
Zusammenfassung Der Beitrag untersucht die gegenwärtige religionspädagogische Auseinandersetzung mit antisemitismuskritischer Bildung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Themen, Konzepte und Perspektiven den Diskurs in der Religionspädagogik zwischen 2020 und 2024 geprägt haben. Methodisch basiert die Studie auf einer Topic-Modelling-Analyse (Verfahren: Latent Dirichlet Allocation) von 99 deutschsprachigen Texten aus dem Bereich der Religionspädagogik. Die Befunde zeigen eine deutliche Dominanz historisch-erinnerungskultureller sowie normativ-dialogischer Ansätze, während lebensweltlich orientierte, machtkritische und gegenwartsorientierte Perspektiven marginal bleiben. Zudem erscheint das Judentum vorwiegend in religiös-theologischen Kontexten, während gegenwärtiges jüdisches Leben kaum sichtbar wird. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es für eine antisemitismuskritische Religionspädagogik einer gesellschaftsanalytisch fundierten Grundlage bedarf, die jüdische Stimmen und Perspektiven einbezieht.
Zusammenfassung Der Religionsunterricht für alle 2.0 stellt ein religionspädagogisches Modell dar, das seit 2022 in Hamburg unter gleichberechtigter Verantwortung mehrerer Religionsgemeinschaften – darunter islamische – erteilt wird. Der Beitrag untersucht, wie muslimische Perspektiven in diesem religionskooperativen Unterricht so integriert werden können, dass Essenzialisierungen muslimischer Traditionen vermieden werden. Dafür werden vier zentrale konzeptionelle Strategien in den Blick genommen: Elementarisierung als didaktische Kreisbewegung, narratives Lernen mit Erzählungen aus der muslimischen Tradition, sprachsensible Begriffsarbeit sowie die Positionalität muslimischer Lehrkräfte. Die Auswahl dieser Strategien erfolgt exemplarisch, da sie für religionskooperative Lernprozesse in besonderer Weise relevant erscheinen und unterschiedliche Dimensionen religiösen Lernens (didaktische, methodische, sprachliche und personale) bündeln; zugleich ließen sich weitere Perspektiven ergänzen. Der Beitrag zeigt, wie in multireligiösen Lernprozessen die Gefahr komparativer Vereindeutigung vermieden und Religion als historisch gewachsene und intern plurale Praxis erschlossen werden kann.
Zusammenfassung Der Beitrag untersucht, wie Schüler:innen in RU-nahen Gesprächssituationen „Islam“ bzw. „Muslim:innen“ als Mehrheits-/Minderheitsmarker konstruieren und welche Rahmungen dabei dominieren. Datengrundlage sind moderierte Gruppendiskussionen mit katholischen Schüler:innen der Sekundarstufe I im Kontext eines christlich-islamischen Teamteaching-Projekts. Methodisch werden ausgewählte Gesprächssequenzen analysiert. Im Zentrum steht die Fragestellung, wie Deutungen im Gespräch hervorgebracht, stabilisiert oder irritiert werden – über Wortwahl, Beispiele, Sprecher:innenpositionierungen und Anschlusslogiken. Der Beitrag arbeitet damit die Ambivalenzen schulischer Gesprächsräume heraus und markiert pädagogische Anknüpfungspunkte für eine minderheitssensible Bearbeitung islambezogener Themen im religionskooperativen Unterricht.
Zusammenfassung Viele Kinder und Jugendliche aus muslimischen Familien in Norwegen lernen den Islam in zwei unterschiedlichen Bildungskontexten kennen: im formalen, verpflichtenden und nicht-konfessionellen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen sowie in außerschulischen Bildungsangeboten in Moscheegemeinden oder islamischen Kulturzentren. Dieser Artikel untersucht, wie sie diesen doppelten Bildungskontext erleben. Die Studie basiert auf qualitativen Methoden, vor allem auf Unterrichtsbeobachtungen in Moscheeschulen sowie auf Interviews mit Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern. Das Konzept des Perspektivenwechsels steht im Mittelpunkt der aktuellen norwegischen religionsdidaktischen Diskussion und wird hier als analytisches Instrument verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass muslimische Schüler:innen, die in beiden Kontexten aktiv sind, sowohl Innen- als auch Außenperspektiven auf ihre eigene Religion sowie auf die Weltanschauungen anderer erleben und verarbeiten. Gleichzeitig deutet die Analyse darauf hin, dass der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen von einem besseren Verständnis der außerschulischen religiösen Lernaktivitäten dieser Schüler:innen profitieren könnte.
Zusammenfassung Die Thematisierung des Islam im schulischen Religionsunterricht erfolgt in Deutschland im Kontext intensiver gesellschaftlicher Debatten über Islam und Muslim:innen. Der Beitrag untersucht das Verhältnis von antimuslimischem Rassismus und der gesellschaftlichen Minderheitenposition muslimischer Schüler:innen. Im Zentrum steht eine begriffliche Klärung unterschiedlicher Konzepte zur Beschreibung von Diskriminierung gegenüber Islam und Muslim:innen. Es wird argumentiert, dass eine ausschließlich numerisch gedachte Perspektive auf Minderheitenpositionen analytisch zu kurz greift und der Begriff des antimuslimischen Rassismus besser geeignet ist, die gesellschaftliche Situiertheit von Islam und Muslim:innen unter Berücksichtigung historischer, diskursiver und struktureller Macht- und Differenzverhältnisse zu erfassen. Abschließend werden religionspädagogische Implikationen für den islamischen Religionsunterricht skizziert.
Zusammenfassung Der Beitrag analysiert kirchliche Bildungsarbeit vor dem Hintergrund tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozesse, in denen funktionierende Institutionen zugleich versagen und das Fortschrittsnarrativ erodiert. Er fragt, wie religiöse Bildung in solchen Krisenkonstellationen gestaltet werden kann, ohne in Resignation oder bloßen Aktivismus zu verfallen. Theoretisch werden Ansätze der Zukunftsforschung und Futures Literacy, transformatorische Bildungstheorie sowie biblisch-theologische Konzepte von Krisensprache und Zuversichtsargumenten miteinander ins Gespräch gebracht. Der Beitrag zeigt, wie religiöse Bildungsprozesse als narthikale, provisorische Lernräume konzipiert werden können, die Selbstwirksamkeit, Sprachfähigkeit in Krisen und christlich motivierte Transformationsbereitschaft fördern. Daraus ergeben sich Perspektiven für eine kirchliche Bildungsarbeit, die Abbrüche ernst nimmt und Aufbrüche ermöglicht.
Zusammenfassung Der Beitrag untersucht schulische Erfahrungen ehemaliger muslimischer Schüler*innen aus einer rassismuskritischen und religionspädagogischen Perspektive. Im Fokus stehen Erfahrungen von antimuslimischem Rassismus, religiöser Sichtbarkeit sowie institutionellen Zuschreibungs- und Differenzierungsprozessen im Kontext Schule. Theoretisch verortet sich die Analyse an der Schnittstelle von rassismuskritischer Erziehungswissenschaft, diversitätsbewusster Religionspädagogik sowie Anerkennungs- und Zugehörigkeitstheorien. Die empirische Grundlage bilden ausgewählte Interviewsequenzen aus der qualitativen Teilstudie des Forschungsprojekts „Muslimische Perspektiven auf Islam- und Muslimfeindlichkeit“ (MuPe 2023). Anhand einer rekonstruktiven Analyse biografischer Erfahrungsberichte, werden Mechanismen institutioneller Exklusion, asymmetrischer Anerkennungsverhältnisse und deren Bedeutung für Bildungsbiographien herausgearbeitet.
Zusammenfassung In diesem Beitrag wird die Frage nach Islam als Thema des religionsbezogenen Unterrichts vor dem Hintergrund eines aktuellen internationalen Forschungsprojekts aufgenommen, das sich sowohl auf den konfessionellen Religionsunterricht als auch auf Religionskundeunterricht in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezieht und das sich derzeit in der Abschlussphase befindet. In einem ersten Schritt wird ein kurzer Überblick zu diesem Projekt gegeben, ehe in weiteren Schritten religionsunterrichtliche und religionskundliche Umgangsweisen mit dem Thema Islam vor dem Hintergrund der Befunde aus dem Projekt vergleichend beschrieben und diskutiert werden. Darüber hinaus wird untersucht, welche Rolle die Mehrheits-Minderheits-Thematik in diesen beiden Formen des religionsbezogenen Unterrichts jeweils spielt.
Zusammenfassung Die digitale Transformation erfordert neue Konzepte für schulisches Lernen und schulische Bildung sowie dafür professionalisierte Lehrkräfte – und zwar in allen Unterrichtsfächern. Digitale Souveränität lässt sich dabei als ein fächerübergreifendes Ziel bestimmen, das im Horizont einer Allgemeinen Fachdidaktik Anlass zur Intensivierung des Dialogs zwischen Fachdidaktiken bietet. In diesem Sinne wurden im Projekt DiSo-RE Fortbildungen für Religions- und Ethiklehrkräfte auf Basis eines fachdidaktikenübergreifenden Modells entwickelt, erprobt und evaluiert. Im Beitrag werden allgemein-fachdidaktische Verortungen, religionsdidaktische Einordnungen und erste Erträge aus der DiSo-RE-Entwicklungsforschung präsentiert.
Abstract This article examines the relationship between General Subject Didactics (GSD) and Comparative Didactics (CD) and explores their implications for Religious Education (RE). Drawing on recent theoretical and empirical developments, the article argues that while GSD functions primarily on the second and third levels of didactic reflection, providing meta-theoretical orientation across disciplines, CD is grounded in first- and second-level analyses of classroom practice and subject-specific theory building. By juxtaposing the two approaches, we highlight their complementary roles: GSD offers frameworks for cross-disciplinary generalization and legitimization of subject didactics, whereas CD provides fine-grained empirical insights into teaching and learning processes across contexts. Together, they enrich the field of RE by combining theoretical reflection with practical classroom analysis, thereby fostering a more comprehensive understanding of how religious knowledge is transmitted, transformed, and learned.
Zusammenfassung Die Gesellschaft für Fachdidaktik reagierte 2015 auf die durch die PISA-Studien ausgelöste Diskussion um die Professionalisierung der Fachdidaktiken mit dem Konzept des fachdidaktischen Forschungsformats. In einem Projekt der Universitäten Wien und Siegen konnten mittlerweile die Bezugstheorien, die Untersuchungsgegenstände und die Methodik als formatierende Dimensionen fachdidaktischer Forschung bestätigt sowie charakteristische Ausprägungen dieser Dimensionen herausgearbeitet werden. Der vorliegende Beitrag diskutiert die Bedeutung dieses Modells anhand der drei zentralen fachdidaktischen Forschungsfelder der Entwicklungsforschung, der Didaktischen Reduktion und der Conceptual-Change-Forschung. Dabei wird deutlich, dass besagtes Modell prinzipiell in der Lage ist, Formate fachdidaktischer Forschung zu beschreiben, für den konkreten Gebrauch jedoch weiter differenziert werden kann.
Zusammenfassung Erinnern ist nicht nur, aber auch in der Religionspädagogik ein wichtiges Thema. Künstlerische und geographiedidaktische Zugänge eröffnen dabei die Möglichkeit, sich dem Erinnern auf besondere Weise anzunähern. Durch die Begegnung mit Kunstwerken bzw. Denkmälern, die dem Erinnern und Gedenken dienen sollen, werden mittels einer Spurensuche Erfahrungsprozesse angestoßen und Fragestellungen aufgeworfen, die über das alltägliche Erinnern hinausgehen. Diese sind dabei weder losgelöst von Raum und gesellschaftlichen Kontexten noch von eigenen bereits gemachten Erfahrungen. In diesem Beitrag werden Impulse für eine ästhetische Begegnung mit Denkmälern aufgezeigt, um Erfahrungen zu ermöglichen und Fragestellungen anzuschließen.
Abstract Historically, the engagement with art – particularly within protestant traditions – has not always been marked by appreciation. This article, in contrast, explores experiences of resonance and self-transcendence as key points of connection between art and the christian ‚art of living‘. When these distinct spheres interact while preserving their respective autonomy, aesthetic, ethical, and religious experiences can mutually enrich one another. From this perspective, art emerges as a transformative space for the development of the ‚art of living‘.
Zusammenfassung Die sechste EKD-Kirchenmitgliedschaftserhebung zeigt, dass ein Drittel der Lernenden im Religionsunterricht konfessionslos ist. Religiös-weltanschauliche Heterogenität wird damit mehr und mehr zum Normalfall des Religionsunterrichts. Dass die veränderte Zusammensetzung aber auch Folgen für die Auswahl der dogmatischen Inhalte des Professionalisierungsprozesses zukünftiger Religionslehrkräfte hat, ist bisher kaum im Fokus. Inwiefern müssen die dogmatischen Inhalte unter professionsorientierter Perspektive betrachtet werden, um auf den Kontext der religiös-weltanschaulich heterogenen Schüler:innenschaft vorbereitet zu sein? Der Artikel führt aus, warum eine professionsorientierte Dogmatik angesichts der zunehmenden religiös-weltanschaulichen Heterogenität von zentraler Bedeutung ist und in welche Richtung diese Professionsorientierung der Dogmatik zu entwickeln ist.