
Onkogene humane Papillomviren (HPV) wie HPV 16 können anogenitale Karzinome und Oropharynxkarzinome (OPC) verursachen. Im Gegensatz zu anogenitalen Karzinomen sind für HPV-induzierte OPC (HPV-OPC) keine prämalignen Vorstufen bekannt. Während für anogenitale Karzinome Zytologie- und HPV-DNA/mRNA-basierte Screening-Programme für die Allgemeinbevölkerung (Zervixkarzinom) oder für Risikogruppen (Analkarzinom) empfohlen werden, gilt dies für HPV-OPC nicht. In diesem Beitrag wird der Stellenwert der HPV-Serologie für die Früherkennung von HPV-OPC zusammengefasst. Der Nachweis von Antikörpern gegen das HPV-16-Onkoprotein E6 wurde in vielen Studien untersucht. In einem systematischen Review mit Metaanalyse wurden eine gepoolte Sensitivität von 83,1
Die postoperative Wundversorgung ist ein wesentlicher Bestandteil dermatochirurgischer Eingriffe und beeinflusst den Heilungsverlauf sowie das ästhetisch-funktionelle Ergebnis. In der klinischen Praxis bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich eingesetzter Antiseptika, Verbandsmaterialien und Nachsorgekonzepte. Belastbare Daten zum tatsächlichen Vorgehen in der Dermatochirurgie in Deutschland sind bislang limitiert. Ziel dieser Untersuchung war es, das aktuelle Vorgehen in der postoperativen Wundversorgung von operativ tätigen DermatologInnen in Deutschland zu erfassen und mit evidenzbasierten Empfehlungen abzugleichen. Es wurde eine anonyme, internetbasierte Umfrage mit 26 Fragen zur postoperativen Wundversorgung durchgeführt. Der Fragebogen wurde an alle Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Dermatochirurgie versendet und zusätzlich während der Jahrestagung 2025 angeboten. Die Auswertung erfolgte deskriptiv. Insgesamt wurden 62 vollständig ausgefüllte Fragebögen analysiert. Präoperativ sowie bei Verbandswechseln wurden überwiegend Octenidin-haltige oder alkoholbasierte Antiseptika eingesetzt. Die postoperative Versorgung nach primärem Wundverschluss war überwiegend homogen, während sich bei sekundär heilenden Wunden eine hohe Variabilität der verwendeten Verbandsmaterialien zeigte. Topische Antibiotika wurden trotz des Risikos der Resistenzentwicklung weiterhin in relevantem Umfang verwendet. Die Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte Heterogenität der postoperativen Wundversorgung und eine nur teilweise Umsetzung evidenzbasierter Empfehlungen. Insbesondere der routinemäßige Einsatz topischer Antibiotika und Antiseptika bei nicht infizierten Wunden erscheint kritisch.
Das Masquerade-Syndrom ist ein differenzialdiagnostisches Konzept, bei dem neoplastische, seltener nichtneoplastische Erkrankungen peri- oder intraokuläre entzündliche Zustände imitieren und damit die zugrunde liegende Pathologie maskieren. Häufig wird hierdurch die Diagnostik der zugrunde liegenden Erkrankung verzögert. Ein 85-jähriger Patient stellte sich mit Uveitis intermedia und Visusminderung vor. Im Rahmen der erweiterten Diagnostik zeigte sich axillär links eine Lymphknotenmetastase eines vor mehr als 20 Jahren entfernten malignen Melanoms. Der Fall verdeutlicht, dass entzündliche okuläre Symptome bei Patienten mit malignem Melanom paraneoplastisch bedingt sein und auf ein Tumorrezidiv- oder einen Progress hinweisen können.
Bradykininvermittelte Angioödeme, insbesondere das hereditäre Angioödem mit C1-Esterase-Inhibitor-Mangel oder -Dysfunktion (HAE-C1INH), entstehen durch eine Dysregulation des Kallikrein-Kinin-Systems mit überschießender Bradykininbildung und daraus folgender erhöhter Gefäßpermeabilität. Die moderne HAE-Therapie basiert auf drei zentralen Behandlungsstrategien: Akuttherapie („on-demand treatment“), Kurzzeitprophylaxe („short term prophylaxis“ [STP]) und Langzeitprophylaxe („long term prophylaxis“ [LTP]). In der Akuttherapie stehen plasmagewonnene und rekombinante C1-Inhibitor-Konzentrate, der Bradykinin-B2-Rezeptorantagonist Icatibant sowie erstmals der oral verfügbare Plasmakallikreininhibitor Sebetralstat zur Verfügung. Die Kurzzeitprophylaxe vor invasiven Eingriffen erfolgt als Substitutionstherapie durch intravenöse Gabe von C1INH-Konzentraten. Ziel der Langzeitprophylaxe ist eine vollständige Krankheitskontrolle mit Reduktion der Attackenfrequenz und Verbesserung der Lebensqualität. Hierfür stehen subkutane und intravenöse C1INH-Präparate, der orale Kallikreininhibitor Berotralstat, der gegen Kallikrein gerichtete monoklonale Antikörper Lanadelumab, der Faktor-XIIa-Inhibitor Garadacimab sowie das Antisense-Oligonukleotid Donidalorsen zur Verfügung. Aktuell in Entwicklung befindet sich der orale Bradykinin-B2-Rezeptorantagonist Deucrictibant, der in unterschiedlichen Formulierungen sowohl für die Akuttherapie als auch für die Langzeitprophylaxe eingesetzt werden soll, und lang wirksame Antikörper wie Navenibart sowie CRISPR/Cas9-basierte geneditierende Therapien wie NTLA-2002 mit potenziell funktionell kurativem Ansatz. Insbesondere oral verfügbare und lang wirksame Therapieformen sollen Adhärenz, Selbstmanagement und Lebensqualität Betroffener verbessern.
Mycosis fungoides ist die häufigste Variante des kutanen T‑Zell-Lymphoms. In der Therapie fortgeschrittener und therapierefraktärer Varianten kann der Einsatz von Chemotherapeutika indiziert sein. Gemcitabin, ein Pyrimidinanalogon, wird dafür nicht selten aufgrund des geringen Toxizitätsprofils gewählt. Schwere Gemcitabin-induzierte kutane Nebenwirkungen werden in der Literatur nur selten beschrieben. Wir berichten von einem Patienten mit einem seltenen Subtyp einer Mycosis fungoides, der nach 2‑maliger Gabe von Gemcitabin eine toxische epidermale Nekrolyse entwickelte.
Wir berichten über eine 34-jährige obdachlose Patientin mit polyvalenter Abhängigkeit, die mit multiplen, initial per dermatologischem Telekonsil als Insektenstiche fehldiagnostizierten Hautulzera aufgenommen wurde. Ein Wundabstrich wies Corynebacterium diphtheriae nach. Dieser Fall illustriert die Gefahr der kutanen Diphtherie bei vulnerablen Gruppen. Er betont die Notwendigkeit mikrobiologischer Diagnostik bei chronischen Wunden sowie die Wichtigkeit korrekter antibiotischer Therapie und strenger Isolationsmaßnahmen, um Ausbrüche zu verhindern.
Angioödeme sind definiert als transiente Schwellungen der Haut und/oder Schleimhäute. Im Wesentlichen erfolgt die Einteilung von Angioödemen nach Art der auslösenden Mediatoren entweder in mastzellvermittelte oder bradykininvermittelte Angioödeme. Im Allgemeinen sind mastzellvermittelte Angioödeme kürzer anhaltend (1 bis 3 Tage) und sprechen auf Antihistaminika, Kortison und Adrenalin an, während Schwellungen bei bradykininvermittelten Angioödemen länger anhalten und diese nicht auf histamingerichtete Medikamente ansprechen. Zu den mastzellvermittelten Schwellungen zählen Angioödeme im Rahmen einer allergischen (IgE-vermittelten) oder pseudoallergischen (nicht-IgE-vermittelten) Reaktion wie sie bei Anaphylaxien oder Analgetikaintoleranzen auftreten können. Die Abklärung umfasst neben der genauen Anamnese die Abnahme spezifischer IgEs und/oder Pricktestungen sowie ggf. Provokationstestungen. Sehr häufig treten mastzellvermittelte Angioödeme im Rahmen einer chronischen spontanen Urtikaria (CSU) auf. Hierbei kann es in 10
Mastzellvermittelte Angioödeme stellen die häufigste Form von Angioödemen dar und treten sowohl isoliert als auch gemeinsam mit Urticae auf. Klinisch reicht das Spektrum von anaphylaktischen oder anaphylaktoiden Reaktionen bei beispielsweise Allergien bis hin zu chronisch rezidivierenden Verläufen z. B. im Rahmen einer chronischen spontanen Urtikaria (CSU). Neben den klassischen IgE-vermittelten Reaktionen im Rahmen von Allergien weiß man mittlerweile, dass diese, aber auch Pseudoallergien und chronische Verläufe wie die CSU auf komplexeren immunologischen Mechanismen beruhen. Bei der Behandlung akuter mastzellvermittelter Angioödeme bilden moderne, nicht-sedierende H1-Antihistaminika der 2. Generation weiterhin die Basistherapie, bei Gefahr einer Anaphylaxie z. B. im Rahmen einer allergischen Reaktion kommen leitliniengerecht auch Glukokortikosteroide und Adrenalin zum Einsatz. Die Therapie der chronischen spontanen Urtikaria orientiert sich weiterhin an einem Stufenschema, ist nun jedoch erweitert worden: Bei Nichtansprechen auf H1-Antihistaminika der 2. Generation (bis zur 4‑fachen Standarddosierung) können aktuell neben Omalizumab auch Dupilumab und Remibrutinib als Add-on-Therapie verordnet werden (Dupilumab jedoch nur, wenn vorher keine Anti-IgE-Therapie erfolgt ist). Weitere Therapieoptionen wie Anti-KIT-Antikörper sind aktuell in klinischer Erprobung. Bei mastzellvermittelten Angioödemen im Rahmen der chronischen induzierbaren Urtikaria gibt es weiterhin bisher keine Zulassung neuer Therapieoptionen.
Ein 42-jähriger Zerspanungsmechaniker litt seit 2009 an Morbus Bechterew, der seit 2021 mit Adalimumab 40 mg subkutan (s.c.) alle zwei Wochen therapiert wurde. Etwa vier Jahre später entwickelte er Rötungen und Pusteln an Handtellern und Fußsohlen. Es wurden eine Psoriasis pustulosa palmoplantaris und eine Psoriasis vulgaris diagnostiziert. Die Therapie wurde auf Secukinumab 150 mg s.c. alle vier Wochen umgesetzt, worunter sich der Hautbefund leicht besserte. Dieser Fall demonstriert, dass bei therapieresistenter Psoriasis palmoplantaris auch noch nach Jahren eine Nebenwirkung von Biologika zu berücksichtigen ist.
Erkrankungen des Verdauungstrakts und der Leber können zu vielfältigen möglicherweise diagnostisch wegweisenden Hauterscheinungen führen. Bei entzündlichen Darmerkrankungen finden sich als häufigste Hautmanifestationen das Erythema nodosum und das Pyoderma gangraenosum. Wie auch bei autoimmunen Lebererkrankungen finden sich Assoziationen zu anderen entzündlichen Erkrankungen der Haut wie Hidradenitis suppurativa, Vitiligo, Psoriasis und Alopecia areata. Infektiöse Hepatitiden können einen Lichen planus (Knötchenflechte) oder eine Porphyria cutanea tarda an der Haut induzieren. Eine enterale Malabsorption kann zu Mangelzuständen und charakteristischen Hautveränderungen, wie der Zöliakie, Acrodermatitis enteropathica, Pellagra und Skorbut, führen. Daneben sind Folgen einer medikamentösen Behandlung von Darm- und Lebererkrankungen an der Haut wie vielfältige Exantheme und Unverträglichkeitsreaktionen möglich, aber auch sog. paradoxe Reaktionen, bei denen sich insbesondere unter Biologikatherapie unerwartet und vorher unbekannte Hauterkrankungen, wie z. B. eine Psoriasis, zeigen können. Daher sollten Gastroenterologen und Gastroenterologinnen neu auftretende oder sich wandelnde Hautveränderungen bei der Betreuung von Patienten mit Darm- und Lebererkrankungen erkennen und einordnen, um dann geeignete therapeutische Maßnahmen einleiten zu können.