
Die Tuberositasosteotomie (TTO) ist ein wesentlicher Bestandteil der operativen Therapie patellofemoraler Instabilität. Die Indikation basiert auf der Analyse von TT-TG-Abstand („tibial tubercle – trochlear groove distance“; > 20 mm), Patella alta (CDI > 1,3), Patellamaltracking sowie fokalen distalen Knorpelschäden. Je nach Pathologie kommen unterschiedliche Verfahren zur Anwendung: medialisierende Verfahren (Elmslie-Trillat) bei erhöhtem TT-TG-Abstand, anteriorisierende (Maquet) zur Druckentlastung, anteromedialisierende (Fulkerson) bei kombinierter Instabilität und Knorpelschäden sowie distalisierende Verfahren bei Patella alta. Insgesamt zeigt die TTO sehr gute klinische Ergebnisse mit niedrigen Rezidivraten und geringen Komplikationen.
Die neue S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ stellt gegenüber der bisherigen S2k-Leitlinie ein methodisches und inhaltliches Upgrade dar, da sie erstmals systematische Evidenzaufarbeitung mit strukturierten Konsensprozessen kombiniert. Dieser Übersichtsartikel fasst die zentralen Empfehlungen und praxisrelevanten Neuerungen zusammen. Bewegungstherapie und Patientenedukation werden als Basis der Behandlung definiert, wobei Adhärenz und ein realistisches Schmerzverständnis betont werden („hurt ≠ harm“). Viele physikalische Maßnahmen werden mangels Evidenz nicht mehr empfohlen. Arzneimittel sowie intraartikuläre Therapien sollten zurückhaltend und differenziert eingesetzt werden. Arthroskopische Eingriffe werden abgelehnt, endoprothetische Versorgung erfolgt unter Berücksichtigung von Risikofaktoren und realistischer Erwartungshaltung. Neu sind die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und die Betonung von Shared Decision Making.