
Zusammenfassung. Diese Studie überprüfte die Gültigkeit eines Modells zur Vorhersage des Ausmaßes depressiver Symptome im frühen Jugendalter. Dabei waren schwieriges Temperament, geringe schulspezifische Selbstwirksamkeitserwartung, Ablehnung durch Gleichaltrige, beeinträchtigtes Familienklima, frühe Belastungen und depressive Symptome der Eltern die verwendeten Risikoindikatoren. Zur Überprüfung wurden querschnittliche Angaben weiblicher und männlicher Jugendlicher aus ganz Deutschland (N = 495) im Alter von 10 bis 13 Jahren herangezogen. Das postulierte Modell konnte bestätigt werden. Zusätzliche explorative Analysen getrennt nach Geschlecht ergaben einen Geschlechtsunterschied: Bei den weiblichen Jugendlichen sagte schwieriges Temperament die Ablehnung durch Gleichaltrige am besten vorher, bei den männlichen Jugendlichen hingegen ein beeinträchtigtes Familienklima. Es wurden Schlußfolgerungen bezüglich der Entstehung depressiver Symptome im frühen Jugendalter abgeleitet.
Zusammenfassung. In einer für Gesamtdeutschland repräsentativen Bevölkerungserhebung wurden Häufigkeit, Intensität und Behandlung von Angstsyndromen bei 2948 Personen mit Hilfe eines psychometrischen Angstinventars und eines vollstandardisierten Interviews für soziodemographische Variablen und Behandlungserfahrungen erfaßt. Die Ergebnisse zeigen eine Punktprävalenzrate von 8.8 % für Gesamtdeutschland, wobei der Wert im Osten mit 16.3 % mehr als doppelt so hoch ist wie im Westen (7 %). Deutlich gehäuft sind Angstsyndrome u. a. bei Frauen, jungen und alten Personen, Personen mit Verlusterlebnissen (Scheidung, Trennung, Todesfall) und fehlender Vollbeschäftigung. Bemerkenswert sind die Ergebnisse der Behandlung: Die Behandlungsrate liegt bei lediglich vier von zehn Betroffenen. Wenn behandelt wurde, dann vor allem medikamentös und durch Nicht-Spezialisten, Psychotherapie wurde selten eingesetzt, Verhaltenstherapie nur in 1 % aller Behandlungsfälle. Die durchschnittlichen Erfolgsquoten der Behandlungen waren niedrig. Angesichts der hohen Prävalenzen und der Mangelbzw. Fehlversorgung ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf.
Zusammenfassung. In der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD) können auf 5 Achsen relevante psychodynamische Konstrukte erfaßt werden. Die Achse I bezieht sich dabei auf Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen des Patienten und erfaßt u. a. Schweregrade der Befunde, Aspekte der Krankheitsverarbeitung, Behandlungsmotivation und Ressourcen des Patienten. Zur weiteren Überprüfung der Achse I wurden die Daten von 449 Patienten aus der psychosomatischen Ambulanz erhoben. Es zeigte sich, daß die vorgegebenen Abstufungen gut genutzt wurden. Die OPD-Items korrelierten nicht mit dem Alter, ein Geschlechterunterschied in einigen Items ließ sich am ehesten auf die unterschiedlichen Geschlechterverteilungen in den untersuchten Diagnosegruppen zurückführen. Zwischen den erfaßten Diagnosen gab es signifikante Unterschiede, die zeigten, daß die OPD-Items eine gute Ergänzung zur Diagnostik nach ICD-10 darstellen. Die OPD-Items korrelierten in mittlerer Höhe mit den Skalen des Fragebogens zur Psychotherapiemotivation. Insgesamt können die berichteten Ergebnisse als Hinweise für inhaltliche Validität und Praktikabilität der Achse I verstanden werden.
Zusammenfassung. Es erfolgt eine kurze zusammenfassende Darstellung des theoretischen Hintergrundes und der Dimensionen des Temperament- und Charakterinventars (TCI). - Die Kennwerte für die interne Konsistenz anhand einer deutschen Normstichprobe von 509 gesunden Freiwilligen und für die Stabilität anhand einer Stichprobe von 75 stationären Patienten für den Behandlungsverlauf werden sowohl für die Dimensionen als auch für die Subskalen dargestellt. Erste Hinweise auf die Validität des Verfahrens in deutschen Stichproben werden in Form von Korrelationen mit den Faktoren des EMBU-Fragebogens, einem Verfahren zur Erfassung des erlebten elterlichen Erziehungsverhaltens, berichtet. Die interne Konsistenz für die Dimensionen “Beharrungsvermögen” und “Belohnungsabhängigkeit” entsprechen noch nicht den Erwartungen. Das Verfahren befindet sich aber international noch in der Entwicklung.
Zusammenfassung. 91 Personen, die in der ehemaligen DDR aus politischen Gründen inhaftiert worden waren, wurden im Hinblick auf das Ärgererleben und das Ärgerausdrucksverhalten untersucht. Die Ärgerindikatoren wurden mit dem STAXI erhoben. Die Erfassung von posttraumatischen Belastungsreaktionen - Fremdbeurteilung mittels DIPS sowie Selbstbeurteilung mittels Impact of Event Scale (IES-R) - und die Erhebung soziodemographischer und traumabezogener Variablen ergänzten die Befragung. Die Untersuchung bestätigt, dass Personen, die ein traumatisches Ereignis erlebten, relativ häufig Ärger berichten und sich oft unfair behandelt fühlen. Ein Zusammenhang zwischen soziodemographischen Variablen und Ärgerindikatoren fand sich nicht. Das Ausmaß der Ärger-Disposition und das Ausmaß von nach innen gerichtetem Ärger waren überraschend negativ mit einer Traumadosisvariablen, der Haftdauer, korreliert. Die Überprüfung von Strukturgleichungsmodellen ergab, dass die Ärger-Disposition vermutlich in direktem Zusammenhang mit den posttraumatischen Intrusionen steht, und zwar im Sinn einer Ärgeraktivierung durch Intrusionen. Es werden Implikationen diskutiert, die sich aus dem Untersuchungsbefund für die klinische Praxis ergeben.
Zusammenfassung. Neunundvierzig Mütter sozial ängstlicher Kinder (17 Kinder hatten die Diagnose einer Sozialphobie) und 25 Mütter sozial nicht ängstlicher Kinder wurden mit Hilfe von Fragebögen zu Vorläufer- und Begleitsymptomen der Ängste ihrer Kinder, zu eigenen Ängsten sowie zu Ängsten der Geschwister und des biologischen Vaters des Kindes befragt. Die Gruppen der sozial ängstlichen Kinder mit und ohne Diagnose einer Sozialphobie unterschieden sich hinsichtlich der Vorläufer- und Begleitsymptome ihrer sozialen Ängste nach Auskunft der Mütter kaum voneinander. Die sozial ängstlichen Kinder waren im Vergleich zu den sozial nicht ängstlichen bereits im Säuglingsalter ruhiger und anschmiegsamer und zeigten später längerandauernde Schwierigkeiten, sich an den Kindergarten zu gewöhnen. Außerdem führten sie mehr Selbstgespräche und waren grüblerischer, Merkmale, die auf eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit hinweisen könnten. Darüber hinaus ließ sich eine Übereinstimmung zwischen den spezifischen sozialen Ängsten von Mutter und Kind erkennen.
Zusammenfassung. Die Untersuchung der affektiven Reaktion auf olfaktorische und visuelle Reize bei Patienten mit Major Depression (MD) hatte zum Ziel, aufzuklären, ob eine abweichende Reizbewertung bei MD-Patienten modalitätsspezifisch ist und/oder von der Reiz-Valenz abhängig ist. Es wurden 26 MD-Patienten untersucht und mit einer nach Alter und Geschlecht parallelisierten Kontroll- Stichprobe verglichen. Die Teilnehmer hatten zur Aufgabe, ihre emotionale Reaktion auf 10 Gerüche und 20 Bilder aus dem International Affective Picture System (IAPS) auf drei Dimensionen (Valenz, Arousal, Dominanz) zu beschreiben. Alle Reize wurden entsprechend ihrer Valenz in positive, neutrale und negative klassifiziert. Depressive Patienten reagierten mit stärkerer Erregung auf negative Reize als die nicht-depressiven Kontrollen. Dieser Effekt war unabhängig von der Reizmodalität. Außerdem fühlten sich MD-Patienten bei beiden Reizqualitäten und unabhängig von der Valenz-Klasse submissiver als die Kontrollen. Auf der Valenz-Dimension ergaben sich keine Gruppen-Unterschiede.
Zusammenfassung. Die Rolle des Handlungskontrollmodus als differentielle Psychotherapieprozessvariable wird in einem 4 × 2 × 4 Versuchsplan mit den Faktoren Therapieerfolg, Therapiebedingung und Therapieverlauf untersucht. Als Therapiebedingungen wurden je ein Vertreter einer bewältigungsorientierten und einer klärungsorientierten Richtung, sowie zwei Bedingungen, welche sowohl bewältigungs- wie auch klärungsorientiert vorgehen, ausgewählt. Die Ergebnisse sprechen für eine differentielle Wirkungsweise von klärungsorientierten und bewältigungsorientierten Therapien. Es wird gezeigt, dass insbesondere der lageorientierte Modus der Handlungskontrolle eine differentielle funktionale Rolle für das Zustandekommen der Therapieeffekte bei bewältigungs- und klärungsorientierten Vorgehensweisen spielt. Dagegen konnte kein Haupteffekt für den handlungsorientierten Kontrollmodus nachgewiesen werden. Die Ergebnisse werden auf dem Hintergrund des Rubikonmodells von Heckhausen diskutiert.
Zusammenfassung. Die vorliegende Arbeit knüpft an die Experimente Motleys (1980) sowie an eine Untersuchung von Schüttauf, Bredenkamp und Specht (1997) an, die versucht haben, über induzierte Versprecher aus der Psychoanalyse gewonnene Hypothesen zu überprüfen. In einer Untersuchung mit neutralem und konfliktbezogenem Wortmaterial wurden die Häufigkeiten induzierter Phonemsprechfehler von 16 bulimischen und 16 gesunden Probandinnen verglichen. Besonders berücksichtigt wurden bei der Auswertung die unspezifischen Versprecher, da sie dem von Freud postulierten Kompromißcharakter der Fehlleistung (Versprecher) am ehesten gerecht werden. Über eine Analyse der Latenzzeiten bei korrekt ausgesprochenen Wörtern wurden weiterhin die latenten Fehler verglichen. Die Ergebnisse zeigten, daß die Bulimiepatientinnen mehr offene unspezifische und mehr latente Versprecher bezüglich der konfliktbezogenen Wörter begingen als die gesunden Pbn. Allerdings waren bei den Bulimiepatientinnen auch mehr Vertauschungen der Anfangsphoneme zu konstatieren als bei den gesunden Pbn, was nach der Fehlleistungsstheorie nicht unbedingt zu erwarten ist.
Zusammenfassung. In einer repräsentativen Stichprobe von 826 Achtjährigen wurden die Häufigkeit von spontanen und situationsabhängigen Panikanfällen und ihr Zusammenhang mit Angstsensitivität, Körperbeschwerden, Krankheitskonzepten, Angst- und Depressivitätsbelastung der Eltern und Familienproblemen untersucht. Panikanfälle aus heiterem Himmel wurden keine gefunden, hingegen erleben 21.4 % der Kinder situationsabhängige Panikanfälle, am häufigsten bei Dunkelheit, in Trennungssituationen und bei der Konfrontation mit Tieren. Panikanfälle der Kinder, welche eine Angstdiagnose erreichen, unterscheiden sich kaum in ihrer Symptomatik von Panikanfällen der Kinder ohne Angstdiagnose. Das Leitsymptom ist bei Jungen starkes Herzklopfen, bei Mädchen Kribbeln im Bauch. Es besteht ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen Panikanfällen und Familienproblemen, Krankheitswissen über den Herzinfarkt, Angstbelastung der Mutter, Körperbeschwerden und Angstsensitivität. Die Untersuchung belegt, dass jüngere Kinder noch keine spontanen Panikanfälle erleben.
Zusammenfassung. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über Selbstkonzeptbeeinträchtigungen bei Patientinnen mit Eßstörungen (Anorexia nervosa und Bulimia nervosa). Aus theoretischer Sicht werden Selbstkonzeptbeeinträchtigungen 1. als charakteristisches beschreibendes oder diagnostisches Merkmal sowie 2. als ätiologisches Merkmal im Rahmen verschiedener theoretischer Modelle beschrieben. Auf dem Hintergrund dieser Modelle werden anschließend die prospektiven empirischen Befunde zur Rolle von Selbstkonzeptbeeinträchtigungen als Risikofaktor sowie Querschnittsbefunde bei Anorexia und Bulimia nervosa im Vergleich zu Gesunden und anderen klinischen Kontrollgruppen zusammengefaßt. Die Befunde bestätigen die theoretisch postulierten Beeinträchtigungen des Selbstkonzepts der Eßgestörten nur gegenüber gesunden Kontrollgruppen eindeutig und sind unabhängig von der Art der Operationalisierung.
Zusammenfassung. Die Studie berichtet uber die Konstruktion und psychometrische Uberprufung eines Fragebogens zur Analyse Motivationaler Schemata (FAMOS). Der FAMOS erhebt motivationale Ziele von Psychotherapiepatienten im Selbstbericht und im Fremdbericht durch deren Therapeuten. Motivationale Ziele werden als die zentralen Komponenten Motivationaler Schemata aufgefasst. Sie lassen sich in Annaherungs- und Vermeidungsziele untergliedern. Hauptziel bei der Konstruktion war die klinische Validitat des Messinstrumentes. Aus einer grossen Anzahl klinischer Fallkonzeptionen wurde in zwei Vorstudien ein erster Itemsatz mit motivationalen Zielen generiert. Dieser wurde 786 Patienten, Therapeuten und Normalen vorgegeben und einer teststatistischen Analyse unterzogen. Der revidierte Itemsatz wurde einer zweiten Stichprobe von 562 Patienten, Therapeuten und Normalen vorgegeben. Hauptkomponentenanalysen ergaben 14 Skalen fur Annaherungsziele und 9 Skalen fur Vermeidungsziele. Die interne Konsistenz der Skalen erwie...
Zusammenfassung. Anhand von Daten der Bremer Jugendstudie werden in diesem Artikel Ergebnisse hinsichtlich der Häufigkeit und Komorbidität sowie psychosozialer Beeinträchtigung durch Somatoforme Störungen bei Jugendlichen dargestellt. 136 Jugendliche (13,1 %) erfüllten die Kriterien für eine Somatoforme Störung, wobei signifikant mehr Mädchen als Jungen von diesen Störungen betroffen waren. Von den Subtypen Somatoformer Störungen trat als häufigste die Undifferenzierte Somatoforme Störung auf, gefolgt von der Schmerzstörung und der Konversionsstörung. Auf der Symptomebene wurden Kopfschmerzen, das Gefühl eines Kloßes im Hals und Schmerzen im Bauchbereich am häufigsten mitgeteilt. Fast die Hälfte der Jugendlichen mit Somatoformen Störungen erfüllte die Kriterien für mindestens eine weitere Störung. Obwohl ein Drittel dieser Jugendlichen psychosozial beeinträchtigt war, wurde nur ein kleiner Teil von ihnen behandelt.
Zusammenfassung. Das kognitiv-behaviorale Modell postuliert einen Zusammenhang zwischen Änderungen des Erlebens und Verhaltens und Änderungen von Kognitionen. Ziel der vorliegenden Metaanalyse ist es, die Veränderung von Kognitionen im Rahmen kognitiv-behavioraler Therapien bei chronischen Schmerzen zu untersuchen. In die Analyse einbezogen werden Studien, die die folgenden Bedingungen erfüllen: prospektives kontrolliert-randomisiertes Studiendesign, kognitiv-behavioraler Therapieansatz, Einbezug kognitiver Variablen im Prä-Post-Design, Angaben von Mittelwerten und Standardabweichungen für Experimental- und Kontrollgruppen sowie Gruppengrößen für jedes Treatment von n ≥ 5. Diese Bedingungen erfüllen 14 Studien mit n = 569 Patienten, die an chronischen Kopf- bzw. Rückenschmerzen leiden. Für Kopfschmerzpatienten kann eine Effektstärke kognitiver Variablen von d+ = 0,88 (starker Effekt) und für Rückenschmerzpatienten von d+ = 0,30 (schwacher Effekt) ermittelt werden. Beide Effektstärken sind statistisch signifikant und klinisch - wenn auch in unterschiedlicher Weise - bedeutsam. Die Effektstärken kognitiver Variablen korrelieren bei Rückenschmerzpatienten mit denen der Depressivität und Beeinträchtigung. Die Ergebnisse stützen zwar das Modell, erlauben aber keine Aussage über die Interaktion von Kognition und Verhalten im therapeutischen Prozeß.
Klinisches UntersuchungsverfahrenKlinisches UntersuchungsverfahrenAlexander L. GerlachAlexander L. GerlachSearch for more papers by this authorPublished Online:May 31, 2007https://doi.org/10.1026/1616-3443.36.2.141PDFView Full Text ToolsAdd to favoritesDownload CitationsTrack Citations ShareShare onFacebookTwitterLinkedInReddit SectionsMoreLiteraturEssau, C. A., Muris, P., Ederer, E. M. (2002). Reliability and validity of the Spence Children’s Anxiety Scale and the Screen for Child Anxiety Related Emotional Disorders in German children. Journal Of Behavior Therapy And Experimental Psychiatry , 33, 1–18. Crossref, Google ScholarEssau, C. A., Sakano, Y., Ishikawa, S., Sasagawa, S. (2004). Anxiety symptoms in Japanese and in German children. Behaviour Research and Therapy , 42, 601–612. Crossref, Google ScholarOllendick, T. H. (1983). Reliability and Validity of the revised fear survey schedule for children (FSSC-R). Behaviour Research and Therapy , 21, 685–692. Crossref, Google ScholarFiguresReferencesRelatedDetails Volume 36Issue 2April 2007ISSN: 1616-3443eISSN: 2190-6297 InformationZeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie (2007), 36, pp. 141-142 https://doi.org/10.1026/1616-3443.36.2.141.© 2007Hogrefe Verlag GöttingenAcknowledgments:PDF download