
(Spiel-)Filme machen transformative Bildungsgehalte lebensweltlich erfahrbar, indem sie neue Welt- und Selbstverhältnisse sichtbar werden lassen. So veranschaulicht My Octopus Teacher (2020) das Mitwelt-Konzept, während Und dann der Regen (2010) zur Auseinandersetzung mit neokolonialen Praktiken und einem respektvollen Umgang mit Mitmenschen anregt. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Spielfilme, die Natur in positiver Weise inszenieren, einen positiven Einfluss auf Mensch-Natur-Beziehungen ausüben können. Allerdings ist dieses transformative Potenzial des Films didaktisch nicht problemlos nutzbar, weil die Filmrezeption und -aneignung aufgrund der vielfältigen Erlebnisangebote und der unterschiedlichen Bedürfnisse der Mediennutzung ein äußerst individueller und komplexer Prozess ist. Dies birgt allerdings auch Vorteile. Gerade davon ausgehend wird in diesem Aufsatz eine theoretische Orientierungsfigur für eine reflexive Filmrezeption im Kontext der transformativen Nachhaltigkeitsbildung angeboten.
Serious games are typically judged by their realism and engagement, then adopted when they pass. This article challenges that instinct. Drawing on geography teacher trainees' reflections on Stop Disasters, the United Nations disaster-risk-reduction simulation, it argues that a serious game's pedagogical value lies less in its fidelity than in the critical inquiry it provokes, and that its simplifications are often where the most powerful geographical learning begins. Teacher trainees' sharpest insights surfaced precisely where the game broke, as they recovered a central tenet of disaster studies: that hazards become disasters only through exposure and vulnerability. Thus, this paper reframes the teacher's task from adoption to interrogation, and sets out a four-move model (i.e., play—project—interrogate—reposition), in which learning depends on deliberate teacher framing rather than on the software itself. Handled critically, the flawed game could become the better teacher.
Der Begriff Postwachstum fasst verschiedene Ansätze zusammen, die sich vom aktuellen Wirtschaftswachstumsparadigma loslösen und zu einer transformative literacy beitragen. Da junge Menschen für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft eine besonders wichtige Rolle spielen, bietet das Thema Postwachstum große Potenziale im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Somit kommt der Untersuchung der Perspektive von Jugendlichen auf Postwachstum, um hieran im Geographieunterricht anzuknüpfen, eine große Bedeutung zu. Dies wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, in dem 25 Jugendliche in sieben verschiedenen Gruppen jeweils an drei digitalen Treffen teilgenommen haben, untersucht. Dadurch konnte herausgefunden werden, dass aus der Perspektive der Jugendlichen ein stärkerer Fokus auf Aspekte von Postwachstum sowie eine Integration von Change Agents in den Geographieunterricht von großer Bedeutung sind.
Trotz großer Potenziale für geographische Bildung sind die Raumkonzepte sowohl in der Unterrichtspraxis als auch in der fachdidaktischen Forschung bislang unterrepräsentiert. Ziel der qualitativen Studie ist die empirische Beforschung basiskonzeptioneller Lernprozesse mitsamt auftretenden Schlüsselstellen und Lernhindernissen, die im Zuge der Verständnisentwicklung eines erweiterten Raumverständnisses ablaufen. Hierzu bearbeiteten Schülerinnen und Schüler der Sek. II (n = 64) unter videographischer Begleitung im Rahmen eines teaching experiments ein 90-minütiges Treatment zur schrittweisen Anbahnung der Raumkonzepte. Anhand qualitativer Inhaltsanalysen varianzmaximierter Fälle (n = 6) werden eine Vielzahl basiskonzeptioneller Lernprozesse identifiziert sowie fallübergreifend analoge Schlüsselstellen (z. B. Synthese der Raumkonzepte) und Lernhindernisse im Konzeptverständnis destilliert (z. B. Interferenzen mit weiteren Basiskonzepten). Abschließend werden Impulse für zukünftige Forschungsvorhaben gegeben.
Das Verhältnis von geographischer Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) wird in vielen bildungspolitischen Dokumenten als ein besonderes hervorgehoben. Offen ist jedoch, welche Ausprägungen dieses Verhältnisses in wissenschaftlichen Beiträgen sichtbar werden. Der Artikel geht daher der Frage nach, wie das Verhältnis von geographischer Bildung und BNE in Beiträgen der deutschsprachigen Geographiedidaktik dargestellt wird. In einem systematischen Literaturreview wurden 108 selektierte wissenschaftliche Beiträge mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse hinsichtlich der Darstellung dieses Verhältnisses analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz häufiger Erwähnung des besonderen Verhältnisses bisher kaum eine tiefergehende Auseinandersetzung zum Verhältnis von geographischer Bildung und BNE innerhalb der deutschsprachigen Geographiedidaktik existiert.
Mehrere empirische Studien deuten darauf hin, dass Schülerinnen und Schüler den Klimawandel als Fernraumthema wahrnehmen. Die damit verbundene hohe psychologische Distanz kann nachhaltiges Handeln behindern. Angesichts einer Dekade intensiver Klimadebatten, der Fridays-for-Future-Bewegung, zunehmender Extremwetterereignisse und neuerer metaanalytischer Befunde ist jedoch zu erwarten, dass bayerische Schülerinnen und Schüler ihren Nahraum mittlerweile als stärker betroffen einschätzen. Die Ergebnisse dieser fragebogengestützten Studie (n = 6.232) zeigen überraschenderweise eine anhaltende Distanzwahrnehmung, wobei die wahrgenommene Betroffenheit durch den Klimawandel mit größerer räumlicher Distanz zunimmt. Schülerinnen und Schüler betrachten den Klimawandel und seine Auswirkungen weiterhin als globales Phänomen, was die Notwendigkeit einer verstärkten Thematisierung lokaler Klimawandelfolgen in der Klimabildung unterstreicht.
Im Rahmen eines systematischen Reviews wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert das Schulfach Geographie bei der Implementierung von BNE im Fächervergleich hat. Die Datenbankrecherchen und Textanalysen ergaben 33 deutsch- und englischsprachige Publikationen, die Angaben in den Bereichen Rahmendokumente, Lehrpläne, Lehrkräftebildung, Lernort Schule und Assessment umfassten. Die Ergebnisse zeigen, dass Geographie in allen Bereichen eine bedeutsame Rolle spielt, was ihren Anspruch, Leitfach von BNE zu sein, unterstützt. Dabei lassen sich die Befunde mit einer hohen Affinität zwischen BNE und Geographie in Bezug auf Fachkonzepte, Ziele, Inhalte, Kompetenzen und Methoden begründen. Im Fazit werden Schlussfolgerungen für die Forschung und Implementierung vorgestellt.
Mit der Agenda 2030 und vor allem dem Sustainable Development Goal (SDG) 11 wird u.a. eine nachhaltige und inklusive Stadt(entwicklung) angestrebt. Digitale Mobilitätsangebote (z.B. Mobilitätsapps) werden hierbei als zielführend angesehen, bergen jedoch das Risiko einer sozialen Exklusion. Vor diesem Hintergrund präsentiert der Beitrag die Perspektive von Jugendlichen auf die digitale Mobilitätswende sowie ihre Vision für eine smarte, inklusive Mobilität am Beispiel der Stadt Hannover im Jahr 2050. Die Ergebnisse zeigen, dass die Jugendlichen mittels der durchgeführten Fokusgruppendiskussionen für die Risiken der sozialen Exklusion sensibilisiert werden und sich die methodischen Zugänge für eine mögliche Thematisierung im Geographieunterricht eignen.
This paper examines the ways in which the setting and spatial narratives of films can be mapped and measured by students. In a course dedicated to James Bond, students watched all the films in the series, analyzed how geographically widespread they are, and how patterns unfold and change. James Bond's geography tends to be more dispersed over time, as he travels to more places later in the franchise, which mirrors evolving global geopolitics. The research proved to be effective in conveying spatial concepts and making basic statistical analysis relatable to students without any background in quantitative methods.
Im Kontext der Digitalität ist die Qualifizierung der Geographielehrkräfte von großer Bedeutung. Jedoch fehlen bislang ökonomisch einsetzbare Instrumente zur Messung sowie Erkenntnisse zu Ausprägungen des fachdidaktischen Wissens (FDW) und des Fachwissens (FW) von Lehrkräften mit Blick auf Digitalität und Geographieunterricht. Daher wurden itembasierte Selbsteinschätzungsskalen zum FDW und FW schrittweise entwickelt und bei n = 231 Studentinnen und Studenten im Lehramt Geographie eingesetzt. Nach Analyse der latenten Strukturen mithilfe von explorativen Faktorenanalysen wurden Ausprägungen des Wissens inferenzstatistisch untersucht. Im Ergebnis zeigen sich belastbare Hinweise auf die Eignung der entwickelten Skalen hinsichtlich Reliabilität und Validität sowie ein nur mittleres FDW der Studentinnen und Studenten.
Im Rahmen der roadmap 2030-Initiative wurden Lehrkräfte, Fachleiterinnen und Fachleiter und Hochschullehrkräfte für Geographie in Deutschland zu sechs Themenbereichen befragt, darunter die Entwicklung des Schulfachs Geographie, Schulbücher, Fortbildungen und Lehrpläne. Der Artikel analysiert die Unterschiede zwischen den befragten Gruppen und zeigt eine weitgehende Übereinstimmung in der Einschätzung des Ist-Zustands. Besonders hervorgehoben wird der Bedeutungsverlust des Schulfachs, verursacht durch Stundenkürzungen, strukturelle Benachteiligungen und fachfremden Unterricht. Empfehlungen für die Zukunft umfassen bessere Lobbyarbeit, mehr Freiräume in den Curricula, stärkere Geodigitalisierung und die Aufwertung naturwissenschaftlicher Inhalte.
Der Bericht fasst die Ergebnisse des World Cafés „Quo vadis, Geographiedidaktik?” im Rahmen des DKG 2023 in Frankfurt zusammen. Thematisch beziehen sich die Ergebnisse auf (1) Forschungsverständnis und Forschungsmethoden, (2) Aktuelle Forschungstrends, (3) Theorie-Praxis-Transfer, (4) Blinde Flecken und Herausforderungen geographiedidaktischer Forschung sowie (5) Perspektiven zukünftiger geographiedidaktischer Forschung.
Die im Beitrag dargestellten Ergebnisse einer quantitativen Fragebogenstudie im Querschnittdesign (n = 10.356) an allen weiterführenden Schularten in Bayern zeigen, dass die Klimawandelangst von Schülerinnen und Schülern am Ende der Sekundarstufe I durchschnittlich im mittleren Bereich der Ratingskala liegt und eine erhebliche Streuung aufweist. Mädchen berichten höhere Angstwerte als Jungen, Gymnasiastinnen/Gymnasiasten mäßig höhere als Realschülerinnen/Realschüler, diese wiederum höhere als Mittelschülerinnen/Mittelschüler. Am Gymnasium zeigt sich eine leicht erhöhte Mädchen-Jungen-Diskrepanz. Keine signifikanten Unterschiede liegen zwischen Schülerinnen/Schülern aus städtischen und ländlichen Gebieten vor. Je stärker die Wahrnehmung der Betroffenheit des Zuhauses, desto höhere Angstwerte zeigen sich. Schülerinnen und Schüler, die bereits in Natur- oder Umweltschutzgruppen engagiert waren, weisen eine höhere Klimawandelangst auf.
Self-efficacy beliefs are an important predictor of environmental actions. However, to date, there has been a lack of reliable and valid instruments for assessing individual and collective self-efficacy beliefs on the crucial topic of climate change. Therefore, items were developed and used with university students of geography (future geography teachers, n = 141) and students at the low end of secondary school (n = 154). After analyzing item characteristics, the factorial structure was examined. The results show different latent structures for the two groups, though each can be meaningfully interpreted. Thus, initial instruments are now available for further research.