
Die Produktion von Gewehrschäften in Deutschland zwischen 1916 und den späten 1930er Jahren steht im Zentrum dieser Fallstudie. Sie lässt erkennen, wie Materialknappheit, industrielle Innovation und Rationalisierung die militärische Fertigung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten. Ur-sprünglich wurden Gewehrschäfte aufgrund ihrer überlegenen mechanischen Eigenschaften und guten Bearbeitbarkeit aus hochwertigem Nussbaumholz hergestellt. Der steigende Waffenbedarf während des Ersten Weltkriegs führte jedoch zu einer Verknappung dieser Ressource, sodass zunehmend auf Buchenholz zurückgegriffen wurde – ein leichter verfügbares, technisch jedoch unterlegenes Ersatzmaterial. In den 1930er Jahren führten Material-und Verfahrensinnovationen schließlich zur Entwicklung von Schichtholz, das durch Verleimen von Buchenfurnieren mit Phenolharz hergestellt wurde. Dieses technisch erzeugte Material verbesserte die Maßstabilität, mechanische Festigkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen erheblich und ermöglichte zugleich eine effizientere Massenproduktion, da auch Rohholz geringerer Qualität genutzt werden konnte. Der Übergang von Nussbaumholz über massives Buchenholz hin zu Schichtholz spiegelt eine gezielte Rationalisierung von Materialien und Pro-duktionsprozessen in der deutschen Rüstungsindustrie wider. Gewehrschäfte, die in Millionenstückzahlen gefertigt wurden und zugleich präzise handwerk-liche Arbeit erforderten, veranschaulichen die enge Verflechtung militärischer Anforderungen mit Materialwissenschaft und Produktionstechnik. Die Studie zeigt, dass Materialsubstitution nicht ausschließlich eine Reaktion auf Knapp-heit war, sondern Teil einer umfassenderen strategischen Verschiebung hin zu Effizienz und Standardisierung. Sie bietet Einblicke in Mechanismen des Ressourcenmanagements unter Bedingungen der Knappheit und verdeutlicht, wie eng technologische Entwicklungen mit ökonomischen und militärischen Imperativen verbunden waren.
In der globalen Luftfahrt bestand stets ein systeminhärentes Bedürfnis nach Optimierung. Hierzu zählten neben der ständigen Fortentwicklung von In-frastrukturen auch die Verbesserung der Maschinen selbst: z.B. mit Blick auf die Aerodynamik, die Antriebstechnik und nicht zuletzt auf die technische Ausrüstung des Cockpits. Effizienz spielte dabei immer eine Rolle. So sollte die Luftfahrt als System durch globale Regularien und Standards nicht nur möglichst sicher, sondern auch ökonomisch gestaltet werden. Im Fokus des Flugzeugbaus standen somit die Prädikate ‚safety‘ und ‚reliability‘; der Aspekt der ‚efficiency‘ ergänzte beides um die Kriterien ‚economy‘ und ‚profitability‘. Diese Gewichtung verschob sich jedoch im Zuge der 1970er und 1980er Jahre: Aus den ökonomischen und politischen Krisen und der Rivalität zwischen den Luftfahrtindustrien der USA und Europas entstand eine neue Gewichtung der Qualitätskriterien, die die Produkte der Hersteller für Luft- und später auch Raumfahrttechnik markt- bzw. konkurrenzfähig halten sollten. Effizienz wurde so sukzessive zu einem Prädikat, das maßgeblich dafür war, ob sich ein neu entwickeltes Flugzeug auf dem globalen Markt gegen Produkte der Konkurrenz durchsetzen konnte. Der Beitrag verfolgt das Ziel, den Stellenwert der Effizienz im Design von Maschinen der Hersteller Airbus und Boeing zu analysieren. Im Vordergrund steht die Frage, unter welchen Bedingungen sich aus dem ökonomischen und technischen Nutzen von Automatisierung ein ‚Technik-Imperativ‘ bzw. ‚Mantra der Effizienz‘ bilden konnte, ein Primat der Ökonomie in der zivilen Luftfahrt des Westens, dem der Mensch im Cockpit als ineffizienter Kostenfaktor untergeordnet wurde.
Im vorliegenden Text werden unterschiedliche gruppenspezifische Wertungen der ökonomischen Nutzung von Baumaterial nachgezeichnet. Als Beispiel dient die Frage der Verwendung von Stahl bei der Konstruktion von seriell gefertigten Wohnhäusern in den 1920er Jahren. Dabei handelte es sich um eine letztendlich gescheiterte Produktdiversifikation der Stahlindustrie, die deutschlandweit diskutiert wurde. Mittels der Diskursanalyse kann nachge-zeichnet werden, dass Befürworter und Gegner die ideale Vorstellung von Rationalität für ihre jeweilige Argumentation nutzten und ihre Vorstellungen in dieser Hinsicht unvereinbar waren. Dieser Dissens wird vor dem Hinter-grund der branchenspezifischen Genese dieser Vorstellungen untersucht und darüber hinaus zur Klärung der wiederholten Aufnahme von vergleichbaren Stahlhausprojekten herangezogen.
Der Beitrag widmet sich der Frage, inwieweit sich Museumsexponate als Quellen im Kontext geschichtswissenschaftlicher Forschung eignen und welche Fragestellungen sich mit ihnen gewinnbringend beantworten lassen, wenn man sie hinzuzieht. Die ausgewählten Objekte, zwei Amperemeter auf zwei Schalttafeln aus unterschiedlichen Zeithorizonten, werden hier aus zwei historischen Perspektiven betrachtet: der regional- und der technikhistorischen. Nach der Beschreibung der Objekte erfolgt so im darauf folgenden Teil aus der regionalhistorischen Perspektive und unter Hinzunahme weiterer Quellen eine Kontextualisierung des Umfelds der Tafeln. Der nächste Teil widmet sich potenziellen Aussagen bezüglich des gesellschaftlichen Diskurses rund um das Messen. Abschließend wird festgehalten, dass Objekte einerseits Hinweise auf fehlende Details geben und andererseits dabei helfen können, zeitgenössische Diskurse systematisch zu hinterfragen.
Der vorliegende Beitrag widmet sich aus einer bild- und medienwissenschaft- lichen Perspektive der Einführung und Implementierung des bildgebenden Verfahrens MRT (Magnetresonanztomographie) in die Diagnostische Radio- logie zwischen 1980 und 2015, die mit großen Hoffnungen zur Aufklärung von Gesundheit und Krankheit verbunden waren. Dabei verbildlicht die MRT den menschlichen Körper über hochkomplexe technische Mess- und Visualisierungsvorgänge, die in Bezug auf ein Technik- und Weltbild unter einer Herrschaft der Zahl in der Forschung reflektiert werden. Die These lautet, dass die Radiologie zwar in einer impliziten Bild- und Medientheo- rie die Potenzialität des Bildes, seine Mehrdeutigkeit und Unbestimmtheit, reflektiert, doch die Reflexion auf die Prämissen digitaler Bildgebung – und auf die Hoffnung von berechneter Eindeutigkeit oder statistisch begründeter Entscheidbarkeit – bisher ausgeblieben ist. Neben einer diskurshistorischen Aufarbeitung der impliziten Bild- und Medientheorie anhand von radiolo- gischen Artikeln zweier Fachzeitschriften, wird Dieter Merschs Vorschlag eines Blicks von der Seite durch die bildende Kunst auf die Medientechnik aufgegriffen. Indem nicht nur die radiologische Verwendung, sondern auch der künstlerische Einsatz der MRT in Timm Ulrichs’ Kunstwerk Reise zum Mittelpunkt des Ichs (1995–1997) diskutiert werden, offenbaren sich verschie- dene Arten der Verbildlichung sowie die medialen Dispositive und Strukturen der magnetresonanztomographischen Sichtbarmachung. Der Ansatz bietet durch die Reflexion auf MR-Bilder die Möglichkeit, disziplinenübergreifend ein Technik- und Weltbild algorithmischer Rationalität kritisch zu befragen.
Das heutige Deutsche Bergbau-Museum Bochum wurde 1930 als Technikmuseum, Lernort für die bergmännische Ausbildung und Schaufenster für die Bergbaubranche gegründet. Obwohl die technikhistorische Ausrichtung in der Außendarstellung stets betont wurde, hatte man bereits in den frühen 1930er Jahren damit begonnen, eine Kunstsammlung aufzubauen, die auch heute noch als einzigartig und bedeutsam gilt. Gründungsdirektor Heinrich Winkelmann erklärte zweieinhalb Jahrzehnte nach der Eröff nung des Hauses, dass die Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst unabdingbar gewesen sei, um technikgeschichtliche Zusammenhänge im Bergbau erklären zu können. Vor dem Hintergrund des kunsthistorischen Diskurses über die Themenfelder „Industrie“ und „Technik“ werden das Kunstverständnis des Gründungsdirektors und die damit verbundenen Funktionen, die Kunst in einem technikhistorischen Museum zu erfüllen hatte, analysiert. Im Anschluss werden die ikonografi schen Muster der gesammelten Werke herausgearbeitet, um abschließend die Bedeutung dieser Sammlung für die Technikvermittlung zu bewerten.
Biokunststoffe haben sich als ein Hoffnungsträger für nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen, erdölbasierten Kunststoffen etabliert. Biokunststoffe geben ein Nachhaltigkeitsversprechen, die Probleme von Kunststoffen – Abfallbelas- tung, Emissionen sowie Erdölabhängigkeit – technisch zu lösen. Das macht sie zu einem technological fix, der für schwierige Herausforderungen relativ einfache technische Lösungen empfiehlt, dabei jedoch die komplexe Wirklich- keit außer Acht zu lassen droht. Der Beitrag zeigt empirisch, dass die Enttäu- schungen der Biokunststoffe nicht nur technische Ursachen haben, sondern auch aus vernachlässigten gesellschaftlichen, sozialen, ökonomischen oder ökologischen Faktoren resultieren. Diese reichen von materiellen Eigenschaften der frühen Biokunststoffe, Monokulturen und Flächenkonkurrenz nachwach- sender Rohstoffnutzung bis zu ihrer ökonomischen Wettbewerbsfähigkeit. Aus technischem Nachhaltigkeitsversprechen und enttäuschten Erwartungen der Biokunststoffe wird deutlich: Ein technological fix scheitert, denn er ist an die Pfadabhängigkeiten fossiler Kunststoffe gebunden. Ohne soziale Innovationen der gesellschaftlichen Kunststoffnutzung sind diese Pfade kaum zu verlassen.
Die Zeitschrift Technikgeschichte behandelt das Thema „Täuschung und Illu- sion“ in Kooperation mit dem Jahrbuch Technikphilosophie (jtphil.nomos.de). Zu diesem Themenfeld erscheinen sowohl im Jahrbuch Technikphilosophie 2025 als auch im vorliegenden Heft Beiträge, um das Thema komplementär aus philosophischer und historischer Perspektive zu betrachten. Die Auswahl und Begutachtung der Aufsätze erfolgte unabhängig voneinander in jeweiliger Verantwortung der Zeitschrift Technikgeschichte und des Jahrbuchs Technik- philosophie. Aus diesem interdisziplinären Dialog zwischen Technikgeschichte und Technikphilosophie erwarten wir neue und produktive Einsichten. Auch zukünftig ist geplant, einzelne Themenhefte in Verbindung mit dem Jahrbuch Technikphilosophie herauszugeben.
Der Beitrag untersucht die Interaktionen zwischen Landschaftsimaginatio- nen und Rekultivierungspraktiken am Beispiel des Senftenberger Sees, der in den 1970er Jahren, der Hochzeit der DDR-Umweltpolitik, entstand und sowohl als das Rekultivierungsrenommierprojekt der DDR gilt, als auch zur ‚sozialistischen Erholungslandschaft‘ par excellence wurde. Während die Planungsgeschichte des Senftenberger Sees bereits gut erforscht ist, gilt dies weniger für die Rekultivierungs- und Gestaltungspraxis des Sees, die im Zentrum der Ausführungen steht. ‚Landschaft Gestalten‘ verwandelte sich, so unsere Kernthese, von einer ursprünglichen Imagination der Braunkoh- lenfolgelandschaft seit den 1960er Jahren zu einem technisch bestimmten Modus, der wiederum auf Forschungsergebnissen aus unterschiedlichen Wissensgebieten beruhte. Hiermit ging, wie zu zeigen ist, die Entwicklung einer neuen Begrifflichkeit, insbesondere mit Blick auf den Abraum, also das ehemalige Deckgebirge der Braunkohlen, einher, die u.a. die Bodengüte der aufzutragenden Abraumschichten technisch pragmatisch festlegte.
Am Beispiel der Diskussionen um die Einrichtung eines Nationalparks in der Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz nimmt der Beitrag das spezifische Verhältnis der DDR zu Natur und Umwelt in den Blick. So entwickelten sich nach dem politischen und gesellschaftlichen Neuanfang nach 1945 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone neue Impulse für den Umgang mit der Natur, beinhaltete doch schon das Versprechen des Aufbaus des Sozialis- mus einen vermeintlich besseren Umgang mit ihr. Anhand des Fallbeispiels ‚Sächsische Schweiz‘ wird dabei gezeigt, wie verschiedenste Akteure – u.a. Funktionäre des Bezirks Dresden und der involvierten Kreise, aber auch Landschaftsplaner, Wissenschaftler und Heimat- und Naturschützer – sich seit den 1950er Jahren der Neugestaltung dieser Landschaft widmeten und darüber diskutierten, wie Natur ‚gemacht‘ werden könnte. Statt einer rein konservierenden ‚Museumslandschaft‘, ging es den Akteuren dabei um die aktive Formung der Natur im Sinne der sozialistischen Plangesellschaft. Propagiertes Ziel war eine Ideallandschaft, in der wirtschaftliche Interessen, Naturschutz und Tourismus in harmonischer Beziehung zueinanderstanden.
Baggerseen waren und sind zentrale Orte der technischen Herstellung von Natur als Natur. Dieser Aufsatz lenkt den Blick auf Praktiken der Rekultivierung und späterer Renaturierung von Sand- sowie Kiesgruben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und fragt nach den sich wandelnden Grenzen von Natur, Technik und Gesellschaft. In den Blick gerät dafür eine Kiesgrube bei Hannover, die ansässige Naturschutzinstitutionen als „Freilandlabor“ für Versuchszwecke nutzten. Der Beitrag argumentiert, dass sich die Grenze von Natur und Technik im Naturschutz und in der Landschaftsplanung der 1960er Jahre mehr und mehr auflöste. Im Zuge der weiteren Technisierung und Verwissenschaftlichung von Natur ab den 1970er Jahren und der nun am Baggersee betriebenen Biotopgestaltung kam die Natur jedoch, so die zentrale These, in doppelter Form zurück: Erstens als Lebenserhaltungssystem im Begriff der Biosphäre, die durch stete technische Intervention zu optimieren war; zweitens als möglichst sich selbst überlassene Natur, die erst in dieser Form wieder Natur werden konnte. Insofern führte die Technisierung der Natur nicht, wie häufig behauptet, zu ihrem Ende, sondern hatte vielmehr einen paradoxen Effekt: ihre (Re-)Ontologisierung.
An der Schwelle zum 20. Jahrhundert erreichten die fortschreitenden Indus- trialisierungs- und Modernisierungsprozesse auf unterschiedlichen Gebieten – Ingenieurwesen, Ernährung, Gesundheit und Unterhaltung – große Teile der Welt. Die Ankunft, Präsenz und Vermarktung von Produkten des techni- schen und technologischen Progresses in den genannten Gebieten erfolgten vorwiegend via Presse und Werbung, dabei in unterschiedlichen Regionen in unterschiedlicher Form, Intensität und Qualität. Auch im späten Russländischen Imperium eröffnete Werbung den Weg in die Moderne in einem nicht weniger bedeutenden Ausmaß als die anderen Kommunikations- und Transfermittel in der Epoche der Hochindustrialisierung wie die Eisenbahn, die Dampfschiffe, der Telegraph und das Telefon. Für die einen präsentierte die Werbung inno- vative Produkte und für die anderen illusionistische Werte einer rasanten Zeit. Am Beispiel der Werbung wird zum einen nach den vermittelten Innovati- onen des technischen und technologischen Fortschritts sowie deren Botschaf- ten und zum anderen nach der Rezeption der Werbung und der beworbenen Produkte im transregionalen Vergleich gefragt werden. Inwiefern prägten die Werbung sowie die als Innovationen gepriesenen Güter das Bild der Städte und das Leben lokaler Gesellschaften? Welche Werbungen und Produkte sorgten für Bewunderung oder für Kritik oder wurden mit illusionistischen Zwecken und Werten verbunden?