
Abstrakt Für die Tragfähigkeit von vorgespannten Schraubenverbindungen ist eine zuverlässige Einbringung der Montagevorspannkraft essenziell. Die im deutschen Stahlbau vornehmlich eingesetzten HV‐Schraubengarnituren werden dazu drehend vorgespannt. Die hierbei verwendeten Schmierstoffsysteme auf Basis von Molybdändisulfid (MoS 2 ) können dabei empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren, welche unter Baustellenbedingungen jedoch nicht ausgeschlossen werden kann. Versuche zeigen deutlich veränderte Reibungszahlen bei der Montage unter Feuchtigkeitseinwirkung. Infolgedessen wird die k ‐Klasse K1 nicht mehr eingehalten und das Vorspannkraftniveau mit den vorgegebenen Anziehdrehmomenten nicht mehr erreicht. Im vorliegenden Beitrag werden systematische Reibwertuntersuchungen an HV‐Garnituren des Nenndurchmessers M16 im trockenen Zustand und unter Feuchtigkeitseinfluss vorgestellt. Hierfür wurden zwei MoS 2 ‐Grafit‐Kombinationen zur Schmierung entwickelt, wobei beide Varianten in trockener und nasser Umgebung die Anforderungen der k ‐Klasse K1 erfüllen. Der höhere Grafitanteil der Variante 1 führt im Wasser zu sinkenden Reibwerten und damit ggf. zum Plastifizieren im Montagezustand. Variante 2 mit reduziertem Grafitanteil hingegen zeigt kaum Unterschiede zwischen trockener und nasser Montage und hält die notwendigen Reibungszahlen ein. Am Beispiel der untersuchten Garnituren wird das Potenzial von kombinierten MoS 2 ‐Grafit‐Schmierstoffen für eine feuchteresistente Schmierung von HV‐Garnituren aufgezeigt.
Abstrakt Der letzte Teil dieser dreiteiligen Aufsatzserie widmet sich dem Thema Ermüdungsfestigkeit. Mit der Norm prEN 1993‐1‐14, gemeinsam mit der neuen Ausgabe der prEN 1993‐1‐9, erweitert sich das Spektrum der Ermüdungsnachweise beträchtlich. Die übliche Trias der spannungsbasierten Nachweise (Nenn‐, Struktur‐ und Kerbspannungskonzept) ist damit vollständig. In diesem Teil werden einige Fallstricke aus Praktikersicht behandelt und auch grundlegende unbeantwortete oder nur im konkreten Kontext behandelbare Probleme aufgezeigt, die sich aus der Anwendung der neuen Nachweisformate zusammen mit üblichen FEM‐Programmen ergeben. Zudem wird ein Resümee geliefert, wo die neue Normung hinsichtlich der Überarbeitung technisch sinnvoller Neuerungen für Ermüdungsnachweise aktuell steht bzw. wo noch Verbesserungspotenzial besteht. Schlussendlich soll lobend anerkannt werden, dass der Stahlbau mit der neuen Norm prEN 1993‐1‐14 im Bereich des Eurocode‐Programms führend ist.
Abstrakt Der Glas‐ und Fassadenbau befindet sich derzeit in einer Phase beschleunigten Wandels: Die europäische Energiekrise, verschärfte Anforderungen an die energetische Performance der Gebäudehülle sowie die Megatrends Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz wirken gleichzeitig auf Produkte, Fertigungsverfahren und Bemessungsmethoden. Der vorliegende Beitrag ordnet vier Entwicklungslinien ein, die den Glas‐ und Fassadenbau in den kommenden Jahren prägen werden. Erstens werden hochleistungsfähige Isolierverglasungen betrachtet – Vakuumisolierglas, Dreifach‐Isolierglas mit Dünnglas als Mittelscheibe sowie photovoltaikintegrierte Aufbauten – einschließlich ihrer konstruktiven Besonderheiten und des Stands der bauaufsichtlichen Regelung. Zweitens lassen sich durch neue Fertigungsverfahren – wie laserinduziertes Glasbiegen – strukturoptimierte Verglasungen effizienter herstellen. Drittens wird die zunehmende Verzahnung von Verarbeitungstechnik und Eigenschaftsgestaltung dargestellt. Viertens wird der Einsatz künstlicher Intelligenz entlang der Wirkungskette „Daten – Modell – Bemessung – Betrieb“ systematisiert. Abschließend werden die Technologien vergleichend bewertet und Perspektiven für zukünftige Anwendungen im Fassadenbau aufgezeigt.
Abstrakt Hohe Transparenz und schlanke Strukturen haben häufig einen teuren Preis. In der Tragwerksplanung werden für z. B. großflächig verglaste Fassaden komplexe und kostenintensive Konzepte erforderlich. Grund dafür ist, dass nach Normung der ansetzbare Widerstand von Glas auf flächige Einwirkungen und Eigengewicht beschränkt ist. Begründet wird dies durch das spröde Materialverhalten und das damit verbundene spontane Versagen ohne Ankündigung. Dabei zeigen Forschung und Praxis das Potenzial. Unter Beachtung werkstoffbezogener Randbedingungen und Sicherheitskonzepte kann beim Einsatz von Glas als Primärtragwerk die im Bauwesen geforderte Robustheit erreicht werden. Bislang sind Themen wie die Lasteinleitung in die Glaskante oder alternative Lastpfade nur über eine bauaufsichtliche Zulassung/Zustimmung zulässig, wodurch die Wirtschaftlichkeit und Projektlaufzeit beeinträchtigt werden. Gerade vor dem Hintergrund der immer stärker in den Fokus rückenden Beachtung einer nachhaltigen Bauweise bleibt der Ansatz des Tragverhaltens erstrebenswert. In diesem Beitrag werden die Forschung an der UniBw M und die daraus resultierende baupraktische Umsetzung zum Thema „Gebäudeaussteifung durch Glas“ vorgestellt. Dies umfasst Ergebnisse abgeschlossener Forschungsprojekte, abgeschlossene Projekte mit Einblicken in deren Genehmigungsprozess sowie einen Ausblick auf die aktuelle Forschung, im Zuge derer auf dem Campus der UniBw M ein HUF‐Haus auf einem „Rütteltisch“ errichtet wurde.