
Inklusionsdidaktische Netze (Heimlich & Kahlert, 2012) sind ein Instrument für die inklusionsdidaktische Analyse von Unterrichtsgegenständen. Dabei werden fachliche und auf individuelle Förderbedarfe zielende entwicklungsbezogene Aspekte betrachtet. Der Beitrag stellt auf Grundlage von Lehrplänen entwickelte Analyseschemata und Planungshilfen zur inklusionsdidaktischen Analyse von Unterrichtsgegenständen des Unterrichtsfachs Musik in der Primarstufe sowie in der Sekundarstufe I (Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium) bereit. Es werden Hinweise zur didaktischen Einbindung in den Kontext der Lehrkräftebildung sowie zum schulpraktischen Einsatz der Analyseschemata gegeben. Die theoretische Grundlage der Materialien bildet der Ansatz der dualen Unterrichtsplanung, bei dem unterrichtsfachliche Gegenstände mit individuellen Entwicklungszielen verknüpft werden. So können Lernchancen aus beiden Bereichen im Musikunterricht systematisch analysiert werden. Erfahrungen aus der Hochschullehre deuten darauf hin, dass das vorgelegte Material Studierende mit und ohne das Unterrichtsfach Musik bei der inklusionsdidaktischen Analyse von Unterrichtsgegenständen sinnvoll unterstützt und eine theoriegeleitete Grundlage für die Planung von inklusivem Musikunterricht bietet. Das Material eignet sich zum Einsatz in allen Phasen der Lehrkräftebildung.
Der vorliegende Beitrag widmet sich zwei Arbeitsmaterialien für den Einsatz zur Prozessbegleitung und -beratung von Schüler*innen bei der Durchführung quantitativer Befragungen mittels Online-Umfragen in der Sekundarstufe II. In einer zunehmend komplexen Wissensgesellschaft ist es entscheidend, dass Schüler*innen nicht nur passive Konsument*innen von Wissen sind, sondern auch ein methodisches Verständnis für die Entstehung und kritische Analyse wissenschaftlicher Ergebnisse entwickeln. Das Arbeitsmaterial verfolgt einen Schritt-für-Schritt-Ansatz, der den Schüler*innen ermöglicht, ein eigenes Forschungsprojekt durchzuführen. Der Artikel betont die Relevanz der Lernbegleitung, um den Schüler*innen während des gesamten Prozesses Unterstützung zu bieten und Herausforderungen im Beratungsprozess zu adressieren. Die Ergebnisse der formativen Evaluation des Materials zeigen, dass eine enge Verknüpfung von Beratung und Material von den Schüler*innen als besonders hilfreich empfunden wird.
Ziel dieses Beitrages ist es, eine Matrix zu präsentieren, die Lehrmethoden kategorisiert bzw. strukturiert, die mittels des Learning-Management-Systems Moodle durchgeführt bzw. unterstützt werden können. Die Matrix soll den Lehrenden helfen, eine passende Methode für die einzelnen Lernphasen zu identifizierten und anzuwenden. Dabei wird auf das AVIVA+-Schema als ordnendes Modell zurückgegriffen, das um die jeweilige Sozialform ergänzt wird. Das erarbeitete Material, welches wir „AVIVA+ Moodle-Matrix“ nennen, soll es vereinfachen, digitale Lehre zielführend umzusetzen, und Möglichkeiten aufzeigen, die mit digitaler Lehre zusätzlich zu den bekannten Lehrmethoden möglich werden. Für jede Lernphase werden dabei Methoden vorgestellt, die mithilfe des Learning-Management-Systems Moodle umgesetzt werden können. Die Matrix kann in Präsenzkursen, Blended-Learning-Kursen sowie reinen Online-Kursen eingesetzt werden. In diesem Beitrag wird es neben der neuen Matrix auch darum gehen, welche Vorteile der Einsatz eines Learning-Management-Systems bietet.
Schulabbrüche frühzeitig zu erkennen, ist angesichts steigender Zahlen von Schulabbrecher*innen dringend notwendig. Der Beitrag beinhaltet eine Reihe von Materialien, die zur Früherkennung von Schulabbrüchen eingesetzt werden können und auf der Basis der Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Schulabbrüchen in der Sekundarstufe II entstanden sind. Teilergebnis dieses Projekts war die Beschreibung von drei Schüler*innentypen, die jeweils spezifische Merkmale aufweisen und andere Unterstützungsstrategien bei Lern- und Leistungsproblemen benötigen. Die vorgestellten Materialien beruhen auf dieser Typologie und zielen darauf ab, durch gezielte Beratung und Unterstützung Schulabbrüche zu verhindern und die Bildungsbiografien der Schüler*innen positiv zu beeinflussen. Der Beitrag schließt mit einem Einblick in die Erfahrungen, die bisher mit den Materialien gesammelt wurden.
Ein zentrales Ziel des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe besteht in der wissenschaftspropädeutischen Ausbildung zum Erlangen der Studierfähigkeit. Im vorliegenden Beitrag wird Material zur epistemologischen Betrachtung der Unterschiede zwischen alltagsweltlichen und wissenschaftlichen Erkenntnisprozessen vorgestellt, welches sowohl als Einstieg in eine Sequenz Forschenden Lernens als auch als eigenständiges Material im wissenschaftspropädeutischen Unterricht eingesetzt werden kann. Das binnendifferenzierte Arbeitsblatt kontrastiert alltagsorientierte und empirische Herangehensweisen anhand der Frage, ob Musik beim Lernen hilft, und soll so Schüler*innen für die unterschiedlichen Zugriffe auf Wirklichkeit sensibilisieren. Es zeigt, dass quantitativ empirischer Erkenntnisgewinn systematisch sowie methodisch kontrolliert erfolgt und auf empirischen Daten basiert, die sich verallgemeinern lassen, während alltagsweltliche Erkenntnisse oft unsystematisch und subjektiv sind und eine schnelle Orientierung im Alltag ermöglichen. Durch die Reflexion über Erkenntnisprozesse und deren Konsequenzen wird ein Perspektivenwechsel von der inhaltlichen zur methodologischen Ebene angestrebt. Eine mehrstufige formative und summative Evaluation zeigt, dass das Material motivierend und verständlich ist und das Ziel erreicht, Schüler*innen die Unterschiede zwischen wissenschaftlichem und alltagsweltlichem Erkenntnisgewinn zu verdeutlichen.
Fallarbeit gilt einerseits als charakteristische Methode des Pädagogikunterrichts, steht aber andererseits im Verdacht, Theorie und Praxis miteinander kurzzuschließen. Eine Spielart von Fallarbeit, die keine rezeptartigen Lösungsvorschläge für pädagogische Handlungssituationen formuliert, sondern vielmehr den Fall zum Ausgangspunkt einer theoriegeleiteten Beschreibung von Erziehungsphänomenen nutzt, wird in diesem Beitrag umrissen. Impulsgebend dafür sind Argumente aus dem Diskurs um pädagogische Kasuistik in der Lehrer*innenbildung. Damit regt der Beitrag zum Nachdenken über die Möglichkeit an, eine wissenschaftspropädeutisch ausgerichtete Annäherung an empirisches Material im Pädagogikunterricht mit handlungspropädeutischen Zielsetzungen zu verzahnen.
Der Beitrag stellt eine Unterrichtssequenz für die Sekundarstufe I vor, in der grammatische Analyse und literarische Interpretation miteinander verknüpft werden. Anhand von Textauszügen aus dem Roman Tanz der Tiefseequalle von Stefanie Höfler analysieren Schüler*innen sprachliche Mittel wie Satzbau und Wortwahl und nutzen die Ergebnisse gezielt, um ihre Interpretation der Figuren zu stützen und zu vertiefen. Das erprobte Material eignet sich für einen integrativen Deutschunterricht in Schule und Lehrkräftebildung.
Die nonverbale Kommunikation ist ein wesentlicher Aspekt in menschlichen Interaktionen und damit auch für Lehrpersonen im Unterricht von großer Bedeutung. Der Beitrag erörtert das Konzept des „Status“, das von Keith Johnstone für das Improvisationstheater entwickelt wurde, und zeigt, wie dieses im Rahmen der Lehrer*innenbildung eingesetzt werden kann. Dazu werden konkrete Übungen, die didaktischen Ziele und der theoretische Hintergrund erläutert sowie das dazugehörige Material zur Verfügung gestellt.
Der Lehrer*innenberuf ist durch vielfältige und komplexe Herausforderungen gekennzeichnet. Wird diesen Herausforderungen nicht mit adäquaten Bewältigungsstrategien begegnet, kann dies sowohl den Lernerfolg der Schüler*innen als auch die Gesundheit und Zufriedenheit der Lehrkräfte beeinträchtigen. Daher gilt es, neben den äußeren Rahmenbedingungen auch die persönlichen Bewältigungsstrategien der Lehrkräfte zu fördern. Diese Förderung sollte im Sinne der Prävention idealerweise bereits in der Lehramtsausbildung beginnen. Schulische Praxisphasen wie das Praxissemester bieten aufgrund ihrer Praxisnähe und der damit verbundenen Herausforderungen einen geeigneten Rahmen für die Auseinandersetzung mit Stressbewältigung und Selbstfürsorge. Im vorliegenden Beitrag wird ein Workbook vor- und zur Nachnutzung bereitgestellt, das Lehramtsstudierende während schulischer Praxisphasen oder im Vorbereitungsdienst dabei unterstützt, ihre Kompetenzen in Stressbewältigung und Selbstfürsorge gezielt weiterzuentwickeln. Dieser Praxisbegleiter kombiniert Psychoedukation, Selbsttests und praktische Übungen, basierend auf etablierten Stress- und Gesundheitstheorien. Der theoretische Hintergrund zur Entwicklung des Workbooks sowie weitere Einsatz- und Adaptionsmöglichkeiten werden vorgestellt. Abschließend werden erste Erfahrungen mit dem Einsatz des Workbooks bei Lehramtsstudierenden im Praxissemester dargestellt.
Kontextorientiertes Lernen im Physikunterricht zielt darauf ab, die Relevanz der Fachinhalte zu veranschaulichen und damit die Partizipation aller Lernenden im Sinne eines inklusiven Unterrichts zu fördern. Das vorgestellte Konzept-Kontext-Fenster (Bruning & Michels, 2013) ist ein aus den Niederlanden stammendes Modell zur Verknüpfung von Fachinhalten mit Kontexten und dient der Entwicklung neuer bzw. der Reflexion vorhandener Unterrichtsmaterialien. In diesem Beitrag werden der Aufbau des Konzept-Kontext-Fensters sowie dessen Einsatz im Rahmen der hochschulischen Begleitveranstaltungen zum Praxissemester beschrieben. Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass das Modell eine sinnvolle Orientierung für angehende Physiklehrkräfte bei der Reflexion ihrer Unterrichtsbeobachtungen darstellt und gleichzeitig als theoriegeleitete Grundlage zur Ausgestaltung von Handlungsalternativen dienen kann.
Die Förderung der Reflexionskompetenz ist eine wichtige Komponente des Professionalisierungsprozesses von Lehrkräften. Sie sollen in der Lage sein, ihren Unterricht kritisch zu analysieren und weiterzuentwickeln. Dies gilt speziell auch für die Phase des Unterrichtseinstiegs. Dieser spielt eine zentrale Rolle für das Gelingen der weiteren Unterrichtsphasen. Aus diesem Grund haben wir ein videobasiertes Aufgabenformat entwickelt, das angehenden Lehrkräften bei der Reflexion von Unterrichtseinstiegen helfen soll. In der Erprobung mit zwei Lerngruppen wurde deutlich, dass das verwendete Reflexionsmodell der Analyse des Videomaterials Struktur geben und so die Diskussion darüber erleichtern konnte. Das vorgestellte Vorgehen wurde für das Fach Informatik mit Blick auf die Phase des Unterrichtseinstiegs entwickelt und kann leicht auf andere Fächer und Phasen übertragen werden. So kann das hier präsentierte Aufgabenformat auch mit anderen Fokussierungen zur Professionalisierung angehender Lehrkräfte beitragen.
Videobasierte Lernumgebungen haben in der Lehrkräftebildung an Bedeutung gewonnen, da sie es ermöglichen, authentische Unterrichtssituationen zu analysieren und gezielt zu reflektieren. Die Projekte Degree 4.0 und Degree 5.0 nutzen eine innovative Plattform, die Lehramtsanwärter*innen und -studierende dabei unterstützt, Videos systematisch durch Kodierungen und Annotationen zu analysieren, um die Reflexionsfähigkeit der angehenden Lehrkräfte zu stärken. Dies hilft Lehramtsanwärter*innen und -studierenden, komplexe Unterrichtssituationen zu verstehen und alternative Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Im Mathematikunterricht spielt die kognitive Aktivierung durch die Lehrkräfte eine wichtige Rolle, da sie tiefes Verständnis und Problemlösungsfähigkeiten fördert. Durch das Aufgabenformat lernen angehende Lehrkräfte, kognitive Aktivitäten auf Seiten der Schüler*innen zu erkennen und durch gezielte Unterrichtsgestaltung zu unterstützen. Durch iterative Designverbesserungen werden die fachdidaktischen Reflexionsprozesse weiter optimiert, um die Qualität der Lehrkräftebildung nachhaltig zu steigern.
Im Rahmen der Projekte Degree 4.0 und Degree 5.0 wurden videobasierte Lehrkonzepte entwickelt, deren Grundlage videografisch dokumentierte Unterrichtssituationen darstellen. Um den Aspekt der Barrierefreiheit zu berücksichtigen, wurden die im Projekt erstellten Unterrichtsvideos mit Audiodeskriptionen und Untertiteln versehen. So werden visuelle und akustische Informationen allen zugänglich. Die Erstellung dieser barrierefreien Videos stellte besondere Herausforderungen dar, etwa beim Timing der Audiodeskriptionen oder bei der Auswahl relevanter Informationen. Lösungsansätze umfassten die Nutzung von Standbildern und ergänzenden Dokumenten, wobei stets die fachlichen Lernziele der jeweiligen Lehrkonzepte im Fokus standen. Die Präzision der Beschreibung war entscheidend, um die Videos didaktisch sinnvoll zu ergänzen, ohne jedoch die Aufgabenstellungen vorwegzunehmen. In diesem Beitrag werden fünf barrierefrei aufbereitete Pilotvideos anhand von Steckbriefen dargestellt. Um einen Einblick in die Implementierung der didaktischen Anforderungen in die Audiodeskriptionen zu geben, wird in jedem Steckbrief ein Ausschnitt aus dem Audiodeskriptionsskript mit einer Erläuterung versehen. Diese Darstellung gibt nicht nur einen Überblick über verschiedene Videogestaltungen, sondern liefert auch Impulse und Orientierungshilfen für die eigene Erstellung barrierefreier Medieninhalte.
Für (angehende) Lehrkräfte ist es von zentraler Bedeutung, sich im Rahmen ihrer Ausbildung reflektiert mit Unterricht auseinanderzusetzen und Reflexionskompetenzen zu entwickeln. Dabei werden zunehmend Unterrichtsvideos als Reflexionsstimulus in der Lehrkräftebildung eingesetzt. Im Projekt Degree 5.0 wurde mit dem Ziel, die Reflexionskompetenz angehender Lehrkräfte zu fördern, eine digitale, videobasierte und barrierefreie Lernplattform entwickelt, die verschiedene Werkzeuge für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Unterrichtsvideos bietet. In Kooperation mit Zentren für schulpraktische Lehrerbildung in Dortmund, Hamm und Arnsberg hatten Lehramtsanwärter*innen die Gelegenheit, mit dieser Plattform zu arbeiten. Der vorliegende Beitrag stellt die Befunde der Evaluation der Nutzung der degree-Lernplattform vor. Im Rahmen dieser Evaluation wurden die Lehramtsanwärter*innen durch eine Vorher-Nachher-Befragung und durch qualitative Gruppendiskussionen nach Nutzung der Plattform zu ihren Einschätzungen befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeit mit der degree-Plattform als reflexionsanregend wahrgenommen wurde und verschiedene Potenziale birgt, wie die intensive Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsvideo und die Möglichkeit, neben der Einzelarbeit auch kooperativ in Gruppenarbeitsphasen zu reflektieren. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen vorherige Befunde und Konzepte im Hinblick auf die Relevanz der didaktisch systematischen Vorbereitung der Arbeit mit Unterrichtsvideos sowie der Relevanz einer Vorbereitung für die Arbeit mit der degree-Plattform. Als Barriere für die Arbeit mit eigenen Unterrichtsvideos wird von den Lehramtsanwärter*innen der hohe Aufwand des Datenschutzes benannt. Die Ergebnisse werden vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die videobasierte Lehrkräftebildung diskutiert.
Die Nutzung von Unterrichtsvideos zur Förderung fachdidaktischer Reflexionsfähigkeiten hat sich in der Lehrerkräftebildung als vielversprechender Ansatz etabliert. Insbesondere die systematische Analyse videografierter Unterrichtssequenzen ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit Lehr- und Lernprozessen und unterstützt die Verknüpfung theoretischer Konzepte mit praktischen Handlungsperspektiven. Die Lernplattform degree wurde im Rahmen der Projekte Degree 4.0 und Degree 5.0 entwickelt, um diesen Reflexionsprozess strukturiert zu begleiten und durch spezifische Aufgabenformate zu fördern. Dabei wurden fünf zentrale Designprinzipien – Reflexionsorientierung, Diskursorientierung, Produkt(ions)orientierung, Gegenstandsorientierung und Barrierefreiheit – umgesetzt. Das vorliegende Editorial führt in ein Themenheft ein, in dem sowohl die technologischen und didaktischen Grundlagen der Plattform sowie konkrete didaktische Arrangements als auch empirische Befunde zur Nutzung und Wirksamkeit videobasierter Reflexionsformate in der zweiten Phase der Lehrkräftebildung vorgestellt werden. Abschließend werden Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven für die digitale, reflexive Lehrer*innenbildung diskutiert.
Der Artikel beschreibt die Lernplattform degree, die speziell für die Lehrer*innenbildung entwickelt wurde, um die Verbindung von theoretischem Wissen und Unterrichtspraxis zu unterstützen. Durch die Integration eigener Unterrichtsvideos und zugehöriger Aufgaben soll die Plattform die Analyse- und Reflexionsfähigkeiten der Nutzer*innen fördern. Lernende können Videosequenzen annotieren, codieren und schneiden, um spezifische Unterrichtssituationen detailliert zu untersuchen und zu reflektieren. Dabei ermöglicht die Videolernplattform degree sowohl individuelle als auch kollaborative Lernprozesse, also den Austausch und das Lernen in Gruppen. In diesem Artikel wird die Videolernplattform einschließlich der Funktionalitäten zur Arbeit mit Videos entlang der didaktischen Prinzipien Produktionsorientierung, Diskursorientierung, Reflexionsorientierung und Barrierefreiheit vorgestellt. Der vorliegende Artikel ist Bezugspunkt und Grundlage der weiteren Beiträge in diesem Heft und führt in die, in allen Beiträgen genutzte, Videolernplattform degree ein.
Im Rahmen des Projekts Degree4.0/5.0 wurden fachdidaktisch fokussierte Reflexionsprozesse von Studierenden und Lehramtsanwärter*innen (LAA) bei der Bearbeitung unterschiedlicher videobasierter Aufgabenformate auf der Plattform degree beforscht. Anhand von Video- und Audioaufzeichnungen der Gruppenarbeiten und Plenumsphasen sowie der schriftlichen Bearbeitungen auf der Plattform (wie Codierungen, Annotationen, Notizen etc.) wurden die Diskurse der Lernenden mittels exemplarischer qualitativer Analysen rekonstruiert. Die beiden im vorliegenden Beitrag vorgestellten Fallanalysen aus Fachseminaren in den Fächern Musik und Mathematik zeigen, wie in den Praktiken der Aufgabenbearbeitung fachdidaktische und allgemeinpädagogische Orientierungen von den LAA aufgerufen und miteinander konfrontiert werden. Auf der Basis der Analysen werden Gelingensbedingungen für reflexive fachdidaktische Auseinandersetzungen herausgearbeitet. Daran anknüpfend werden Adaptionsmöglichkeiten für die Aufgabenformate sowie ergänzende Hinweise zur Umsetzung vorgestellt, von denen angenommen wird, dass sie die (fachdidaktische) Tiefe der entstehenden diskursiven Auseinandersetzungen noch erhöhen könnten.
Videobasierte Aufgabenformate sind dazu in der Lage, einen bedeutenden Beitrag zur Professionalisierung angehender Musiklehrkräfte zu leisten. Für die fachspezifische Problemlage des Umgangs mit vielfältigen Schüler*innenäußerungen nach der Erstbegegnung mit einem Musikstück im Unterricht wird ein sechsschrittiges Aufgabenformat (Eindenken, Antizipieren, Analysieren, Vergleichen, Entwickeln, Diskutieren) für das Fachseminar Musik in der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung entwickelt. Das Aufgabenformat setzt auf die Anregung diskursiver Praktiken, um Reflexionskompetenzen sowie fachdidaktisch fundierte Entscheidungsfähigkeiten zu fördern. Das Format bietet Potenziale für die Übertragung auf weitere mögliche Inhalte im Fachseminar Musik und auf Fachseminare anderer Fächer.
(Fachdidaktische) Reflexionsfähigkeit spielt in der Lehramtsausbildung, insbesondere im Hinblick auf die Vernetzung von theoretischen Konzepten und praktischem Handeln, eine entscheidende Rolle. Um diese anzuregen und zu fördern, birgt die Arbeit mit Unterrichtsvideos, gerade auch mit Aufzeichnungen aus dem eigenen Unterricht, ein großes Potenzial. Im Beitrag wird am Beispiel des Faches Mathematik ein diskursives Aufgabenformat zur Videoanalyse und -reflexion von Unterrichtseinstiegen vorgestellt, das auf der Lernplattform degree umgesetzt und in der zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung erprobt und beforscht wurde. Es erfolgen eine konkrete Erläuterung der drei Phasen des Aufgabenformats und ihrer Funktion für den Reflexionsprozess der Lehramtsanwärter*innen sowie eine theoretische Einbettung hinsichtlich des Lerngegenstands. Abschließend wird ein kurzer Einblick in die empirischen Ergebnisse der qualitativen Studie im Rahmen des Projekts Degree 5.0 gegeben.
Unterrichtseinstiege sind essenzieller Baustein für den gelingenden Verlauf des Unterrichts. Deshalb ist in der Ausbildung hierauf besondere Aufmerksamkeit zu lenken. In einem videobasierten Format werden Lehramtsanwärter*innen (LAA) für das Lehramt Grundschule darin geschult, Merkmale erfolgreicher Unterrichtseinstiege zu erkennen und auf eigene Unterrichtsvideos im Unterrichtsfach Deutsch anzuwenden. Das im vorliegenden Beitrag vorgestellte Material enthält die Aufgabenstellung, die für die Umsetzung auf der Lernplattform degree entwickelt wurde. Das Material wird zunächst didaktisch kommentiert und anschließend vor dem theoretischen Hintergrund zur Arbeit mit eigenen und fremden Unterrichtsvideos eingeordnet. Der Abschluss schildert die Arbeitserfahrungen und reflektiert das Material kritisch.