
Zusammenfassung Bei der offenen Chirurgie der Stammveneninsuffizienz der V. saphena parva ist die niveaugleiche Ligatur ein wichtiger Bestandteil der Parva-Krossektomie. Bislang ist nicht untersucht, bei welchem Anteil der Operationen diese niveaugleiche Ligatur möglich ist. Im Zusammenhang mit der Parva-Krossektomie wird oft eine Ligatur der im Bereich der Parva-Krosse einmündenden Gastrocnemiusvenen erforderlich. Bislang ist unklar, wie häufig dies zu einer Thrombosierung der Gastrocnemiusvenen führt. In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden 50 konsekutive Patienten mit Stammveneninsuffizienz der V. saphena parva eingeschlossen, die in einem Zeitraum von 3 Monaten operiert worden waren, davon insgesamt 33 Frauen und 17 Männer mit insgesamt 55 operierten Parvakrossen. Dokumentiert wurde, wie häufig eine niveaugleiche Ligatur der V. saphena parva am saphenopoplitealen Übergang möglich war, wie häufig Gastrocnemiusvenen im Bereich der proximalen 4 cm der V. saphena parva einmündeten und wie häufig es zu einer Thrombosierung der Gastrocnemiusvenen nach Ligatur derselben kam. In 89 % der Fälle konnte eine niveaugleiche Ligatur der V. saphena parva auf dem Dach der V. poplitea vorgenommen werden; in den verbleibenden 11% erfolgte aufgrund der Mündungsverhältnisse der Gastrocnemiusvenen, eine sehr mündungsnahe Ligatur der V. saphena parva innerhalb des ersten Zentimeters der V. saphena parva. In 33 Fällen wurden Gastrocnemiusvenen, welche innerhalb der proximalen 4 cm in die V. saphena parva einmündeten, ligiert. Bei 2 der 33 ligierten Gastrocnemiusvenen (6%) kam es zu klinisch asymptomatischen, sonografisch nachweisbaren Thrombosierungen. Bei einem überwiegenden Anteil der Patienten mit Stammveneninsuffizienz der V. saphena parva ist in der offenen Chirurgie eine niveaugleiche Ligatur auf dem Dach der V. poplitea möglich. Die in diesem Zusammenhang durchgeführten Gastrocnemiusvenen-Ligaturen führen nur relativ selten zu sonografisch nachweisbaren Thrombosierungen, die im vorliegenden Kollektiv klinisch asymptomatisch waren.
Zusammenfassung Das Lymphödem stellt eine klinisch bedeutsame Komplikation unterschiedlicher Erkrankungen und Therapien dar. Während primäre Lymphödeme selten auftreten, machen sekundäre Lymphödeme die überwiegende Mehrheit aus und entstehen v.a. nach onkologischen Eingriffen, bei chronisch venöser Insuffizienz, Adipositas oder Immobilität. Ziel dieser Arbeit war die modellierte Abschätzung von Inzidenzen und Prävalenzen für Deutschland. Basierend auf strukturierter Literaturrecherche, Metaanalyse und Einbezug nationaler Daten wurden für das Jahr 2020 rund 8,7 Mio. Betroffene (10,4% der Bevölkerung) errechnet, davon 1,77 Mio. primäre und 6,9 Mio. sekundäre Lymphödeme. Unter den sekundären Lymphödemen dominierten tumorassoziierte Fälle (45,3%), gefolgt von CVI (20,8%), Immobilität (15,1%) und Adipositas (13,4%). Die Modellierung berücksichtigt Überlappungen, die in der klinischen Realität häufig vorkommen („Phlebolymphödem“). Im Vergleich zu bisherigen Schätzungen liegen unsere Werte höher, stimmen jedoch mit populationsbasierten Untersuchungen überein. Die Diskussion zeigt Limitationen durch heterogene Diagnostik, Untererfassung in ICD-10 und unsichere Daten zu Adipositas-assoziierten Lymphödemen. Gleichwohl bestätigen die Ergebnisse die erhebliche gesundheitsökonomische Relevanz: Direkte und indirekte Kosten pro Patient*in erreichen mehrere tausend Euro jährlich. Angesichts demografischer Alterung, steigender Adipositasprävalenz und onkologischer Überlebensgewinne ist mit einer weiteren Zunahme der Fallzahlen zu rechnen. Prospektive Register, standardisierte Diagnostik und eine Einbindung in internationale Initiativen wie LIMPRINT sind erforderlich, um Versorgungsbedarf und Präventionsstrategien präziser zu planen.
Zusammenfassung Eine positive Nutzenbewertung zur operativen Behandlung des Lipödems durch den G-BA erfolgte am 17.07.2025.Nehmen wir uns kurz die Zeit, nicht nur nach vorne, sondern auch kursorisch auf den „Weg durch die Instanzen“ zurückzublicken, den die Einführung der operativen Therapie der Erkrankung in der Lymphologie nahm.
Zusammenfassung Ziel der Untersuchung ist es, den psychosozialen Beratungsbedarf von Lipödempatient*innen zu erfassen und Zusammenhänge zwischen Beratungsangeboten, Lebensqualität sowie körperlichen und psychischen Beschwerden aufzuzeigen. Die Studie adressiert die unzureichende interdisziplinäre Versorgung im deutschen Gesundheitssystem und hebt die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung des Lipödems hervor. Es wurde eine quantitative Online-Befragung mit 206 Patient*innen durchgeführt. Erfasst wurden Daten zur Lipödemerkrankung, zu Komorbiditäten (z.B. Adipositas, Schilddrüsenerkrankungen), psychischen Begleiterkrankungen (z.B. Depressionen, Essstörungen), zur Lebensqualität sowie zur Nutzung und zum Bedarf verschiedener Beratungsformen (medizinisch, psychosozial, therapeutisch) erhoben. Die statistische Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Analysen und bivariater Korrelationen nach Pearson mit der Software PSPP. Ein hoher psychosozialer Beratungsbedarf wurde unabhängig vom Stadium der Erkrankung festgestellt: 94% der Befragten wünschten sich entsprechende Unterstützung. Eine regelmäßige Beratung korrelierte signifikant mit einer gesteigerten Lebensqualität (r=0,3; p<0,01). Emotionen wie Scham, Einsamkeit, Wut und geringes Selbstwertgefühl standen in mittlerem Zusammenhang mit positiven Entwicklungen wie mehr Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Zukunftszuversicht durch Beratung. Auch körperliche Beschwerden wie Erschöpfung, Schmerz und Müdigkeit zeigten signifikante Zusammenhänge mit dem Wunsch nach Beratung und einem gesteigerten Wohlbefinden. Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz psychosozialer Beratung als ergänzende Säule in der Lipödembehandlung. Sie sollte – analog zu internationalen Modellen, z.B. in Schweden oder den Niederlanden – integraler Bestandteil einer ganzheitlichen Versorgung sein. Die Einführung spezialisierter, multidisziplinärer Versorgungsstrukturen wie Lipödem-Care-Center könnte nicht nur die Lebensqualität der Patient*innen verbessern, sondern auch eine Chronifizierung verhindern und langfristig Kosten im Gesundheitssystem senken.
Zusammenfassung Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die häufig mit Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer reduzierten Lebensqualität einhergeht. Da die konservative Therapie (Manuelle Lymphdrainage-MLD) durch ein umstrittenes Ödem im Lipödem als kritisch betrachtet wird, wurde in dieser Untersuchung die Rolle von Bewegung als ergänzende Maßnahme untersucht. Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob ein aktiver Sportansatz die Zufriedenheit von Lipödempatientinnen hinsichtlich der Behandlungsqualität steigern kann. Es wurden qualitative leitfadengestützte Interviews nach Witzel mit den Teilnehmerinnen eines evidenzbasierten Bewegungsprogramms durchgeführt. Die Interviews wurden mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz mit der Software MAXQDA ausgewertet. Das Programm beinhaltete angepasste Bewegungsformen, Gruppenaktivitäten in der Natur sowie eine fachgerechte Anleitung durch geschultes Personal. Die Ergebnisse zeigen, dass die Patientinnen eine höhere Zufriedenheit mit ihrer Behandlung angaben. Besonders geschätzt wurden der soziale Austausch mit anderen Betroffenen und die Möglichkeit, sich in einer geschützten Umgebung ohne Schamgefühl zu bewegen sowie die an das Krankheitsbild angepassten Übungen durchführen zu können. Zudem wurde das Training in der Natur als angenehm und motivierend empfunden. Die Kombination aus sozialer Interaktion, professioneller Anleitung und individueller Anpassung des Programms führte zu einem positiven Behandlungserleben. Ein aktiver Sportansatz kann die subjektive Behandlungsqualität für Lipödempatientinnen deutlich verbessern. Die Ergebnisse zeigen, dass Bewegung in einem unterstützenden Umfeld nicht nur physische, sondern auch psychosoziale Vorteile bietet. Die Integration gezielter Bewegungsprogramme in bestehende Therapieansätze sollte Bestandteil der ganzheitlichen Behandlung vom Lipödem sein. Weitere Forschung ist erforderlich, um die langfristigen Effekte dieses Ansatzes zu evaluieren und gezielt weiterzuentwickeln.
Zusammenfassung Das Parkinson-Syndrom ist nach der Demenz vom Alzheimer-Typ die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung und tritt bei 1–2% der Bevölkerung auf. James Parkinson beschrieb bereits 1817 die Erkrankung als „Schüttellähmung“. Allerdings konnte erst 1893 ein Zusammenhang mit neurodegenerativen Veränderungen in der Substantia nigra hergestellt werden. Für Parkinson-Patienten sind grundsätzlich regionale, lokale sowie allgemeinanästhesiologische Verfahren geeignet. Trotz fehlender Evidenz bietet sich für viele Operationen eine Regionalanästhesie an. Eine verdünnte Lokalanästhesie stellt bei entsprechenden Eingriffen ein sinnvolles Anästhesieverfahren dar, da weder Auswirkungen auf das respiratorische System noch Resorptionsstörungen der Parkinson-Medikamente zu erwarten sind. Wir berichten über einen Patienten mit Morbus Parkinson (M. Parkinson), der sich zur Diagnostik und Therapie einer Varikose in unserer Klinik vorstellte.
Serome stellen eine relativ häufige postoperative Komplikation dar, die durch die Ansammlung klarer Lymphflüssigkeit in einem neu entstandenen Gewebehohlraum gekennzeichnet ist. Besonders nach operativen Eingriffen, bei denen größere Gewebemengen entfernt werden, kann es zur Serombildung kommen. Die genaue Pathophysiologie ist noch nicht abschließend geklärt, doch verschiedene Risikofaktoren und operative Techniken beeinflussen das Auftreten maßgeblich. Diese Arbeit beleuchtet Definition, Ätiologie, klinische Einteilung, Diagnostik sowie aktuelle Therapie- und Präventionsstrategien im Umgang mit postoperativen Seromen, mit besonderem Fokus auf das gefäßchirurgische Management.
Parkinson's disease is the second most common neurodegenerative disease after Alzheimer's dementia, affecting 1-2% of the population. James Parkinson described the disease as "shaking palsy" in 1817. However, a connection to neurodegenerative changes in the substantia nigra was not established until 1893. For Parkinson's patients, regional, local, and general anesthesia are generally suitable. Despite a lack of evidence, regional anesthesia is an option for many surgeries. Diluted local anesthesia is a sensible anesthetic procedure for relevant surgeries, as it has no impact on the respiratory system and no absorption issues with Parkinson's medications are expected. We report on a patient with Parkinson's disease who presented to our clinic for the diagnosis and treatment of varicose veins.
Objective Lipoedema is a fat distribution disorder that is often associated with pain, restricted movement and reduced quality of life. Since conservative therapy (Manual Lymphatic Drainage-MLD) is considered critical due to controversial edema in lipedema, the role of exercise as a complementary measure was investigated in this study. The aim of this study is to investigate whether an active exercise approach can increase the satisfaction of lipoedema patients with regard to the quality of treatment. Material and methods Qualitative guided interviews according to Witzel were conducted with the participants of an evidence-based exercise program. The interviews were analyzed using qualitative content analysis according to Kuckartz with MAXQDA software. The program included adapted forms of exercise, group activities in nature and professional instruction by trained staff. Results The results show that patients reported a higher level of satisfaction with their treatment. The social interaction with other sufferers, the opportunity to exercise in a protected environment without feeling ashamed and to be able to carry out exercises adapted to the clinical picture were particularly appreciated. Exercising in nature was also perceived as pleasant and motivating. The combination of social interaction, professional guidance and individual adaptation of the program led to a positive treatment experience. Conclusions An active sports approach can significantly improve the subjective quality of treatment for lipoedema patients. The results show that exercise in a supportive environment offers not only physical but also psychosocial benefits. Clinical relevance The integration of targeted exercise programs into existing treatment approaches can increase the satisfaction of lipoedema patients and contribute to an improved quality of life in the long term. Further research is required to evaluate the long-term effects of this approach and to develop it further in a targeted manner.
Purpose The aim of this study is to assess the psychosocial counseling needs of patients with lipedema and to explore the relationship between counseling services, quality of life, and physical as well as psychological symptoms. The study addresses the lack of interdisciplinary care in the German healthcare system and highlights the importance of a holistic view of lipedema. Methods A quantitative online survey was conducted with 206 patients diagnosed. Data were collected on the lipedema disease itself, comorbidities (e.g., obesity, thyroid disorders), psychological conditions (e.g., depression, eating disorders), quality of life, and the use and need for various types of counseling (medical, psychosocial, therapeutic). Statistical analysis was performed using descriptive statistics and bivariate Pearson correlations with the software PSPP. Results A high need for psychosocial counseling was found, regardless of the disease stage: 94% of respondents expressed a desire for support. Regular counseling showed a significant correlation with improved quality of life (r = 0.3; p < 0.01). Emotions such as shame, loneliness, anger, and low self-esteem were moderately correlated with increased joy, self-confidence, and a more optimistic outlook when counseling was available. Physical symptoms like fatigue, pain, and exhaustion also showed significant associations with counseling needs and enhanced well-being. Conclusion The findings emphasize the importance of psychosocial counseling as an essential component of lipedema treatment. Similar to international models in countries such as Sweden and the Netherlands, such counseling should be integrated into holistic care approaches. Establishing specialized, multidisciplinary care structures (e.g., Lipedema Care Centers) could not only improve patients' quality of life but also help prevent chronification and reduce long-term healthcare costs.
Thrombophilia is defined as a condition indicating that a patient has a higher-than-normal risk of venous thrombosis and pulmonary embolism (VTE). Some types of thrombophilia also increase the risk for arterial thrombosis. A distinction is made between congenital and acquired thrombophilia. The various forms of congenital thrombophilia differ in their severity. Whereas single nucletide polymorphisms (SNPs, i.e.factor V Leiden and prothrombin G20210A variation) have a relatively low risk of VTE, a deficiency of a natural inhibitor (antithrombin-, protein C or protein S deficiency) usually bear a considerably higher risk of VTE. The mutations leading to congenital antithrombin-, protein C or protein S deficiency are rare in the general population. The latter abnormalities may lead to a therapeutic consequence, e.g. long-term anticoagulation based on the fact of the underlying congenital thrombophilia. The antiphospholipid-syndrome is as a strong risk factor for VTE, but also increases the risk for ischemic stroke and other thrombotic manifestations in the arterial vasculature. In those patients long term anticoagulation mostly with vitamin K antagonists is recommended after a thrombotic event. The decision to perform thrombophilia testing has to be made carefully, bearing in mind therapeutic consequences that might arise from the test result and should also be thoroughly discussed with the patient before testing.