
Funktionstüchtige neuropsychologische und neurobiologische Gedächtnissysteme sind die Voraussetzung für die Kohärenz und Kontinuität einer Selbststruktur in der biographischen Entwicklung. Das autobiographische Gedächtnis ist die ontogenetisch jüngste und strukturell höchste Stufe des episodischen Gedächtnisses, das zusammen mit dem semantischen Gedächtnis das explizite oder deklarative Gedächtnis umfasst und von mehreren Subsystemen des impliziten Gedächtnisses unterschieden wird. Das autobiographische Gedächtnis ist speziell in dissoziativen Störungen beeinträchtigt. Die dissoziative Amnesie wird epidemiologisch, klinisch, verlaufsorientiert und ätiopathogenetisch dargestellt. Eine breite Differenzialdiagnose gegenüber anderen psychischen, neurologischen und internistischen Störungen ist vorzunehmen. Da der klinische Dissoziationsbegriff stark in einen traumatologischen Bedingungskontext gestellt wird, schließt sich eine Darstellung des Zusammenhangs von Trauma und traumatischer Erinnerung im Allgemeinen und PTSD und Traumagedächtnis im Speziellen an.
Zwangsmaßnahmen stellen einen Qualitätsindikator in der psychiatrischen Behandlung dar und unterliegen in Österreich einer strengen rechtlichen Kontrolle durch das Unterbringungsgesetz (UbG). Freiheitsbeschränkende Maßnahmen stellen nach der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) einen Eingriff in die Menschenrechte dar, betreffen insbesondere das Grundrecht der Freiheit (Art. 5) und sollten so weit als möglich vermieden werden. An der 3. Psychiatrischen Abteilung des SMZ Baumgartner Höhe, Wien, wurden im Jahr 2008 7 Krankenbetten durch Niederflurbetten (NFB) an der gerontopsychiatrischen Station ersetzt. Die Hypothese war, dass der Einsatz von NFB zu einer Reduktion körpernaher Beschränkungsmaßnahmen bei dementen PatientInnen führt.
Naturlich vertritt die OGPP und somit auch der Vorstand die Interessen unserer PatientInnen und der Fachgruppe in diesen meinungsbildenden und womoglich zukunftsweisenden oder -entscheidenden Prozessen. Dabei reicht der Bogen von internationalen Forschungsarbeiten wie z. B. dem EU-Projekt EuroPOP–MH (das die aktuelle Situation zur psychischen Gesundheit und Versorgung mit Fokus auf Pravention und Gesundheitsforderung in allen EU-Mitgliedsstaaten darstellen soll) uber die Erstellung der Gesundheitsziele Osterreichs bis hin zu Workshops unter Beteiligung verschiedener Leistungstrager und des Hauptverbandes. Diese Initiativen lassen hoffen, dass uns bald relevanteres Datenmaterial zur psychosozialen Versorgung in Osterreich zur Verfugung stehen wird, um die Situation und den Bedarf auch besser beschreiben zu konnen. Wir werden auch weiterhin aktiv an diesen Prozessen teilnehmen und selbstverstandlich auch dafur sorgen, dass die Interpretation der gewonnenen Erkenntnisse nicht vom Sparstift, sondern mit Fokus auf bestmogliche Lebensqualitat unserer PatientInnen, sinnvoller und effizienter Planung der Mittel und der Wahrung der Interessen unserer Mitglieder geleitet wird.
Die Komplexität von Gedächtnisstörungen posttraumatischer Natur ist ein zentrales diagnostisches und forensisches Problem im Umgang mit traumatisierten Menschen. Folterüberlebende stellen dabei eine besondere Patientenpopulation mit einer Reihe von psychischen und somatischen Symptomen unterschiedlicher Spezifität dar. Differentialdiagnostische Überlegungen anhand der ICD-10 und DSM-IV Kriterien demonstrieren die Notwendigkeit einer sorgfältigen klinischen Untersuchung von Folterüberlebenden, einschließlich bildgebender und testpsychologischer Verfahren. Gedächtnisstörungen bei Folterüberlebenden sind häufig und komplex: Traumatische Erinnerungsfragmente können innerhalb des Zeitraums der posttraumatischen Amnesie vorkommen. Dabei gibt es Hinweise für einen potentiell protektiven Effekt der posttraumatischen Amnesie für die Entstehung einer posttraumatischen Belastungsstörung. Durch unstrukturierte Befragungen und Untersuchungen eines Folterüberlebenden kann eine Retraumatisierung stattfinden. Anhand des Istanbul-Protokolls werden Empfehlungen für den Umgang mit schwer traumatisierten Menschen dargelegt, zudem wird das große forensische Dilemma der Glaubwürdigkeit des Erfahrungsberichts eines Folterüberlebenden thematisiert.
Die Ausbildung zum/zur FachärztIn für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sieht eine Einführung in Theorie und praktische Umsetzung der 4 wichtigsten psychotherapeutischen Traditionen (psychoanalytische, verhaltenstherapeutische, systemische und humanistische Tradition) vor. Die Experten-Arbeitsgruppe Psychotherapeutische Ausbildung in der Psychiatrie erarbeitete im Auftrag der ÖGPP das Basiscurriculum Psychotherapeutische Medizin im Rahmen der Facharztausbildung, deren Inhalte hier im Überblick vorgestellt werden. Der Unterricht wurde in Wien im März 2010 gestartet. Eine besondere Stärke der Ausbildung ist die Vernetzung und Einbettung des Basiscurriculums in die laufende Ausbildung, sodass neu erworbene Inhalte direkt in den Arbeitsalltag der AusbildungskandidatInnen einfließen können, somit weiter gefestigt und erweitert werden können. Der Unterricht legt Überlegungen zur Didaktik nahe, die eine moderne interaktive, affektiv involvierende Gestaltung ermöglichen und eine hochqualitative Vermittlung der Lernziele gewährleisten.
Die pharmakologische Behandlung der Schizophrenie basiert derzeit, mit der Ausnahme von Aripiprazol, auf der Antagonisierung dopaminerger und serotonerger Neuronen. In letzter Zeit rücken alternative pharmakologische Ansätze immer mehr in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses, um einerseits die nach wie vor schwer zu behandelnden Negativsymptome und kognitiven Defizite therapieren zu können und andererseits Nebenwirkungen, die durch herkömmliche Substanzen verursacht werden, verringern zu können. Wir stellen in diesem Artikel neue Medikamente vor, zu denen es schon klinische Daten gibt, und teilen diese nach Rezeptorsystemen ein, an denen sie ansetzen. Im Anschluss diskutieren wir auch Alternativansätze, die keine spezifischen Rezeptorsysteme bedienen, sondern eher neuroprotektiv bzw. neurotroph wirken und möglicherweise erste Präventionsmöglichkeiten oder supportive Therapiestrategien darstellen.
Die Diskussion über Scheinerinnerungen wird in der forensischen Psychiatrie vor allem im Kontext von Anschuldigungen über sexuellen Kindesmissbrauch geführt. Dabei gilt es, (in der Psychotherapie) wiedergefundene Erinnerungen von Scheinerinnerungen, aber auch von verwandten, die Wahrheit verfehlenden Phänomenen wie Irrtum, Selbsttäuschung oder Lüge abzugrenzen. Nach der Darstellung der experimentellen Befunde zur Induktion von Scheinerinnerungen werden Richtlinien skizziert, die zumindest eine gewisse Abgrenzung von echten und Pseudoerinnerungen erlauben.
wieder geht ein Jahr zu Ende. Vor lauter Weihnachsteinkäufen, Schularbeiten, Punschstandel und Grippewelle kommt kaum jemand zum Durchatmen, geschweige denn zu reflektieren, warum die vergangenen 12 Monate so rasch vergangen sind, was uns die neue Regierung bringt (ach ja, Wahlen waren im Herbst....), und wie es machbar sein könnte, im nächsten Jahr etwas weniger Stressund Zeitdruck zu haben. Trotzdem lohnt ein Blick zurück, was alles erreicht wurde.
Nebenwirkungen begleiten jede Form ärztlichen Handelns. Medikamente sind vor ihrer Zulassung einem aufwändigen Verfahren ausgesetzt, das nach der Erforschung ihrer Wirksamkeit großes Augenmerk auf das Sicherheitsprofil lenkt. Wir wissen im Allgemeinen gut über zu erwartende und seltene Effekte Bescheid. Nicht immer ist dieses Wissen von alleinigem Vorteil. Für Psychiatrie & Psychotherapie nehmen Prof. Siegfried Kasper, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, AKH Wien, Prof. Hans Rittmannsberger, Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, Linz, und Prof. Marcus Müllner, AGES, Wien, den Umgang mit Nebenwirkungen in der Psychiatrie unter die Lupe.
Psychosomatische Krankheitskonzepte nehmen in nahezu allen klinischen Fächern eine zunehmend gewichtige Position ein und erfordern transdisziplinäre Lösungsansätze. Der Bedarf an fundierter Diagnostik und Therapie steht heute außer Zweifel. Von wem und in welcher Form diese Leistungen erbracht werden sollen, bleibt hingegen kontrovers diskutiert. Während in Deutschland das Sonderfach „Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin“ seit den frühen 1990er Jahren etabliert ist, liegt die Verantwortung in Österreich derzeit bei den einzelnen Fachrichtungen selbst, sowie beim Allgemeinmediziner, welcher durch den Erwerb eines Diploms der Österreichischen Ärztekammer ebenfalls psychosomatisch behandeln darf. Für Psychiatrie & Psychotherapie diskutierten der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, MR Dr. Walter Dorner, Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, Anton Proksch Institut, Wien, und Prim. Univ.-Prof. Dr. Andreas Remmel, Psychosomatisches Zentrum Eggenburg, über aktuelle Ansprüche und künftige Konzepte für die Psychosomatische Medizin in Österreich.
Das Ausmaß, in dem Patienten den ihnen verordneten und empfohlenen Behandlungsmaßnahmen folgen, ist eines der wichtigsten Anliegen eines jeden medizinischen Fachgebiets [1] und betrifft generell alle pharmakologischen und nicht-pharmakologischen therapeutischen Angebote. Patienten mit psychischen Erkrankungen haben bekanntermaßen große Schwierigkeiten, einem medikamentösen Behandlungsregime zu folgen, aber auch das größte Potenzial, von der medikamentösen Adhärenz zu profitieren [2, 3]. In der vorliegenden Publikation wird die Therapieadhärenz bei Patienten mit Schizophrenie beleuchtet. Da suboptimale Adhärenz hinsichtlich Einnahme der Medikation eines der Hauptprobleme in der Behandlung von schizophrenen Patienten darstellt [4], wird im vorliegenden Strategiepapier vor allem die medikamentöse Therapieadhärenz abgehandelt.
Die vorliegende Originalarbeit von Prof Jayashri Kulkarni und Emmy Gavrilidis aus Melbourne, Australien, gibt einen guten Überblick über das spannende Gebiet der Östrogenaugmentation in der Behandlung der Schizophrenie.