
Intravitreale operative Medikamenteneingaben (IVOMs) im Versorgungsalltag erreichen häufig nicht die in klinischen Studien gezeigten Behandlungsergebnisse. In Deutschland fehlen bislang flächendeckende, repräsentative Real-World-Daten zur IVOM-Versorgung bei Makulaerkrankungen. Vor diesem Hintergrund wurde das oregis-IVOM-Register als Subregister des nationalen oregis-Registers etabliert. Ziel ist die standardisierte Erhebung und Analyse von IVOM-Therapieverläufen im klinischen Alltag in Deutschland, um Langzeitergebnisse abzubilden und Optimierungspotenziale in der Versorgung zu identifizieren. Teilnehmende augenärztliche Zentren können durch ihre Beteiligung aktiv zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der IVOM-Versorgung beitragen. Das oregis-IVOM-Register ist eine prospektive, nichtinterventionelle Beobachtungsstudie. Erfasst werden medizinische Versorgungsdaten erwachsener Patienten, die aufgrund einer neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD), eines diabetischen Makulaödems (DMÖ), retinaler Venenverschlüsse (RVV) oder choroidaler Neovaskularisation (CNV) eine IVOM-Therapie erhalten. Die Datenerfassung erfolgt webbasiert mittels Remote Date Entry in einer elektronischen Datenbank über REDCap. Struktur, Datensätze und Erhebungsparameter orientieren sich am internationalen Fight Retinal Blindness!-Register. Das oregis-IVOM-Register bietet erstmals eine nationale, strukturierte Plattform, um reale Behandlungsverläufe systematisch zu erheben und auszuwerten. Es schließt eine wichtige Wissenslücke in der IVOM-Versorgungsforschung in Deutschland und ermöglicht regionale und internationale Vergleiche sowie Analysen zu Therapieadhärenz und Versorgungsrealität.
BACKGROUND:Intravitreal operative medication injection (IVOM) treatment in routine clinical practice often fails to achieve the treatment outcomes demonstrated in clinical trials. In Germany, comprehensive and representative real-world data on IVOM treatment (IVT) for macular diseases are still lacking. OBJECTIVE:Against this background the oregis IVOM registry was established as a subregistry of the national oregis registry. The aim is the standardized collection and analysis of the course of IVOM treatment in the clinical routine in Germany, to evaluate long-term outcomes and identify potential areas for optimizing patient care. In this way participating ophthalmological centers can make an active contribution to the evidence-based development of IVOM treatment. MATERIAL AND METHODS:The oregis IVOM registry is a prospective, noninterventional observational study. Medical routine care data of adult patients receiving IVOM treatment for neovascular age-related macular degeneration (nAMD), diabetic macular edema (DME), retinal vein occlusion (RVO) or choroidal neovascularization (CNV) are collected. Data acquisition is performed via web-based remote data entry into an electronic database using REDCap. Registry structure, datasets and data collection parameters are aligned with the international Fight Retinal Blindness! registry. CONCLUSION:The oregis IVOM registry provides, for the first time, a nationwide structured platform for the systematic collection and evaluation of real-world IVT data in Germany. It closes an important evidence gap in health services research for IVOM treatment in Germany and enables regional and international comparisons as well as analyses of treatment adherence and real-world care.
Retinopathia solaris ist eine seltene phototoxische Netzhautschädigung infolge direkter Sonnenexposition, typischerweise im Zusammenhang mit der ungeschützten Beobachtung von Sonnenfinsternissen. Untersuchung klinischer, morphologischer und funktioneller Befunde sowie Verlaufscharakteristika bei Patienten mit Retinopathia solaris. Retrospektive Analyse der Patienten mit Retinopathia solaris, die zwischen 2014 und März 2026 an der Universitäts-Augenklinik Erlangen behandelt wurden. Einschlusskriterium war die anamnestisch und klinisch gesicherte Diagnose einer Retinopathia solaris. Erfasst wurden demografische Daten, bestkorrigierter Visus (BCVA), Fundusbefund, Befunde der optischen Kohärenztomographie (OCT), Therapie und der klinische Verlauf. Es wird eine Fallserie von 5 Frauen und 3 Männern (mittleres Alter: 29 Jahre; Spannweite 11 bis 49 Jahre) dargestellt. In der Hälfte der Fälle erfolgte die Exposition im Rahmen einer Sonnenfinsternis, in den übrigen Fällen handelte es sich um andere Formen ungeschützter direkter Sonnenexposition. Klinisch zeigten sich Visusminderung und zentrale Skotome. In der OCT fanden sich charakteristische subfoveoläre Defekte der Photorezeptoren und des retinalen Pigmentepithels (RPE). Im Verlauf kam es meist zu einer funktionellen und morphologischen Besserung; in Einzelfällen blieben jedoch strukturelle Foveaveränderungen und subjektive Beschwerden bestehen. Diagnostisch sind Anamnese und klinischer Befund wegweisend. Trotz meist günstiger Prognose können Beschwerden persistieren. Mangels kausaler Therapie ist die Prävention – besonders bei Sonnenfinsternissen – essenziell.
Mit der Veröffentlichung der Norm DIN EN ISO 7921:2024 wurde erstmals ein internationaler Standard für medizinische Nahleseproben eingeführt. Diese Norm ermöglicht, dass nunmehr auch für den Lesevisus ein valider und international vergleichbarer Schwellenwert erhoben werden kann. Der vorliegende Artikel fasst die zentralen Inhalte und wissenschaftlichen Grundlagen der Norm zusammen. Beschrieben werden die Definition der Schriftgröße über die x‑Höhe, die geometrische (logarithmische) Abstufung der Schriftgrößen, Standardprüfabstände sowie Anforderungen an Beleuchtung, Kontrast und Schriftarten. Die Norm definiert die Berechnungsgrundlage für Schriftgrößen in deren geometrischer (logarithmischer) Abstufung und die dabei zulässigen Toleranzen sowie die Rahmenbedingungen für den Testabstand, die Beleuchtung und den Kontrast. Als Standardnotation wird logRAD verwendet, da sich damit die geometrische Skalierung der Schriftgrößen präzise abbilden lässt und sich diese Notation in der Wissenschaft bewährt hat. Für den klinischen Gebrauch können auf den Nahleseproben aber auch andere geometrische Notationen angegeben werden. Als Schriftarten wurden grundsätzlich Helvetica und Times New Roman festgelegt oder diesen ähnliche Schriftarten. Leseproben sind ein Medizinprodukt der Klasse I. DIN EN ISO 7921:2024 schafft erstmals eine international einheitliche Grundlage für die Herstellung medizinischer Nahleseproben und ermöglicht damit vergleichbare und nachvollziehbare Messungen des Lesevisus. Zusammen mit der seit 2026 verpflichtenden Registrierung von Medizinprodukten in EUDAMED stärkt diese Norm die Validität, Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit des Lesevisus im klinischen und wissenschaftlichen Gebrauch und damit auch die Rechtssicherheit.
BACKGROUND:Epikeratoplasty was previously used as a treatment option for correcting high myopia and keratoconus; however, structural complications, including interface scarring, surface irregularities and corneal ectasia, are not uncommon during follow-up. CASE:A 55-year-old male patient presented with decreased visual acuity in the right eye. He had undergone an epikeratoplasty in South Korea 34 years earlier to improve visual acuity due to high myopia. As the postoperative visual acuity remained inadequate, an additional photorefractive keratectomy (PRK) was performed at a later stage. In terms of surface irregularity, anterior stromal scarring, increased central corneal thickening to 708 μm, and contact lens intolerance as well as corticonuclear cataract, a penetrating excimer laser keratoplasty with simultaneous cataract surgery (triple-PKP) was recommended; however, the patient initially opted to have the epikeratoplasty lenticule removed first at an external clinic. Upon re-examination a significant thinning of the corneal stroma was noted. Therefore, the previously recommended triple-PKP procedure was performed on the right eye. Postoperatively, a substantial improvement in visual acuity, from 0.05 to 0.4, was already evident at the 6‑month visit. CONCLUSION:Lenticule removal can be associated with a variety of complications. In this case, a triple-PKP procedure was considered the most appropriate treatment option to restore anatomical stability and achieve visual rehabilitation without delay.
Die chirurgischen Möglichkeiten bei Pathologien des vorderen Augenabschnittes haben sich über die letzten Jahrzehnte deutlich verbessert, während zeitgleich auch die Operationsverfahren immer komplexer werden. Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmalig die perforierende Keratoplastik etabliert wurde, besteht heutzutage bereits die Option verschiedener lamellärer Keratoplastiktechniken. Die intraoperative OCT-Technologie (iOCT/MI-OCT) kann den Chirurgen bei der exakten Platzierung von Inzisionen und Nähten unterstützen und trägt so zur Optimierung des Operationsergebnisses bei. Beispielsweise ermöglicht sie bei der DALK-Chirurgie eine präzisere Durchführung der Big-Bubble-Technik, erleichtert bei stark ödematöser Hornhaut die korrekte Entfaltung und Ausrichtung der DMEK-Lamelle und erlaubt im Rahmen der lamellären und der phototherapeutischen Keratektomie eine Präzisierung des Gewebeabtrags. Insbesondere bei Neugeborenen und Kleinkindern, deren Untersuchbarkeit an der Spaltlampe erschwert ist, kann oft erst intraoperativ mit der iOCT eine korrekte Diagnosestellung und somit die Durchführung eines zielgerichteten OP-Verfahrens erfolgen. Auch wenn in der ADVICE-Studie kein wirtschaftlicher Vorteil bei der Nutzung der iOCT bei regulären DMEK-Operationen gezeigt werden konnte, so können eine Steigerung der chirurgischen Effizienz und insbesondere eine verbesserte Ausbildung von angehenden Ophthalmochirurgen festgestellt werden.