
Die Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie (MIC) sind umfassend belegt und beinhalten u. a. eine Reduktion postoperativer Schmerzen, eine schnellere Wiederherstellung der Darmfunktion und eine verkürzte stationäre Verweildauer. Die roboterassistierten Verfahren zeigen bereits in der onkologischen kolorektalen Chirurgie neben einem besseren onkologischen Outcome eindrückliche Ergebnisse bezüglich der Funktionalität mit einer geringeren Rate an postoperativer erektiler Dysfunktion, sexuellen Funktionsstörungen und Defäkationsstörungen. Vor diesem Hintergrund können insbesondere junge Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) von der Anwendung der roboterassistierten Chirurgie profitieren. In dieser Arbeit werden anhand der aktuellen Literatur die Vorteile, die Herausforderungen und der aktuelle Stellenwert der roboterassistierten Chirurgie in der operativen Behandlung von CED dargestellt. Die Literaturrecherche erfolgte via PubMed in MEDLINE und umfasst Publikationen der letzten 20 Jahre. Zudem wurden die aktuellen Leitlinienempfehlungen miteinbezogen. Ausschließlich retrospektive Studien zeigen eine signifikante Reduktion der Konversionsrate, weniger postoperative Komplikationen und eine kürzere stationäre Verweildauer durch die Anwendung roboterassistierter Verfahren. Dies kann bei den Patienten mit CED zu einer besseren postoperativen Lebensqualität und einer schnelleren Rückkehr zur Selbstständigkeit beitragen. Jedoch ist die aktuelle Literatur auf einzelne retrospektive Studien begrenzt, was mutmaßlich auf die Heterogenität der Erkrankung, chronisch-entzündliche Veränderungen des Operationsgebiets, das häufige Vorliegen von abdominellen Voroperationen und den hohen Kosten zurückzuführen ist. Hieraus resultiert eine bislang nur verzögerte flächendeckende Implementierung der roboterassistierten Verfahren in der klinischen Praxis.
Perianale Manifestationen des Morbus Crohn – insbesondere Abszesse, Fisteln, Stenosen und Ulzera – belasten Lebensqualität und Langzeitprognose erheblich. Aus proktochirurgischer Sicht stehen Sepsiskontrolle, Sphinktererhalt und interdisziplinäre Therapieintegration im Vordergrund. Die Diagnostik umfasst klinische Untersuchung, Untersuchung in Narkose als Goldstandard sowie die Magnetresonanztomographie des Beckens zur anatomischen Kartierung. Die Klassifikation des TOpClass Consortium ermöglicht eine dynamische, patientenzentrierte Therapieplanung. Chirurgische Optionen reichen von drainierendem Seton und Fadendrainage über sphinkterschonende Verfahren bis hin zu Stoma und Proktektomie bei refraktären Verläufen. Eine aktive Proktitis gilt als wichtigster negativer Prognosefaktor für rekonstruktive Eingriffe. Bei langjähriger Fistelerkrankung ist die seltene, aber relevante maligne Transformation zu bedenken. Rektovaginale Fisteln erfordern besondere Expertise und gegebenenfalls Lappenplastiken. Die kombinierte chirurgisch-medikamentöse Strategie ist isolierten Ansätzen überlegen.
Beim frühen mikrosatellitenstabilen Rektumkarzinom (cT1-T3b, cN0/1) stehen mittlerweile verschiedene evidenzbasierte und onkologisch gleichwertige Therapieoptionen zur Verfügung. Neben der primären totalen Mesorektumexzision (TME) sollten Patienten über organerhaltende Therapieverfahren unter Einsatz der Radio(chemo)therapie (R(C)T) mit oder ohne Brachytherapie gefolgt von lokaler Exzision (LE) oder einer Watch-and-wait-Strategie (W W) aufgeklärt werden. Die aktuelle radioonkologische Evidenz zum Behandlungskorridor beim frühen Rektumkarzinom wird mit Schwerpunkt auf den intendierten Organerhalt zusammengefasst. Selektive Literaturrecherche unter Berücksichtigung publizierter klinischer Studien und der nationalen und internationalen Leitlinienempfehlungen. Bei High-risk-pT1- oder Low-risk-pT2-Tumoren nach initialer LE stellt die adjuvante RCT eine mögliche Behandlungsalternative zur Komplettierungs-TME dar (TESAR Studie). Bei cT2-3b-Tumoren kann die RCT gefolgt von LE (TAU-TEM Studie) oder W W bei Erreichen einer (nahezu) klinischen Komplettremission angeboten werden (STAR-TREC Studie). Die lokale RT-Dosiseskalation mittels Brachytherapie nach RCT erreicht bei cT2-cT3b-Tumoren hohe Raten an Organerhalt (OPERA Studie), ist aber mit einem relevanten Risiko rektaler Blutungen assoziiert und sollte nur in Zentren mit Brachytherapie-Expertise durchgeführt werden. Prospektive klinische Studien stützen die Möglichkeit, Patienten mit frühen Rektumkarzinomen einen intendierten Organerhalt mittels RCT in Kombination mit LE oder W W anzubieten. Eine adäquate, zentrumszentrierte Beurteilung des Restagings und eine engmaschige Nachsorge sind zur Kontrolle der Patienten im Rahmen einer LE/W W-Strategie essenziell. Daten zu funktionellen Ergebnissen und Lebensqualität der Behandlungsalternativen müssen noch weiter evaluiert werden.
Zentrale Bedeutung für die kurative Therapie des Kolonkarzinoms hat die komplette mesokolische Exzision (CME) mit zentraler Gefäßligatur und Lymphadenektomie. Diese erfolgt entlang der lymphogenen Metastasierungswege und ist mit verbesserten Überlebensraten assoziiert. Wesentliche Prinzipien der onkologischen Resektion sind ein ausreichender longitudinaler Sicherheitsabstand (ca. 10 cm), die Integrität der mesokolischen Faszie sowie die zentrale Absetzung der versorgenden Gefäße. Minimal-invasive Verfahren haben sich als Standard etabliert und bieten Vorteile hinsichtlich postoperativer Morbidität, Schmerzreduktion und Rekonvaleszenz bei gleichwertigen oder verbesserten onkologischen Ergebnissen. Die robotische Chirurgie erweitert diese Möglichkeiten durch höhere Präzision und bessere Ergonomie, ist jedoch mit höheren Kosten und längerer Operationsdauer verbunden. Das Resektionsausmaß richtet sich nach der Tumorlokalisation und kann standardisiert durchgeführt werden. Besondere Situationen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, genetischen Syndromen oder synchronen bzw. metachronen Karzinomen erfordern individuelle chirurgische Strategien. Zukünftig wird eine stärkere Individualisierung der Therapie erwartet, etwa durch verbesserte prädiktive Diagnostik, gezielte Prähabilitation und Berücksichtigung mikrobieller Einflüsse. Ergänzend trägt ein optimiertes perioperatives Management wesentlich zur Reduktion von Komplikationen und zur schnelleren postoperativen Erholung bei.