
Zusammenfassung: Hintergrund: Frühmobilisation ist für die Genesung und Vermeidung von Komplikationen nach Operationen von zentraler Bedeutung. Zur Mobilitätsförderung liegen Leitlinien und Konzeptempfehlungen in der Chirurgie und Intensivmedizin vor. Unklar bleiben konkrete pflegerische Umsetzungsempfehlungen unter Einbezug von Patientenerfahrungen. Fragestellung/Ziel: Die Untersuchung exploriert das subjektive Patientenerleben der postoperativen Frühmobilisation nach offenen abdominalchirurgischen Operationen auf Allgemeinstationen. Methoden: Zwischen August bis Dezember 2024 wurden in vier deutschen Kliniken semistrukturierte Interviews mit Patient_innen (n = 15) nach offenen abdominalchirurgischen Operationen geführt und mittels strukturiert qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Ergebnisse: Die postoperative Frühmobilisation nach offenen abdominalchirurgischen Operationen wurde von Patient_innen als körperlich herausfordernd, emotional ambivalent, aber durch qualifizierte Begleitung bewältigbar erlebt. Zentrale Einflussfaktoren auf das Erleben sind adäquate Vorbereitung, verlässliche Unterstützung sowie individuell angepasste und empathische Unterstützung. Schlussfolgerungen: Professionelle Begleitung ist zentral für die Vermittlung von Sicherheit während der postoperativen Frühmobilisation. Pflegefachpersonen prägen das Patientenerleben des Mobilisationsprozesses maßgeblich und können diesen durch individuelle Edukation positiv beeinflussen. Edukative Anknüpfungspunkte stellen Vorerfahrungen, Eigenmotivation sowie der Wunsch nach Autonomie dar.
Zusammenfassung: Hintergrund: Pädiatrische Palliativversorgung in der Kinderonkologie wird trotz Vorteilen für die Lebensqualität meist erst am Lebensende eingeleitet. Ihre Umsetzung im deutschsprachigen Versorgungsalltag ist wenig untersucht. Fragestellung/Ziel: Ziel war es, Verständnis und Umsetzung pädiatrischer Palliativversorgung im kinderonkologischen Setting aus Sicht verschiedener Berufsgruppen zu erfassen und hemmende wie förderliche Faktoren einer frühzeitigen Integration zu identifizieren. Methoden: In einer qualitativen, deskriptiven Studie wurden von Februar bis Mai 2024 zwölf leitfadengestützte Einzelinterviews mit Fachpersonen aus Pflege, Medizin, psychosozialem Dienst und pädagogischem Bereich einer deutschen Maximalversorgungsklinik geführt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Gläser und Laudel (2010) , berichtet wird gemäß SRQR. Ergebnisse: Zentrale Barrieren sind die Assoziation von „palliativ“ mit Sterben, divergierende Startdefinitionen, fehlende pädiatriespezifische Standards und kommunikative Defizite. Pflegefachpersonen erkennen Bedarf früher, sind in Tumorboards aber unterrepräsentiert. Förderlich sind transparente Aufklärung, interprofessionelle Schulungen, ethische Reflexionsräume und eine frühzeitige SAPV-Einbindung. Schlussfolgerungen: Eine frühzeitige Implementierung erfordert an der S3-Leitlinie orientierte Standards, die strukturelle Einbindung der Pflege in Entscheidungsforen sowie eine begriffliche Neubewertung von „palliativ“ gegenüber Familien und Fachpersonen.
Development and piloting of a digital interprofessional round in home care: a participatory Case Study Abstract: Background: In Germany, structures and incentives for interprofessional collaboration (IPC) between home nursing services (HNS) and general practitioners (GPs) are largely lacking; patients have so far been only marginally involved in these processes. Digital technologies may support IPC. Within the TeleCare project, a digital interprofessional round (DIR) was developed to facilitate interprofessional coordination in home care. Aim: What conditions are necessary to implement digital interprofessional rounds between a GP practice and HNS under routine care conditions? What challenges arise during their implementation in everyday practice? Methods: DIR were co-developed in a participatory process with teams of HNS and GP practices. Conditions, opportunities, and challenges of implementation were examined using an exploratory case study approach. Qualitative data were collected through nine individual interviews, six group discussions, one focus group, and eight participant observations with HNS and practice teams, and analyzed using qualitative content analysis. Results: Four tandems from HNS and GP practices participated. Structures to enable and test DIR were established. Supporting factors included established cooperation, patient involvement, and perceived time savings. Challenges included the coordination effort, lack of suitable occasions, and heterogeneous communication structures. Conclusions: Sustainable implementation of DIR requires technical and organizational adjustments, a strong willingness to cooperate and supportive political frameworks.
Zusammenfassung: Hintergrund: National fehlen Strukturen und Anreize für interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) zwischen Pflegediensten und hausärztlichen Praxen; Patient_innen sind kaum eingebunden. Digitale Technologien können IPZ fördern. Im Projekt TeleCare wurde eine digitale interprofessionelle Visite zur Unterstützung interprofessioneller Abstimmung im ambulanten Kontext entwickelt. Fragestellung: Welche Voraussetzungen sind notwendig, um eine digitale interprofessionelle Visite zwischen einer hausärztlichen Praxis und einem ambulanten Pflegedienst praxisnah zu gestalten? Welche Herausforderungen entstehen dabei in der konkreten Umsetzung? Methoden: Es wurden digitale interprofessionelle Visiten partizipativ mit Tandems aus Pflegediensten und hausärztlichen Praxen entwickelt. Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen der Umsetzung wurden in einem explorativen Fallstudienansatz untersucht. Qualitative Daten wurden mittels neun leitfadengestützter Interviews, sechs Gruppendiskussionen, einer Fokusgruppe und acht teilnehmenden Beobachtungen mit Pflegediensten und Praxisteams erhoben und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Vier Tandems nahmen teil. Strukturen zur Umsetzung von Visiten wurden geschaffen. Förderlich wirkten etablierte Kooperationen, wahrgenommene Zeitersparnis und Patientenbeteiligung. Zentrale Herausforderungen waren hoher Koordinationsaufwand, fehlende Anlässe und heterogene Kommunikationsstrukturen. Schlussfolgerung: Für eine nachhaltige Umsetzung sind technisch-organisatorische Anpassungen, Kooperationsbereitschaft und politische Unterstützung erforderlich.
Zusammenfassung: Hintergrund: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen erfordert neue Kompetenzen von Gesundheitsfachpersonen. Im deutschsprachigen Raum fehlen umfassende Messinstrumente, die neben individuellen Fähigkeiten auch organisationale Aspekte berücksichtigen. Die englischsprachigen Instrumente DigiHealthCom (5 Faktoren, 42 Items) und DigiComInf (3 Faktoren, 15 Items) erfassen beide Dimensionen, liegen jedoch nicht in deutscher Fassung vor. Ziel: Kultursensitive Übersetzung und Inhaltsvalidierung beider Messinstrumente. Methoden: Die Übersetzung erfolgte gemäß internationalen Leitlinien mittels Vorwärts- und Rückübersetzung zur Erreichung konzeptueller und semantischer Äquivalenz. Zwei Tests mit zwölf, respektive sieben, gezielt ausgewählten Gesundheitsfachpersonen prüften die inhaltliche Äquivalenz (Relevanz, Verständlichkeit) und Inhaltsvalidität über den Content Validity Index (CVI) auf Item- (I-CVI) und Skalenebene (S-CVI/Ave). Ergebnisse: Alle Faktoren zeigten konzeptuelle Äquivalenz und Relevanz. Acht Items des DigiHealthCom wurden semantisch angepasst. Aufgrund unzureichender S-CVI/Ave-Werte für Relevanz (DigiHealthCom: 0.86; DigiComInf: 0.69) und Verständlichkeit (0.93; 0.90) wurden 27 Items überarbeitet. Testung zwei zeigte angemessene S-CVI/Ave-Werte für Relevanz (0.90; 0.76) und Verständlichkeit (0.97; 0.97). Schlussfolgerungen: DigiHealthCom und DigiComInf sind kulturell angepasste und inhaltlich valide Messinstrumente zur Erfassung digitaler Gesundheitskompetenzen im deutschsprachigen Raum. Eine Folgestudie zur Messäquivalenz wird aktuell durchgeführt.