
Außergewöhnliche Belastungssituationen stellen chirurgische Teams vor mindestens zwei Herausforderungen: Sie müssen fachliche Entscheidungen unter Zeitdruck treffen und zugleich Kommunikation, Führung und Situationsbewusstsein aufrechterhalten. Besonders im Schockraum, bei intraoperativen Krisen, Massenanfällen von Verletzten, militärischen Einsätzen und ressourcenarmen Umgebungen entstehen Risiken durch Stress, kognitive Einengung, Rollenunklarheit und gestörte Teamkoordination. Die Literatur beschreibt chirurgisch-operative Fähigkeiten, Simulationstraining, strukturiertes Debriefing und Resilienzprogramme als relevante Bausteine zur Steigerung belastbarer Teamleistung. Dieser Beitrag fasst didaktische Konzepte, Bewertungsinstrumente und Trainingsansätze zusammen. Ein longitudinales Curriculum sollte chirurgische Prozeduren, Teamkommunikation, Krisenführung und Stressregulation gemeinsam trainieren. Geeignet sind wiederholte, interprofessionelle Szenarien mit realitätsnahen Stressoren, klaren Lernzielen und validiertem Feedback. Resilienz wird dabei als individuelle, teambezogene und organisationale Fähigkeit verstanden.
Massenanfälle von Verletzten stellen Krankenhäuser vor erhebliche medizinische und organisatorische Herausforderungen. Charakteristisch sind eine hohe Zahl gleichzeitig eintreffender Patienten, limitierte personelle und materielle Ressourcen sowie zeitkritische Entscheidungen. Aus viszeralchirurgischer Sicht sind abdominale Verletzungen mit Blutung, Kontamination und Mehrorganbeteiligung, die eine schnelle chirurgische Versorgung und enge interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern, besonders relevant. Diese Verletzungsmuster finden sich typischerweise im Rahmen aktueller Terrorlagen, von Konflikten und Kriegen und sind dadurch Grundlage der Vorbereitungen für die Landes- und Bündnisverteidigung. Es erfolgt die Darstellung der fachlichen, ethischen, organisatorischen und strukturellen Anforderungen an die viszeralchirurgische Versorgung im Rahmen eines Massenanfalls von Verletzten. Aus einer strukturierten Literaturanalyse wurde eine narrative Übersicht zu Katastrophenmedizin, chirurgischer Triage, Damage Control Surgery sowie organisatorischen Aspekten der chirurgischen Krisenversorgung erstellt. Zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Versorgung sind eine konsequente und lageangepasste chirurgische Triage, ein Damage-Control-orientiertes operatives Vorgehen, belastbare klinische Strukturen sowie transparente medizinethische Entscheidungsprozesse. Darüber hinaus sind standardisierte Führungs- und Kommunikationsstrukturen, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie regelmäßige realitätsnahe Übungen essenziell. Die (viszeral)chirurgische Versorgung im Massenanfall bzw. einer Belastungssituation über einen unbestimmten Zeitraum bei Konflikt oder Krieg erfordert neben operativer Expertise insbesondere Krisenkompetenz, organisatorische Resilienz und strukturierte Entscheidungsprozesse. Eine systematische Vorbereitung mit standardisierten Konzepten und Übungen ist entscheidend für eine belastbare chirurgische Krisenversorgung.
Die endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) stellt bei Patienten nach Roux-en-Y-Magenbypass oder Omega-Loop-Rekonstruktion aufgrund der veränderten gastrointestinalen Anatomie eine technische Herausforderung dar. Gleichzeitig besteht bei dieser Patientengruppe nach bariatrischer Chirurgie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Cholelithiasis und Choledocholithiasis, wodurch häufig interventionelle biliäre Therapien erforderlich werden. In dieser retrospektiven Single-Center-Studie wurden Patienten analysiert, die zwischen Oktober 2018 und April 2025 aufgrund einer Choledocholithiasis nach bariatrischer Chirurgie mittels laparoskopisch assistierter transgastraler ERCP (LA-ERCP) behandelt wurden. Sechs Patienten mit vorausgegangenem Roux-en-Y-Magenbypass oder Omega-Loop-Rekonstruktion unterzogen sich insgesamt 7 LA-ERCP-Eingriffen. Erfasst wurden klinische Charakteristika, der technische und therapeutische Erfolg, die Operationsdauer sowie postoperative Komplikationen. In allen Fällen konnten eine erfolgreiche Papillotomie sowie eine vollständige Steinsanierung der Gallenwege erreicht werden. In 3 Eingriffen erfolgte gleichzeitig eine laparoskopische Cholezystektomie. Eine Konversion zur offenen Operation war in keinem Fall erforderlich. Die mittlere Operationsdauer betrug 156 ± 29,6 min. Postoperative Komplikationen traten in 2 Fällen auf und konnten konservativ bzw. endoskopisch behandelt werden. Die mediane Krankenhausverweildauer betrug 5 Tage. Die laparoskopisch assistierte transgastrale ERCP stellt eine sichere und effektive Behandlungsoption für Patienten mit Choledocholithiasis nach bariatrischer Chirurgie dar. Obwohl das Verfahren invasiver ist als rein endoskopische Alternativen, zeichnet es sich durch hohe technische Erfolgsraten aus und ermöglicht die Verwendung standardisierter ERCP-Instrumente. Insbesondere bei gleichzeitiger Indikation zur Cholezystektomie bietet die LA-ERCP einen entscheidenden therapeutischen Vorteil.
Die strukturierte Implementierung von Fast-Track oder Enhanced-Recovery-After-Surgery-Konzepten (ERAS) bei elektiven kolorektalen Resektionen geht in deutschen Kliniken mit Vorteilen für die Patient:innen einher. Längerfristige Erfahrungen zur kontinuierlichen Fast-Track-Behandlung im klinischen Alltag deutscher Kliniken liegen aber bislang nicht vor. Im vorliegenden Manuskript werden die Erfahrungen von 11 Kliniken mit bis zu 4 Jahren Fast-Track-Anwendung zusammengefasst. Prospektiv erhobene Daten, die während und nach der Umsetzung eines strukturierten Fast-Track-Programms erfasst wurden, wurden analysiert. Eingeschlossen wurden alle Patient:innen ≥ 18 Jahre, die sich einer elektiven kolorektalen Resektion unterziehen mussten und ihr Einverständnis gegeben hatten. Endpunkte waren die Fast-Track-Adhärenz, postoperative Komplikationen, funktionelle Erholung, postoperative Krankenhausverweildauer und Häufigkeit eines Lehrbuchergebnisses. Bei 1751 (48,3
Glomus-caroticum-Tumoren (GCT) sind seltene, meist benigne Paragangliome, deren klinische Relevanz aus ihrer komplexen anatomischen Lagebeziehung zu Gefäßen und Hirnnerven resultiert. Ihre heterogene klinische Präsentation, mögliche hormonelle Aktivität und genetische Assoziationen erfordern eine differenzierte Diagnostik und Therapie, die aufgrund der Seltenheit häufig nicht bekannt sind. Im Folgenden werden die diagnostischen und therapeutischen Besonderheiten sowie aktuelle evidenzbasierte Managementstrategien dargestellt, um einen praxisnahen Leitfaden für den klinischen Alltag zu bieten.
Der Deutsche Chirurgie Kongress (DCK) stellt eine zentrale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung der chirurgischen Fächer in Deutschland dar. Gleichzeitig wird eine im Verhältnis zur Zielgruppe geringe Teilnahme junger Chirurg:innen beobachtet. Die Arbeit untersucht Erwartungen, Teilnahmehürden und Verbesserungspotenziale des DCK aus Sicht junger Chirurg:innen. Es wurde eine anonyme, webbasierte Querschnittsumfrage unter jungen Chirurg:innen in Deutschland durchgeführt. Der Fragebogen umfasste soziodemografische Angaben, Kongresserfahrung, Teilnahmehürden, Erwartungen an Inhalte und Formate sowie Fragen zur allgemeinen Wahrnehmung des DCK. Die erfassten quantitativen und qualitativen Daten wurden explorativ ausgewertet. Insgesamt wurden 226 Fragebögen ausgewertet. Eine grundsätzliche Teilnahmebereitschaft bestand bei 90,3
Die Krankenhauszentralisierung und die Implementierung von Mindestmengen sind zentrale Aspekte der gegenwärtigen Gesundheitspolitik, die die medizinische Versorgung beeinflussen und auch Auswirkungen auf die Versorgung im Fall von Komplikationen haben. Die vorliegende Fallstudie arbeitet auf, welche Ressourcen an einem tertiären Zentrum für die Behandlung von extern komplikativ verlaufenden Fällen erforderlich sind. In die prospektive Single-Center-Studie wurden Patient:innen (Pat.) eingeschlossen, die im Zeitraum vom 01.01.2023 bis zum 31.12.2024 extern eine komplikative Operation, Intervention oder Diagnostik im Bereich des oberen Gastrointestinaltraktes erhielten und anschließend in der Klinik und Poliklinik für Allgemein‑, Viszeral‑, Thorax- und Transplantationschirurgie der Uniklinik Köln weiterbehandelt wurden. In unserem Zentrum wurden 39 Pat. (männlich: 38,5
Die Peritonealkarzinose (PC) hat nach wie vor eine ungünstige Prognose. Für einige Patienten bietet die zytoreduktive Chirurgie (CRS) mit hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC) jedoch einen kurativen Ansatz, sofern eine komplette Zytoreduktion (CCR) erreichbar ist. Zur Selektion geeigneter Patienten ist die diagnostische Laparoskopie (LSK) das entscheidende Instrument. Ziel der Arbeit war es, den Informationsgehalt auswärtig durchgeführter diagnostischer LSK bei Patienten mit PC im Hinblick auf die Indikationsstellung zur CRS und HIPEC zu charakterisieren. Prospektive monozentrische Beobachtungsstudie an 42 Patienten mit PC bei potenziell erreichbarer CCR. Von Patienten mit auswärtiger LSK wurden die Original-OP-Berichte angefordert. Bei nichtkonklusiver auswärtiger LSK erfolgte eine Re-LSK. Die Befunderhebung der auswärtigen LSK wurde mit den am Zentrum durchgeführten verglichen. Ex domo war bei 30/42 ein operatives Staging erfolgt. Der Peritoneal Carcinomatosis Index (PCI) war lediglich in 11,4
Die Versorgung hämodynamisch instabiler Schwerverletzter erfordert besondere Expertise in der chirurgischen Akutversorgung und Priorisierung, die in Kriegs‑/Krisen- und Katastrophenlagen oder beim Massenanfall von Verletzten (MANV) durch limitierte Ressourcen, Zeitdruck und organisatorische Komplexität zusätzlich herausgefordert wird. Die Konzepte der Damage Control Surgery (DCS) und Tactical Abbreviated Surgical Care (TASC) beschreiben eine patienten- bzw. lageadaptierte, primär lebensrettende Minimalversorgung zur Stabilisierung und Schadensbegrenzung mit späterer definitiver Therapie. Während diese Strategien international und militärisch standardisiert ausgebildet werden, sind sie in der zivilen chirurgischen Weiterbildung in Deutschland bislang nur unzureichend verankert. Die chirurgischen Facharztcurricula fokussieren überwiegend elektive und definitive Eingriffe unter optimalen Bedingungen. Kompetenzen zur temporären Schadenskontrolle, operativen Priorisierung unter Ressourcenmangel sowie zur Versorgung mehrerer simultan kritisch Verletzter werden nur begrenzt vermittelt. Da entsprechende Situationen selten sind, können diese Fähigkeiten nicht ausreichend im klinischen Alltag erworben werden. Eine eigenständige Facharzt- oder Schwerpunktweiterbildung für Notfallchirurgie existiert in Deutschland bislang nicht. Einzelstehende Kursformate wie Definitive Surgical Trauma Care (DSTC), Advanced Surgical Skills for Exposure in Trauma (ASSET), Acute Care in Trauma (ACT!) oder Terror and Disaster Surgical Care (TDSC®) schließen diese Lücke nur teilweise bzw. decken jeweils nur einzelne Aspekte ab. Mit der 2024 eingeführten DGU-Weiterbildung „Notfallchirurg – Krisen- und Katastrophenlagen“ existiert erstmals ein strukturiertes nationales Curriculum zur notfallchirurgischen Versorgung in Krisen- und Katastrophenszenarien. Künftig ist ein verbindliches Ausbildungskonzept erforderlich, das chirurgisch-operative, taktische und organisatorische Kompetenzen integriert. Notfallchirurgie sollte als systemrelevante Kernkompetenz curricular, institutionell und gesundheitspolitisch stärker verankert werden.
Die Defektdeckung an der Hand stellt aufgrund der komplexen Anatomie, der hohen funktionellen Anforderungen und der exponierten Lage eine besondere Herausforderung in der rekonstruktiven Chirurgie dar. Ziel ist eine robuste, belastbare und möglichst sensible Hautweichteildeckung, die eine frühfunktionelle Nachbehandlung sowie den Erhalt von Handfunktion und Ästhetik ermöglicht. Die Wahl des Rekonstruktionsverfahrens orientiert sich an der rekonstruktiven Leiter, erfordert jedoch stets eine individuelle Anpassung an die Defektgröße, -tiefe und -lokalisation unter Berücksichtigung patientenspezifischer Faktoren. In Abhängigkeit von der Defektlokalisation ergeben sich gemäß der Beteiligung von Daumen, Fingern, der dorsalen oder palmaren Hand unterschiedliche Rekonstruktionsmöglichkeiten, die lokale und gestielte Lappenplastiken bis hin zu mikrochirurgischen Verfahren umfassen.
Neuroendokrine Neoplasien (NEN) des Ösophagus sind seltene, biologisch heterogene Tumoren mit überwiegend aggressivem Verlauf. Die WHO-Klassifikation 2019/2022 unterscheidet gut differenzierte neuroendokrine Tumoren (NET), schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome (NEC) und gemischte neuroendokrine/nichtneuroendokrine Neoplasien (MiNEN) – eine Differenzierung mit unmittelbaren therapeutischen Konsequenzen. Die überwiegende Mehrzahl ösophagealer NEN entfällt auf schlecht differenzierte NEC mit entsprechend ungünstiger Prognose. Die Diagnostik erfordert ein erweitertes immunhistochemisches Panel – Synaptophysin, CgA, INSM1, Ki-67, TTF-1 – sowie eine vollständige prädiktive Biomarkererhebung einschließlich PD-L1, dMMR/MSI und NGS, idealerweise bereits in der primär diagnostizierenden Einrichtung. Die funktionelle Bildgebung richtet sich nach dem histologischen Subtyp: 68Ga-DOTATATE(o. DOTATOC, 18F-SiTATE)-PET bei NET-G1/G2, 18F‑FDG-PET/CT bei G3-NET/G3-NEC. Im Übergangsbereich von G2- und G3-NET können beide Verfahren sinnvoll sein. Die chirurgische Resektion – in der Regel als minimalinvasive Ivor-Lewis-Ösophagektomie mit D2-Lymphadenektomie nach neoadjuvanter Systemtherapie – bleibt bei resektabler Erkrankung der Eckpfeiler der kurativen Therapie; die Konzentration auf zertifizierte Zentren mit Expertise sowohl in der Ösophaguschirurgie als auch in der NEN-Behandlung ist dabei Voraussetzung einer adäquaten Versorgung. Bei nichtresektabler oder metastasierter Erkrankung sind Platin/Etoposid-basierte Regime Therapiestandard; die definitive Radiochemotherapie stellt für lokal fortgeschrittene inoperable Fälle eine gleichwertige Alternative dar. Aufgrund fehlender prospektiver Daten sind alle therapeutischen Empfehlungen als Expertenkonsens zu werten.