
Zur Umsetzung von Inklusion braucht es Professionalisierungsmaßnahmen für Lehrkräfte. Der Artikel stellt Ergebnisse der Auswertung reflexiver Memos vor, die von Studierenden in Anschluss an eine Videoanalyse von Unterrichtsvideos mit dem UDL als Analyserahmen erstellt wurden. Es wird untersucht, inwiefern eine Entwicklung des Wissens, der Einstellungen und der Darstellung von inklusionsbezogener Selbstwirksamkeitserwartung dargestellt wird und wie die Studierenden argumentieren. Die Ergebnisse zeigen, dass das UDL als Analyserahmen besonders aufgrund seiner ausführlichen Guidelines als geeignetes Instrument eingeschätzt wird und die Professionalisierungsprozesse der Studierenden unterstützen kann. Abstract Teachers need to be professionalized in order to implement inclusion. The article presents the results of the evaluation of reflective memos produced by pre-service teachers following a video analysis of classroom videos using the UDL as a framework for analysis. It examines the extent to which a development of knowledge, attitudes and the representation of inclusion-related self-efficacy expectations is presented and how the students argue. The results show that the UDL as an analytical framework is considered a suitable instrument, particularly due to its detailed guidelines, and can support students' professionalization processes.
Die Kooperation zwischen Regel- und sonderpädagogischen Lehrpersonen gilt als wesentliche Voraussetzung für erfolgreichen inklusiven Unterricht (Lütje-Klose, Neumann, Gorges & Wild, 2018). Diese Studie untersucht die Erwartungen von Regel- und sonderpädagogische Lehrpersonen an die Kooperation und deren praktische Umsetzung. An Grundschulen wurden Teams n = 8 mit Regel- und sonderpädagogischen Lehrpersonen initiiert, die sich wöchentlich trafen. Die Datenerhebung erfolgte über standardisierte Fragebögen (Prä-Post-Design), acht leitfadengestützte Interviews und 18 Protokolle der Teammeetings. Die quantitativen Daten zeigen eine hohe Zustimmung zu den formulierten Kooperationserwartungen ohne signifikante Unterschiede zwischen den Regel- und sonderpädagogischen Lehrpersonen. Die qualitativen Daten verdeutlichen jedoch, dass Regellehrpersonen primär die Unterrichtsplanung übernahmen, während die sonderpädagogischen Lehrpersonen unterstützende Maßnahmen umsetzten. Die Zusammenarbeit mit der Schulleitung wurde als herausfordernd beschrieben. Die Übereinstimmung der Erwartungen bietet Potenzial für eine erfolgreiche Kooperation (Grosche & Moser Opitz, 2023). Gleichzeitig erfordern Machtasymmetrien und ungleiche Rollenverteilung eine regelmäßige Reflexion (Lenkeit, Hartmann, Ehlert, Knigge & Spörer, 2022). Eine nachhaltige Gestaltung kooperativer Prozesse hängt von der aktiven Unterstützung der Schulleitung ab (Lütje-Klose, Serke, Hunger & Wild, 2016; Rogge et al., 2021). Dokumentationen von Abläufen und klare Absprachen erhöhen die Transparenz und reduzieren den Koordinationsaufwand. Abstract Teamwork between general and special education teachers is considered a prerequisite for successful inclusive education (Grosche & Moser Opitz, 2023). This study examines general and special education teacher´s expectations regarding collaboration and how it is put into practice. Teams were initiated at primary schools (n = 8 teachers) to meet on a weekly basis. Standardized questionnaires were used in a before-and-after design, 8 interviews were conducted and 18 protocols from the team meetings were recorded. The general and the special education teachers showed a high level of agreement with the collaboration expectations. No significant difference was found between the two groups. The general education teachers were responsible for lesson planning and teaching, while the special education teachers focused on supportive measures. Collaboration with school leadership was perceived as challenging. The consistency of expectations shows potential for successful collaboration (Lütje-Klose et al., 2018). However, the results point to power asymmetries that require reflection and restructuring of the distribution of roles (Lenkeit et al., 2022). Active support from school leadership is crucial in order to provide a successful implementation of collaboration processes (Rogge et al., 2021). Sustainable documentation of processes and arrangements creates transparency, increases obligation and reduces coordination efforts.
Das hier vorgestellte Planspiel Inklusion 2.0 wurde zum Einsatz in der Lehrer*innenausbildung an Hochschulen und Universitäten erstellt, um für die Studierenden ein praxisbezogenes und gleichzeitig spielerisches Lernformat für eine Annäherung an schulische Inklusion, zu der vielfach eine eigene Erfahrung fehlt, zu schaffen. Studierendengruppen entwickeln und diskutieren im Rahmen dieser Simulation anhand von Leitfragen aus dem Index für Inklusion von Booth und Ainscow (2002) inklusive Schulkonzepte, wobei das Einnehmen unterschiedlicher Rollen und damit Perspektiven ein wesentliches Element darstellt. Ziel des Planspiels Inklusion 2.0 ist der Kompetenzaufbau hinsichtlich inklusiver Kultur, Struktur und Unterrichtsplanung in einem kooperativen Lernformat. Das Planspiel wurde im Rahmen der Lehrer*innenbildung an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich mehrfach in Seminaren getestet und liegt hier in einer überarbeiteten Version vor. Gemeinsam mit den Evaluierungsergebnissen stellen wir mit dieser Publikation alle erforderlichen Unterlagen online frei zugänglich und geben Hinweise zu Adaptionen, die aufgrund landestypischer Unterschiede in Begrifflichkeiten und der Strukturierung des Schulwesens erforderlich sein können. Abstract The simulation game Inclusion 2.0 presented here was created for use in teacher training at colleges and universities to provide students with a practical and playful learning format for approaching inclusion at school, for which they often lack first-hand experience. As part of this simulation, groups of students develop and discuss inclusive school concepts based on questions on inclusive matters from Booth & Ainscow’s Index for Inclusion (2002). Taking on different roles and thus perspectives is an essential element of the game. The aim of the simulation is to develop skills in inclusive culture, structure and lesson planning in a cooperative learning environment. The simulation game has been tested several times in seminars as part of the teacher training at the University College of Teacher Education Lower Austria and is available here in a revised version. Together with the evaluation results, this publication makes all the necessary documents freely available online and provides information on adaptations that may be necessary due to national differences in terminology and structuring of the education system.
In unserem Beitrag nehmen wir die Frage in den Blick, wie in Interaktionen zwischen Lehramts-studierenden und in der Schulpraxis tätigen Lehrkräften in Gastvorträgen in der universitären Lehrer:innenbildung welches Wissen über Inklusion wie hervorgebracht wird und welche Positionierungen dabei entstehen. Jene Daten stellen in der Lehrer:innenbildungs- und Studierendenforschung zu Inklusion eine Seltenheit dar und ermöglichen somit vertiefte Erkenntnisse zum Forschungsfeld Inklusion. In den dadurch konturierten Kontexten des Nicht-/Sagbaren können Umsetzungs- und Gestaltungsweisen inklusiven Unterrichts entworfen, verhandelt und zurückgewiesen werden. Anhand unserer explorativen Ergebnisse verdeutlichen wir die Unterschiedlichkeit des Sprechens über und des Aushandelns von Inklusion. Vor dem Hintergrund, wie in welchen Kontexten über Inklusion gesprochen wird, diskutieren wir eine mögliche Umsetzung des Konzepts der Meta-Reflexivität, das sich weniger auf unterschiedliche theoretische oder methodologische Zugriffe bezieht, sondern konkret Inklusion in seiner ambivalenten Thematisierungsweise zum Gegenstand von Lehrer:innenbildung werden lässt. Abstract Based on interactions between teacher trainees and teachers in guest lectures in university teacher education seminars, we look at the question of how knowledge about inclusion is generated in these interactions and which subject positionings emerge in the process. Such data is a rarity of teacher education and teacher trainees research on inclusion and thus enables deeper insights into the research field of inclusion. In thus contoured contexts of the un/sayable, ways of implementing and shaping inclusive teaching can be produced, negotiated and rejected. Based on our explorative results, we illustrate the diversity of talking about and negotiating inclusion. Considering how the topic of inclusion is discussed, we explore a possible implementation of the concept of meta-reflexivity, which refers less to different theoretical or methodological approaches, but rather allows inclusion in its ambivalent way of thematization to become the subject of teacher education.
Digitalisierung und Inklusion sind zwei zentrale Querschnittsthemen in der Berufsbildung, die häufig getrennt thematisiert werden und im Ansatz der inklusiv-digitalen Bildung eine gemein-same Verschränkung finden, um Synergien zu nutzen. Insbesondere in der Berufseinstiegsphase kann es für die Studierenden eine Herausforderung darstellen, diesen Anforderungen im Unterricht gerecht zu werden, was Auswirkungen auf die Selbstwirksamkeit haben kann (Educa, 2021; Wächter & Gorges, 2023). Es zeigt sich, dass inklusiv-digitale Bildung bisher wenig Berührungspunkte mit der Berufsbildung hat, jedoch eine hohe Anschlussfähigkeit aufweist. In einem ersten Schritt wird daher eine Bestandsaufnahme zur Verankerung inklusiv-digitaler Bildung in der Berufsbildung durchgeführt. Im Rahmen eines Interventionsprogramms mit Studierenden im Studiengang Berufskunde im Hauptberuf werden Qualitätskriterien thematisiert und auf ihre Anwendbarkeit im Unterricht überprüft. Dazu werden Unterrichtsplanungen von Studierenden (N = 22) analysiert, zwei Gruppendiskussionen durchgeführt und die Selbstwirksamkeit in einem Prä- und Posttest quantitativ erhoben. Es werden Aussagen zur Wirksamkeit des Interventionsprogramms getroffen und Implikationen für die Lehrkräftebildung abgeleitet. Abstract Digitalization and inclusion are two central cross-cutting topics in vocational education and training that are often addressed separately and are intertwined in the inclusive-digital education approach in order to exploit synergies. Particularly in the career entry phase, it can be a challenge for students to meet these requirements in the classroom and have an impact on their self-efficacy (Educa, 2021; Wächter & Gorges, 2023). It can be seen that inclusive-digital education has so far had few points of contact with vocational education and training, but has a high degree of connectivity. The first step is therefore to take stock of how inclusive-digital education is anchored in vocational education and training. As part of an intervention program with students on the vocational studies course in the main profession, quality criteria will be addressed and checked for their applicability in the classroom. For this purpose, lesson plans of students (N = 22) are analyzed, two group discussions are conducted and self-efficacy is quantitatively assessed in a pre- and posttest. Conclusions are drawn on the effectiveness of the intervention program and implications for teacher training are derived.