
Der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel in der Intensiv- und Anästhesiepflege stellt Einrichtungen vor erhebliche strukturelle und organisationale Herausforderungen. Arbeitsbedingungen, Qualifikationsstrukturen und organisationale Rahmenbedingungen haben dabei zentrale Bedeutung. Trotz zahlreicher Einzelberichte fehlen bislang systematische bundesweite Daten zu Leitungs‑, Team- und Qualifikationsstrukturen in diesen Fachbereichen. Primäres Ziel der bundesweiten Querschnitterhebung war die Erfassung der aktuellen Situation der Pflegeentwicklung in der Intensiv- und Anästhesiepflege in Deutschland. Sekundäres Ziel war u. a., Leitungs‑, Team- und Organisationsstrukturen sowie Strukturen der Aus‑, Fort- und Weiterbildung zu erfassen. Quantitative Online-Querschnittbefragung leitender Personen in der Intensiv- und Anästhesiepflege in Krankenhäusern der Bundesrepublik Deutschland mit 44 Items, die in professionelle Netzwerke versendet wurde. Die Datenanalyse erfolgte deskriptiv und bivariat. Von 749 Teilnehmenden konnten 550 Datensätze (73,4
Anatomical and physiological changes often observed in obese patients increase the risk of difficult tracheal intubation (DTI). In this study, we explored the potential of video-assisted laryngoscopy to prospectively predict DTI in obese patients. Patients scheduled for general anesthesia with a body mass index (BMI) higher than 30 were included in the study. The El-Ganzouri risk index (EGRI) was calculated during routine preoperative bedside evaluations. An EGRI of ≥ 4 was considered indicative of DTI. Following the application of a local anesthetic agent to the airway, the percentage of glottic opening (POGO) score was obtained using preoperative video laryngoscopy. In the POGO score, visibility of 50
Postpartum hemorrhage (PPH) remains a clinically significant cause of maternal complications and death. Due to the increasing incidence, international recommendations have been implemented, such as the D‑A-CH algorithm, an interdisciplinary and transnational treatment algorithm for Germany, Austria and Switzerland. This study aims to evaluate both the impact of implementing a hemostaseology working group and adopting the internationally recognized D‑A-CH algorithm on the clinical management of PPH in a university hospital. In this single-center retrospective observational study, patient records were reviewed from all patients treated for PPH between March 2003 and July 2021 at the University Hospital Ulm, Germany (n = 341). Data were divided into three groups: (I) patients treated before the implementation of a working group for hemostaseology (n = 40), (II) patients treated after the implementation of a working group for hemostaseology and before the clinical application of the D‑A-CH-algorithm (n = 103) and (III) patients treated after the clinical application of the D‑A-CH algorithm (n = 198). After the implementation of the D‑A-CH-algorithm, a significantly higher amount of fibrinogen (2.0 g, interquartile range, IQR, 0.0–3.0 g in group III vs. 0.0 g, IQR 0.0–2.0 g in group II and 0.0 g, IQR 0.0–0.0 g in group I ; p < 0.0001) and tranexamic acid (1.0 g, IQR 1.0–1.5 g in group III vs. 1.0 g, IQR 0.0–1.0 g in group II and 0.0 g, IQR 0.0–0.0 g in group I; p < 0.0001) was administered. Additionally, transfusion of allogeneic blood products (units of concentrated red cells: 2.0, IQR 0.0–4.0 in group III vs. 3.0, IQR 2.0–5.0 in group II and 3.0, IQR 0.0–7.8 in group I; p = 0.0036), intensive care unit (ICU) stay (3.0 days, IQR 2.0–4.0 days in group III vs. 3.0 days, IQR 2.0–5.0 days in group II and 3.0 days, IQR 2.0–4.3 days in group I; p = 0.0195) and hospital stay (5.0 days, IQR 3.0–7.0 days in group III vs. 7.0 days, IQR 5.0–9.0 days in group II and 7.0 days, IQR 5.0–9.0 days in group I; p < 0.0001) was significantly reduced. Implementation of a hemostaseology working group alone was only associated with increased fibrinogen and tranexamic acid administration. In this retrospective study, application of the D‑A-CH algorithm was associated with improved targeted hemostatic therapy and reduced transfusion requirements as well as shorter ICU and hospital stays, whereas implementation of a hemostaseology working group alone was only associated with increased fibrinogen and tranexamic acid administration. Due to the retrospective design of the study and inherent limitations therein, we were unable to draw a causative effect relationship. Nonetheless, our results warrant further study.
Interprofessionelle Lehrveranstaltungen werden generell als sinnvoll erachtet, sind aber bisher selten curriculare Formate in der medizinischen Ausbildung. Ziele dieser Pilotstudie waren es zu erfassen, ob die neu geplante Lehrveranstaltung „interprofessionelle Spätschicht“ die Einstellung der Studierenden in Bezug auf interprofessionelles Arbeiten verbessert, und ob dies nochmals durch eine kurze Intervention zu Veranstaltungsbeginn optimiert werden kann. Die quantitative Begleitung sah vor, dass Studierende vor und nach der Veranstaltung die Fragebogen „International Socialization and Valuing Scale – 9“ (ISVS-9), „University of the West of England Interprofessional Questionnaire German“ (UWE-IP-D) (nur Dimension „Kommunikation und Teamarbeit“) sowie die Skala zur allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) ausfüllten. Zudem erfolgte eine kurze Einschätzung der Persönlichkeit vor der Veranstaltung mittels des Big Five Inventory-10. Diese Pilotstudie wurde über zwei Semester durchgeführt. Die Fragebögen lagen von 30 Studierenden vor. Die ISVS-9-Summenwerte stiegen in beiden Gruppen an (p = 0,011). Ein signifikanter Unterschied im Anstieg zwischen Interventions- und Kontrollgruppe konnte allerdings nicht festgestellt werden (p = 0,98). Die UWE-Summenwerte gingen signifikant zurück (p = 0,002), was eine Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten bedeutet. Die Analyse zum Einfluss der Persönlichkeit zeigte einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Anstieg von Selbstwirksamkeit, Neurotizismus (p = 0,018) sowie Verträglichkeit (p = 0,044). Die Ergebnisse der Pilotstudie machen deutlich, dass die neu geplante Lehrveranstaltung „interprofessionelle Spätschicht“ ein wirkungsvolles Instrument sein könnte, die Wertschätzung interprofessioneller Zusammenarbeit von Medizinstudierenden zu stärken. Allerdings konnte die Wertschätzung durch eine kurze Schulung zu Beginn nicht zusätzlich verbessert werden.
Postoperative delirium (POD) is a common and serious complication. Electroencephalography (EEG)-guided anesthesia has been proposed as a method to minimize excessive depth of anesthesia and potentially reduce the incidence of POD. This study was conducted to evaluate the effect of EEG-guided anesthesia on POD incidence. To identify relevant trials a comprehensive search across several electronic databases was performed. The primary outcome was the incidence of POD, while secondary outcomes included duration of EEG suppression and postoperative cognitive dysfunction (POCD) at 1 week and between 1 and 3 months postoperatively. Pooled relative risk (RR) and standardized mean difference (SMD) were calculated. A total of 18 studies were included in the analysis. The results showed that EEG-guided anesthesia significantly lowered the incidence of POD (RR: 0.77, 95
Der fokussierte kardiale Ultraschall (FOCUS) ist eine zielgerichtete Point-of-Care-Echokardiographie zur raschen Beurteilung kardialer Funktion und Morphologie und ist in Notfall- und Intensivmedizin etabliert. Die Studie untersuchte Ausbildungsstand, Supervision und klinische Anwendung von FOCUS durch AnästhesistInnen in Deutschland sowie deren Zusammenhang mit der subjektiven Sicherheit bei der Durchführung von FOCUS. Anonymisierte digitale Querschnittstudie unter ärztlichen DGAI-Mitgliedern mittels standardisiertem Fragebogen zu beruflichen Angaben, Kursausbildung, Supervision, klinischer Integration und Selbsteinschätzung praktischer FOCUS-Fertigkeiten. Insgesamt wurden 469 Rückmeldungen analysiert. Über 80
Die Autoren der nationalen wie auch der internationalen Sepsis-Leitlinien stellen es frei, ob im septischen Schock Hydrokortison durch Fludrokortison ergänzt werden soll oder nicht. Ziel dieser Übersicht ist es, die Datenlage und den Hintergrund der Kombinationstherapie von Hydrokortison und Fludrokortison im Vergleich zur alleinigen Hydrokortison-Gabe bzw. zur Standardtherapie beim septischen Schock darzustellen und zu diskutieren. Neben Ergebnissen klinischer Studien und Metaanalysen werden Argumente für oder gegen die additive Gabe von Fludrokortison diskutiert sowie der pathophysiologische Hintergrund erläutert. Abschließend werden klinisch relevante Hinweise zur praktischen Anwendung von Steroiden bei Sepsis gegeben.
Der Themenkomplex Muskelrelaxierung ist eine der spezifischsten Domänen der Anästhesiologie. Sowohl das Zusammenspiel zwischen der Physiologie der motorischen Endplatte und der Pharmakologie verabreichter Substanzen als auch die Eindrücklichkeit der unmittelbar nach der Injektion einsetzenden Effekte erklären die Faszination dieser Kernkompetenz anästhesiologischer Tätigkeit. Pharmakologisches Wissen, insbesondere zu Pharmakodynamik und -kinetik der verabreichten Medikamente, sowie Expertise bezüglich der Monitoringverfahren sind weiterhin essenzielle Voraussetzungen der sicheren Verwendung von Muskelrelaxanzien und ihren Antagonisten. Der vorliegende Weiterbildungsartikel fasst das Basiswissen der Muskelrelaxierung und des neuromuskulären Monitorings mit klinischem Fokus zusammen. Basierend auf aktuellen Forschungserkenntnissen sowie Leitlinienempfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften wird eine mögliche Vorgehensweise für die klinische Praxis aufgezeigt.
Feedback stellt einen der größten Stimuli für einen effektiven Lernfortschritt dar. Dennoch erhalten Weiterbildungsassistent:innen (WBA) in der klinischen Ausbildung zu wenig davon. Aktuell verpflichtende Weiterbildungsgespräche (WBG) werden unter den WBA als unzureichend wahrgenommen. Um klinisches Feedback häufiger verfügbar zu machen, wurden 2018 in der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) strukturierte, klinische Feedbackgespräche (FBG) in der Weiterbildung begleitend zu den klinischen Arbeitsplatzrotationen eingeführt. Der Effekt der Einführung dieser FBG wurde evaluiert, in dem vorher und nachher unter den WBA eine Umfrage zu Feedback in der Klinik und allgemeiner Zufriedenheit am Arbeitsplatz durchgeführt wurde. Initial beurteilten 64
Ziel des vorgestellten Konsensus-Statements war es, evidenzbasierte Empfehlungen zur perioperativen Nüchternheit zu entwickeln, die dem weltweit wachsenden Bewusstsein für die negativen Auswirkungen verlängerter präoperativer Karenzzeiten – insbesondere für klare Flüssigkeiten – Rechnung tragen. Auf Grundlage einer systematischen Literaturrecherche wurden 13 vorläufige Empfehlungen zur perioperativen Nüchternheit entwickelt. Von diesen wurden nach Überarbeitung in einem dreistufigen Delphi-Prozess durch ein internationales, multidisziplinäres Gremium 8 Empfehlungen konsentiert. Insgesamt nahmen 68 Vertreter:innen verschiedener Interessengruppen – darunter Patient:innen, Anästhesist:innen, Chirurg:innen, Ärzt:innen weiterer Fachrichtungen, Pflegekräfte sowie Mitglieder:innen relevanter internationaler Organisationen – aus 5 Kontinenten teil. Das Konsensus-Statement bestätigt im Wesentlichen die Empfehlungen früherer Leitlinien zu nichtklaren Flüssigkeiten, fester Nahrung, Kaugummi und postoperativer oraler Nahrungsaufnahme. Hinsichtlich klarer Flüssigkeiten spiegelt es jedoch ein grundlegendes Umdenken hin zu liberaleren Flüssigkeitsregimen wider. Es wird empfohlen, institutionelle Protokolle zur Verkürzung der Flüssigkeitskarenzzeiten zu implementieren. Diese können entweder eine feste Mindestkarenzzeit von 2 h vor dem Eingriff vorsehen oder das Trinken klarer Flüssigkeiten bis zum Abruf in den OP erlauben. Diese internationale, multidisziplinäre Konsenserklärung zielt darauf ab, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern, indem präoperative Nüchternheitszeiten innerhalb sicherer Grenzen minimiert werden. Die Umsetzung liberalisierter präoperativer Flüssigkeitsempfehlungen durch klar definierte institutionelle Protokolle stellt hierfür einen zentralen Ansatz dar.
Schwerbrandverletzte Patienten stellen aufgrund komplexer lokaler und systemischer pathophysiologischer Reaktionen eine anästhesiologische Herausforderung dar. Der vorliegende Übersichtsartikel gibt einen Überblick über den aktuellen Wissensstand und die aktuellen Handlungsempfehlungen für das anästhesiologische Management von erwachsenen Schwerbrandverletzten. Die Empfehlungen im vorliegenden Artikel basieren auf der im September 2025 überarbeiteten S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen“ sowie den Expertenmeinungen der Mitglieder des Arbeitskreises Intensivmedizin der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin (DGV). Die anästhesiologische Versorgung von Schwerbrandverletzten stellt sowohl fachlich als auch kommunikativ eine Herausforderung dar. Schwerpunkte liegen vor allem auf dem Volumen‑, Wärme‑, Atemwegs- und Transfusionsmanagement. Eine eng abgestimmte und vorausschauende interdisziplinäre Zusammenarbeit stellt hierbei einen zentralen Erfolgsfaktor des perioperativen Managements dar.
Die anästhesiologische Versorgung von Kindern stellt besondere Anforderungen an die Kenntnisse und Kompetenzen der betreuenden Anästhesist:innen. In Deutschland existiert derzeit keine strukturierte Weiterbildung in diesem Bereich. Im Rahmen eines Konsensusverfahrens wurde ein Curriculum für ein Fellowship-Programm in der Kinderanästhesiologie entwickelt. Aufbauend auf der anästhesiologischen Facharztweiterbildung soll dieses Programm spezifische Kenntnisse und Kompetenzen für die Versorgung von Kindern vermitteln. Die definierten Abschlussfertigkeiten wurden in Basis- und erweiterte Fertigkeiten unterteilt. Basisfertigkeiten werden an allen Fellowship-Standorten vermittelt, während die Vermittlung der erweiterten Fertigkeiten von den strukturellen Voraussetzungen der Zentren abhängt. Ergänzend zum klinischen Kompetenzerwerb umfasst das Fellowship verpflichtende Zusatzbausteine wie eine qualitätsverbessernde Projektarbeit, Fortbildungen, zertifizierte Kindernotfallkurse und Webinare. Der Kompetenzfortschritt der Fellows wird durch regelmäßige, standardisierte Evaluationsgespräche begleitet und im Rahmen einer strukturierten Evaluation dokumentiert. Das „Fellowship Kinderanästhesiologie“ ist ein kompetenzbasiertes, curricular aufgebautes Weiterbildungsprogramm. Aufbauend auf der anästhesiologischen Facharztweiterbildung soll es dazu beitragen, die Patientensicherheit und Versorgungsqualität in der anästhesiologischen Versorgung von Kindern nachhaltig zu verbessern.