
Dass der Ursprung der ‚Wanderungen durch die Mark Brandenburg‘ in England liegt, ist den wenigsten bewusst. Aus tiefgreifender Fremdheitserfahrung während seines Londonaufenthalts entwickelt Fontane Pläne für dieses ‚heimatliche‘ Langzeitprojekt. Anregung empfängt er sowohl von der in England blühenden historisch-romantischen Reiseliteratur als auch von Reisen durch die Midlands und die Highlands. ‚Heimat und Welt‘ berühren sich. Mit den ‚Wanderungen‘ bildet Fontane zugleich seine Rolle als ‚vaterländischer Schriftsteller‘ aus. Grundlegend ist das Konzept der aus der Malerei entlehnten ‚historischen Landschaft‘. Aus dieser ‚historischen Landschaft‘ geht auch Fontanes erster Roman, ‚Vor dem Sturm‘, hervor, in dem neben die brandenburgisch-preußische andere Herkünfte und Heimaten treten. ‚Heimat und Welt‘ greifen immer mehr ineinander, bis Fontane den feste[n] Patriotismus vom Besitz der allgemeinen Weltkenntniß abhängig macht.
Der Vortrag nähert sich den brandenburgischen Kirchenvisitationen des 16. Jahrhunderts aus verwaltungsgeschichtlicher Perspektive. Dabei erweist es sich als zweckmäßig, Visitationen nicht einfach als Fortführung einer mittelalterlichen Praxis zu behandeln, sondern auch als Variante der in verschiedenen Verwaltungszweigen üblichen Kommissionen. Kommissare wurden von Landesherren immer dann entsendet, wenn es Kollegien mit hoher Eigenaktivität zu überprüfen galt, wie etwa Gerichte und Universitäten. Neben der Frage nach Tradition und Kontinuität steht daher jene nach Funktion und Performanz. Dementsprechend plädiert der Beitrag im Schlussteil dafür, stärker auch die Visitationspraxis vor Ort in den Blick zu nehmen. Er betont aber auch den polyvalenten Wert von Visitationsakten als historische Quellengattung.
Die Aufwertung der Geschichte Preußens in der DDR in der Debatte über ‚Erbe und Tradition‘ überraschte in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren viele Beobachterinnen und Beobachter. Demgegenüber wird in diesem Aufsatz argumentiert, dass schon zuvor einige differenzierende Deutungen in der ostdeutschen Geschichtsschreibung entwickelt worden waren. Zwar hatte lange eine Abgrenzung von der preußischen Geschichte vorgeherrscht: Jedoch war sie trotz der Auflösung Preußens durch den Alliierten Kontrollrat 1947 als Bezugsgröße durchweg präsent geblieben, sowohl in der Politik der KPD beziehungsweise SED als auch in der DDR-Geschichtsschreibung und in den gelenkten Medien. Allerdings hatten die wechselnden herrschaftspolitischen Ziele der Partei- und Staatsführung einen Wandel der Interpretationen herbeigeführt, die zudem grenzüberschreitenden Einflüssen unterlagen. Dazu werden in dem Beitrag besonders die Auswirkungen der ‚Preußen-Welle‘ in der Bundesrepublik und die Vorbehalte gegen die Aufwertung Preußens in Polen dargelegt.
Der spezifisch deutsche Begriff ‚Heimat‘, der in seiner vollen semantischen Breite in keine andere Sprache übersetzbar ist, hat mehrere Dimensionen. Er bezeichnet die geografischen Orte, die biografischen Befindlichkeiten und die sozialen Kontexte, in denen sich Menschen wohlfühlen und mit denen sie sich vorzugsweise identifizieren. Daraus folgt, dass Heimat kein objektives Faktum, sondern eine subjektive Imagination, also ein Konstrukt in der Vorstellung von einzelnen oder Gruppen ist. Genau das aber macht Heimat nicht etwa beliebig oder gar irrelevant, sondern aktiv gestaltbar und somit zu einer wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, insbesondere in Zeiten raschen demografischen Wandels, verstärkter Migration und wachsender Herausforderungen bei der Integration von Zuwandernden. Die Geschichte des Heimatbegriffs hat verschiedene Stationen durchlaufen. Vom ursprünglichen Rechtsterminus, der im Mittelalter Haus und Hof bezeichnete, wandelte sich das Wort später zum Signum der menschlichen Sehnsucht nach Geborgenheit, erlebte dann eine stark sentimentale Aufladung und wurde in der Industrialisierung zu einer Metapher des Verlusts: Ländliche Idyllen, in denen man damals die ideale Heimat sah, drohten durch die urbane Moderne verloren zu gehen. Versuche der NS-Zeit, den Heimatbegriff zu ideologisieren, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Erfahrung zahlloser Heimatvertriebener überschrieben, die dem Begriff eine so noch nie dagewesene hochpolitische Dimension verliehen. Und in den Umweltbewegungen der Gegenwart tritt schließlich ein ganz neues Heimatbewusstsein zutage, das die Sorge um ein lebenswertes Zuhause aller Menschen als die wohl wichtigste globale Aufgabe der Zukunft artikuliert. Welche konkreten Forderungen an unser eigenes Heimatverständnis daraus resultieren, wird am Ende des Beitrags skizziert.
Eine Vielzahl akademischer wie außerakademischer Akteur*innen war im Deutschen Kaiserreich an der Produktion von Kenntnissen über die Welt und ihre Bewohner*innen beteiligt. Der Beitrag zeigt auf, wie die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU) mithilfe ihrer globalen Verbindungen Wissen sammelte und herstellte. Die BGAEU, wichtigste Vereinigung dieser Art im Kaiserreich, baute ein weitreichendes Netzwerk korrespondierender Mitglieder auf, die aus aller Welt Beobachtungen, Artefakte und human remains nach Berlin übermittelten. Diese korrespondierenden Mitglieder waren dabei keine neutralen Überbringer, sondern formten und prägten durch ihre Praktiken und Methoden die gelieferten Wissensbestände vor und mit. Während frühere Untersuchungen die Berliner und innerdeutschen Strukturen der BGAEU herausgearbeitet haben, erweitert der Artikel das Bild um internationale Verbindungen und konkrete Mechanismen der Wissensproduktion an außereuropäischen Standorten.
Heimat und Identität wachsen durch Schönheit, weil diese der Gesellschaft einen Sinn stiftet; Gleichförmigkeit und Disproportion dagegen wirken zerstörend und machen krank. An brandenburgischen Beispielen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart wird dieser These nachgegangen: Denkmalpflege und Umgebungsgestaltung am Kloster Chorin, barocke, sozialistische und transformierte Planstadt Schwedt/Oder, Malerwinkel in Brandenburg an der Havel, gesichtslose Siedlungen im Speckgürtel Berlins und brandenburgische Dörfer wie Lichterfelde (Teltow/Fläming). Engagierte Akteure und ihre Motivation für Schönheit in Architektur, Landschaft und bildende Kunst kommen zu Wort, Domänenpächter, Maler und Architekten, deren bekanntester sicher Karl Friedrich Schinkel ist, aber auch Bürger und jüngste Initiativen.
170 Jahre Braunkohletagebau haben das Bild der Lausitz nachhaltig geprägt und das Leben seiner Bewohner*innen nachhaltig beeinflusst. Die Wandlung des einst agrarisch genutzten Gebietes zu einer der bedeutendsten Wirtschaftsregionen in Ostdeutschland beziehungsweise in der DDR führte unbestritten zu einem Verlust von Heimat und Identität. Schon früh wurde dieser Entwicklung mit ‚Ausgleichsmaßnahmen‘ begegnet, die von Umsiedelungen ganzer Lebenswelten bis zu wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und touristischen Aufwertungen von Landschaft und Wohnräumen reichen. Ist dies bisher gelungen, wird dies gelingen, wenn der nächste Strukturwandel bevorsteht? Der Beitrag beleuchtet die Befassung am BLDAM mit der Lausitz seit 1991 und stellt insbesondere das jüngste Erfassungsprojekt vor, das in bisher nicht erreichter Tiefe die baulichen Zeugnisse der Bergbaufolgelandschaft erforscht und sich in diesem Rahmen eingehend und unter Auswertung von Kontakten zur Einwohnerschaft (Zeitzeugen) mit den soziologischen Prozessen beschäftigt hat.