
Gesundheitssysteme in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen vor komplexen, sich gegenseitig verstärkenden Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der Zunahme chronischer Erkrankungen, Multimorbidität, dem Fachkräftemangel sowie steigenden Kosten und sozialen Ungleichheiten. Diese Entwicklungen erfordern Versorgungsmodelle, die über professions-, organisations- und sektorenbezogene Steuerungslogiken hinausgehen. Das vorliegende Positionspapier versteht Interprofessionalität daher als zentrales Gestaltungsprinzip einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung. Interprofessionalität wird als gleichwertige, koordinierte und reflektierte Zusammenarbeit verschiedener Gesundheits- und Sozialberufe definiert, die Patient:innen, Angehörige und Gemeinschaften (Communities) aktiv einbezieht. Sie entfaltet ihre Wirkung auf Mikro‑, Meso- und Makroebene und ist untrennbar mit Fragen der Verantwortung, Führung, Partizipation und Gerechtigkeit verbunden. Studien zeigen, dass interprofessionelle Zusammenarbeit die Versorgungsqualität und Patient:innensicherheit verbessert, die Resilienz und Nachhaltigkeit von Organisationen stärkt, die Attraktivität der Gesundheitsberufe erhöht und zur Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten beiträgt. Das Positionspapier identifiziert Leitprinzipien sowie zentrale Handlungsfelder in Bildung und Kompetenzentwicklung, Organisation und Führung, strukturellen Rahmenbedingungen sowie Forschung und Evidenz. Abschließend wird gefordert, Interprofessionalität im DACH-Raum systematisch vom Bildungs- zum Gestaltungsprinzip weiterzuentwickeln, sie konsequent an Versorgungs- und Gesellschaftsbedarf auszurichten, Macht- und Hierarchiefragen explizit anzusprechen und durch gemeinsame, kontextsensible Standards sowie eine länderübergreifende Entwicklungsagenda nachhaltig zu verankern.
Mangelernährung im Alter stellt eine häufige und klinisch relevante Herausforderung dar, die mit erhöhter Morbidität, Mortalität und steigenden Gesundheitskosten verbunden ist. Aufgrund ihrer multifaktoriellen Ursachen erfordert eine effektive Prävention und Behandlung koordinierte interprofessionelle Ansätze. Ziel dieses Beitrags ist es, zentrale Rollen und Verantwortlichkeiten im interprofessionellen Team zu definieren, Kommunikationsstrukturen und Teamkultur zu analysieren sowie evidenzbasierte Versorgungsansätze darzustellen und konkrete, praxisorientierte Handlungsempfehlungen abzuleiten. Eine klare Aufgabenverteilung, strukturierte Kommunikationsprozesse und eine unterstützende Teamkultur sind essenziell für eine qualitativ hochwertige Ernährungsversorgung. Interprofessionelle Programme zum Management von Mangelernährung umfassen typischerweise systematisches Screening, standardisierte Assessments, frühzeitige Ernährungstherapie, kontinuierliches Monitoring sowie strukturierte Entlassungsplanung. Studien belegen, dass solche Ansätze sowohl die Versorgungsprozesse als auch klinische Outcomes verbessern und zusätzlich ökonomische Vorteile erzielen können. Schlussfolgernd ist eine nachhaltige Verbesserung der Ernährungsversorgung älterer Menschen nur durch eine institutionell verankerte, interprofessionelle Zusammenarbeit entlang der gesamten Versorgungskette erreichbar. Die Umsetzung erfordert verbindliche Strukturen, gezielte Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine konsequente Integration ernährungsbezogener Prozesse in die klinische Praxis.