
Zusammenfassung Die Geschichte der Trinkwasseraufbereitung ist nicht nur eine Abfolge technischer Innovationen, sondern ein Spiegel wissenschaftlicher Debatten, gesellschaftlicher Lernprozesse und nicht zuletzt persönlicher Überzeugungsarbeit engagierter Menschen. Die Wasserchemische Gesellschaft hat den Entwicklungsweg seit nunmehr hundert Jahren begleitet und wissenschaftlich geprägt. Der vorliegende Beitrag möchte den Weg nachzeichnen – sachlich fundiert, aber auch mit Blick auf Menschen und Kontroversen, die den Fortschritt erst möglich machten.
Abstract Elevated selenium (Se) levels in drinking water pose significant health risks, necessitating effective removal strategies. This study evaluates granular ferric hydroxide (GFH) for Se oxyanion removal under varying water chemistries. GFH showed higher removal efficiency for Se(IV) (99.31 %) than Se(VI) (88.41 %), with minimal iron dissolution, indicating that performance differences arise from distinct Se–GFH interaction mechanisms. Se(IV) adsorption followed pseudo‐first‐order kinetics and the Langmuir isotherm, whereas Se(VI) was better described by pseudo‐second‐order kinetics and the Freundlich model. Sulfate and silicate exhibited a stronger inhibitory effect on Se(VI) removal than on Se(IV), highlighting challenges in treating selenate‐contaminated waters. These findings improve understanding of Se oxyanion adsorption on GFH and support its application in drinking water treatment.
Zusammenfassung TFA (Trifluoressigsäure bzw. Trifluoracetat) kann durch natürliche oder technische Trinkwasseraufbereitung praktisch nicht entfernt werden und stellt aufgrund seiner hohen Persistenz ein Risiko für Trinkwasserressourcen dar. TFA und seine Vorläufer werden den per‐ und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) zugeordnet und gelangen aus verschiedenen anthropogenen Quellen in die Umwelt. Neben direkten industriellen Einleitungen entsteht TFA auch aus zahlreichen Stoffen mit Trifluormethylgruppen, darunter Pflanzenschutz‑ und Arzneimittel sowie Treib‑ und Kältemittel. Mitteleuropäische Trinkwasserressourcen sind bereits über den Niederschlagspfad mit einem anthropogenen Hintergrund von über 0,3 µg/L TFA belastet. Da sich TFA kaum entfernen lässt und gängige Verfahren wie Ozonung und Aktivkohle unwirksam sind, bleibt der Ressourcenschutz zentral. Angesichts steigender Emissionen ist eine generelle Reduktion unabdingbar.
Die Jahrestagung der Wasserchemischen Gesellschaft „Wasser 2025“ war die zentrale deutsche Tagung, auf der die neuesten Erkenntnisse zu allen Themen der Wasserqualität präsentiert wurden. Fachleute aus dem Bereich der Wasserchemie, der Wasseraufbereitung sowie aus anderen Disziplinen des Wasserfachs trafen sich zu einem intensiven Erfahrungs‐ und Gedankenaustausch. Ein Schwerpunkt lag auf der persönlichen Begegnung und den wissenschaftlichen Diskussionen aktueller fachlicher Herausforderungen. Die „Wasser 2025“ fand vom 26. bis 28. Mai in Münster statt. Besonders hervorzuheben war der Keynote‐Vortrag von Dr. Nicole Kauke, Leiterin des Fachgebiets Klimaatlas und Kommunalberatung Klimafolgeanpassung im Fachzentrum Klima des LANUV NRW, über die hochaktuellen Auswirkungen des Klimawandels in Nordrhein‐Westfalen. Darüber hinaus brachte Urs von Gunten im lockeren Rahmen der bunten Nacht der Poster am Abend des ersten Veranstaltungstags spannende Ergebnisse zu oxidativen Prozessen in der Wasseraufbereitung näher. Im Rahmen der Eröffnung wurden der Willy‐Hager‐Preis und der Promotionspreis der Wasserchemischen Gesellschaft – gefördert von der Walter‐Kölle‐Stiftung – sowie eine Ehrennadel der Gesellschaft verliehen.
In der ersten Phase des Forschungsprojekts HyFive wurden gereinigte Abwässer im Ablauf eines Teilstrom‐Membran‐Bio‐Reaktors (MBR) und einer konventionellen Nachklärung (NK) jeweils mit Ozon behandelt und die Elimination von organischen Mikroschadstoffen (OMPs), Entstehung von Oxidationsneben‐ und Transformationsprodukten sowie deren potenzielle ökotoxische Wirkung untersucht. Die Versuchsanlage befindet sich am Klärwerk Emschermündung in Dinslaken und behandelt Abwasser im Größenbereich von 1000 Einwohnergleichwerten. Bei Eignungsüberprüfung des Kombinationsverfahrens aus MBR und nachgeschalteter Ozonung stellen die Untersuchungen des Abwassers durch Ozonung im Labor ein wichtiges Arbeitspaket dar. Aufgrund dessen wurde auf Basis von drei Probenahmen der Ablauf NK sowie das MBR‐Filtrat der Versuchsanlage beprobt und anschließend im Labor der TU Darmstadt, Institut IWAR, mit Ozon (0,3–0,8 mg O 3 /mg DOC) behandelt. Die Proben wurden vor den Laboruntersuchungen anhand von Standardabwasserparametern (SAK 254 , SUVA 254 , DOC) und den OMP‐Konzentrationen bezüglich ihrer Repräsentativität eingeordnet. Der Analytikumfang umfasste zwölf OMPs gemäß der EU‐Richtlinie 2024/3019 (neue EU‐Kommunalabwasserrichtlinie). Im Rahmen der Ozonungsversuche wurde über die gesamte Reaktionszeit die Ozon‐ und Hydroxylradikal‐Exposition bestimmt und OMP‐Abbauprofile aufgenommen. Die Expositionen beider Abwassertypen lagen über nahezu alle Versuchsreihen im ähnlichen Größenbereich. Nur bei der höchsten spezifischen Ozonkonzentration von 0,8 mg O 3 /mg DOC zeigte sich eine zunehmende Tendenz in Richtung höherer Ozon‐Exposition im Ablauf NK. Die mittleren OMP‐Eliminationen aus neun Proben je Abwassertyp und eingesetzter Ozonkonzentration ließen nur für 0,3 mg O 3 /mg DOC auf höhere Eliminationsraten im MBR‐Filtrat schließen. Für die spezifische Ozonkonzentration von 0,5 und 0,8 mg O 3 /mg DOC lag die mittlere OMP‐Eliminationsrate im Labor sowohl im Ablauf NK als auch MBR‐Filtrat gleichauf. Des Weiteren wurde mit den Expositionen sowie aus der Literatur ermittelten kinetischen Konstanten k O3 und k OH der OMP‐Einzelstoffe eine Modellierung zur Vorhersage der Eliminationsraten durchgeführt. Bis auf die Stoffe Candesartan, Irbesartan und Citalopram wurde für alle OMPs eine gute Übereinstimmung zwischen Messwerten und Modell festgestellt. Für Candesartan, Irbesartan und Citalopram sollten aufgrund der geringen Übereinstimmung die kinetischen Konstanten experimentell im Labor bestimmt und mit den Literaturwerten verglichen werden. Um die Aussagekraft des Vorhersagemodells zu verbessern, sollte zudem die Datendichte durch weitere Versuchsreihen erhöht werden. Auf Basis der Ergebnisse im Labor lässt sich festhalten, dass sowohl das MBR‐Filtrat als auch Ablauf NK zur Behandlung mit.