotisinterna-Blutung wird insbesondere die Problematik der vaskulÄren Komplikationen ausfÜhrlich diskutiert. Empfehlungen zur Standardisierung von Nachuntersuchungen werden gegeben.
Die Sonographie hat im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eine weite Verbreitung gefunden. Als nicht belastendes Verfahren steht sie beim Einsatz bildgebender Diagnostik an erster Stelle. Ziel dieser Arbeit war es, neben den MÖglichkeiten sonographischer Diagnostik auch die Grenzen ihrer Aussagekraft zu bestimmen. Die Indikationen zur sonographischen Untersuchung werden fur die einzelnen Organgebiete aufgezeigt und mit gleichzeitigem Hinweis auf diagnostische Alternativen diskutiert. Daneben wird auch auf neuere Entwicklungen eingegangen.
Dass eine Berührung der Gehörknöchelchenkette mit einem laufenden Bohrer zu Innenohrschädigungen führen kann, ist klinisch und experimentell hinlänglich bestätigt. Uns interessierte die Frage, ob auch schon eine Berührung des Trommelfells als wesentlicher Teil des schallzuleitenden Systems («Trommelfell-Gehörknöchelchen-Apparat») innenohrschädigend wirken kann. Dazu wurden experimentelle Untersuchungen an menschlichen Felsenbeinen durchgeführt. Es zeigte sich, dass vor allem bei Benutzung des Rosenbohrers Druckspitzen an die Steigbügelfussplatte weitergeleitet wurden, wie sie gehörschädigendem Lärm bis 140 dB SPL entsprechen. Eine Berührung des Trommelfells mit dem Bohrer, z.B. bei Abtragung von Gehörgangsexostosen oder Atresieplatten, sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
In-vitro-stimulierte autologe Lymphozyten besitzen grosse MÖglichkeiten in der Tumortherapie. Erste klinische Erfahrungen mit lymphokinaktivierten Killerzellen (LAK-Zellen) zeigen jedoch nicht nur ihre sinnvolle Einsetzbarkeit in der Therapie, sondern auch die Notwendigkeit fÜr Verbesserung. Es ist wichtig, In-vitro-Methoden zu haben, die die antitumorale Wirksamkeit die-ser Lymphozyten beurteilen helfen. Die bisher gebrÄuchlichen Tests wurden in erster Linie mit Zellsuspensionen oder Zellmonolayerkulturen durchgefÜhrt. Um der klinischen RealitÄt nÄher zu kommen, ist es wichtig, die PenetrationsfÁhigkeit der Lymphozyten in einem dreidimensionalen Tumorsystem zu beurteilen. Wir etablierten Organkulturen, indem wir permanente Tumorzellinien auf den porÖsen Strukturen von Gelittamaterial anzÜchteten. In morphologischen Studien konnten wir nachweisen, dass die Lymphozyten in der Lage sind, innerhalb Stunden in den Tumor zu penetrieren. Wurde der auf dem Gelittablock angezÜchtete Tumor mit Lymphozyten fÜr 10 Tage inkubiert, wurde das Tumorwachstum reduziert. Der Effekt wurde von uns im Kolonieinhibitionstest nachgewiesen. Die Tumorzellen, die eine Behandlung mit LAK-Zellen Überstanden, haben weiterhin die gleiche SensitivitÄt gegenÜber dieser Therapie. Diese Ergebnisse belegen, dass keine Resistenz gegen LAK-Zelltherapie entsteht und somit die MÖglichkeit zur wiederholten Behandlung gegeben ist.
Das Karzinom der RadikaloperationshOhle gilt als ausserordentlich seltene SpAtkomplikation nach Radikaloperation des Ohres. Wichtigstes klinisches Symptom ist die chronische Otitis media mit Schmerzen und blutiger Sekretion. Bei Progredienz treten Fazialisparese, Schwindel und HOrminderung hinzu. Die hochauflOsende Computertomographie gilt als Methode der Wahl im Diagnostikregime. Operation und Radiatio bestimmen das therapeutische Vorgehen. Die Prognose wird von der lokalen Ausbreitung und den entzUndlichen intrakraniellen Komplikationen bestimmt.
Bei einem standardisierten rhinoplastischen Vorgehen bleiben funktionell und Asthetisch wichtige Detailprobleme gelegentlich unberUcksichtigt. Ursachen fUr Kolumellaretraktionen und -ve
SAmtliche Krankengeschichten stationAr behandelter Erwachsener Oslos (500 000 Einwohner) mit akuter Epiglottitis der letzten 20 Jahre (1969–1988) wurden UberprUft, insgesamt 63 Pat
Bei 175 Neugeborenen und SÄuglingen mit einem HÖrstÖrungsrisiko haben wir die klickevozierten otoakustischen Emissionen (EOAE) Über einen Zeitraum von 6 Monaten untersucht. Es zeigte sich, dass mit dieser Untersuchungsmethode frÜhzeitig kochleÄre FunktionsstÖrungen festgestellt werden kÖnnen. Dieses nichtinvasive objektive Verfahren stellt eine gute ErgÄnzung in der pÄdaudiologischen FrÜhdiagnostik dar. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden detailliert dargestellt und die AussagefÁhigkeit sowie die Grenzen dieser Untersuchungsmethode diskutiert.
Das primÄre Cholesteatom des Felsenbeins ist gegenÜber dem erworbenen sekundÄren Cholesteatom eine RaritÄt. Als Erstsymptom gilt die Fazialisparese. Die hochauflÖsende Computertomographie des Felsenbeins bietet die hÖchste diagnostische Treffsicherheit und gilt als Methode der Wahl im Diagnostikregime. Therapeutisch ist mit der subtotalen Petrosektomie eine definitive Sanierung mÖglich.
An der HNO-Klinik der UniversitÄt Leipzig wurden von 1982 bis 1989 170 Eingriffe an der StirnhÖhle (57 Beck-Punktionen, 113 Operationen nach Jansen) und 59 Eingriffe am Siebbein (26 extranasale, 33 endonasale) durchgefÜhrt. Die hÖchste postoperative Komplikationsrate wies die Operation nach Jansen auf, wobei Augenmuskelparesen (6 FÄlle) und vereinzelte endokranielle Komplikationen (1 Meningitis, 1 HirnÖdem) im Vordergrund standen. Nach Beck-Punktion und Siebbeinoperationen traten kaum Komplikationen auf. An 85 Patienten konnten wir SpÄtfolgen untersuchen. Dabei waren Kopfschmerzen und ParÄsthesien, letztere nur bei externem Zugang, am hÄufigsten. Die Ergebnisse unterstÜtzen die auch an unserer Klinik bestehende Tendenz zum endonasalen Vorgehen, einen versierten Operateur vorausgesetzt, obwohl bei bestimmten Indikationen externes Vorgehen weiterhin notwendig ist.
Die Auswertung phoniatrischer Gutachten ergab, dass funktionelle Dysphonien, StimmlippenknÖtchen, Stimmlippenpolypen und KehlkopfentzÜndungen die hÄufÍgsten Ursachen fiir eine BerufsunfÄhigkeit bei PÄdagogen sind. Diese Stimmerkrankungen traten in nahezu gleichmÄssiger HÄufigkeit in alien Dienstaltersgruppen auf. StimmstÖrungen kÖnnen durch viele Faktoren ausgelÖst werden. In pÄdagogischen Berufen spielen neben dem Sprechen unter LÄrmeinfluss, konstitutionellen Bedingungen am Kehlkopf und psychischen Belastungen auch altersphysiologische VerÄnderungen eine Rolle. Angaben zur HÄufigkeit von StimmstÖrungen bei PÄdagogen sind nur dann aussagekrÄftig, wenn das Lebensalter in Verbindung mit der Anzahl der Dienstjahre berÜcksichtigt wird.
Moderne immunhistochemische Methoden mit monoklonalen und polyklonalen AntikÖrpern gegen bestimmte zellulÄre Antigene kÖnnen zum Erkennen zellulÄrer Proteine und zur Charakterisierung der Zelldifferenzierung dienen. Die Ergebnisse derartiger Untersuchungen erlauben RÜckschlÜsse auf die Funktion von Zellen und Geweben. In dieser Übersicht werden die heute bekannten immunhistochemischen Charakteristika des menschlichen Saccus endolymphaticus (SE) in einem funktionellen Kontext beschrieben. In den Epithelzellen des menschlichen SE werden sowohl Zytokeratine verschiedenen Molekulargewichts als auch Vimentin und S-100-Protein nachgewiesen. Diese Befunde unterstÜtzen neuere experimentelle Untersuchungen, die zeigen, dass das metabolisch aktive Epithel des SE sowohl resorptive als auch sekretorische Funktionen besitzt. Der Nachweis von neurosekretorischen Granula, Chromogranin und von somatostatinpositiven Zellen im Epithel lÄsst auf eine zusÄtzliche parakrine und dadurch regulatorische Funktion des menschlichen SE schliessen. Die Beobachtungen sekretorischen IgAs sowie von intraluminalen, intraepithelialen und perisakkulÄren T- und B-Lymphozyten und von Makrophagen bestÄtigen tierexperimentelle Ergebnisse; sie zeigen, dass der menschliche SE bei der lokalen Immunabwehr des Innenohrs eine Rolle spielen kann. Hierbei kÖnnte der SE Feil des mukosaassoziierten Immunsystems sein.
Die Verfasser berichten Über 2 Patienten, die einen spontanen vertikalen Nystagmus nach oben hatten. Die peripheren Labyrinthreaktionen konnten ausgelÖst werden, andere neurologische Symptome fanden sie nicht. Ihrer Meinung nach handelte es sich um die fokale EntzÜndung der Umgebung des IV. Ventrikels des zentralen Nervensystems, die von bakteriellen Toxinen bzw. Virusinfektionen ausgelÖst wurde. Die Kranken wurden binnen 2 Wochen gesund.
Moderne Erkenntnisse der normalen Funktion des Innenohrs, insbesondere der Kochlea und deren Mikromechanik, lassen neue Ansätze für ein Verständnis unerwünschier Arzneimittel-wirkungen am Innenohr erkennen. Unter besonderer Berücksichtigung neuerer Forschungs-ergebnisse zur Physiologie und Biochemie des Innenohrs werden Erkenntnisse und Hypothesen zur Wirkungsweise ausgewählter ototoxischer Arzneimittel (Aminoglykoside, Schleifendiuretika, Cisplatin) dargestellt. Der Transduktion des Schalls (mechanische Energie) in einen nervalen Impuls (elektrische Energie) in den inneren Haarzellen der Kochlea ist eine aktive Verstärkung der durch die mechanische Schallenergie induzierten Wanderwelle vorge-schaltet. Diese aktive Verstärkung wird durch die Kontraktion äusserer Haarzellen bewirkt. Pharmaka können sowohl die mechanoelektrische Transduktion in den inneren Haarzellen als auch die Verstärkungsleistung der äusseren Haarzellen durch Störung verschiedener zell-biologischer Mechanismen direkt oder indirekt beeinflussen. Aminoglykoside, deren ototoxische Wirkung aus zahlreichen klinischen Berichten allgemein bekannt ist, binden zunächst aufgrund elektrostatischer Kräfte von aussen an die Oberfläche der Haarzellmembran und verdrängen Kalzium. Die irreversible Schädigung der Zellen wird durch einen aktiven Trans-portmechanismus eingeleitet; hierbei gelangt das Aminoglykosid in das Zellinnere und bindet an der Innenseite der Zellmembran an Phosphatidyl-Inositol-Biphosphat (PIP2), einen Membranbaustein, der wichtige Zellfunktionen steuert. Dadurch wird einerseits die Hydrolyse von PIP2 verhindert, anderseits die Zellmembran unspezifisch geschädigt und für niedermolekulare Substanzen, unter anderem auch das Aminoglykosid, weiter durchgängig gemacht. Die blockierte PIP2-Hydrolyse hat zur Folge, dass Inositoltriphosphat (IP3), ein sogenannter zweiter Botenstoff, nicht freigesetzt werden kann. IP3 steuert unter anderem die für die Motilität der äusseren Haarzellen wichtige Homöostase von Kalzium, Dadurch wird die Amplifi-kation der Wanderwelle in der Kochlea beeinträchtigt. Dies korreliert mit dem klinisch zu beobachtenden Hörverlust mit Recruitmentphänomen nach Aminoglykosidgabe. Schleifendiuretika, insbesondere Furosemid und Etacrynsäure, wirken insbesondere auf die Stria vascularis, die für die Produktion der Perilymphe und deren Ionenhomöostase (hohe K+-Konzentration) sowie den Aufbau des endolymphatischen Potentials verantwortlich ist. Mit Etacrynsäure und Furosemid kann das endolymphatische Potential gesenkt werden. Ein konsekutiver Schwund des elektrochemischen Gradienten bewirkt, dass selbst bei einer Öffnung der lonenkanäle, induziert durch eine Auslenkung der Stereozilien, Kalium nicht mehr in einer für die Depolarisation ausreichenden Menge in die Sinneszellen einströmen kann; es resultiert ein Funktionsverlust der Haarzellen. Auch ein direkter schädigender Effekt von Furosemid auf die Haarzellen kann nicht ausgeschlossen werden. Das kochleotoxische Zytostatikum Cisplatin schädigt möglicherweise die Membranen äusserer Haarzellen und induziert Veränderungen an Stereozilien. Klinische Messungen otoakustischer Emissionen unterstützen die Hypothese des primären Angriffsortes an den äusseren Haarzellen. Die bei nahezu jedem Menschen mit normaler Innenohrfunktion messbaren und evozierbaren otoakustischen Emissionen entstehen durch Haarzellkontraktionen bei der Wanderwellenverstärkung. Kommt es zu einem – auch nur partiellen – Funktionsverlust äusserer Haarzellen, werden die nach einem Tonreiz evozierten Emissionen abgeschwächt oder erlöschen vollständig. Der intraindividuelle Vergleich der Amplituden otoakustischer Emissionen vor und nach einer Cisplatin-(Teil-)Therapie ist ein ausserordentlich sensitiver Parameter und lässt unter Urnständen schon vor einem tonschwellenaudiometrisch erfassbaren Hörverlust den Rück-schluss zu, ob äussere Haarzellen als Zeichen einer beginnenden Innenohrschädigung betroffen sind.