Hintergrund Affektive und psychotische Störungen beginnen häufig im Jugend- und jungen Erwachsenenalter. Die Früherkennung und die frühzeitige Behandlung von Menschen mit psychischen Störungen (insbesondere mit affektiven und psychotischen Störungen) können hierbei entscheidend zur Begünstigung der Störungsverläufe und Behandlungsergebnisse beitragen. Um den Übergang von der Früherkennung zu einer evidenzbasierten, integrierten und setting-übergreifenden Behandlung zu schaffen, braucht es eine konzeptionelle Weiterentwicklung und engere Vernetzung ambulanter, tagesklinischer und stationärer Versorgungsangebote – insbesondere im Übergang zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Erwachsenenpsychiatrie. Methodik Ziel des Beitrags ist es, die Versorgungsangebote des Tracks „Junge Menschen“ am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden als ein mögliches Best-Practice-Beispielen vorzustellen. Thematisiert werden dabei etablierte Arbeitsabläufe, Teamstruktur sowie Art und Frequenz der Interventionen. Ergänzend werden deskriptive Daten aller Hilfesuchenden am Früherkennungs- und Frühinterventionszentrum zwischen Mai 2018 und Oktober 2025 sowie der tagesklinisch Behandelten zwischen Dezember 2019 und Dezember 2024 analysiert. Ergebnisse Die Versorgung erfolgt entlang eines gestuften Pfades – ausgehend von einer ersten allgemeinen, niedrigschwelligen Anlaufstelle über die spezialisierte Früherkennung affektiver und psychotischer Störungen bis hin zur gezielten Weiterleitung in etablierte ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlungsangebote für junge Menschen. Von Mai 2018 bis Oktober 2025 wurden 859 junge Menschen im Früherkennungs- und Frühinterventionszentrum erstvorstellig (52,5% weiblich; Durchschnittsalter: 24 Jahre). 31,4% erfüllten nicht die Kriterien für eine psychische Störung, 35,4% erfüllten die Kriterien für eine, 20,6% für zwei und 12,6% für mindestens drei Diagnosen. N = 63 erfüllten Risikokriterien für eine sich entwickelnde bipolare Störung, n = 77 für eine sich entwickelnde Psychose. In der ambulanten Versorgung wurden über 100 junge Menschen behandelt. Die Tagesklinik behandelte N = 283 Patient*innen (Durchschnittsdauer: 7 Wochen) mit hoher Therapieakzeptanz und signifikanten Verbesserungen in Symptomlast, Selbstmanagement und Lebensqualität. Erste Schritte zur Einrichtung eines spezialisierten stationären Behandlungsangebotes für junge Menschen erfolgen aktuell mit der Belegung von sechs Betten für junge Menschen, was eine kontinuierliche Versorgung auch bei erhöhter Behandlungsbedürftigkeit ermöglicht. Diskussion und Schlussfolgerung Die dargestellten Angebote des Tracks „Junge Menschen“ am Universitätsklinikum Dresden überbrücken mögliche Versorgungslücken im Übergang von der Jugend- zur Erwachsenenpsychiatrie. Durch niedrigschwellige Früherkennung, risikoadaptierte, kontinuierliche und setting-übergreifende Versorgung werden junge Menschen mit und ohne Behandlungsvorerfahrungen gezielt unterstützt. Die auf ihre Entwicklungsaufgaben abgestimmte Behandlung fördert u.a. Prozesse der Nachreifung, der beruflichen Orientierung und der schrittweisen Erlangung von Selbstständigkeit. Die enge Verzahnung mit Forschung sichert die kontinuierliche evidenzbasierte Weiterentwicklung des integrativen und patientenzentrierten Versorgungskonzepts, das als ein mögliches Best-Practice-Beispielen in Deutschland einen entscheidenden Schritt hin zu einem effektiven und personenzentrierten Versorgungssystem für junge Menschen mit affektiven und psychotischen Störungen darstellen kann.
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