
Die Weiterbildung in der Gynäkologie und Geburtshilfe erfolgt im Spannungsfeld zwischen medizinischem Anspruch, klinischem Alltag und organisatorischen Rahmenbedingungen. Der Weiterbildungsprozess umfasst dabei weit mehr als den Erwerb fachlicher Kompetenzen: Zeitdruck, hierarchische Strukturen, Teamkommunikation, Entscheidungsfindung in komplexen Situationen sowie kognitive Verzerrungen und Unsicherheiten im klinischen Entscheidungsprozess prägen die Weiterbildung maßgeblich. Der vorliegende Beitrag beschreibt typische Erfahrungen und Herausforderungen während der Weiterbildung und ergänzt diese durch praxisnahe Strategien zum Erwerb fachlicher und praktischer Handlungssicherheit. Hierzu zählen unter anderem die frühzeitige Orientierung am Facharztkatalog, eine strukturierte Dokumentation, regelmäßige Weiterbildungsgespräche sowie ein reflektierter Umgang mit Fehlern im Sinne einer offenen Fehlerkultur. Ziel ist es, klinische Handlungssicherheit schrittweise zu entwickeln und Weiterbildung als einen Prozess zu verstehen, der aktiv mitgestaltet werden kann.
In der Perimenopause sind typische Symptome häufig nicht mit Estrogen-Mangel assoziiert, sondern zyklusphasenabhängig mit u. U. höherer endogener Estrogen-Versorgung als in früheren reproduktiven Jahren. Ein früher Beginn perimenopausaler Symptome ist mit einer längeren Dauer von Beschwerden verbunden, sodass betroffene Patientinnen im Median für 11,8 Jahre darunter leiden. Die Evidenzrecherche zu Interventionen fand, dass insgesamt wenig Studiendaten zu Frauen in der Perimenopause vorliegen. Die meisten Studien schlossen entweder postmenopausale Frauen ein, oder die menopausale Phase war nicht eindeutig zuzuordnen. Von den 17 Empfehlungen und einem Statement zu Diagnostik und Interventionen (KVT [kognitive Verhaltenstherapie], Isoflavone, Cimicifuga, SSRI [selektive Serotonin-Re-uptake-Inhibitoren], Hormontherapie) in der symptomatischen Perimenopause waren 6 evidenzbasiert, 2 beruhten auf Adaptationen anderer Leitlinien, 8 Empfehlungen basierten auf 90–100
Die S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS) wurde 2025 veröffentlicht, sie orientiert sich eng an der internationalen Leitlinie zum PCOS und fügt eigene Aspekte hinzu. Das PCOS wird weiterhin anhand von mindestens 2 der 3 Kriterien diagnostiziert. Neu in den Diagnosekriterien ist die Bestimmung des AMH(Anti-Müller-Hormon)-Serumlevels, der bei Frauen mit PCOS höher ist als bei Frauen ohne ein PCOS. Des Weiteren sollen Differenzialdiagnosen vor endgültiger Diagnosestellung ausgeschlossen werden. Für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist es wichtig zu wissen, dass Frauen mit PCOS ein höheres Risiko für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms und die damit verbundenen kardiovaskulären Risiken haben. Daher ist die Aufklärung über die Prävention sinnvoll und wichtig. Die sogenannten Basismaßnahmen, die eine Verhaltensmodifikation, Ernährungsumstellung und die Erhöhung der körperlichen Aktivität fördern, können diese Risiken signifikant reduzieren.
Die Systemtherapie des Mammakarzinoms ist einem stetigen Wandel aufgrund der kontinuierlich erscheinenden neuen Studienergebnisse unterworfen. Dies verlangt daher die jährliche Überarbeitung der AGO(Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie)-Empfehlungen, um den neuen therapeutischen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Beim frühen Mammakarzinom gilt es, eine Über-, aber auch Untertherapie zu vermeiden. Daher ist die Selektion einer risikoadaptierten Systemtherapie unter Berücksichtigung der tumorpathologischen Faktoren im interdisziplinären Tumorboard das primäre Ziel. Beim metastasierten Mammakarzinom steht im Vordergrund die Testung der für den Subtyp relevanten Biomarker bzw. der Nachweis therapierelevanter Mutationen (e.g. PIK3CA, ESR1) zur Selektion der geeigneten Therapie. Da oft mehrere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, besteht derzeit die größte Herausforderung in der optimalen Sequenzierung der bestehenden Therapieoptionen. Dies gilt vor allem für das metastasierte HR(Hormonrezeptor)-positive Mammakarzinom.
Schwangerschaften ab 50 Jahren sind selten, werden der gynäkologischen Praxis aber zunehmend als Beratungsanlass begegnen: nach assistierter Reproduktion, früherer Kryokonservierung eigener Eizellen oder Embryonen sowie nach Auslandsbehandlungen, insbesondere mit Eizellspende. Die Praxis übernimmt dabei eine Schnittstellenfunktion zwischen reproduktionsmedizinischer Vorgeschichte, medizinischer Risikostratifizierung, rechtlicher Einordnung und Versorgungskoordination. Präkonzeptionell sollten Komorbiditäten, kardiovaskuläre Belastbarkeit, Stoffwechsel, Medikation, onkologische Vorsorge, psychische Stabilität und soziale Ressourcen strukturiert erfasst werden. Bei eingetretener Schwangerschaft sind frühe pränatalmedizinische bzw. perinatologische Mitbetreuung, risikoadaptierte Überwachung und rechtzeitige Geburtsplanung zentral. Die Beratung sollte die Autonomie der Schwangeren respektieren, Risiken klar benennen und die in Deutschland verbotene Durchführung einer Eizellspende von sachlicher Information und zulässiger Schwangerschaftsbetreuung abgrenzen.
Zum 01. Januar 2020 wurde die bisherige Zervixkarzinomvorsorge des jährlichen Zervixabstrichs in Deutschland revolutioniert. Für Frauen ab 35 Jahren wurde die Ko-Testung eingeführt, die sich aus einem HPV(humane Papillomviren)-Test und dem zytologischen Pap-Abstrich zusammensetzt. Allein in Niedersachsen wurde ebenso Patientinnen ohne Zervixgewebe die Ko-Testung ermöglicht. Dies führte zu einer Zunahme von Vorstellungen in der Dysplasie-Sprechstunde. Verbessert die Ko-Testung die Detektion von therapeutisch-relevanten vaginalen Dysplasien/Karzinomen bei hysterektomierten Frauen? Für die retrospektive Datenanalyse wurden alle Patientinnen der Dysplasie-Einheit der Universitätsklinik Oldenburg, die sich wegen eines auffälligen zytologischen Abstrichs oder positivem HPV-Tests der Vagina ohne Zervixgewebe zwischen dem 01. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2023 vorstellten, eingeschlossen. Es erfolgte eine Auswertung der Häufigkeiten von vaginalen Dysplasien/Karzinomen bei Erstvorstellung (Gruppe A: 2016–2019 vs. Gruppe B: 2020–2023). Es konnten 109 Erstvorstellungen eingeschlossen werden. In Gruppe A waren 29/30 Erstvorstellungen aufgrund einer auffälligen Zytologie, während in Gruppe B 49/79 Erstvorstellungen aufgrund einer HPV-Positivität bei unauffälliger Zytologie erfolgten. Nur bei 7/49 Patientinnen konnte eine vaginale Dysplasie nachgewiesen werden. In Gruppe B zeigten sich signifikant weniger Dysplasien/Karzinome (29,1 vs. 76,7
Viele Brustkrebspatientinnen wie auch Langzeitüberlebende sind betroffen von multiplen Beeinträchtigungen, die mit der Erkrankung und/oder ihrer Behandlung ursächlich zusammenhängen. Die Therapie mit mehreren Substanzen erhöht Komplexität und Wechselwirkungsrisiken – besonders bei intensiven (Kombinations‑)Therapien. Inzwischen verfügen viele onkologische Zentren, Praxen und Brustkrebszentren über eigene integrative Versorgungskonzepte, entsprechende interne Standards sowie Gruppen- und Selbsthilfeangebote Der Beitrag bietet neben einem strukturierten, evidenzbasierten Überblick für eine ganzheitliche, risikominimierende wie hilfreiche und empowernde Beratung auch Impulse für Forschung und (Leitlinien‑)Entwicklung. Die Relevanz mancher Interventionen ist nach wie vor nicht klar, und es bedarf hochwertiger randomisierter Studien. Doch die Akzeptanz komplementär-integrativer Ansätze in der Onkologie, die Förderung von Patientinnenkompetenz und das günstige Nutzen-Risiko-Verhältnis sprechen für den ergänzenden, etwa einen supportiven, Einsatz der gesichert wirksamen Interventionen im klinischen Alltag.
Die Diagnosestellung bei Endometriose erfordert Kenntnisse im Bereich der Anamnese, der klinisch-gynäkologischen Untersuchung und der transvaginalen, ggf. auch transabdominellen Sonographie. Ergänzende diagnostische Methoden wie das MRT (Magnetresonanztomographie) und die diagnostische Operation sind ausgewählten Situationen vorbehalten. Schmerzen und Symptomatiken, wie Dyspareunie, Dyschezie, Dysurie, zyklisch auftretende Schulterbeschwerden oder Dyspnoe, sollten nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ erfasst werden, ebenso Angaben zu vegetativen Begleiterscheinungen und zu Sexualfunktion. Eine dezidierte Schmerzanamnese ist essenziell, für eine strukturierte quantitative Erfassung und Monitoring. Im Behandlungsverlauf lassen sich verschiedene Fragebögen einsetzen wie auch numerische oder visuelle Analogskalen. Andere diagnostische Maßnahmen, beispielsweise Zystoskopie, Koloskopie, transrektale Endosonographie und Nierenszintigraphie, erfordern eine gesonderte, ggf. unabhängig von der Endometriose zu stellende Indikation.
Die Pathophysiologie von Endometriose-assoziierten Schmerzen zu verstehen ist absolut unerlässlich, um die Erkrankung adäquat zu behandeln. Neben zyklischen nozizeptiven Schmerzen kommt es nicht selten im Verlauf der Erkrankung auch zu neuropathischen und vor allem auch noziplastischen Schmerzen. Ist die Erkrankung anfangs zyklisch aktiv, führt die Progression der Läsionen auch zur Inflammation und Fibrose. Neu in Endometriosegewebe einwachsende Nervenfasern sezernieren proinflammatorische Neurotransmitter mit dem Effekt der neurogenen Inflammation, die auch azyklische, hormonunabhängige Schmerzen bedingen kann. Unabhängig davon triggern jahrelange unbehandelte Schmerzen auch eine periphere und zentrale Sensitivierung, die dazu führt, dass sich das nozizeptive Feld erweitert und die Schmerzschwelle sinkt. Eine viszeroviszerale Kreuzsensitivierung („cross sensitisation“) führt vermehrt zu viszeralen Schmerzen auch der benachbarten Organe Darm und Blase. Als Reaktion auf schwere Schmerzzustände kommt es sekundär zu Dysbalancen der Beckenbodenmuskulatur und Aktivierung von myofaszialen Triggerpunkten, sodass auch belastungsabhängige Schmerzen dazu kommen, die ebenfalls azyklisch sind und von der Beckenbodenmuskulatur ausgehen. Endometriose muss als chronische, inflammatorische Schmerzerkrankung mit der Besonderheit der direkten Östrogenabhängigkeit verstanden werden. Nicht selten sind Patientinnen mit komplexen Endometrioseschmerzen auch von anderen überlappenden Schmerzerkrankungen betroffen, wie Migräne, Fibromyalgie, Vulvodynie, denen ebenfalls eine Störung der zentralnervösen Reizverarbeitung zugrunde liegt. Die Inzidenz psychologischer Komorbiditäten wie Depressionen und Angststörungen steigt mit anhaltenden Schmerzen signifikant an.
Endometriose ist eine häufige chronische Erkrankung von Frauen im reproduktionsfähigen Alter und geht häufig mit chronischen Schmerzen, funktionellen Einschränkungen sowie psychosozialer Belastung einher. Die Pathophysiologie umfasst nozizeptive, neuropathische und neuroplastische Schmerzmechanismen. Chronische Schmerzen bei Endometriose entstehen im Zusammenwirken biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren und erfordern daher ein biopsychosoziales Behandlungskonzept. Darstellung der Grundlagen und Besonderheiten der interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie bei Endometriose sowie Einordnung relevanter therapeutischer Verfahren im Kontext chronischer Schmerzstörungen. Narrative Übersichtsarbeit auf Basis aktueller Leitlinien, Übersichtsarbeiten und klinischer Literatur zu Endometriose-assoziierten Schmerzen, chronischer Schmerzmedizin sowie interdisziplinärer multimodaler Schmerztherapie. Die Behandlung Endometriose-assoziierter Schmerzen sollte frühzeitig multimodal erfolgen und neben hormoneller sowie symptomatischer medikamentöser Therapie auch edukative, physiotherapeutische, bewegungstherapeutische und psychotherapeutische Verfahren umfassen. Entscheidend ist ein biopsychosoziales Krankheitsverständnis mit Fokus auf Funktionsverbesserung, Selbstwirksamkeit und Vermeidung weiterer Schmerzchronifizierung. Bei chronischen Schmerzstörungen kann eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie indiziert sein. Diese basiert auf einer eng abgestimmten Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen und kombiniert aktive therapeutische Verfahren innerhalb eines strukturierten Behandlungskonzepts. Endometriose-assoziierte Schmerzen stellen häufig ein komplexes chronisches Schmerzsyndrom dar, das eine rein somatisch orientierte Behandlung überschreitet. Die Versorgung betroffener Patientinnen erfordert daher ein interdisziplinäres biopsychosoziales Behandlungskonzept mit frühzeitiger Therapie mit multimodalem Ansatz und bei Bedarf spezialisierter interdisziplinärer multimodaler Schmerztherapie.
Die Gebärmutterhalskrebsvorsorge befindet sich im Wandel von einem primär zytologiebasierten Ansatz hin zu einer risikoadaptierten Strategie. Zukünftige Screeningalgorithmen werden voraussichtlich stärker individualisiert und berücksichtigen neben dem HPV(humane Papillomviren)-Status auch Genotypisierung, Impfstatus, Vorbefunde und molekulare Biomarker. Ziel ist es, Hochrisikopatientinnen präziser zu identifizieren und gleichzeitig unnötige diagnostische Eingriffe zu minimieren. Parallel dazu wird die Bedeutung von Triage-Strategien weiter zunehmen. Aktuelle Verfahren – darunter Zytologie, HPV-Genotypisierung (insbesondere HPV 16/18) und die Doppelmarkierung (Dual Stain) von p16 und Ki-67 – ermöglichen bereits ein optimiertes Management HPV-positiver Fälle. Die HPV-Selbstentnahme hat großes Potenzial gezeigt, unterversorgte Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Mit steigender HPV-Impfquote wird sich die Epidemiologie der Gebärmutterhalskrebserkrankung deutlich verändern, was Anpassungen der Screeningintervalle und -Algorithmen erforderlich macht. Langfristig wird sich die Gebärmutterhalskrebsvorsorge voraussichtlich hin zu personalisierten, risikobasierten Modellen entwickeln, die durch digitale Tools und künstliche Intelligenz unterstützt werden.
Improving the screening uptake among so-called nonresponders (women without participation in regular screening), particularly through human papillomavirus (HPV) self-tests, offers great potential for reducing the incidence of cervical cancer in Germany. Studies show that vaginal self-sampling or first-void urine tests achieve a higher participation rate than invitation letters and have comparable accuracy to a clinical examination, with the Hannover Self-Collection (HaSCo) study for Germany particularly highlighting the effectiveness of opt-out procedures. In Germany, the use of HPV self-tests has so far taken place primarily outside structured programmes, which can lead to overdiagnosis in young cohorts due to transient HPV infections. International examples such as the Netherlands and Denmark show that HPV self-tests, as an integral part of organised screening programmes, contribute effectively to the recruitment of nonresponders. Their use should therefore be embedded within an organised system featuring precise recording of participation and defined follow-up protocols.
Innovative surgical procedures are expanding the portfolio of operative urogynecology. Unsatisfactory recurrence rates-particularly in prolapse surgery-have long been a driving force behind continued surgical advancement. Robotic surgery can make valuable contributions in this context, opening new avenues in both incontinence treatment and prolapse therapy. Sacrocolpopexy, performed either in combination with or without hysterectomy, as well as colposuspension, play a major role in this field. These procedures can be carried out using either multiport or single-port approaches. In addition, sacral neuromodulation helps to sustainably improve patient care and represents an integral component of an ever-evolving field of urogynecology.
The politically driven shift of surgical services to outpatient care represents a profound structural transformation of healthcare delivery. It offers opportunities for patient-centered and resource-efficient treatment, but at the same time entails significant risks for established care structures and existing quality assurance mechanisms. Quality and patient safety depend not on the site of service provision or overnight stay, but on the reliable integration of the entire treatment pathway. Certified care networks, particularly in oncology, have proven to be an effective instrument for ensuring structural, process, and outcome quality. A primarily catalogue-driven shift to outpatient care without structural integration risks fragmenting these achievements. This article advocates for a network-based approach to outpatient care that incorporates certified structures and outlines the necessary health policy framework conditions. Key elements include robust structural prerequisites, systematic risk stratification, and reliable complication management; certification is positioned as a best-practice reference rather than a mandatory requirement.