
Zusammenfassung Deutsche Hochschulen und ihre Bibliotheken sind zunehmend Ziel von Cyberangriffen, darunter v. a. Ransomware, aber auch DDoS und Phishing. Zwischen 2022 und 2024 wurden 42 erfolgreiche Angriffe gemeldet, bei einer mutmaßlich hohen Dunkelziffer und einem Anstieg der Hackeraktivitäten 2025 um weltweit etwa 44 %. Angreifer nutzen oft die schwachen Authentifizierungssysteme der Hochschule, offenes WLAN oder Phishing an Studierende. Auch gibt es bibliotheksspezifische Risiken wie sensible Nutzerdaten (Studentendaten, Ausleihhistorie), geistiges Eigentum (Ebooks, Repositorien) oder Shadow Librarianship. Der Beitrag analysiert Ursachen, begrenzte Budgets bei unpassenden kommerziellen Lösungen, und schlägt kostengünstige pragmatische Maßnahmen vor: 2FA-Integration (z. B. via Fudiscr-Plugin), Risikobasierte Authentifizierung (RBA), Verhaltensbiometrie und Open-Source-SIEM-Ansätze. Die Autorin empfiehlt einfache Schutzmaßnahmen wie Backups, Vulnerability Scans und Awareness-Trainings mithilfe von Open-Source-Lösungen und stellt zudem ihr Startup CSSO vor, das kostengünstige, hochschulspezifische Verbesserungen für bestehende IAM-Systeme entwickelt, um Ransomware-Risiken zu minimieren und Datenschutzanforderungen zu erfüllen.
Zusammenfassung Im Zuge einer umfassenden Neustrukturierung wurde der Freihandbereich der Steiermärkischen Landesbibliothek grundlegend erneuert. Ausgangspunkt des Projekts war die über Jahrzehnte gewachsene Aufstellungssystematik. Inhaltliche Inkonsistenzen, formatbedingte Bestandsfragmentierungen und isolierte Sonderstandorte für steirische Werke beeinträchtigten die Nutzung nachweislich. Die Entwicklung eines neuen Raum- und Bestandskonzeptes erfolgte auf Basis empirischer Daten und orientiert sich an nutzerzentrierten Fragestellungen. Der vorliegende Praxisbericht dokumentiert den gesamten Transformationsprozess. Er beginnt mit einer Problemanalyse, umfasst die Konzeptentwicklung und -umsetzung, behandelt das Changemanagement und schließt mit einer Bilanz zum Projekt. Das Projekt zeigt, wie empirisch fundierte Entscheidungen die Sichtbarkeit eines Bestandes erhöhen und eine nutzerzentrierte Neuausrichtung des Freihandbereichs ermöglichen.
Zusammenfassung Ein Neubeginn in Bibliotheken kann auf unterschiedliche Weise erfahrbar werden: durch personelle Veränderungen, neue strategische Ausrichtungen, räumliche Umgestaltungen oder die Einführung innovativer Angebote. In vielen Fällen entsteht aus einem Neubeginn auch der notwendige Freiraum, um Routinen zu hinterfragen und neue Formate zu erproben. Der vorliegende Praxisbericht beschreibt die Gründung eines Buchclubs in der Zentralbibliothek der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) als Ergebnis eines solchen Neubeginns: Das neu formierte Team „Kommunikation und Marketing“ übt sich seit August 2024 in dem Erproben neuer Formate. Nachfolgend wird dargestellt, wie aus ersten konzeptionellen Ideen für einen Buchclub ein neues, dauerhaftes Bibliotheks-Angebot entstand. Der Bericht verfolgt dabei das Ziel, den Prozess praxisnah nachzuzeichnen, Problemstellungen und Erfolgsfaktoren zu benennen und eine Anregung für ähnliche Projekte zu geben. Der Fokus liegt weniger auf theoretischen Modellen der Leseförderung, sondern viel mehr auf der konkreten Umsetzung im Bibliotheksalltag und der Schaffung einer Lese-Gemeinschaft.
Zusammenfassung Veränderungsinitiativen werden in der Regel als singuläres Phänomen betrachtet und entsprechend als einmaliges ‚Projekt‘ versucht zu managen. Der Beitrag stellt den Ansatz „Bottom Line Change ® “ des Unternehmens Zingerman’s vor, der Change im Gegensatz dazu als ein kontinuierliches, regelmäßig wiederkehrendes Phänomen auffasst. Zingerman’s hat dafür eine Struktur mit vereinheitlichten Prozessabläufen geschaffen, durch die ein Großteil der gängigen Probleme von Change-Projekten gemildert oder abgeschafft werden konnten. Aufgrund der etablierten Struktur werden Veränderungen erfahrbar, erwart- und konkret gestaltbar und haben in der Folge eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit auf nachhaltigen Erfolg. Das Unternehmen hat dadurch organisationalen Wandel in eine Routine überführt.
Zusammenfassung In der freien Marktwirtschaft ist er üblich – der Jobwechsel. Im öffentlichen Dienst, gerade in Bibliotheken, meist nur dann, wenn man sich in einem befristeten Angestelltenverhältnis befindet, sich weiterqualifiziert hat, um damit die Chancen auf eine besser dotierte Stelle zu erhöhen oder wenn sich die privaten Lebensverhältnisse verändern, wie z. B. der Umzug in eine andere Stadt. In der Regel gibt man aber seinen sicheren Job im öffentlichen Dienst eigentlich nicht einfach so auf – zumindest nicht, wenn man sich einigermaßen wohl mit ihm fühlt. Warum sich eine solche Veränderung dennoch lohnt und welche Herausforderungen damit einhergehen, soll der folgende Bericht aus der Praxis zeigen.
Zusammenfassung Die Unterstützung von Forschenden entwickelt sich für die Hochschulbibliotheken an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften zu einem wesentlichen Handlungsfeld. Der Beitrag beschreibt am Beispiel der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda (HLSB) den Aufbau einer organisatorisch gebündelten Abteilung für Forschungsnahe Dienste und ordnet bestehende sowie neu entwickelte Unterstützungsangebote systematisch entlang des Forschungszyklus ein. Die Orientierung am Modell von Caroline Leiß dient dabei als analytisches Instrument, um vorhandene Services sichtbar zu machen, Entwicklungspotenziale zu identifizieren und das Serviceportfolio stärker an den Bedarfen von Forschenden auszurichten. Der Artikel gibt Einblicke in zentrale Handlungsfelder wie Publikationsunterstützung, Open Access, Forschungsdatenmanagement und Informationskompetenz und reflektiert zugleich strukturelle Herausforderungen kleiner Teams in HAW-Bibliotheken. Abschließend werden zentrale Erfahrungen aus dem Aufbauprozess zusammengefasst und Perspektiven für die Weiterentwicklung forschungsnaher Bibliotheksservices diskutiert.
Zusammenfassung Die duale Ausbildung zur/zum Fachangestellte/n für Medien- und Informationsdienste (FaMI) in Bibliotheken benötigt dringende Aktualisierungen. Die neue Ausbildungsverordnung soll kommen – doch gerade in der praktischen Ausbildung machen sich Ausbilder*innen bereits auf den Weg, zeitgemäß, zukunftsorientiert und attraktiv auszubilden. Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung spielen hierbei eine bedeutsame Rolle. Welche „Future skills“ braucht es für den Berufsnachwuchs? Wie können neue Berufsfachkräfte als „Pioniere des Wandels“ Nachhaltigkeitsverständnis, Selbstwirksamkeit und Kreativität erlernen, um wirkungsvoll die „grüne Bibliothek von morgen“ zu gestalten? In Berlin gibt es seit drei Jahren regelmäßige Workshops für Auszubildende aus öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken. Mit welchen Inhalten, Methoden und Projektideen Nachhaltigkeit in der praktischen FaMI-Ausbildung gelingen kann, zeigt der folgende Praxisbericht aus dem Jahr 2026.
Zusammenfassung Die Gesellschaft und Bildungslandschaft sind im Wandel. Um den Veränderungen zu begegnen, benötigen Lernende wie Lehrende transversale Kompetenzen. Bereichsübergreifende Kooperationen sind an einer Pädagogischen Hochschule daher von entscheidender Bedeutung. Sie sorgen für eine vielfältige Hochschulwelt mit einem relevanten, zukunftsgerichteten Angebot. In diesem Praxisbericht geht es um den „Makerspace on tour“, eine Zusammenarbeit zwischen der Weiterbildung und der Bibliothek der Pädagogischen Hochschule Zürich. Letztere wird durch das neue Veranstaltungsformat zum öffentlichen Experimentierraum für handlungsorientiertes Lernen und entwickelt damit zugleich ihre angestammte Rolle als Vermittlerin einer ganzheitlichen Medien- und Informationskompetenz weiter. In einem Rückblick auf die Kooperation werden Chancen und Herausforderungen diskutiert.
Zusammenfassung Der Aufbau einer wissenschaftlichen Bibliothek an einer neu gegründeten Universität stellt besondere organisatorische, strategische und infrastrukturelle Anforderungen. Am Beispiel der Technischen Universität Nürnberg (UTN), gegründet 2021 als erste staatliche Universitätsneugründung in Bayern seit 1978, schildert dieser Praxisbericht die Etablierung des „Team Information Management“ als zentrale informationswissenschaftliche Serviceeinheit. Im Fokus stehen die Gestaltung von Übergangslösungen ohne gewachsene Strukturen, der Aufbau eines bedarfsorientierten Bestands unter dynamischen Rahmenbedingungen, Fragen der Personal- und Organisationsentwicklung in kleinen Teams sowie die räumliche Planung zwischen Interim und Neubau. Besonderes Augenmerk gilt der Balance zwischen pragmatischer Handlungsfähigkeit und strategischer Langfristperspektive vor allem im Kontext digitaler Infrastrukturen. Der Beitrag reflektiert Erfahrungen aus der Aufbauphase, identifiziert Chancen und Risiken und diskutiert deren Übertragbarkeit auf andere Einrichtungen, insbesondere vor dem Hintergrund von Neugründungen und tiefgreifenden Transformationsprozessen.
Die Zukunft beginnt jetzt! Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Entwicklungsperspektiven im Bereich der Förderung von Informationskompetenz (IK). Im Rahmen einer Unkonferenz Eine Unkonferenz ist ein offenes Veranstaltungsformat, bei dem die Teilnehmenden die Themen und den Ablauf selbst gestalten. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen gibt es keine festen Vorträge, sondern Sessions, die auf die Interessen der Teilnehmenden abgestimmt sind. des 4. Informationskompetenz-Tages DACH 2024 in Zürich wurden Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu befragt und die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Technologien diskutiert. Die Ergebnisse der daraus entstandenen „DACH-Vision IK 2040“ zeigen, dass IK auch in Zukunft ein zentraler Bestandteil von Bibliotheksangeboten bleibt. Wie die entsprechenden Kurse in der Praxis ausgestaltet werden, sollte sich an den Bedürfnissen aktueller wie künftiger Generationen, den „KI-Natives“, orientieren.
Bestände aus der Zeit des Nationalsozialismus sind für die Forschung, aber auch eine breitere Öffentlichkeit von besonderem Interesse. Dementsprechend drängt sich eine Digitalisierung dieser Werke an. Im Gegensatz zu anderen Digitalisierungsprojekten haben Bibliotheken im Hinblick auf nationalsozialistische Literatur jedoch nicht nur das Urheberrecht, sondern auch das Strafrecht und den Jugendschutz zu beachten. Der Beitrag beleuchtet dabei insbesondere die Tatbestände des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen (§ 86 StGB), des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§ 86a StGB) und der Volksverhetzung (§ 130 StGB). Zudem wird das Verbot, Minderjährigen Inhalte zugänglich zu machen, die zum Hass gegen nationale, ethnische oder religiöse Gruppen aufstacheln, aus § 15 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. § 15 Abs. 1 Nr. 1 JuschG untersucht. Aus Sicht des Autors ist eine Strafbarkeit von Bibliothekspersonal nicht ausgeschlossen. Es werden daher Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die zwischen verschiedenen Szenarien differenzieren.
An der Universitätsbibliothek Bern beginnt die systematische Auseinandersetzung zum Sammeln bernischer Publikationen mit dem Aufbau des Fachreferentensystems. Geprägt von Veränderungen im Bibliothekswesen entstehen über die Jahre verschiedene Sammelkonzepte, und 2012 wird die Stelle Bernensia-Koordination geschaffen. Der Artikel dokumentiert die Bernensia-Sammeltätigkeit von den 1970er-Jahren bis heute.
Während die Fachkräftegewinnung und -sicherung ein zentrales und hochaktuelles Thema für Bibliotheken ist (Berghaus-Sprengel & Söllner 2022), bietet der Onboardingprozess neuer Mitarbeitender einen elementaren Grundstein für Mitarbeiterbindung und Arbeitszufriedenheit (Bauer & Erdogan 2011). In der vorliegenden Studie wird das Onboarding einer neuen Mitarbeiterin an der Universitätsbibliothek Magdeburg autoethnographisch analysiert und reflektiert. Die Ergebnisse sollen dabei unterstützen, schwer greifbare soziale und kulturelle Prozesse darzustellen (Ellis et al. 2010; Hofstede et al. 2017) und Schlüsselfaktoren für zukünftige Neuanstellungen in Bibliotheken zu skizzieren.
Seit 2019 beschäftigen sich die Leipziger Städtischen Bibliotheken intensiv mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Ziel ist es, einen ganzheitlichen BNE-Ansatz zu entwickeln und umzusetzen. BNE wird dabei nicht als ergänzendes Thema verstanden, sondern als eine Sammlung methodisch-didaktischer Ansätze, die es ermöglichen, Kompetenzen zu vermitteln, um Menschen – einschließlich der Mitarbeitenden in Bibliotheken – zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen. BNE soll nicht als „zusätzliches Projekt“ neben den bestehenden Aktivitäten der Bibliothek existieren, sondern als Haltung und Anspruch in allen Bereichen und Aktivitäten der Organisation verankert werden – wir leben, was wir vermitteln! Der Beitrag zielt darauf ab, das Vorgehen der Leipziger Städtischen Bibliotheken darzustellen, um das Ziel des Whole Institution Approach zu erreichen. Im Fokus stehen die Entwicklung und kontinuierliche Weiterentwicklung eines BNE-Konzepts, die Qualifizierung der Mitarbeitenden und die schrittweise Implementierung dieses Ansatzes.
Mit dem Ablegen der Prüfung zu Fachwirten für Informationsdienste beendeten die Teilnehmenden des 5. Hessischen Fachwirtlehrgangs ihre Weiterbildung. Somit hat sich bundesweit die Anzahl der Fachwirte im Bibliotheks- und Archivsektor auf 88 erhöht.
Im Rahmen ihrer Retrodigitalisierung hat die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover eine seltene Erstausgabe von Karl Marx’ „Das Kapital“ mit erhaltener Interimsbroschur digitalisiert. Der Beitrag beleuchtet die historischen Hintergründe der Erstauflagen und deren Bezugsquellen. Ergänzend wird auf Marx’ Aufenthalt in Hannover im Jahr 1867 und seine Verbindung zu seinem Freund, dem Arzt und Sozialisten Louis Kugelmann, eingegangen. Abschließend wird der Nachlass des Sozialdemokraten Erich Gerlach vorgestellt, aus dem weitere bedeutsame Ausgaben von „Das Kapital“ digitalisiert wurden. Die Sammlung bietet wichtige Einblicke in die Rezeptionsgeschichte des Werkes.
Seit Oktober 2024 untersuchen die Leipziger Städtischen Bibliotheken im Rahmen eines Projektes des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste ihren Bestandszuwachs aus der Zeit zwischen 1944 und 1951 auf NS-Raub und -Fluchtgut. Für diese acht Jahre sind etwa 57.000 Zugänge verzeichnet, jedoch verfügt die Stadtbibliothek heute nur noch über einen Bruchteil dieser Medieneinheiten. Diese sehr spezifische Ausgangslage fokussiert der Werkstattbericht, um übergeordnete Fragen zum Umgang mit verdächtigen Abgaben seitens der NS-Provenienzforschung an Bibliotheken zu adressieren.