
Dieser Fallbericht beschreibt ein interprofessionelles Modul im 6. Semester der Bachelorstudiengänge Pflege, Physiotherapie, Ernährung Diätetik und Hebamme, in dem Studierende gemeinsam mit Praxispartner:innen Gesundheitsförderungsprojekte realisieren. Interprofessionelles Lernen zielt darauf, dass Studierende mit-, von- und übereinander lernen. Modulevaluationen verwiesen auf ungenügendes voneinander Lernen und begrenzte Einblicke in Methoden anderer Professionen. Zur Aktivierung der Interprofessionalität wurden drei didaktische Instrumente implementiert: (1) ein „interprofessionelles Think-Pair-Share“ beim Kick-off zur Integration verschiedener Wissensbestände ; (2) eine „Agile Teamreflexion“ als Steuerungsinstrument während Projektplanung und -umsetzung; (3) eine „Sieb-Reflexion“ als individueller Teilkompetenznachweis zur Reflexion der Zusammenarbeit mit Fokus auf die Beiträge der anderen Professionen. Lehrpersonen berichteten in der jährlichen Modulevaluation von einem früheren und fokussierteren Austausch im Vergleich zu den Vorjahren (vor Implementierung der didaktischen Instrumente). In der Modulevaluation der Studierenden stieg der Median beim Item „Das Modul ermöglichte es, von Studierenden anderer Professionen zu lernen“ von 2 bei der Vorjahreskohorte auf 3 bei der Kohorte nach Implementierung der mikrodidaktischen Interventionen (vierstufige Likert-Skala). In den Reflexionen würdigten Studierende die Beiträge anderer Professionen differenziert und beschrieben eine gesteigerte Wertschätzung gegenüber den Beiträgen und Kompetenzen ihrer professionsfremden Kolleg:innen. Für die „Agile Teamreflexion“ liegen noch keine Nutzungsdaten aus dem Modul vor. Die Interventionen sind niederschwellig und skalierbar. Der Fall illustriert, wie sich interprofessionelle Kompetenzentwicklung frühzeitig aktivieren und am Ende sichtbar prüfen lässt – übertragbar auf andere interprofessionelle Lernsettings.
Health literacy has become one of the strongest social determinants for health and is an important indicator of health inequalities and health outcomes. The fast-changing dynamic nature of health literacy requires regularly adapted educational initiatives for nursing students. This article describes an innovative approach to successful, sustainable and interprofessional implementation of health literacy in academic nursing education (master’s level). A strong practical focus and interprofessional exchange are intended to have a lasting impact on nursing students. Health literacy in academic nursing education may be implemented in five steps: raise awareness, integrate health literacy into academic nursing education, follow an interprofessional approach, promote application-oriented learning, integrate into nursing practice and research. This strategy can assist educators and nurse institutions to implement or expand evidence-based health literacy initiatives on an interprofessional basis within nursing education. Students gave positive feedback on the course and appreciated its relevance. To ensure relevance, the content is evaluated annually by the teaching staff and external experts who implement health literacy projects. Students regularly present their work at conferences and on relevant homepages. This educational innovation strategy equips nurse educators with the necessary knowledge to strengthen health literacy within and through nursing.
Interprofessionelle Zusammenarbeit ist eine zentrale Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Versorgung im zunehmend komplexen Gesundheitssystem. Interprofessionelle Ausbildung (Interprofessional Education, IPE) gilt als wirksamer Ansatz zur Förderung kooperativer Kompetenzen und zur Entwicklung einer interprofessionellen Identität, die gemäß der Extended Professional Identity Theory ergänzend zur professionsspezifischen Identität entsteht. Vor diesem Hintergrund untersuchte die vorliegende Studie, inwiefern ein neu entwickeltes interprofessionelles Pflichtlehrformat zur Veränderung der erweiterten professionellen Identität (Extended Professional Identity, EPI) von Studierenden unterschiedlicher Gesundheits- und Sozialberufe beiträgt und wie das Lehrformat von den Teilnehmenden bewertet wird. Es wurde eine multizentrische Beobachtungsstudie mit einem einarmigen Prä-Post-Design durchgeführt. Analysiert wurden retrospektiv ausgewertete Befragungsdaten aus einer dreitägigen interprofessionellen Lehrveranstaltung an zwei Ausbildungsstandorten. Die EPI wurde mithilfe der Extended Professional Identity Scale (EPIS) zu Beginn und am Ende der Lehrveranstaltung erhoben. Ergänzend erfolgte eine querschnittliche Evaluation mittels standardisiertem Online-Fragebogen. Es nahmen Studierende der Humanmedizin, der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie, Psychologie, Diätologie und Sozialen Arbeit teil. Die Lehrveranstaltung wurde seitens der Studierenden positiv bewertet, wobei signifikante Unterschiede zwischen den Studiengängen bestanden. In der Gesamtstichprobe zeigte sich eine signifikante Zunahme der erweiterten professionellen Identität mit großer Effektstärke. Besonders ausgeprägt waren die Effekte bei Studierenden der Pflegeberufe, während bei Medizinstudierenden moderatere, jedoch signifikante Veränderungen beobachtet wurden. Auch kurzzeitige, strukturierte interprofessionelle Pflichtformate können die Entwicklung interprofessioneller Identität wirksam fördern. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer zielgruppensensiblen curricularen Gestaltung interprofessioneller Ausbildung.
Simulation is well established in paramedic education, but it is often used primarily to rehearse clinical performance rather than to support evidence-based practice (EBP). This Scholarship of Teaching and Learning study explored whether a simulation-to-EBP learning design was associated with changes in EBP self-efficacy in a German top-up BSc paramedic science program. In an exploratory single-group pre–post design, students completed the German Evidence-Based Practice Confidence (EPIC) scale on the day before and the day after a traumatology block day. The intervention combined trauma simulations, student-generated decision points, focused literature searching, and plenary discussion. In total, 14 matched cases were available for analysis. Total scores on the EPIC increased significantly from pre-test to post-test—t(13) = 5.887, p < 0.001, dz = 1.573, gz = 1.480—with 10 of 14 participants exceeding the MDC95. Significant item-level gains were observed in question formulation, critical appraisal, applicability, decision-making, and evaluation.
Mobilitätseinbußen sind bei Pflegeheimbewohner*innen häufig. Diese Herausforderung wird durch den Expertenstandard nach § 113a SGB XI „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ adressiert. Bislang ist aber wenig dazu bekannt, inwiefern der Expertenstandard in der Praxis Anwendung findet. Es wurde eine Onlinebefragung der stationären Langzeitpflegeeinrichtungen in der Stadt und im Landkreis Karlsruhe durchgeführt. Von den 92 kontaktierten Einrichtungen haben 40 teilgenommen (43,5
Digitale Kompetenzen zählen zu den Schlüsselqualifikationen für Lehrende im Pflegebereich. Im Rahmen der Untersuchung wird den Fragen nachgegangen, inwiefern sich die digitalen Kompetenzen von Pflegefachpersonen mit verschiedenen Tätigkeitsbereichen unterscheiden, und welche Implikationen sich aus der Clusterbildung für die zielgruppenspezifische Fort- und -weiterbildung ableiten lassen. Im Rahmen eines Webinars wurden 194 Personen mittels Selbsteinschätzung entlang der fünf digitalen Kompetenzdimensionen der Europäischen Union befragt. Zusätzlich war eine offen gestellte Validierungsfrage enthalten, welche die üblicherweise eingesetzte Suchstrategie erhob. Die Auswertung erfolgte mittels Two-Step-Clusteranalyse, t‑Tests und qualitativer Inhaltsanalyse. Es konnten zwei klar unterscheidbare Cluster identifiziert werden. Cluster 1 (n = 67) wies durchgängig höhere digitale Kompetenzwerte auf (durchschnittlicher Differenzwert = 1,05). Die qualitative Auswertung belegte in diesem Cluster stärker strukturierte, theoriegeleitete Suchstrategien. Cluster 2 (n = 82) zeigte eine stärkere Tendenz zu intuitiven, wenig validen Recherchestrategien. Jüngere Teilnehmende waren überproportional in Cluster 1 vertreten. Die Ergebnisse verdeutlichen einen heterogenen Stand digitaler Kompetenzen innerhalb der Zielgruppe. Während sich für Cluster 2 vor allem grundlegende Qualifizierungsbedarfe in mehreren digitalen Kompetenzdimensionen zeigen, betrifft der Weiterbildungsbedarf in Cluster 1 primär vertiefende und spezialisierende Kompetenzbereiche. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf nach gezielten Qualifizierungsmaßnahmen sowie einer systematischeren curricularen Verankerung digitaler Kompetenzen in Aus‑, Fort- und Weiterbildungsgängen im Pflegekontext.
Steigende Einsatzzahlen, demographische Veränderungen und eine zunehmende Inanspruchnahme des Rettungsdienstes bei nicht lebensbedrohlichen Hilfeersuchen verdeutlichen die Notwendigkeit vorbeugender Versorgungsansätze in der Außerklinischen Akut- und Notfallversorgung. Im Rahmen des 1. Deggendorfer Workshops zur akademischen Ausbildung in der Außerklinischen Akut- und Notfallversorgung wurde diskutiert, welche erweiterten Kompetenzen und Qualifikationsprofile künftig für akademisch qualifizierte Notfallsanitäter:innen in diesem Handlungsfeld erforderlich sind. Im Februar 2026 erarbeiteten 24 Expert:innen aus Rettungsdienst, Wissenschaft und Berufsverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Grundlagen für und Anforderungen an ein bundeseinheitliches Bachelor-Curriculum für Notfallsanitäter:innen im vorbeugenden Rettungsdienst mit entsprechenden Kompetenzprofilen und Ausbildungsinhalten. Es konnten zwei komplementäre Teil-Curricula für den Kompetenzerwerb im Rahmen von Aufbaustudiengängen für Notfallsanitäter:innen im vorbeugenden Rettungsdient entwickelt werden. Diese decken die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Patientenversorgung ab. Ein bundeseinheitlich abgestimmtes Kompetenzprofil kann dazu beitragen, die Professionalisierung des Rettungsdienstes fortzuführen und die Patientensicherheit in der Außerklinischen Akut- und Notfallversorgung zu stärken. Es ist Grundlage für eine medikolegal auszudefinierende Tätigkeit von akademisch qualifizierten Notfallsanitäter:innen im vorbeugenden Rettungsdienst.
Die ambulante Grundversorgung in der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. Neue Versorgungsmodelle, z. B. mit neuen Rollen wie Advanced Practice Nurse (APN), sind nötig. Jedoch ist bisher nicht gut bekannt, in welchen Arbeitsbereichen APN tätig sind und welchen zeitlichen Aufwand sie für ihre Arbeiten benötigen. Ausserdem stellt die fehlende Vergütung der APN-Tätigkeiten eine grosse Herausforderung für die Schweizer ambulante Grundversorgung dar. Es wurde eine Time-and-Motion-Studie durchgeführt. Insgesamt wurden 12 APN, die in sechs Hausärzt*innenpraxen der Deutschschweiz tätig sind, über N = 20 Tage beobachtet. Die Zeitdaten wurden statistisch beschreibend behandelt. Insgesamt wurden N = 81 Tätigkeiten in sieben Arbeitsbereichen beobachtet. APN arbeiten über 40
In Deutschland gibt es 2,4 Mio. pflegende Angehörige unter 45 Jahren. Die Bedürfnisse dieser Gruppe sind in der Forschung bisher unterrepräsentiert. Der Einfluss einer Pflegesituation in der eigenen Familie und der Doppelbelastung auf die veränderten Erwartungen an junge pflegende Angehörigen wurde bisher nicht untersucht. Ziel der Studie war es, das innere Erleben der Selbst- und Rollenwahrnehmung junger pflegender Angehöriger zu ermitteln. Es wurden halbstrukturierte Interviews mit Expert:innen im Gesundheitswesen (n = 17) und jungen pflegenden Angehörigen (18 bis 45 Jahre) (n = 26) durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz analysiert. Die befragten Personen nehmen deutliche Rollenkonflikte wahr, die sich aus unterschiedlichen Erwartungen an ihre Person ergeben. In einigen Familien führt die Pflegesituation zu einer Umkehrung der Eltern-Kind-Rolle, sodass junge pflegende Angehörige elterliche Aufgaben übernehmen. Das Geschlecht der Betreuungsperson spielt dabei keine Rolle. Das Thema der Rollenidentifikation wurde bisher nicht flächendeckend in Beratungssituationen aufgegriffen. Professionelle Anbieter von Unterstützungsangeboten sollten jungen Pflegenden aller Geschlechter helfen, ihre Rollen zu identifizieren und geeignete Angebote zu etablieren. Bei der Analyse und Auswertung der Daten kristallisierten sich drei neue Themen heraus: Einige junge Pflegende fühlen sich verpflichtet, die Pflege (allein) zu übernehmen, die Rollen sind innerhalb der Familie manchmal vertauscht, und sie haben Probleme, sich von der Pflegesituation zu lösen. Die Unterstützungsdienste bieten momentan keine ausreichende Unterstützung für die festgestellten Herausforderungen. Beratende Personen im Gesundheitswesen sollten Interventionen entwickeln, um jungen Pflegenden zu helfen, die Selbst- und Rollenwahrnehmung zu verbessern und das Gefühl zu verringern, Pflege leisten zu müssen. Auf diese Weise kann die Lebensqualität der jungen pflegenden Angehörigen verbessert werden.
Diese Mixed-Methods-Studie untersuchte die Implementierung des Delirscreenings aus der Perspektive von 14 Pflegefachpersonen. Als theoretischer Rahmen diente die Normalization Process Theory (NPT). Individuelles Verständnis (Kohärenz: M = 3,84) und Engagement (Kognitive Partizipation: M = 4,05) waren hoch. Größte Barriere war Kollektives Handeln (M = 3,38), erschwert durch mangelnde Zusammenarbeit, fehlende Routine und dokumentationsbezogene Probleme. Empfehlungen umfassen die Stärkung der Kohärenz, Anpassung der digitalen Dokumentation, Etablierung einer Advanced Practice Nurse (APN) Delir und die Verbesserung der interprofessionellen Kommunikation. Größere Längsschnittstudien könnten zukünftig die Dynamik der Normalisierung über die Zeit abbilden.
This study aims to psychometrically test the German version of the Know-IAD questionnaire and describe the knowledge of incontinence-associated dermatitis (IAD) held by nurses in Austria, Germany, and Switzerland. A cross-sectional study was conducted among nurses in Austrian, German, and Swiss hospitals. Data were collected online on general characteristics of IAD and on the German Know-IAD, which consists of three domains and 18 items. Data validity was assessed by analysing item validity and discriminant validity. In total, 437 nurses participated. The mean participant age was 40 years, and most participants (82.2
Die heterogene Verwendung von Begriffen mit Bezug zur interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen ist ein wiederkehrendes Thema und damit Anlass für eine vertiefte Begriffsanalyse. Ziel ist es, die definitorischen Merkmale und Charakteristika der Begriffe Kollaboration, Kooperation, Koordination, Netzwerk- und Teamarbeit in einem interprofessionellen Kontext zu analysieren und Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen zwischen den Begriffen zu identifizieren. Im Zeitraum von 2000–2020 erfolgte eine umfassende Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed, CINAHL, Livivo, Psyndex, PsycINFO. Im nächsten Schritt wurde eine thematische Analyse vorgenommen, um definitorische Merkmale und Charakteristika aus den eingeschlossenen Artikeln herauszuarbeiten und in regelmäßigen Analysesitzungen zu diskutieren. Anschließend wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Begrifflichkeiten auf Grundlage des Input-Prozess-Output-Modells zugeordnet. Nach der Recherche und Prüfung der Volltexte auf Eignung wurden 118 Artikel in die thematische Analyse eingeschlossen. Dabei zeigt sich, dass die Begriffe unterschiedlich verwendet werden. Auffällig ist insbesondere, dass die Begriffe Kollaboration, Kooperation und Teamarbeit in den eingeschlossenen Artikeln nahezu inflationär genannt werden. In der Folge wird ihre begriffliche Trennschärfe deutlich reduziert, sodass eine klare Abgrenzung zwischen diesen Begriffen kaum möglich ist. Die systematische Zuordnung der jeweiligen Charakteristika anhand des Input-Prozess-Output-Modells (IPO-Modell) erlaubt es jedoch, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Begriffe strukturiert herauszuarbeiten. Insgesamt werden die analysierten Begrifflichkeiten kaum trennscharf verwendet. Einheitliche Formulierungen und Definitionen sind jedoch zentral in der interprofessionellen Ausbildung der Gesundheitsberufe, beispielsweise auf der Ebene von Kompetenzbeschreibungen. Im Rahmen weiterer Forschungsarbeiten ist eine Operationalisierung der Begrifflichkeiten anzustreben.
Germanyʼs growing care need and nursing shortages require new strategies to optimize outpatient and home care resources. Structural and organizational changes demand expanded nursing roles and competencies. These developments are linked to recent reforms promoting a more person-centered, cross-sectoral approach to care and call for better utilization of nursing expertise. This scoping review provides a comprehensive overview of the roles, responsibilities, and qualification requirements of nursing professionals in outpatient and home care settings. It incorporates international experiences and identifies educational and structural conditions to systematically present current practices and developments. The impact of these roles on care provision and job satisfaction was analyzed. The scoping review followed PRISMA-ScR guidelines, searching MEDLINE, Embase, and Cochrane for studies published during 2012–2023 in German or English on nursing professionals in community, home, or outpatient primary care. Roles were identified from study descriptions and grouped into clusters. Task areas were extracted and assigned to overarching domains. In total, 74 nursing practice scopes identified in 67 references were categorized into five roles. Most roles were nursing professionals with extended competencies (43.2
The involvement of advanced practice nurses in Swiss primary care is increasing, although the scope of practice has yet to be defined. Currently, no uniform job description exists. The establishment of advanced practice nurses in Swiss primary care therefore faces obstacles, and a standardized job description of this role is urgently needed. This project aimed to develop a uniform job description for advanced practice nurses in Swiss primary care and to validate it in close collaboration with relevant interest groups. A mixed-methods approach was used. Data were gathered from the literature, sounding board consultations, and two focus group discussions. Data were then integrated via triangulation. The project sounding board was invited to quantitatively validate the findings. Data were collected between December 2023 and May 2024. Based on these data, a uniform job description was developed. A total of 11 hand-searched job descriptions were examined and merged into a first draft. With the input of six sounding board members, this draft evolved. Two focus group discussions with advanced practice nurses (group A; n = 7) and general practitioners (group B; n = 5) provided substantial input for developing and improving the second draft. The final feedback round of the sounding board led to the final version of the job description, which is divided into five subtopics. This is the first uniform job description for advanced practice nurses in Swiss primary care. With this job description, role consistency of advanced practice nurses in Swiss primary healthcare can be pursued. In addition, their scope of practice is delineated. The job description offers role clarification for practice settings as well as a template that can be adjusted to individual requirements. Thus, the implementation of advanced practice nurses in Swiss primary healthcare is reinforced.
Von neu graduierten Pflegefachpersonen mit Bachelorabschluss wird Einstiegskompetenz erwartet. Studien zeigen jedoch Defizite in Wissen, klinischen Fertigkeiten und Entscheidungsfindungskompetenz, die Unsicherheit und Berufsausstieg fördern. „Transition programs“ sollen diesen Übergang erleichtern. Intention dieser Studie war, die Intervention Lernstation als standardisiertes 4‑phasiges „Transition program“ zu evaluieren. Untersucht wurden die Entscheidungsfindungskompetenz anhand des Wissens, der Einstellung und Qualität des dokumentierten Advanced Nursing Process sowie die berufliche Zufriedenheit. Die quasiexperimentelle Interventionsstudie mit Pretest-Posttest-Design und Kontrollgruppe wurde an einer orthopädisch-traumatologischen Lernstation in Tirol durchgeführt. Eine Randomisierung war ausgeschlossen, da Studierende das Praktikum bewusst wählten. Nach der Intervention zeigten sich zwischen Interventions- (IG) und Kontrollgruppe (KG) beim Wissen und bei der Einstellung zum Advanced Nursing Process keine signifikanten Unterschiede. Jedoch waren Pflegeassessment, Genauigkeit der Pflegediagnosen, Wirksamkeit der Pflegeinterventionen und Patient*innenergebnisse in der IG signifikant besser. Studierende der IG zeigten zudem eine höhere berufliche Zufriedenheit und geringere Absichten, den Beruf zu verlassen. Das „Transition program“ steigert die klinische Entscheidungsfindungskompetenz und fördert die Anwendung des Advanced Nursing Process. Die gewonnene Sicherheit könnte zu längerer Verweildauer im Beruf beitragen.
In Österreich leben rund 89.000 Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung (IB), deren Lebenserwartung zunehmend jener der Allgemeinbevölkerung entspricht. Ihr steigender Pflegebedarf trifft auf ein unzureichend vorbereitetes Gesundheitssystem. Viele Pflegepersonen fühlen sich unzureichend ausgebildet. Der Nationale Aktionsplan Behinderung (2022–2030) fordert Verbesserungen in der Barrierefreiheit, Ausbildung und Kommunikation. Ziel dieser Studie war es, auf Grundlage der Perspektiven von Eltern und Betreuungspersonen Einblicke in das Erleben akutstationärer Aufenthalte von Menschen mit IB zu gewinnen. Dabei sollten insbesondere wahrgenommene Bedürfnisse, Barrieren und Herausforderungen erfasst werden, um praxisrelevante Erkenntnisse für eine bedarfsgerechte Versorgung abzuleiten. Wie wird ein akutstationärer Aufenthalt von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung aus Sicht deren Eltern bzw. Betreuungspersonen erlebt? Im Rahmen eines qualitativ-deskriptiven Forschungsdesigns wurden leitfadengestützte Interviews mit Eltern und professionellen Betreuungspersonen von Menschen mit IB geführt (n = 8). Die Interviews wurden transkribiert, anonymisiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Zentrale Barrieren für Menschen mit IB ergaben sich im Bereich der Kommunikation und Interaktion, des Entscheidungsfindungsprozesses, in der defizitären Qualifikation des Krankenhauspersonals und in strukturellen Gegebenheiten. Positive Erfahrungen waren von einer inklusiven Struktur und einer gelungenen Kommunikation geprägt. Eine Integration der Thematik in Bildungsprogramme, gezielte Weiterbildungen, Berufspraktika, Ambulanzen für inklusive Medizin, die Einführung vielfältiger Hilfsmittel und eine verbesserte Akzeptanz von Krankenhauspässen erscheinen essenziell. Zudem sind gesetzliche Rahmenbedingungen und weitere Studien entscheidend für eine optimierte Versorgung.
Pain has a major impact on nursing home residents’ quality of life, which is why optimizing pain management continues to be a major issue in nursing homes. The aim of our study was firstly to investigate the prevalences of pain and severe pain as well as potential indications of undertreatment in Swiss nursing homes by directly interviewing residents. Secondly, we examined which nursing home and resident characteristics are associated with pain, with severe pain and with undertreatment. Data on pain in nursing home residents was collected as part of a multicentre cross-sectional survey of 49 nursing homes involving 1198 structured face-to-face interviews with residents. Data were analysed both descriptively and using logistic and linear regression. The data revealed that 59.7
Der Rettungsdienst in Deutschland sieht sich mit wachsenden Herausforderungen und einem veränderten Einsatzspektrum konfrontiert; hieraus ergeben sich strukturelle Anpassungsbedarfe hin zu einem vorbeugenden Rettungsdienst. International wird dieses Konzept vielerorts bereits erfolgreich angewendet, und auch in Deutschland zeigen erste Pilotprojekte großes Potenzial für diese neue Versorgungsform. Im Rahmen des 2. Regensburger Expertenforum vorbeugender Rettungsdienst 2025 diskutierten 29 Fachleute in 3 Workshops die Bedeutung des proaktiven Handelns für den vorbeugenden Rettungsdienst sowie die damit einhergehenden strukturellen Voraussetzungen und Kompetenzen und konsentierten die hier vorgestellten Kernaussagen. Die Bedeutung des proaktiven Handelns wurde unterstrichen und die rechtliche und strukturelle Verankerung – u. a. im SGB V und in den Landesrettungsdienstgesetzen – als Voraussetzung für diesen neuen Leistungsbereich herausgearbeitet. Weiterhin wurden die zukünftig erweiterten Rollen der Rettungsleitstellen beleuchtet und ein breites Kompetenzspektrum beschrieben. Zudem wurden die Implikationen für eine passgenaue Qualitätssicherung diskutiert. Sektorenübergreifende Vernetzung und proaktives, selbstständiges Aufsuchen ohne vorherige Alarmierung setzen eine Verankerung innerhalb von bestehenden Hilfeleistungssystemen voraus und leitet den Wandel des Rettungsdienstes zu einem proaktiv agierenden System ein.