
Die narrativen Interviews des Israelkorpus bieten nicht nur Einsicht in die Lebenswege der deutschsprachigen jüdischen Bevölkerung, sondern auch in deren Sprachgebrauch in den 1920er und 1930er Jahren. Der vorliegende Beitrag fokussiert auf die in Österreich aufgewachsenen Sprecher_innen, deren Sprachgebrauch vermutlich durch das österreichische Deutsch geprägt ist. Aus einer quantitativ-qualitativen Perspektive soll untersucht werden, was für Archaismen (Ausdrücke, deren Gebrauchshäufigkeit abgenommen hat und die deshalb als ‚veraltet‘ wahrgenommen werden) und Historismen (Bezeichnungen für historische Objekte und Phänomene, die es heutzutage nicht mehr gibt) im anhand der familiären Biografien erfassten Subkorpus vorkommen. Schließlich soll darüber reflektiert werden, wie die ermittelten Lexeme an Schulen behandelt werden können, um (Sprach)geschichte zu betreiben. The narrative interviews of the Israelkorpus provide insights not only into the life paths of German-speaking Jews but also into their language usage in the 1920s and 1930s. This paper focuses on those speakers who grew up in Austria, whose language use is likely influenced by Austrian German. From a quantitative-qualitative perspective, the study aims to investigate which archaisms (expressions whose frequency of use has decreased, and which are therefore perceived as ‘obsolete’) and historicisms (terms for historical objects and phenomena that no longer exist) are found in the sub-corpus, which is based on family biographies. Finally, it will reflect on how the identified lexemes can be used in schools to explore (language) history.
Trotz der vielen positiven Effekte, die der Einsatz von Korpora beim Sprachenlernen mit sich bringt, kommen Korpora im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) noch relativ begrenzt zum Einsatz, und Veröffentlichungen mit konkreten Beispielen sind selten. Daher wird in diesem Beitrag ein korpusbasiertes Forschungsprojekt vorgestellt, das mit Deutschstudierenden an der Universität Urbino in Italien durchgeführt wurde. In diesem Projekt wurden die Studierenden selbst zu Forschenden und analysierten Häufigkeits- und Kookkurrenzmuster ausgewählter Neologismen im Deutschen Referenzkorpus DeReKo. Das Feedback der Studierenden zeigt, dass sie die Arbeit mit dem Korpus schätzten und dadurch metalinguistisches Wissen sowie verschiedene übertragbare Fähigkeiten entwickeln und teilweise neuen Wortschatz erwerben konnten. Despite the numerous benefits of incorporating corpora into language learning, their use in German as a Foreign Language (GFL) remains relatively limited, and publications providing concrete examples are scarce. This paper, therefore, presents a corpus-based research project conducted with German students at the University of Urbino in Italy. As part of this project, students took on the role of researchers, analysing the frequency and co-occurrence patterns of selected neologisms in the German Reference Corpus DeReKo. Student feedback suggests that they valued working with the corpus, as it enabled them to develop metalinguistic knowledge and transferable skills, while also contributing to some degree to vocabulary expansion.
Der Beitrag zeigt, wie mündliche Daten aus deutschen narrativen biographischen Interviews für das italienische Laienpublikum und für DaF-Lernende übersetzt und adaptiert werden können, ohne dass wichtige Teile des Inhalts und des sprachlichen Duktus verloren gehen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Prozess und die Methodik gelegt, die bei der Auswahl der relevanten Teile der Interviews, ihrer Übersetzung und den Anpassungsstrategien für italienische Adressat:innen angewandt wurden. Im Verlauf der Analyse soll an einem Beispiel gezeigt werden, welche Art der Anpassung für diese Textgattung notwendig ist und welche Vereinfachungsstrategien sich daraus für die Erstellung von Texten für Webseiten ergeben können. Die zentrale Frage lautet daher: Was bleibt von einem gesprochenen deutschen narrativen Interview, das zunächst transkribiert, dann übersetzt und schließlich für eine italienische Webseite adaptiert wird, im italienischen Zieltext und wie können die individuellen Stimmen der Interviewten in diesem Prozess erhalten werden (vgl. Thüne 2023; Cinato i. Dr.). The article shows how oral data from German narrative biographical interviews can be translated and adapted for an Italian lay audience and for learners of German language without losing important parts of the content and linguistic style. Particular attention will be paid to the process and methodology used to select the relevant parts of the interviews, their translation and the adaptation strategies for Italian audience. In the course of the analysis, an example will be used to show what kind of adaptation is necessary for this text type and what simplification strategies can result from this for the creation of texts for the website. The central question is therefore: What remains in the Italian target text of a spoken German narrative interview, which is first transcribed, then translated and finally adapted for an Italian website, and how can the individual voices of the interviewees be preserved in this process (cf. Thüne 2023; Cinato in press).
Die mittlerweile diversifizierte und heterogene Korpuslandschaft ist auch von Korpora gesprochener Sprache geprägt. Autobiographische Erzählungen stellen einen Untersuchungsgegenstand dar, der in den unterschiedlichsten Forschungsrichtungen analysiert worden ist; unterbeleuchtet bleibt allerdings deren Einsatzpotenzial in DaF. Im Fokus des vorliegenden Artikels steht ein spezifischer Typ von Korpora gesprochener Sprache, d.h. autobiographische Korpora. Wie die Beiträge der vorliegenden Themenausgabe zeigen, stellt deren Gebrauch in der Unterrichtspraxis einen Mehrwert sowohl für Lernende als auch für Lehrende dar. Im Zentrum des Interesses steht somit die vielfältige und fruchtbare didaktische Anwendung von autobiographischen Korpora, u.a. zur Analyse der Besonderheiten der Mündlichkeit und zur Reflektion über historisch- und gesellschaftsrelevante Themen. The contemporary corpus landscape, which is now diversified and heterogeneous, reserves an important place for corpora of spoken language. Autobiographical narratives have been focused on in numerous research fields; however, their potential application to German as a Foreign Language (GFL) remains underexploited. The present article deals with a specific type of corpora of spoken language, autobiographical corpora. As shown by the contributions to this thematic issue, their use in teaching practice has revealed them to be a potentially highly valuable resource for both teachers and learners. The focal point of the present inquiry is thus to investigate how best use can be made of such corpora in pedagogic practice, with a view to optimising their impact and bringing out their multifaceted nature. This encompasses the analysis of orality in various forms and the reflection on topics of historical and social significance.
Die vorliegende Untersuchung widmet sich der Leichten Sprache (LS) als potenzielle Brückensprache für DaF-Lernende und beleuchtet die lexikografische Darstellung von Fachbegriffen aus den Bereichen Informatik und Künstliche Intelligenz in LS-Wörterbüchern. Mittels einer qualitativen und quantitativen Analyse wird ermittelt, in welchem Umfang diese Fachbegriffe in LS-Wörterbüchern vertreten sind und welche Strategien zur semantischen Vereinfachung angewendet werden. Hieraus resultieren Reflexionen zum Einsatz von LS-Wörterbüchern für den Erwerb des Fachwortschatzes in der DaF-Didaktik sowie die Beleuchtung der Spannungsfelder zwischen Fachsprachlichkeit und sprachlicher Zugänglichkeit. This study investigates German Easy Language (Leichte Sprache, LS) as a potential bridge language for learners of German as a foreign language (DaF), with a particular focus on the lexicographic representation of specialized terminology from the fields of informatics and artificial intelligence in LS dictionaries. Using a qualitative and quantitative approach, the study examines the presence of these terms in LS dictionaries and the strategies employed for semantic simplification. Ultimately, the study examines the implications of LS dictionaries for the acquisition of technical vocabulary in German as a foreign language teaching contexts, as well as the tension between terminological precision in specialized language and linguistic accessibility in simplified discourse.
In diesem Aufsatz wird die Hypothese aufgestellt, dass DaF-Lernenden anhand von Korpora und deren Behandlung im Unterricht gezielt ein Sprachverhalten erfahrbar gemacht werden kann, das sie selbst noch erlernen müssen. Dies soll am Beispiel des sprachlichen Ausdrucks von Empathie im Dialog und hier speziell in einigen Interviews, die Eva-Maria Thüne in ihrem Forschungsprojekt zum Kindertransport nach Großbritannien während des Nationalsozialismus geführt hat, empirisch belegt werden. Zu diesem Zweck wird das Thema eingeführt, das Konzept der Empathie linguistisch verortet, das Korpus vorgestellt und schließlich eine erste Typologie empathischen Sprach- und Interviewverhaltens erarbeitet. In this article, the hypothesis is put forward that GFL learners can be specifically taught language behaviour that they still have to learn themselves by means of corpora and their treatment in class. This is empirically proven using the example of the linguistic expression of empathy in dialogue and here specifically in some interviews conducted by Eva-Maria Thüne in her research project on Kindertransport (the transport of children to Great Britain during National Socialism). To this end, the argument is introduced, the concept of empathy is located linguistically, the corpus is presented and finally an initial typology of empathic language and interview behaviour is developed.
Seit der deutschen Wiedervereinigung vor fünfunddreißig Jahren wurden zahlreiche Publikationen zur DDR-Sprache veröffentlicht, deren wissenschaftliche Neutralität jedoch oft durch politische und/oder biografische Hintergründe der Forschenden beeinflusst wurde. Die rasche Wiedervereinigung, die Vernichtung sprachlicher DDR-Zeugnisse und die Diglossie zwischen öffentlichem und privatem Sprachgebrauch erschweren bis heute die sprachhistorische Dokumentation. Der Beitrag untersucht sprachbiografische Interviews mit sprachhistorischen und diskurslinguistischen Methoden. Ziel ist es, individuelle Spracherinnerungen zu systematisieren und das Spannungsverhältnis zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis zur DDR-Geschichte und zum Sprachgebrauch in der DDR nachzuzeichnen. Since German reunification thirty-five years ago, numerous publications on the GDR language have been published, though researchers’ political and biographical backgrounds have often influenced their scientific neutrality. The rapid reunification, the destruction of GDR linguistic documents, and the known diglossia between public and private language use complicate historical language documentation. This paper examines language biographical interviews using historical linguistic and discourse analysis methods. The aim is to systematize individual language memories and trace the tension between communicative and cultural memory regarding GDR history and GDR language use.
Das Korpus Flucht und Emigration nach Großbritannien (FEGB) wurde im Rahmen eines Forschungsaufenthalts (Fellowship in Cambridge) in Großbritannien von Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien) in den Jahren 2017 und 2018 erstellt. In Cambridge und im Großraum London wurden die meisten der sprachbiographischen Interviews über Sprache und kulturelle Identität der meist jüdischen Emigrant_innen 70 bis 80 Jahre nach ihrer Immigration nach Großbritannien aufgenommen. Im Gegensatz zu anderen Korpora zu Erfahrungen dieser Migrant_innengruppe (wie den Refugee Voices) wurden diese Gespräche vorwiegend auf Deutsch geführt und stellen dadurch eine der letzten authentischen Dokumente dieser Sprecher_innen und Augenzeug_innen dar. Phänomene des Sprachwechsels kommen vor und können einen Analyseschwerpunkt auch für didaktische Ansätze bilden. The corpus Flucht und Emigration nach Großbritannien (FEGB) was compiled by Eva-Maria Thüne (University of Bologna, Italy) as part of a research stay (fellowship in Cambridge) in the UK in 2017 and 2018. Most of the language-biographical interviews about the language and cultural identity of the predominantly Jewish emigrants were recorded in Cambridge and in the Greater London area 70 to 80 years after their immigration to the UK. In contrast to other corpora on the experiences of this migrant group (such as the Refugee Voices), these interviews were mainly conducted in German and thus represent one of the last authentic documents of these speakers and eyewitnesses. Code-switching phenomena occur and can also be a focus of analysis in didactic practices.
Zu den narrativen autobiographischen Interviews im Israelkorpus liegt eine umfangreiche und breitaufgestellte, linguistische Forschung vor. Umso erstaunlicher ist es, dass der Subkorpus der Metz-Interviews bisher kaum berücksichtigt wurde. Die vorliegende Arbeit will deren wissenschaftliche Erschließung anregen, indem sie Entstehungskontext, Aufbau, Metadaten und Begleitmaterial beschreibt und zwei Forschungsansätze skizziert. There is extensive broad-based, linguistic research on the narrative autobiographical interviews collected in the Israelkorpus. It is therefore all the more astonishing that the sub-corpus containing the Metz-interviews has hardly been considered to date. This article aims to promote the scientific analysis of these data by describing the context of creation, structure, metadata and accompanying material, and by outlining two possible research approaches.
Das Korpus Austrian Heritage Archive (AHA) ist Teil eines umfassenden Projekts, das das Austrian Heritage Archive Ende der 1990er Jahre gemeinsam mit dem Leo Baeck Institut New York und dem Leo Baeck Institut Jerusalem durchgeführt hat. Das Ziel war es, das Leben österreichischer Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus und während ihrer Flucht unmittelbar danach in die USA oder ins damalige Palästina durch das Versammeln von biografischem Material und autobiografischen Audio- und Videointerviews zu dokumentieren. Das Korpus besteht aus Audio- und Videointerviews, die sowohl auf der Website des Austrian Heritage Archive als auch auf der des Leo Baeck Institut New Yorkfrei zugänglich sind. Es geht um autobiografische Interviews, in denen die Befragten erzählen, wie sie bis zum Beginn des Nationalsozialismus gelebt haben, ob sie antisemitische Erfahrungen erlebt haben: Sie berichten über Flucht, Exil, über die Suche nach einer neuen Heimat, einer neuen Sprache und einer neuen Identität. Diese Interviews werden in Verbindung mit anderen lebensgeschichtlichen Dokumenten und Materialien Wissenschaftler:innen, Lehrer:innen und historisch interessierten Personen zur Verfügung gestellt, die sich mit diesem Teil der Geschichte auseinandersetzen wollen. Die Interviews sind nicht nur aus einer historischen Perspektive interessant, sondern auch aus einer sprachwissenschaftlichen und sprachgeschichtlichen, weil sie es erlauben, Thematiken wie Spracherleben, Spracheinstellung, Mehrsprachigkeit, Code-Switching, Sprachwandel, Verbalisierung von Traumata oder Erfahrungen von Antisemitismus zu untersuchen. The Austrian Heritage Archive corpus (AHA) is part of an extensive project undertaken by the Austrian Heritage Archive together with the Leo Baeck Institute New York and the Leo Baeck Institute Jerusalem at the end of the 1990s, whose aim was to document the lives of Austrian Jews during the Nazi era and their flight to the USA or the former Palestine immediately afterwards. This was to be achieved by collecting biographical material and autobiographical audio and video interviews. The corpus consists of audio and video interviews in which the interviewees recall how they lived until the beginning of National Socialism and whether they had anti-Semitic experiences: they talk about flight, exile, the search for a new home, a new language and a new identity. These interviews are freely accessible on the websites of both the Austrian Heritage Archive and the Leo Baeck Institute New York in conjunction with biographical documents and materials, making them accessible to researchers, teachers, and anyone interested in this part of history. These interviews are not only interesting from a historical, but also from a linguistic and linguistic-historical perspective, because they allow the study of issues such as language experiences, language attitudes, multilingualism, code-switching, language change, verbalisation of trauma or experiences of anti-Semitism.
Die vorliegende Arbeit stellt eine korpusgestützte Analyse von Meinungsausdrücken (MA) der deutschen Sprache dar, die auf mehr oder weniger festen Mehrwortverbindungen beruhen und pragmatisch als textmusterbezogene Handlungen der Meinungsäußerung definiert werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welche formalen und funktionalen Besonderheiten bestimmte, exemplarisch ausgewählte MA im Rahmen schriftlicher Produktionen von französischen Studierenden im Vergleich zu Produktionen deutscher MuttersprachlerInnen aufweisen. Im Anschluss an eine Darstellung der an konstruktionsgrammatischen, framesemantischen, diskurs- und textlinguistischen Prämissen orientierten Methode wird eine Reihe von Ergebnissen diskutiert, welche aus der korpusbasierten Analyse hervorgehen. Das eigens hierfür kompilierte Lernerkorpus schriftlicher Produktionen französischer Deutschlernender sowie das muttersprachliche Vergleichskorpus wurden mittels Sketch Engine empirisch und qualitativ ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass sich deutsche L2-Konstruktionen der Meinungsäußerung grundsätzlich von L1-Konstruktionen unterscheiden. Die exemplarisch durchgeführte Analyse und der damit verbundene Ansatz bedürfen breiter angelegter Studien, um die sprachtheoretischen und pädagogisch-didaktischen Erkenntnisse zu vertiefen. The present study represents a corpus-based analysis of expressions of opinion (EoO) in German, which are based on multi-word combinations of varying degrees of fixity and are defined pragmatically as text-pattern-related acts of expressing one’s opinion. The analysis is centred on the formal and functional characteristics of a number of selected EoO occurring in written productions of French students, in comparison to productions by German native speakers. Following a presentation of the method based on construction-grammatical, frame-semantic, discourse- and text-linguistic premises, a series of results emerging from the corpus-based analysis are discussed. The specially compiled learner corpus of written productions by French learners of German and the native-language comparison corpus were empirically and qualitatively analysed using Sketch Engine The results confirm the hypothesis that German L2-constructions of expressing one’s opinion are fundamentally different from L1-constructions. The exploratory analysis and the associated approach require broader studies in order to deepen the theoretical and pedagogical-didactic findings.
Die Nachfeldbesetzung, als eine der zentralen Regeln der deutschen Syntax, stellt für Lernende eine besondere Herausforderung dar, da dieses Phänomen in Lehrwerken häufig nicht exakt erklärt und auch nicht ausreichend geübt wird. In der vorliegenden Arbeit werden die Verwendung und Entwicklungstendenzen der Nachfeldbesetzung bei einer Kohorte von Studierenden an einer Universität in China über einen Zeitraum von vier Jahren anhand ihrer Texte aus dem Chinesischen Deutschlerner-Korpus (CDLK) analysiert. Die Ergebnisse legen dar, dass L2-Studierende von Beginn an fast alle Nachfeldstrukturen nutzen und ihre Verwendung von Nachfeldstrukturen tendenziell zunimmt. Insgesamt haben die Studierenden während des vierjährigen Deutschlernens deutliche Fortschritte gemacht und sich in der Nachfeldverwendung den Muttersprachlern angenähert, wobei sie Infinitive mit zu und Präpositionalphrasen überproportional gebrauchen. The use of the postfield, as one of the central rules in German syntax, presents a particular challenge for learners, as this phenomenon is often insufficiently explained and practiced in textbooks. This study analyzes the usage and development trends of postfield placement among a cohort of students at a university in China, using longitudinal learning data from the Chinese German Learner Corpus (CDLK, das Chinesische Deutschlerner-Korpus). The results indicate that L2 students utilize almost all postfield structures from the beginning, and their use of these structures tends to increase over time. Overall, throughout the four years of learning German, the students have made significant progress and have approached native speakers in their use of postfield structures, with infinitives with zu and prepositional phrases being used more frequently than by native speakers.
Der Beitrag stellt das frei nutzbare LeiKo-Korpus vor, ein Vergleichskorpus mit deutschen Nachrichten- und Zeitungstexten in den vereinfachten Varianten Leichte und Einfache Sprache aus den Jahren 2017 und 2018. LeiKo zeichnet sich neben einer kontrollierten Variation der veröffentlichenden Webseiten durch umfangreiche linguistische Annotationen aus. Nach einer Motivation der Sprachvarianten skizziert der Beitrag die Korpusarchitektur und die Annotationsebenen. Anhand eines Analysebeispiels wird gezeigt, wie das Korpustool ANNIS einen systematischen Zugriff auf grammatische und funktionale Aspekte der Vorfeldkonstituenten in LeiKo ermöglicht, was auch im Lehr- und Lernkontext des Deutschen als Fremdsprache eingesetzt werden kann.
Die Anzahl von Lernendenkorpora, die Deutsch als Zielsprache zum Gegenstand haben, ist in letzter Zeit erfreulicherweise gestiegen. Damit ging auch eine Zunahme an methodologischer Vielfalt bezüglich der Korpusannotation einher. Der vorliegende Artikel stellt die Beiträge der Themenausgabe Fehlerannotierte Lernendenkorpora des Deutschen: Methodologie und Empirie vor. Die thematischen Schwerpunkte liegen zum einen auf der Anwendung von neu veröffentlichten DaF-Korpora (CDLK, Dulko, GerSumCo), oft im Rahmen eines analytischen Vergleichs mit den Daten anderer, länger bestehender Korpora wie Falko, Kobalt oder Merlin. Zum anderen werden aktuelle technische bzw. rechtliche Aspekte der Korpuserstellung bzw. -zusammenführung behandelt. Fortunately, the number of learner corpora dealing with German as a foreign language has increased recently. This has been accompanied by an increase in the methodological diversity of corpus annotation. This article presents the contributions to the thematic issue Error-annotated learner corpora of German: Methodology and empirical research. On the one hand, the focus is on the use of newly published GFL-corpora (CDLK, Dulko, GerSumCo), often in the context of an analytical comparison with data from other, longer-standing corpora such as Falko, Kobalt or Merlin. On the other hand, current technical and legal aspects of corpus creation and merging will be discussed.
Die Arbeit mit Korpora kann der Vermittlung von Fachsprachen, die in der DaF-Didaktik eine zunehmend zentrale Rolle spielt, wichtige Impulse geben und die die durch unzureichende Lehrmaterialien entstehenden Defizite ausgleichen. Ebenso gewinnbringend erweist sich deren Einsatz zur Untersuchung von fachsprachlichen Kollokationen, die ein besonders schwieriges Phänomen des (Fremd-)Sprachenlernens darstellen. Der vorliegende Beitrag stellt einen ersten Versuch dar, über Kollokationen zum COVID-19-Diskurs zu reflektieren. Dessen Grundlage bilden die Daten, die im Rahmen des didaktischen 4EU+ Projektes Knowledge through Terminology – From Multilingual Data to Domain-specific Knowledge via Terminological Resources (TermiKnowledge) zur Entwicklung eines mehrsprachigen korpusbasierten Online-Fachwörterbuchs zum Thema COVID-19 extrahiert und analysiert wurden. Corpora can give new impulses to the analysis of special languages, which play an increasingly important role in GFL teaching; moreover, they can close the gap left by deficient teaching materials. Their use proves to be advantageous in the study of special language collocations too, which represent a particularly difficult phenomenon in (foreign) language learning. This article represents a first attempt to reflect on collocations in the COVID-19 discourse. The considerations presented are based on the data extracted and analysed within the 4EU+ project Knowledge through Terminology - From Multilingual Data to Domain-specific Knowledge via Terminological Resources (TermiKnowledge) with the aim of developing of a multilingual corpus-driven online specialised dictionary on COVID-19.
In der Fremdsprachenerwerbsforschung kommt der Wortstellung in der Zielsprache Deutsch eine besondere Aufmerksamkeit zu, denn sie gilt in mehrfacher Hinsicht als sprachtypologisch ‚exotisch‘ und stellt somit eine Herausforderung für Deutschlernende dar (vgl. Riehl 2018: 254). Wie Wisniewski (2018) aufgrund einer Korpusanalyse feststellt, nehmen Wortstellungsfehler ab dem Niveau B2 signifikant ab. Unser Beitrag identifiziert anhand einer vergleichenden Korpusanalyse im Deutsch-ungarischen Lernerkorpus (Dulko) sowie in anderen Korpora (Falko, MERLIN und Kobalt) mehrere typische Kontexte, die über das Sprachniveau B2 hinaus Verbstellungsfehler bzw. Normverletzungen bezüglich der Verbstellung begünstigen. Zu diesen Kontexttypen zählen z.B. die Verwendung von atypischen Vorfeldelementen, die Koordination von Nebensätzen oder der Einschub von Nebensätzen in Nebensätze. In the acquisition of German as a foreign language, particular attention is paid to word order as German is considered as an ‘exotic’ language in terms of language typology, which poses a challenge for German learners (cf. Riehl 2018: 254). As Wisniewski (2018) demonstrated in a corpus analysis, the occurrence of word order errors decreases significantly from level B2 (and above). Our comparative corpus analysis of the German-Hungarian learner corpus (Dulko) and other corpora (Falko, MERLIN and Kobalt) revealed several typical contexts that favour verb order errors or norm deviations with regard to verb order at and beyond language level B2. These context types include, for example, the use of atypical elements in clause-initial position, the coordination of subordinate clauses or the insertion of subordinate clauses into other subordinate clauses.
Die Fähigkeit, verschiedene Textsorten und Register parallel zu beherrschen, ist für eine erfolgreiche Kommunikation unerlässlich. Dieser Beitrag unterstreicht die Relevanz dieser Kompetenz im DaF-Unterricht und zeigt auf, wie Korpora als wertvolle Ressource dienen können, um authentische Sprachdaten zu analysieren und didaktisch sinnvoll zu nutzen. Korpusanalysen belegen, dass sich sprachliche Merkmale je nach Textsorte und Register systematisch unterscheiden. Die drei Beiträge dieser Themenausgabe beleuchten verschiedene Aspekte der Textsorten- und Registerforschung im DaF-Unterricht und präsentieren innovative Ansätze, wie korpusbasierte Erkenntnisse für die Entwicklung von Lehrmaterialien und Unterrichtsmethoden genutzt werden können. The ability to master various genres and registers is essential for successful communication. This article emphasizes the relevance of this competence in teaching German as a Foreign Language (GFL). It demonstrates how corpora can serve as valuable resources for analyzing authentic language data and utilizing it meaningfully in teaching. Corpus analyses show that linguistic features systematically differ depending on genres and registers. The three contributions in this special issue illuminate various aspects of genre and register research in GFL instruction and present innovative approaches on how corpus-based insights can be used for developing teaching materials and instructional methods.
Trotz der positiven Entwicklungen im Bereich der Lernerkorpusforschung, die vor allem vor dem Hintergrund einer wachsenden Sensibilität und Offenheit der Forschungsgemeinschaft gegenüber den Prinzipien von Open Science zu sehen sind, sind etliche Lernerkorpora des Deutschen gar nicht oder nur über Umwege verfügbar oder schwer auffindbar oder ausschließlich für beschränkte Personenkreise und Nutzungszwecke zugänglich. Basierend auf den Erfahrungen aus dem DAKODA-Projekt und aus dem SEIKO-Projekt geht der vorliegende Beitrag praxisorientiert auf einige grundlegende Chancen, Risiken und Herausforderungen der Veröffentlichung von Lernerkorpusdaten ein. Dabei stehen neben datenschutz- vor allem urheberrechtliche Fragen im Fokus. Außerdem gehen wir auf institutionelle Genehmigungsverfahren ein, die in vielen Fällen die Vorbereitung von Datenerhebungen begleiten. Zudem wird ein Überblick über bereits bestehende infrastrukturelle Möglichkeiten zur Veröffentlichung von deutschsprachigen Forschungsdaten gegeben. Despite the encouraging developments in the field of learner corpus research, which are evident in the growing sensitivity and openness of the research community towards the principles of Open Science, a number of learner corpora of German are not available at all or only via detours, or are difficult to find or only accessible for limited groups of people and purposes. This article draws upon the experiences of the DAKODA and SEIKO projects to examine the practical implications of publishing learner corpus data. In addition to data protection concerns, the focus is on copyright issues. Institutional authorisation procedures, which often accompany data collection preparation, are also considered. Finally, an overview of existing infrastructure options for publishing German-language research data is provided.
Unser Beitrag hat die didaktische Vermittlung des Hörverstehens in Vorlesungen zum Gegenstand. Im Rahmen eines bestehenden Projekts möchten wir aufzeigen, wie eine angemessene Didaktisierung auf der Basis eines fächerübergreifenden Vorlesungskorpus umgesetzt werden kann. Ziel des Projekts ist es, ein Kurskonzept zu entwickeln, das auch auf andere Lernkontexte übertragbar ist. Im Zentrum des Beitrags stehen Fragehandlungen, die in interaktiven Sequenzen in Vorlesungen auftreten. Dieser Lerngegenstand hat im Kontext des Hörverstehens in Vorlesungen bislang kaum didaktische Aufmerksamkeit erfahren. Anhand konkreter Aufgaben wird gezeigt, wie die Arbeit mit authentischen Daten für die Vermittlung dieses anspruchsvollen Lerngegenstands genutzt werden kann. Our article deals with the instruction of listening comprehension in lectures. Within our project, we would like to show how an appropriate didactization can be realized based on a corpus containing data from different subjects. The project aims to develop a course concept that can also be transferred to other learning contexts. The focus lies on question acts that occur in interactive sequences within lectures. In the context of listening comprehension in lectures, this topic has so far received very little didactic attention. Specific exercises will show how authentic data can be used for the instruction of this challenging subject.
Im vorliegenden Beitrag wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit fehlerannotierte Lernerkorpora in der Tertiärsprachenforschung verwendet werden können. Es werden Ergebnisse einer Pilotanalyse beschrieben, in der Belege aus Dulko (Deutsch-Ungarisches Lernerkorpus) herangezogen werden. Somit wurden fortgeschrittene Lernende untersucht, was in der Tertiärsprachenforschung weniger üblich ist. Es wurden syntaktische, morphologische und lexikalische Fehler von Lernenden mit Englisch als zweiter Fremdsprache untersucht. Dabei konnte der Einfluss des Englischen auf die Verwendung des Deutschen nachgewiesen werden. Des Weiteren konnten auch wichtige Transferquellen identifiziert werden. This article examines the question of whether and to what extent error-annotated learner corpora can be used in third language acquisition research. The results of a pilot analysis are described in which evidence from Dulko (German-Hungarian learner corpus) is used. Thus, advanced learners were analyzed, which is less common in third language acquisition research. Syntactic, morphological and lexical errors of learners with English as a second foreign language were analyzed. The influence of English on the use of German was demonstrated. Furthermore, important sources of transfer were also identified.