
Applied Theatre, das seine Wirkung auf soziale, politische, therapeutische Zwecke hin entfalten kann, zeichnet sich durch spezifische Begegnungen der daran Beteiligten aus. Sie schwanken zwischen positiv erlebter Affizierung und Ernüchterung. Diese Schwankungen sind nicht zuletzt durch häufig unklare Rahmenbedingungen bedingt und deuten auf ein latentes Risiko der Destabilisierung von Applied Theatre-Projekten. Der Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund mögliche Gelingensbedingungen für nachhaltige Projekte des Applied Theatre. Anhand von vier Fallstudien werden Risiken im Prozess des Theatermachens und der Nachbesprechung vorgestellt. Die Auswertung der Risikoszenarien zielt auf eine Definition eines nachhaltigen theaterwissenschaftlichen Aufführungsbegriffs, der zeitlich auch Probenprozesse und Nachbereitungen von Aufführungen umfasst und qualitativ die Affizierungsprozesse der an der Aufführung Beteiligten spezifiziert. Mit Verweis auf das Konzept der ‚Unverfügbarkeit‘ (Rosa) wird die Feedback-Schleife zwischen Publikum und Zuschauer als komplexer und störanfälliger Prozess der Widerfahrnis differenziert.