
Abstrakt Der Beitrag beschreibt die Überführung strategischer Anforderungen an Digitale Zwillinge im Erhaltungsmanagement von Infrastrukturbauwerken in eine Softwarelösung. Im Mittelpunkt steht ein föderierter Plattformansatz, erprobt an den Digitalen Zwillingen der Haupthafenroute und der Nibelungenbrücke. Die skalierbare Lösung verknüpft Daten aus Planung, Bau, Bestand, Bauwerksprüfung, Monitoring, Diagnostik und Zustandsbewertung in BIM‐basierten Digitalen Zwillingen. Externe Datenquellen werden über Schnittstellen integriert und modular für verschiedene Nutzergruppen bereitgestellt. Anhand zentraler Softwarekomponenten und Praxisbeispiele wird demonstriert, wie die Plattform Erhaltungsprozesse unterstützt und datenbasierte Entscheidungen im Infrastrukturmanagement ermöglicht.
Zusammenfassung Der Arbeitskreis „Baugruben“ der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik (DGGT) veröffentlicht seit 1968 regelmäßig Empfehlungen für die Berechnung, Bemessung und Konstruktion von Baugrubenumschließungen. Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über den aktuellen Stand. Im vergangenen Jahr erfolgte in der Hauptsache die Mitwirkung bei der Kommentierung der Entwürfe des neuen Eurocode 7 und die Mitwirkung beim Eurocode 0. Weitere Schwerpunkte waren die Ergänzung der EB 52 „Tragfähigkeit von Steifen“ durch ein Sicherheits‐ und Überwachungskonzept, Vereinfachungen bei der Anwendung der FEM, redaktionelle Korrekturen der aktuellen Auflage in Abschnitt 8.3 sowie Vorschläge zu Abkürzungen für die zweite Generation des EC 0 und des EC 7.
Zusammenfassung Bei der dynamischen Simulation von Zugüberfahrten über Eisenbahnbrücken im Hochgeschwindigkeitsbereich zeigt sich häufig eine erhebliche Diskrepanz zwischen berechnetem und real gemessenem Systemverhalten, insbesondere hinsichtlich der vertikalen Brückenbeschleunigungen. Für diesen Unterschied können vereinfachte Rechenmodelle verantwortlich gemacht werden, denen zugunsten einfacher Handhabung konservative Annahmen zugrunde liegen. Als ein maßgebender Einflussfaktor gilt das Lehr'sche Dämpfungsmaß des Brückentragwerks. Oftmals ist eine experimentelle Bestimmung an realen Tragwerken erforderlich, weil die im aktuell gültigen Eurocode angegebene Größe als untere Grenze gilt. Der vorliegende Beitrag untersucht die Frage, inwieweit die in dynamischen Versuchen eingesetzte Sweep‐Rate einen Einfluss auf die Bestimmung des Dämpfungsmaßes ausübt. Es wird gezeigt, dass eine ungeeignet gewählte Sweep‐Rate zu systematischen Verzerrungen führt, die bei Anwendung üblicher Auswertungsverfahren eine nicht konservative, d. h. zu hohe Abschätzung des realen Dämpfungsmaßes zur Folge haben. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen wird ein Fehlerkriterium formuliert, aus dem eine empfohlene maximale Sweep‐Rate abgeleitet wird. Zudem wird gezeigt, wie aus verzerrten Messdaten aufgrund einer zu hohen Sweep‐Rate das tatsächlich zugrunde liegende Dämpfungsmaß rekonstruiert werden kann.
Zusammenfassung Bauprojekte sind oftmals durch eine hohe Komplexität mit Termin‐ und Kostenüberschreitungen gekennzeichnet. Daraus resultieren Konflikte zwischen den Projektbeteiligten. Die Bauablauf‐ und Terminplanung stellt daher ein zentrales Element für eine erfolgreiche Projektabwicklung und zur Vermeidung dieser Konflikte dar. In der Praxis basiert die Terminplanerstellung jedoch vielfach auf subjektiven Einschätzungen und isolierten Erfahrungswerten, da belastbare und strukturierte Daten zu realen Baustellenabläufen oftmals fehlen. Dies führt zu Planungsunsicherheiten und ineffizienten Prozessen mit entsprechenden Terminfolgen. Datenbankgestützte Lösungen bieten das Potenzial, diese Defizite zu reduzieren. Durch die zentrale Erfassung, systematische Analyse und Verknüpfung projektrelevanter Daten können Terminrisiken frühzeitig identifiziert und die Prognosegüte der Terminplanung verbessert werden. Insbesondere die Auswertung von Daten aus abgeschlossenen Projekten ermöglicht eine realitätsnähere und fundiertere Planung. KI‐gestützte Methoden erhöhen zudem die Nutzbarkeit der Daten, indem sie eine effiziente Auswertung großer Datenmengen sowie intuitive, auch sprachbasierte Abfragen ermöglichen. Relevante Informationen können schneller identifiziert und für die Terminplanung zielgerichtet aufbereitet werden. Vor diesem Hintergrund wird nachfolgend ein Datenbanksystem vorgestellt, das zur Objektivierung und Effizienzsteigerung der Terminplanung beiträgt und das systematische Erheben von Daten fördert.
Abstrakt Durch den Krieg in der Ukraine ist der Schutz der Bevölkerung vor kriegerischen Einwirkungen und damit auch das Thema Schutzräume im Rahmen des Zivilschutzes verstärkt in den Fokus von Politik, Medien und Öffentlichkeit gerückt. In der öffentlichen und medialen Wahrnehmung werden Schutzräume oft mit massiven Bunkern und umfangreicher Technik zum Schutz vor CBRN‐Gefahren assoziiert. Eine differenzierte Betrachtung der Bedrohung, ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und der von ihr ausgehenden Gefährdung erfolgt jedoch meist nicht. Häufig wird ein maximaler Schutz gegen alle denkbaren kriegerischen Gefahren und Naturgefahren (All‐Gefahren‐Ansatz) gefordert. Beim Entwurf und Bau von Schutzräumen müssen vorab folgende Kernfragen gestellt und beantwortet werden: Gegen welche Bedrohungen soll geschützt werden? Was ist das Schutzziel? Und welches Schutzniveau soll erreicht werden? Im Rahmen einer von den Autoren durchgeführten Studie wurden ausschließlich konventionelle Waffen berücksichtigt. Bei einer derartigen Bedrohung bieten bereits innenliegende und unterirdische Räume ohne Öffnungen nach außen einen Grundschutz. Vergleichbare Schutzkonzepte existieren auch zum Schutz vor Naturgefahren wie Hurrikans und Tornados. Im Beitrag soll eine Übersicht über kriegerische Gefahren gegeben werden. Darauf aufbauend werden Konzepte zum baulichen Schutz gezeigt. Im Fokus steht dabei insbesondere das Schutzpotenzial von Bestandsbauten und ‐infrastruktur für die Zivilbevölkerung bei kriegerischen Konflikten mit konventionellen Waffen.
Zusammenfassung Bauwerksmonitoring (SHM) entwickelt sich zu einem zentralen Baustein für die Instandhaltung von Bauwerken. Mit intelligenter Sensorik lassen sich Tragreserven sichtbar machen, Schäden frühzeitig erkennen und Instandhaltungsprozesse neu denken. Gleichzeitig stellen Qualifikation und Zertifizierung des beauftragten Fachpersonals eine große Herausforderung für Vergabestellen dar. Da es keine standardisierten Ausbildungs‐ und Zertifizierungswege gibt, werden Referenzprojekte häufig als Qualifikationsnachweis herangezogen. Diese Praxis begünstigt eine Marktkonzentration auf wenige etablierte Anbieter, erschwert den Markteintritt neuer Akteure und wirkt kostentreibend – mit negativen Folgen für die flächendeckende Umsetzung von SHM. Dieses Positionspapier schlägt einen Sechs‐Punkte‐Plan zur Qualifizierung und Zertifizierung von Anwärtern ohne einschlägige Referenzprojekte vor. Ziel ist es, Transparenz, Vergleichbarkeit und Wettbewerb im Vergabeprozess zu stärken, ohne bestehende Qualitätsstandards abzusenken. Zentrale Elemente sind eine branchenübliche Arbeitsteilung, nachvollziehbare Qualifikationsnachweise über Ausbildung und Berufserfahrung, ein modulares Zertifizierungsmodell sowie die Einführung eines neuen Akteurs, des Kommunikationsdienstleisters, zur Standardisierung der Datenverarbeitung und ‐bereitstellung. Der vorgeschlagene Ansatz schafft einen breitenwirksamen Zugang zum Bauwerksmonitoring und fördert gleichzeitig Innovation und Wettbewerb bei Marktführern.
Zusammenfassung Anforderungen an die Ermittlung und Angabe umweltrelevanter Informationen zu Gebäuden unter Nutzung von Methoden der angewandten Ökobilanzierung erlangen in naher Zukunft Gesetzeskraft. Beginnend mit dem Jahr 2028 müssen die Treibhausgasemissionen im Lebenszyklus berechnet und als Treibhauspotenzial ausgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine Wirkungskategorie aus der Liste der Kernindikatoren einer Ökobilanz. Lagen bisher nur vereinzelt Erfahrungen bei der Ermittlung des Treibhauspotenzials und zum Teil weiterer potenzieller Umweltwirkungen vor, etwa im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsbewertung, der Beantragung von Fördermitteln oder der EU‐Taxonomie, wird ab diesem Zeitpunkt die Planungs‐ und Baupraxis, insbesondere die Gruppe der Vertreterinnen und Vertreter planender Berufe, in ihrer vollen Breite mit dieser Thematik konfrontiert. Aktuell werden die Grundlagen geschaffen. Dies betrifft sowohl die Formulierung gesetzlicher Anforderungen, die Weiterentwicklung der einschlägigen Normen, die Bereitstellung von Daten, Anleitungen und Hilfsmitteln sowie den Ausbau von Weiterbildungsangeboten. In diesem Kontext stellt der Beitrag die Grundlagen der Ökobilanzierung, den Stand der Normung von DIN EN 15978:2026 und DIN SPEC 91606:2026 sowie relevante Fragestellungen vor, die mithilfe der Ökobilanzierung behandelt werden können. Zu ausgewählten Teilthemen werden die Hintergründe und Zusammenhänge erläutert sowie Hinweise für die konkrete Anwendung gegeben.
Abstrakt Für den Neubau eines Forschungshochhauses in Basel wurde eine tiefe Baugrube inmitten eines Pharma‐Areals erstellt. Zur Sicherung der Baugrube gegen den Erddruck und den bis zu zehn Meter hohen Wasserdruck im stark durchlässigen Baugrund wurde eine überschnittene Bohrpfahlwand mit einer einzigen Zwischenabstützung in Form einer Sprießdecke ausgeführt. Bei diesem Projekt wurde eine Optimierung der Ökobilanz der Baumaßnahme in der Planung, Ausschreibung und Ausführung angestrebt. Dazu wurden die maßgeblichen Einflussfaktoren auf den CO 2 ‐Fußabdruck der Bauteile identifiziert und gezielte Produkte bzw. Maßnahmen ausgeschrieben, um eine Reduktion des CO 2 ‐Fußabdrucks zu erreichen. Trotz Anpassungen während der Ausführung konnten schlussendlich rund ein Drittel der CO 2 ‐Emissionen der Baugrube eingespart werden.
Abstrakt Die Energiewende in Deutschland erfordert leistungsfähige Übertragungsnetze, um große Strommengen aus Offshore‐Windparks in die Verbrauchszentren zu transportieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Hochspannungs‐Gleichstromverbindung A‐Nord, die den Netzverknüpfungspunkt Emden‐Ost mit der Konverterstation Osterath bei Meerbusch verbindet. Ein technisch besonders anspruchsvoller Abschnitt dieses Projekts ist die Querung des Rheins bei Rees. Nach Untersuchung verschiedener Bauverfahren – darunter Mikrotunnelbau, Tunnelbau mit Tübbingausbau und Horizontalspülbohrung – erwies sich eine offene Bauweise in Form eines Kabeldükers als technisch und wirtschaftlich vorteilhaft. Dabei wurde zunächst eine rund 660 m lange Dükerrinne in der Gewässersohle durch Nassbaggerarbeiten hergestellt. Anschließend wurde eine an Land vormontierte Rohrkonstruktion mit acht HDPE‐Schutzrohren und einem Gesamtgewicht von etwa 555 t mithilfe einer leistungsfähigen Windenanlage in die vorbereitete Rinne eingezogen. Hydrographische Vermessungen, statische Berechnungen sowie eine kontinuierliche Lagekontrolle während der Bauausführung stellten die sichere Positionierung der Konstruktion sicher. Nach dem Einzug wurde die Rinne wieder verfüllt und durch Wasserbausteine dauerhaft gegen Erosion geschützt. Die Rheinquerung stellt damit ein technisch anspruchsvolles Schlüsselbauwerk im Netzausbau dar und liefert wichtige Erfahrungen für zukünftige Flussquerungen im Rahmen des Erdkabelausbaus.
Abstrakt Bei der Instandsetzung massiver Schleusenanlagen werden häufig Stahlbetonvorsatzschalen eingesetzt, deren Verankerungselemente infolge nichtruhender Beanspruchung ermüdungsrelevant sind. Zyklische Beanspruchungen im Verbund zwischen Bewehrung und Beton führen zu Schlupfzunahme, Verbundsteifigkeitsdegradation und Umlagerungen entlang der Verankerungslänge. Der Beitrag bewertet die Anwendbarkeit von Distributed Fiber Optic Sensors (DFOS) zur hochauflösenden Erfassung der lokalen Dehnungsverteilung im Vergleich zu induktiven Wegaufnehmern (IWA) und leitet daraus eine globale Verbundsteifigkeit ab. In großformatigen zyklischen Pull‐out‐Versuchen an GFK‐ und B500B‐Bewehrungsstäben werden Schlupf, Dehnungsverteilungen und Verbundsteifigkeiten unter Gebrauchslast analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass beide Bewehrungsarten einen starken initialen Verbundsteifigkeitsverlust innerhalb der ersten 2 % der Schwingspiele aufweisen. GFK‐Stäbe erfahren jedoch eine deutlich größere relative Verbundsteifigkeitsdegradation als Betonstahl. Die aus DFOS‐ und IWA‐Daten berechneten Verbundsteifigkeitsentwicklungen liefern über den gesamten Versuchsverlauf weitgehend konsistente Ergebnisse, wobei DFOS zusätzlich lokale Umlagerungen und Schädigungsprozesse entlang der Verankerungslänge auflöst. Damit wird DFOS als ein zuverlässiges, hochauflösendes Werkzeug zur Analyse zyklischer Verbunddegradation bestätigt und die Bewertung der Ermüdungsbeanspruchung im Verbund ist materialabhängig vorzunehmen.
Zusammenfassung Die Anwendung der BIM‐Methodik für historische Bauwerke am Beispiel des Schlosses Wespensteins wird untersucht. Ausgangspunkt ist die Erstellung eines BIM‐Modells auf Basis vorhandener Laserscandaten. Dieses Modell dient als Grundlage für Rekonstruktions‐ und Sanierungsarbeiten. Ziel der Untersuchung ist es, die Sinnhaftigkeit der BIM‐Modellierung bei historischen Bauwerken zu bewerten. Es zeigt sich, dass das Modellieren historischer Gebäude zahlreiche Vorteile bietet, insbesondere für Planung und Rekonstruktion. Allerdings sind die aktuellen Methoden zur Umwandlung von Punktwolken in präzise 3D‐Modelle noch nicht vollständig ausgereift. Dadurch wird die Modellierung historischer Bauwerke oft sehr zeitintensiv, was die Wirtschaftlichkeit dieser Methode infrage stellt.
Zusammenfassung Um Steinschlagschutzverbauungen im Niedrigenergiebereich von maximal 60 kJ mit einfachen, handelsüblichen Komponenten zu überprüfen, wurden bereits im Jahr 2023 in einem Steinbruch nahe Passau 1:1‐Belastungsversuche durchgeführt. Dabei wurden die Kräfte in den Abspann‐ und Tragseilen erfasst und ergänzend Videoanalysen durchgeführt, um das Systemverhalten präzise zu beschreiben und auszuwerten. Diese Messdaten stellen nun die Grundlage für die Validierung der numerischen Berechnungen mit der Diskrete‐Elemente‐Methode (DEM) dar. Mit der numerischen Simulation konnten die maximal gemessenen Seilkräfte, die Kräfte an den Verankerungspunkten sowie die Auslenkungen des Schutzbauwerks während und nach dem Impakt mit sehr guter Similarität abgebildet werden. Die numerischen Berechnungen zeigten ein sehr gutes Konvergenzverhalten des Gesamtsystems. Wie bereits bei den 1:1‐Versuchen konnte analog zu den Simulationsergebnissen der Nachweis für den Grenzzustand der Tragfähigkeit für das flexible Schutzsystem bis zu einer Einwirkung von E k = 60 kJ, erbracht werden.
Abstrakt Im Rahmen eines Forschungsvorhabens wurden in Versuchen Modellverpressanker in Sand hergestellt und die Veränderung des Herausziehwiderstands bei einer Lagerungsdauer von bis zu zwölf Monaten untersucht. Dabei erfolgte eine Umströmung der Modellverpressanker mit Leitungswasser, welches auf Basis von Wasseranalysen als calcitabscheidend eingestuft wird. Der bei Zugversuchen an den Modellverpressankern ermittelte Herausziehwiderstand war bei einer Lagerungszeit von sechs Monaten deutlich erhöht und stieg nach einer Lagerung von zwölf Monaten weiter an. Nach dem Ausbau wurde an der Oberfläche des Verpresskörpers eine zusätzliche Materialschicht von bis zu drei Millimetern Stärke vorgefunden, die mit längerer Lagerungsdauer an Festigkeit zunimmt. Analysen zeigen, dass in der Kontaktzone zwischen Boden und Zementstein Ionen der Porenlösung des Zementsteins mit den Calcium‐Ionen und Carbonat‐Ionen des Leitungswassers reagieren und dabei Calciumcarbonate entstehen, die eine zeitlich fester werdende Matrix mit den umliegenden Sandkörnern bilden.
Abstrakt Im Rahmen der Überarbeitung des Eurocode 7 (EC 7) wird erstmals die Bemessung geotechnischer Konstruktionen mit numerischen Methoden normativ geregelt. Das hierfür in dem neuen EC 7 vorgeschlagene Verfahren sieht Berechnungen nach dem Input Factoring Approach (IFA) und dem Output Factoring Approach (OFA) vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Ansatz nach IFA vorrangig für den Nachweis des Baugrundversagens und der Nachweis nach OFA für Bauteilnachweise zum verbindlichen Maßstab werden sollte. Im Kontext der Einführung dieses Nachweiskonzepts ist sicherzustellen, dass hierdurch das bislang etablierte Sicherheitsniveau nicht signifikant verändert wird. Für den Nachweis sind entsprechende Vergleichsstudien erforderlich. In diesem Beitrag werden derartige Vergleichsstudien am Beispiel des Nachweises über die äußere Tragfähigkeit eines vertikal belasteten Einzelpfahles vorgestellt. Es werden sowohl Spitzendruck‐ als auch Mantelreibungspfähle betrachtet. Als Ergebnis zeigt sich, dass eine Nachweisführung gemäß IFA‐Konzept in diesem Fall durchgängig ein Sicherheitsniveau sicherstellt, das im Intervall der bisher gebräuchlichen Sicherheiten liegt. Aus diesen Befunden kann geschlossen werden, dass ein numerischer Nachweis der äußeren Pfahltragfähigkeit des axial belasteten Pfahls mit den im EC 7 vorgeschlagenen Verfahren durchgeführt werden kann, sofern dieser nach der nationalen Normung zulässig ist.
Abstrakt Der Einsatz großformatiger Fertigteile in Schleusenkammerwänden wird an der Bundesanstalt für Wasserbau im Rahmen eines Forschungs‐ und Entwicklungsprojekts intensiv untersucht, um die bekannten technischen und wirtschaftlichen Vorteile der Fertigteilbauweise im Verkehrswasserbau auszunutzen und einheitliche Grundlagen dafür zu schaffen. Eine damit einhergehende Fragestellung ist die technische Ausbildung der planmäßigen Kontaktfugen zwischen den einzelnen Fertigteilen unter Berücksichtigung der Anforderungen aus dem Verkehrswasserbau und der Fertigteilbauweise. Die neue Anforderungskombination erfordert die Suche und Identifikation geeigneter Fugenkonstruktionen. Dieser Beitrag stellt den Entscheidungsprozess zur Auswahl der geeignetsten Fugenkonstruktion vor. Im ersten Schritt wird eine umfassende Literatur‐ und Produktrecherche durchgeführt. Anschließend wird mit zehn Personen eine multikriterielle Entscheidungsanalyse durchgeführt und um Betrachtungen der Ergebnissensitivität ergänzt. Im Ergebnis zeigen sich zwei Vorzugslösungen für die Fugenkonstruktion: ein gefüllter Elastomerschlauch und eine bewehrte Vergusstasche mit Stabstahl.
Abstrakt Das Ziel des „klimaoptimierten“ Bauens besteht darin, fossile Treibhausgasemissionen zu reduzieren und Ressourcen durch einen effizienten Materialeinsatz bei der Errichtung von Gebäuden aus Holzbauteilen zu schonen. Im Holzbau steht Ingenieur:innen eine breite und komplexe Auswahl an Werkstoffen, Bauteilen und Bauweisen zur Verfügung, die – in Kombination mit Ausbaustoffen – zu vielfältigen, jedoch gleichwertigen Lösungen führen kann. Nachdem im ersten Teil der Beitragsreihe die relevanten Aspekte der aktuellen Diskussion um biogene Emissionen und die Rolle der Kohlenstoffspeicherung im Holzbau aus der Perspektive des Holzbauingenieurwesens zusammengefasst und Empfehlungen für die Bilanzierung abgeleitet wurden, werden im vorliegenden zweiten Teil Maßnahmen für den „klimaoptimierten“ Entwurf und die Bemessung von Tragwerken aus Holz auf der Basis des neuen Eurocode 5 vorgestellt.
Abstrakt Nicht jedes aus Holz realisierte Strukturelement garantiert kategorisch dieselben ökologischen Vorteile. Ein materialeffizienter Stützenquerschnitt kann dennoch emissionsreich oder ressourcenintensiv sein, beispielsweise aufgrund klebstoffintensiver Fertigungsschritte oder verlustreicher Rohmaterialverarbeitung. Umgekehrt können auch emissionsarme und ressourcenschonende Holzwerkstoffe ungeeignet sein, wenn ihre geringe Tragfähigkeit zu überdimensionierten Querschnitten führt. Die hier kompakt wiedergegebene Bachelorarbeit untersucht dieses Spannungsfeld exemplarisch am Beispiel einer Holzinnenstütze. Aufbauend auf einer parametrischen Untersuchung werden unterschiedliche Vollholzwerkstoffe hinsichtlich ihres Materialeinsatzes, ihres Treibhauspotenzials sowie ihrer Ressourcenverwendung bewertet. Besonders hinsichtlich der Ressourceneffizienz wird ein neues Konzept vorgeschlagen, das die Wertschöpfungskette vom Baumwachstum über die Ernte bis zur Rohmaterialverarbeitung quantifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass nur eine integrative Betrachtung aller Effizienzdimensionen zu belastbaren Aussagen über die ökologische Qualität eines Bauteils führt – und damit neue Impulse für eine differenzierte, zukunftsweisende Planung im Holzbau gibt.
Zusammenfassung Der Bericht stellt die organisationsspezifische Befähigung zur Anwendung von Building Information Modeling (BIM) als strategisches Instrument der digitalen Transformation im Bauwesen vor. Am Beispiel der Wayss & Freytag Ingenieurbau AG wird gezeigt, wie durch strukturierte Schulungsprogramme, klare Rollenverteilungen und eine systematische Verankerung in der Unternehmenskultur eine nachhaltige BIM‐Kompetenz aufgebaut werden kann. BIM wird dabei nicht als einmalige Maßnahme, sondern als kontinuierlicher Organisationsentwicklungsprozess verstanden, der technische, personelle und kulturelle Aspekte integriert. Die Befähigung erfolgt entlang eines strukturierten Kompetenzmodells und wird durch projektbasierte Lernformate und ein kennzahlenbasiertes Monitoring unterstützt. Der Bericht leitet praxisnahe Handlungsempfehlungen für Unternehmen ab, die ihre digitale Arbeitsweise stärken und BIM als integralen Bestandteil ihrer Organisationsentwicklung verankern möchten.
Abstract Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt im Infrastrukturmanagement des Verkehrswasserbaus an Bedeutung, da sie Prozesse effizienter gestalten und datenbasierte Entscheidungsgrundlagen liefern kann. Der Beitrag skizziert die aktuelle Diskussion um den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) und deren Relevanz für das Management von Verkehrswasserbauwerken wie Schleusen und Wehren. Er erläutert die Grundlagen symbolischer und statistischer Modelle und beleuchtet Anwendungen in der Bild‐ und Sprachverarbeitung. Praxisnah werden zentrale Einsatzfelder vorgestellt: Bei der Detektion von Auffälligkeiten unterstützen Modelle des maschinellen Lernens die automatisierte Schadenserkennung, beispielsweise die Identifikation von Rissen an Schleusen auf Basis von Drohnen‐ oder Bilddaten. Assistenzsysteme auf Grundlage generativer KI und hybrider Ansätze erleichtern darüber hinaus die Recherche und Bereitstellung von Wissen. Anwendungsbeispiele aus laufenden Projekten zur prozessorientierten Informationsbereitstellung heterogener Bestandsdaten von Verkehrsinfrastrukturen sowie zur automatisierten Metadatenerkennung und Schadensdetektion verdeutlichen den konkreten Nutzen. Dieser liegt insbesondere in Effizienzgewinnen und einer verbesserten Entscheidungsunterstützung. Gleichzeitig werden Herausforderungen wie Datenqualität und Akzeptanz diskutiert. Die dargestellten Projekte zeigen, dass KI bereits heute einen Mehrwert bieten kann.