
Die computerassistierte Wirbelsäulenchirurgie hat sich in den letzten Jahrzehnten von fluoroskopiebasierten Verfahren über bildgestützte Navigation hin zu robotischer Assistenz entwickelt. Ziel dieser Technologien ist es, die intraoperative Präzision zu erhöhen, die Instrumentenführung zu verbessern und chirurgische Abläufe reproduzierbarer zu gestalten. Dabei kombinieren moderne Systeme präoperative Planung, intraoperative Bildgebung und Trackingverfahren zu integrierten Plattformen der Entscheidungsunterstützung. Vor dem Hintergrund zunehmender technologischer Dynamik und wachsender klinischer Anwendung stellt sich die Frage nach dem aktuellen Stellenwert dieser Verfahren sowie ihrer zukünftigen Rolle in der Wirbelsäulenchirurgie. Dieser Übersichtsartikel gibt einen strukturierten Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand der computerassistierten und robotischen Systeme und diskutiert zentrale Herausforderungen sowie potenzielle zukünftige Entwicklungen.
Digitale Rehabilitation mit Apps, Wearables, Sensor-Feedback und telemedizinischer Nachsorge wird in der Orthopädie zunehmend eingesetzt. Klinisch entscheidend ist weniger die technische Neuheit als die Frage, ob sich Funktion, Mobilität, Adhärenz und Versorgungsaufwand gegenüber konventionellen Konzepten relevant verbessern. Klinische Einordnung der aktuellen Evidenz zu „smart-device“-basierten Rehabilitationsformen in der Orthopädie und Ableitung praktischer Konsequenzen für den Alltag. Narrative, klinisch orientierte Übersichtsarbeit mit strukturierter Auswertung ausgewählter systematischer Reviews, Metaanalysen und relevanter Originalstudien zu „smart-device“-basierten Rehabilitationsformen in der Orthopädie. Die beste Evidenz liegt für die Knie- und Hüftendoprothetik vor. App-basierte Telerehabilitation erreicht in den meisten Studien vergleichbare funktionelle Ergebnisse wie die konventionelle Nachbehandlung und kann einzelne Leistungsparameter sowie die Inanspruchnahme von Physiotherapie verbessern. Reine Aktivitätstracker steigern vor allem die Schrittzahl, zeigen aber geringere Effekte auf Schmerz und krankheitsspezifische Scores. Sensorbasiertes Biofeedback sowie VR/AR-Ansätze sind vielversprechender, beruhen aber teils auf kleineren und heterogenen Studien. Außerhalb der Endoprothetik bestehen positive Signale für Hüftfrakturrehabilitation, Kniearthrose und ausgewählte Wirbelsäulenprogramme. Digitale Rehabilitation ist kein einheitliches Verfahren. Für die Praxis sind selektiver, patientenorientierter Einsatz, ausreichende Anleitung, Rückkopplung und ein realistischer Blick auf Evidenzqualität wichtiger als die Wahl des neuesten Geräts.
Die BK 2118 erfasst die Gonarthrose bei professionellen Fußballspielerinnen und Fußballspielern nach mindestens 13-jähriger Exposition. Das Krankheitsbild entspricht im Kern der Gonarthrose der BK 2112; eigenständig sind Exposition und Kausalitätsprüfung. Entwicklung eines praxistauglichen Entscheidungswegs zur Abgrenzung kumulativer Profifußballbelastung von Folgen konkreter Band‑, Meniskus- oder Knorpelverletzungen und weiteren Konkurrenzursachen. Ausgewertet wurden Legaldefinition, wissenschaftliche Empfehlung, Verordnungsbegründung, Begutachtungsempfehlung zur BK 2112, systematische Übersichten, ergänzende PubMed-Literatur und veröffentlichte Rechtsprechung bis Juli 2026. Einseitigkeit, jedes Kniekompartiment und lange Interimszeiten sind mit der BK vereinbar, beweisen sie aber nicht. Erforderlich sind der Vollbeweis des Krankheitsbilds und eine positive individualmedizinische Kausalitätsbegründung. Frühbefunde, Operationsberichte, Seitenvergleich, Topografie und Verlauf besitzen besonderes Gewicht. Bandrupturen und totale Meniskektomie nach BK 2102 können besondere Ausschlusskonstellationen begründen. Jede Teilmeniskektomie ist differenziert zu prüfen, epidemiologische Gruppenrisiken sind keine individuelle Beweisregel. Ein 8‑stufiges Prüfschema verbindet Exposition, Krankheitsvollbeweis, Verletzungsmatrix, Konkurrenzanalyse, Kausalität und MdE. Fehlen tragfähige Anknüpfungstatsachen, ist die Nichtaufklärbarkeit auszuweisen.
Der Koalitionsausschuss hat im Juli 2026 angekündigt, die telefonische Feststellung der Arbeitsunfähigkeit abzuschaffen und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag zum gesetzlichen Regelfall zu machen. Die Regelung soll Fehlzeiten und möglichen Missbrauch begrenzen, dürfte jedoch zusätzliche Arztkontakte auslösen. Einordnung der Evidenz zu Selbstzertifizierung, ärztlicher Zertifizierung und Fehlzeitenkontrolle sowie Ableitung der voraussichtlichen Folgen für niedergelassene Orthopädinnen und Orthopäden. Fokussierte narrative Literaturübersicht in PubMed und der Cochrane Library, ergänzt durch deutsche Rechts‑, Versorgungs- und Fehlzeitendaten sowie internationale Regelungsbeispiele bis zum 21.07.2026. Die Evidenz zur generellen Tag-1-Attestpflicht ist niedrig bis sehr niedrig. Hinweise auf einen möglichen Verlängerungseffekt ärztlicher Zertifizierung sind widersprüchlich und sehr unsicher. Kurze Episoden bilden einen großen Anteil der Fälle, tragen jedoch wesentlich weniger zu den Arbeitsunfähigkeitstagen bei als Langzeitverläufe. Zusätzliche Kurzzeitkontakte könnten fachärztliche Kapazität binden und einzelne ursprünglich kurze Fehlzeiten verlängern, ihr Ausmaß ist für deutsche orthopädische Praxen nicht quantifiziert. Eine gestufte Regelung mit kurzer Selbstzertifizierung, gezieltem Monitoring sowie arbeitsplatzbezogener Funktionsbeurteilung, Rehabilitation und Return-to-Work-Steuerung entspricht der verfügbaren Evidenz am ehesten.
Periprothetische Gelenkinfektionen (PJI) zählen zu den folgenschwersten Komplikationen nach Hüft- und Knieendoprothetik und erfordern eine zeitnahe Diagnostik sowie engmaschige Verlaufskontrolle. Parallel zur Digitalisierung der Medizin gewinnen Wearables (z. B. inertiale Sensoren) und computerassistierte Sensorik an Bedeutung, um objektive Funktions- und Mobilitätsdaten sowie Vitalparameter über den gesamten Behandlungspfad abzubilden. In der Endoprothetik ist die Evidenz für Wearables bislang vor allem im Rehabilitations- und Outcome-Monitoring am stärksten, zeigt jedoch auch relevante Grenzen durch Geräteheterogenität, Adhärenz und fehlende Standardisierung. Zur Prädiktion, Diagnostik, Prävention und Rehabilitation bei PJI liegen derzeit kaum Arbeiten vor. Potenziell nutzbar sind vielmehr unspezifische Signale wie persistierende Aktivitätsminderung oder gestörte zirkadiane Muster als Trigger für eine strukturierte Abklärung, im Sinne einer frühzeitigen Diagnostik bzw. eines Verlaufs‑/Kontrolldiagnostikums gemäß etablierter PJI-Kriterien. Ähnliche Konzepte sind bereits in der Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Sepsis untersucht. Für PJI-spezifisches Monitoring sind implantierbare Sensorkonzepte („smart implants“) translational besonders plausibel: lokale Parameter wie pH, Temperatur und Metabolite lassen sich mit experimentellen bzw. frühen präklinischen/klinischen Ansätzen messen. Dieser Beitrag fasst die aktuelle Evidenz zu Wearables in der Endoprothetik mit Fokus auf PJI zusammen und diskutiert Anforderungen an klinischen Nutzen, Validierung, Datensicherheit und Implementierung.
Digitale Technologien erweitern zunehmend das Spektrum der Schulterchirurgie. In der Schulterendoprothetik hat sich insbesondere die CT-basierte 3‑D-Planung zur Analyse der Glenoidmorphologie, Implantatauswahl und virtuellen Komponentenpositionierung etabliert. Patientenspezifische Instrumente und computerassistierte Navigation sollen die präoperative Planung präziser in den Operationssaal übertragen. Virtual Reality besitzt vor allem in der schulterchirurgischen Ausbildung und Simulation einen relevanten Stellenwert. Augmented (AR) und Mixed Reality (MR) ermöglichen perspektivisch die intraoperative Einblendung von Planungsdaten und telemedizinische Supervision, die intraoperative Anwendung kann aktuell noch als experimentell charakterisiert werden. Trotz vielversprechender technischer Entwicklungen bleibt die Evidenz für einen langfristigen klinischen Nutzen, geringere Revisionsraten und Kosteneffektivität bislang begrenzt.
Minimalinvasive Verfahren beim Pes planovalgus bieten eine sichere Alternative zu offenen Eingriffen und reduzieren die postoperative Morbidität deutlich. Das signifikant geringere Risiko für Wundheilungsstörungen sowie der deutlich reduzierte Bedarf an Schmerzmitteln zählen zu den wesentlichen Faktoren, die minimalinvasive Verfahren begünstigen. Aufgrund des deutlich geringeren Komplikationsrisikos bei gleichzeitig hohem Korrekturpotenzial kann die perkutane Kalkaneus-Verschiebeosteotomie heute als Goldstandard betrachtet werden. Die Behandlung des erwachsenen Knick-Senk-Fußes erfordert, abhängig vom jeweiligen Deformitätsmuster, meist eine Kombination unterschiedlicher operativer Prozeduren, die häufig minimalinvasiv durchgeführt werden können. Dieser Beitrag gibt neben der perkutanen Kalkaneusosteotomie eine Übersicht über den endoskopischen FDL-Transfer sowie die perkutane „Reverse-cotton“-Osteotomie, Verfahren, die im Rahmen der Behandlung des flexiblen Pes planovalgus häufig kombiniert eingesetzt werden.
Minimalinvasive Verfahren haben die operative Therapie von Kleinzehenfehlstellungen wesentlich verändert und stellen heute bei vielen Deformitäten ein etabliertes Vorgehen dar. Ziel ist eine gewebeschonende, funktionell und kosmetisch günstige Korrektur bei geringer Invasivität. Die Indikationsstellung basiert auf einer präzisen klinischen Analyse der Fehlstellung im MTP-, PIP- und DIP-Gelenk, der betroffenen Fehlstellungsebene sowie der Flexibilität oder Rigidität der Deformität. Das operative Konzept folgt einem sequenziellen Vorgehen mit weichteiligen und knöchernen Techniken, die regelhaft kombiniert werden. Neben perkutanen Tenotomien und Kapsulotomien ermöglichen insbesondere minimalinvasive Osteotomien der Phalangen, PIP- und DIP-Arthrodesen, Exostosen- und Kondylenabtragungen sowie distale minimalinvasive metatarsale Osteotomien Korrekturen in verschiedenen Ebenen. Eine interne Osteosynthese ist meist nicht erforderlich, da die Korrektur durch redressierende Tape-Verbände gesichert wird. Minimalinvasive Kleinzehenkorrekturen ermöglichen eine effektive Korrektur mit niedriger Komplikationsrate und frühfunktioneller Nachbehandlung. Bei schweren, kontrakten oder luxierten Fehlstellungen können weiterhin offene Verfahren oder die Kombination aus minimalinvasiven und offenen Verfahren erforderlich sein.
Knee arthrodesis is an established salvage procedure for irreparable knee conditions, particularly chronic periprosthetic joint infection (PJI) and advanced septic arthritis. External fixation using the limb reconstruction system (LRS) is advantageous in infected scenarios due to its extraosseous placement and facilitation of soft tissue care. This study evaluates the clinical, radiological and functional outcomes of anterolateral LRS fixation in septic knees. This retrospective observational study included 16 patients who underwent knee arthrodesis with anterolateral LRS fixation over 5 years. Indications were chronic PJI (n = 13) and septic arthritis (n = 3). All patients underwent single-stage debridement, fibular strut grafting, antibiotic-augmented grafting and LRS application. Postoperative management included tailored antibiotics, compression, and structured rehabilitation. Outcomes were assessed with radiographs, visual analogue scale (VAS), lower extremity functional scale (LEFS), Knee Society score (KSS), SF-36 physical component score (PCS), and satisfaction surveys. Radiographic fusion occurred in 14 of 16 patients (87.5
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen eröffnet große Potenziale für Versorgungsqualität und Effizienz, scheitert jedoch häufig an der Übertragbarkeit innovativer Lösungen in die klinische Routine. Besonders in der Orthopädie und Unfallchirurgie mit ihren komplexen Abläufen fehlt es an realitätsnahen Testumgebungen für digitale Technologien. Wie kann ein strukturiertes Reallabor die partizipative Entwicklung, Erprobung und Implementierung digitaler Assistenzsysteme im Klinikalltag unterstützen und beschleunigen? Das INSPIRE Living Lab ist eine baulich und digital modernisierte Krankenhausstation mit 22 Betten am Universitätsklinikum Heidelberg-Mannheim GmbH. Es dient als integrierte Testumgebung für medizintechnische Innovationen unter realen Versorgungsbedingungen. Mithilfe eines interdisziplinären, multiprofessionellen Setups werden digitale Technologien wie KI-gestützte Arztbriefsysteme, smarte Kommunikationslösungen und radarbasierte Sturzprävention in Zusammenarbeit mit Start-ups und klinischem Personal praxisnah getestet, evaluiert und weiterentwickelt. Ergänzend kommen qualitative und quantitative Forschungselemente, z. B. Mixed-Methods-Analysen im Pflegebereich, zum Einsatz. Die Projekte zeigen eine hohe Akzeptanz, signifikante Effizienzgewinne (z. B. Laufwegreduktion) sowie wertvolle Rückmeldungen für die Produktentwicklung. Die Station fungiert zugleich als Multiplikator für andere Klinikbereiche und als strategische Pilotumgebung für zukünftige Bau- und Digitalisierungsprojekte. Das INSPIRE Living Lab stellt eine zukunftsweisende Infrastruktur dar, um digitale Innovationen realitätsnah zu testen und systemkompatibel in die Versorgung zu überführen. Es verbindet Versorgung, Forschung, Start-up-Förderung und Technikentwicklung zu einem regional und national relevanten Modell klinischer Digitalisierung.
Breech presentation is considered one of the main risk factors for developmental dysplasia of the hip (DDH) in singleton pregnancies; however, data regarding twins are limited. The aim of this study was to evaluate whether breech presentation in twins is associated with abnormal hip ultrasound findings and to assess the influence of delivery mode, sex and gestational age. Obstetric and ultrasound data from twin births at Frankfurt University Hospital between 2010 and 2014 were retrospectively analyzed. A total of 130 twins in whom at least 1 infant with breech presentation and both infants underwent hip ultrasound according to Graf’s technique within the first 14 days after birth were included. Twins were divided into breech-breech, breech-vertex and breech-transverse groups. Hip findings were categorized as normal (Graf type Ia/Ib) or abnormal/immature (Graf type IIa or higher). Statistical analysis was performed using Fisher-Freeman-Halton exact testing. No infant demonstrated manifest DDH (Graf type IIc or higher). Overall, 5.4
Der Hallux valgus zählt zu den häufigsten Fußdeformitäten im Erwachsenenalter. Neben etablierten offenen Operationsverfahren – von der distalen Metatarsale-I-Osteotomie bis zur Arthrodese des ersten tarsometatarsalen Gelenks (TMT-I) – haben in den letzten Jahren moderne minimalinvasive Techniken zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der vorliegende Beitrag gibt einen aktuellen Überblick über Techniken der dritten und vierten Generation der MIS-Hallux-valgus-Chirurgie, insbesondere die minimalinvasive Chevron-Akin-Osteotomie (MICA), die perkutane Chevron-Akin-Osteotomie (PECA) und die MIS-Scarf-Osteotomie. Mittel- und langfristige Ergebnisse sind den offenen Vergleichsverfahren ebenbürtig. Kurzfristige Vorteile bestehen hinsichtlich Mobilität, Schmerzintensität und Analgetikabedarf. MIS-Verfahren stellen eine sichere und effektive Ergänzung zum offenen Vorgehen dar. Die Wahl der Technik sollte individuell unter Berücksichtigung des Schweregrads der Fehlstellung, der TMT-I-Stabilität sowie der Erfahrung des Operateurs erfolgen. Demgegenüber steht eine erhöhte intraoperative Strahlenexposition. Eine breitere Evidenzbasis durch prospektive, vergleichende Studien bleibt erforderlich.
Weichgewebesarkome sind seltene, heterogene Tumoren mesenchymalen Ursprungs mit variabler Prognose. Ihre Behandlung erfordert eine strukturierte Diagnostik und interdisziplinäre Therapieplanung in spezialisierten Zentren. Bildgebung mittels MRT oder CT sowie eine sorgfältig geplante Biopsie sind entscheidend für Diagnose und Operationsstrategie. In kurativen Situationen ist die vollständige R0-Resektion das zentrale Ziel, während bei metastasierter Erkrankung ein individualisiertes Vorgehen erforderlich ist. „Low-grade“-Sarkome können meist marginal reseziert werden, wohingegen „High-grade“-Sarkome ein multimodales Therapiekonzept mit neoadjuvanter Behandlung, weiter Resektion und adjuvanter Strahlentherapie erfordern. Die Resektionsstrategie orientiert sich primär an anatomischen Barrieren. Funktionelle Aspekte und Rekonstruktion sind wesentlich. Ein Extremitätenerhalt ist häufig möglich, Amputationen sind selten notwendig.
Zertifikate und Qualitätssiegel sind in der Versorgung sehr verbreitet – das trifft auch auf die muskuloskelettale Medizin zu. Sie sollen Erfahrung, Qualität und Spezialisierung signalisieren. Für Patientinnen und Patienten können sie Orientierung und Unterstützung bieten. Krankenhäuser nutzen Zertifikate zur internen Strukturierung, Verbesserung der Versorgungsprozesse und -qualität. Es gibt jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Zertifikaten. Dies betrifft beispielsweise zu erfüllende Anforderungen, wie die zugrundeliegende Evidenz oder Prüfverfahren und Entscheidungsmechanismen. Dieser Beitrag soll den Wert und die Rolle von Zertifikaten einordnen und durch zwei Beispiele aus der muskuloskelettalen Medizin illustrieren. Grundlagen sind die Arbeiten des IQTIG zur systematischen Bewertung der Aussagekraft von Zertifikaten. Die Ergebnisse der Bewertungen zeigen, dass Zertifikate in ihrer Ausgestaltung heterogen sind und gestellte Mindestanforderungen unterschiedlich erfüllen.
Der Hallux rigidus ist eine der häufigsten Pathologien der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. Operative Therapieoptionen lassen sich in gelenkerhaltende und nichtgelenkerhaltende Techniken unterscheiden. Für beide Formen sind offene Verfahren seit Jahrzehnten etabliert und erfolgreich durchgeführt. Über die letzten Jahre haben minimalinvasive Operationsverfahren, insbesondere in der Vorfußchirurgie, zunehmend an Bedeutung gewonnen. So sind Cheilektomie, Osteotomien von Metatarsale und Grundglied und auch die Großzehengrundgelenkarthrodese minimalinvasiv gut möglich. Zurückliegende Studien konnten den Stellenwert der minimalinvasiven Techniken bei der operativen Therapie des Hallux rigidus untermauern.
Die spinale Metastasierung maligner Tumorerkrankungen stellt aufgrund verbesserter systemischer Therapien, längerer Überlebenszeiten und einer steigenden Prävalenz von Langzeitüberlebenden ein zunehmend relevantes klinisches Problem dar. Die Wirbelsäule ist dabei nicht nur zentrales biomechanisches Element des Bewegungsapparats, sondern schützt zugleich Rückenmark und Spinalnerven. Entsprechend komplex ist die Behandlung spinaler Metastasen und muss stets in ein übergeordnetes onkologisches Gesamtkonzept eingebettet werden. Diese Übersichtsarbeit fasst epidemiologische und pathophysiologische Grundlagen zusammen und stellt moderne Indikationen sowie operative Strategien bei spinalen Metastasen dar. Zentrale Operationsziele sind die histologische Diagnosesicherung, die Dekompression neuraler Strukturen, die Wiederherstellung oder Erhaltung der mechanischen Stabilität, die Schmerzlinderung sowie der Erhalt neurologischer Funktion und Lebensqualität. Die Entscheidung zur Operation sollte interdisziplinär erfolgen und neben Bildgebung und neurologischem Status auch Tumorbiologie, Strahlensensitivität, systemische Therapiesituation, Prognose, Patientenwunsch und Rehabilitationsfähigkeit berücksichtigen. Die moderne chirurgische Behandlung spinaler Metastasen hat einen Paradigmenwechsel erfahren: Im Vordergrund steht nicht mehr regelhaft die maximale Tumorresektion, sondern eine funktionserhaltende, morbiditätsarme und multimodal eingebettete Intervention. Konzepte wie NOMS, SINS und die Bilsky-Graduierung unterstützen dabei die strukturierte Entscheidungsfindung. Minimalinvasive Verfahren, perkutane Instrumentierungen, Navigation, intraoperative 3‑D-Bildgebung, moderne Implantatmaterialien und zunehmend KI-basierte Prognosemodelle ermöglichen eine patientenspezifische Abstufung der Invasivität. Ziel ist es, neurologische Funktion und Lebensqualität zu erhalten, lokale Tumorprogression zu kontrollieren und therapieverzögernde Morbidität möglichst gering zu halten.
Die Jahresprävalenz lumbaler Bandscheibenvorfälle liegt in westlichen Industrieländern bei etwa 1–2,5