
Der Beitrag untersucht, wie der ORF Armut und soziale Ausgrenzung thematisiert. Er fragt, wie Betroffene und Expert:innen die mediale Darstellung bewerten, wie sie im Sinne der Betroffenen gestaltet sein sollte und welche redaktionellen sowie strukturellen Schritte notwendig sind. Auf Basis einer Public‐Value‐Perspektive wurden zwei Fokusgruppen und acht Interviews mit Expert:innen und Armutsbetroffenen durchgeführt und thematisch ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen Inkonsistenzen auf: Armut wird oft individualisiert; Diversität, Kontinuität und plattformgerechte Aufbereitung fehlen. Empfohlen werden partizipative Formate im Sinne „nicht über uns, sondern mit uns“, diversere Redaktionsteams, neue Leitlinien sowie barrierearme und mehrsprachige Angebote.
In den „Innenansichten“ der Communicatio Socialis schreiben Autor:innen aus ihrer beruflichen Perspektive über medienethische Aspekte im Zusammenhang mit dem Schwerpunktthema des Heftes. In dieser Ausgabe berichten die beiden Philosophinnen Imke von Maur und Katharina Zöpfl von ihren Erfahrungen aus einem Workshop mit Grundschulkindern zum Thema Armut und Bedürftigkeit. Die Autorinnen haben im Rahmen eines Seminars mit Studierenden der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit der Projektwoche einer Grundschule kooperiert.
Der Beitrag zeigt, dass in Moraltheologie wie in der KI- Ethik moralische Orientierung zunehmend nicht an isolierten oder vermeintlich eindeutigen Wesensmerkmalen festgemacht wird, sondern an dem, was in Beziehungen und sozialen Praktiken geschieht. Ausgehend vom Wandel zur beziehungsorientierten Sexualethik und von Gunkels relationaler Kritik an der Person/Ding-Dichotomie wird argumentativ herausgearbeitet, wie sich Normativität in Anerkennung, Responsivität und institutioneller Zurechnung bildet. Der Vergleich führt zu dem Ergebnis, dass beide Debatten eine Practice- first Logik teilen – und dass gerade deshalb zusätzliche Maßstäbe nötig sind, um Anerkennungspraktiken selbst zu beurteilen und Projektion, Machtasymmetrien sowie Verantwortungsdiffusion zu verhindern.
Der Artikel untersucht Kommunikationsstrategien des Bettelns anhand von Pappschildern, die von Bettler:innen genutzt werden, um Menschen zum Spenden zu bewegen, obwohl diese keinen unmittelbaren materiellen Nutzen erwarten können. Auf Basis von 42 Schildern, deren Erhebung medienethisch reflektiert wird, analysiert der Beitrag visuelle, formale und sprachliche Elemente und ordnet sie Strategien wie der Betonung individueller Bedürftigkeit, dem Beziehungsaufbau, der Darstellung von Ähnlichkeit oder Chancenungleichheit sowie der Inszenierung von Charakter und Einstellungen zu. Die Schilder verdichten Botschaften, erzeugen aber auch Selbststereotypisierungen. So entsteht eine kommunikative Wirksamkeit, die individuelle Selbstpräsentation mit allgemeiner Conditio humana verbindet.
Die Studie untersucht, aus welchen sozialen Herkunftsgruppen Volontär:innen und Journalistenschüler:innen in Deutschland stammen und wie soziale Herkunft mit ihrem Rollenverständnis zusammenhängt. Grundlage ist eine Befragung von 250 Nachwuchsjournalist:innen. Die Ergebnisse zeigen eine sozial selektive Zusammensetzung des journalistischen Nachwuchses: Die Mehrheit stammt aus akademischen Elternhäusern und hat studiert. Zugleich treten Unterschiede im beruflichen Rollenverständnis zutage: Befragte aus akademischen Familien betonen stärker die Kontrollfunktion gegenüber politischen und wirtschaftlichen Eliten, während Befragte aus nicht-akademischen Herkunftsgruppen partizipativen, entwicklungsorientierten und anwaltschaftlich-repräsentationsbezogenen Aufgaben größere Bedeutung beimessen.
Wissenschaft soll Grundlagen für politische Entscheidungen liefern und sich zugleich aus der Politik heraushalten – so die zugespitzte Erwartung. Während politische Interessenvertretung für viele gesellschaftliche Gruppen selbstverständlich ist, gilt sie für die Wissenschaft als fremd. Empirische Befunde zeigen Zurückhaltung, Strategiemangel und begriffliche Scheu gegenüber Lobbying. Der Beitrag fragt, inwieweit Wissenschaft Lobbying betreiben darf. Politische Interessenvertretung wird dabei als Teil strategischer Organisationskommunikation verortet und ihre Legitimität aus kommunikationsethischer Perspektive diskutiert. Vorläufiges Ergebnis: Nicht das Lobbying der Wissenschaft ist legitimatorisch problematisch, sondern der Verzicht darauf.
Der Beitrag untersucht Armutsdiskurse in Österreich mitsamt ihren medialen Darstellungen, politischen Deutungskämpfen und der Rolle von Gegenöffentlichkeiten. Zentrale Forschungsfrage ist, wie Armut in Massenmedien konstruiert wird und wie das Österreichische Netzwerk „Die Armutskonferenz“ darauf Einfluss nimmt. Vor dem theoretischen Hintergrund der Foucaultschen Diskursanalyse fasst der Artikel Ergebnisse der Mediendiskurse zusammen und stellt literaturbasiert praxisorientierte Interventionen dar. Die Ergebnisse zeigen, dass dominante Diskurse Armut häufig individualisieren, moralisieren und zwischen „würdigen“ und „unwürdigen“ Armen unterscheiden, während die Armutskonferenz teils erfolgreich versucht alternative Gegennarrative zu etablieren.
Der Beitrag untersucht die digitale Kluft zwischen armutsbetroffenen und nicht armutsbetroffenen Menschen in Deutschland. Theoretische Grundlage ist das Drei-Ebenen-Modell digitaler Klüfte, das Ungleichheit im Zugang, bei der Nutzung und den Wirkungen digitaler Medien unterscheidet. Armut wird dabei als Form sozialer Exklusion verstanden, welche die Teilhabechancen beschränkt. Medienethisch betrachtet ist digitale Teilhabe eine Frage der distributiven Gerechtigkeit. Die Sekundärdatenanalyse der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse 2025 bestätigt, dass Armutsbetroffene auf allen drei Ebenen systematisch benachteiligt sind und Ungleichheiten sich gegenseitig verstärken. Dies stützt die theoretischen Annahmen zur Reproduktion sozialer Ungleichheit im digitalen Raum.
Dieser Beitrag widmet sich der medialen Darstellung von Vermögen und Armut. Er nimmt vorwiegend eine historische Perspektive ein und beschreibt die Darstellungen von deutschen Einwanderer:innen in den USA im Zeitraum 1848 bis 1914. Mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse basierend auf vier Vermögenskategorien (materielles, immaterielles, absentes Vermögen sowie Vermögensutopien) wurden Artikel analysiert. Daran anknüpfend erfolgt ein Vergleich mit aktuellen medialen Darstellungen von Armut in Bezug auf Migration. Es zeigt sich, dass heute individuelles Versagen in den Vordergrund gerückt wird, während früher immaterielles Vermögen wie Arbeitskraft und moralische Integrität betont wurden. Abschließend werden ethische Implikationen diskutiert und Handlungsempfehlungen formuliert.
Der vorliegende Beitrag untersucht, inwieweit James S. Colemans Vertrauenstheorie auf digitale Kommunikationskontexte übertragbar ist. Coleman konzipiert Vertrauen als rationale Entscheidung unter Unsicherheit, die auf der Kosten-Nutzen-Kalkulation identifizierbarer Akteur:innen und funktionierenden Reputations- sowie Sanktionsmechanismen beruht. Die Analyse zeigt, dass Colemans Kernprinzip in digitalen Räumen grundsätzlich gültig bleibt, jedoch durch digitale Spezifika wie Anonymität, Plattformvermittlung, algorithmische Intransparenz und affektiv-kulturelle Dynamiken erheblich modifiziert werden muss. Medienethisch resultieren daraus Transparenz- und Verantwortungspflichten für Plattformen, etwa durch Ansätze der Explainable AI.
Armut ist für Kinder und Jugendliche Teil der Lebensrealität, weil sie ihr begegnen oder sie selbst erleben. Konfrontation mit Armut berührt einen bei Kindern oft ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Es ist evident, dass empfundene Ungerechtigkeit innere Konflikte auslöst, die thematisiert werden müssen. Um mit Kindern und Jugendlichen darüber ins Gespräch zu kommen, bieten aktuelle Werke der Kinder- und Jugendliteratur Anknüpfungspunkte. Hilfreich ist, wenn Autor:innen mit ihren Geschichten über Armut Erwachsene und Kinder gleichermaßen ansprechen. So können für beide Seiten bereichernde Diskurse entstehen. Im Vergleich von vier Werken unterschiedlicher Epochen wird in diesem Beitrag gezeigt, dass gerade die zeitgenössische Literatur zum Dialog über Armut einlädt.