
Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine biologisch heterogene Erkrankung, bei der die Therapieauswahl nach Versagen eines ersten Tumornekrosefaktorinhibitors (TNFi) noch immer weitgehend auf empirischem Wechsel statt auf gewebebasierter Stratifizierung beruht. Die Synovialbiopsie hat sich schrittweise von einem Forschungsverfahren zu einem praktikablen und informativen Ansatz für den Zugang zum Zielorgan der Erkrankung entwickelt und ermöglicht die histologische, molekulare und funktionelle Charakterisierung der entzündeten Synovialis. Frühere biopsiebasierte Studien, darunter R4RA und STRAP, haben gezeigt, dass synoviale Signaturen Aufschluss über das Ansprechen auf die Therapie geben können, wobei sie gleichzeitig die Grenzen einfacher histologischer Klassifikatoren und die Notwendigkeit multidimensionaler gewebebasierter Modelle aufzeigen. In diesem Rahmen wurde die SQUEEZE-BioTest-Studie als beobachtende, prospektive, biopsiebasierte Plattform für Patientinnen mit RA und primärem Versagen einer Erstlinien-TNFi-Therapie konzipiert, die im Rahmen der Routineversorgung eine Behandlung mit einem TNFi, einem IL-6-Rezeptor-Inhibitor oder einem JAK-Inhibitor beginnen. Durch die Kombination einer ultraschallgeführten Synovialbiopsie zu Studienbeginn mit serieller klinischer Nachbeobachtung, Blutprofilierung, Einzelzell- und Multiomics-Analysen sowie Ex-vivo-Modellen zur Arzneimittelreaktion zielt BioTest darauf ab, synoviale Reaktionssignaturen zu validieren und die Entwicklung klinisch umsetzbarer Biomarkerplattformen zu unterstützen. Dieser Übersichtsartikel erörtert die Begründung, Struktur und potenziellen translationalen Auswirkungen von BioTest und positioniert die Studie als Modell für die nächste Phase der gewebegesteuerten Präzisionsmedizin bei RA.
Das chronische Fatigue-Syndrom (ME/CSF) stellt einen ernstzunehmenden Zustand dar, der es den Betroffenen oft nicht ermöglicht, am Leben in der gewohnten Form teilzuhaben. Die Fähigkeiten, den Aktivitäten des täglichen Lebens nachzukommen, sind reduziert und die soziale und familiäre Teilhabe ist häufig eingeschränkt. Meist ist es nicht möglich, der gewohnten Arbeit nachzugehen. Daraus resultieren auch finanzielle Konsequenzen. Die Herausforderung in der Behandlung besteht darin, ein Therapiekonzept zu erstellen, das nicht überfordert und keine Rückfälle produziert. Trotzdem soll sich die Fatigue und die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, wodurch auch die Stimmung und die Lebensqualität positiv beeinflusst werden. An erster Stelle steht das Pacing, bei dem die Aktivität an die individuell vorhandene Energie angepasst wird. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Bewegungstherapie und Ergonomisierung, Atemtherapie, Elektrotherapie und Kältetherapie. Auch immunmodulierende Verfahren, wie die TVNS und die Resonanzatmung, haben ihren Stellenwert. Das Therapieprogramm muss individuell geplant und an die verfügbaren Energieressourcen angepasst werden.
Die IgG4-assoziierte Erkrankung („IgG4-related disease“, IgG4-RD) ist eine systemische fibroinflammatorische Multiorganerkrankung, deren klinische Präsentation häufig unspezifisch ist und zahlreiche entzündliche, autoimmune sowie maligne Erkrankungen imitieren kann. Ziel dieses Übersichtsartikels ist es, einen praxisorientierten diagnostischen Zugang von der initialen Symptomatik bis zur gesicherten Diagnose darzustellen und zentrale differenzialdiagnostische Fallstricke hervorzuheben. Nach Definition der Erkrankung werden typische Organmanifestationen und klinische Phänotypen beschrieben, gefolgt von einer Darstellung der aktuellen ACR/EULAR-Klassifikationskriterien sowie der diagnostischen Bedeutung histopathologischer Befunde. Die Rolle der fluorodeoxyglucose position-emission tomography–computed tomography (FDG-PET-CT) als sensitivste Methode zur Erfassung systemischer Organbeteiligungen und zur Biopsieplanung wird besonders betont. Der diagnostische Stellenwert erhöhter Serum-IgG4-Spiegel wird kritisch diskutiert, da diese weder sensitiv noch spezifisch sind und isoliert keine Diagnose erlauben. Ein Schwerpunkt liegt auf der klinischen Überlappung mit wichtigen Differenzialdiagnosen, darunter eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss-Syndrom), Sjögren-Syndrom, Riesenzellarteriitis sowie Erdheim-Chester-Erkrankung. Hervorgehoben wird zudem die Beteiligung unterschiedlich großer Gefäße im Sinne einer variablen Vaskulitis. Therapeutisch stellen Glukokortikoide die Erstlinientherapie dar; ein rasches Ansprechen unterstützt die Diagnose, während ein fehlender Steroideffekt die Wahrscheinlichkeit einer IgG4-RD deutlich reduziert. Der Artikel unterstreicht die Notwendigkeit eines integrativen diagnostischen Ansatzes unter Einbeziehung klinischer, radiologischer und histologischer Befunde zur Vermeidung von Fehldiagnosen.
Gonarthrose und degenerative Veränderungen der Wirbelsäule zählen zu den hochprävalenten muskuloskelettalen Krankheitsbildern. Neben degenerativen Veränderungen sind beide Entitäten auch mit chronischen Schmerzen, systemisch niedriggradiger Inflammation sowie einer autonomen Dysfunktion im Sinne einer relativen Sympathikusdominanz assoziiert. Die gezielte Modulation antiinflammatorischer und analgetischer Mechanismen des Parasympathikus durch Stimulation des Vagusnervs stellt daher einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz dar. Erste Pilotstudien mit Vagusnerv-Stimulation bei Gonarthrose und degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule zeigen ermutigende initiale Effekte, insbesondere hinsichtlich einer Reduktion der Schmerzsymptomatik. Die derzeitige Evidenzlage ist jedoch heterogen. Die zentrale Herausforderung zukünftiger Forschung ist daher die Etablierung eines Gleichgewichts zwischen standardisierten Stimulationsprotokollen und einer individualisierten Anwendung.
Seit einigen Jahren wächst der Anteil von Patient:innen mit interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) im Rahmen systemischer Autoimmunerkrankungen, wie rheumatoide Arthritis (RA), systemische Sklerose, systemischer Lupus erythematodes (SLE) oder Mischkollagenosen (MCTD), im Kollektiv der Lungentransplantations(LuTX)-Patient:innen. Gerade diesem Kollektiv eröffnet die LuTX oft die einzige therapeutische Perspektive. Im Vergleich zu Patient:innen mit interstitieller Lungenfibrose wurden in LuTX-Studien im Wesentlichen ähnliche Ergebnisse in Bezug auf Abstoßungsreaktion, Outcome und Überleben erzielt, sodass rheumatologische Grunderkrankungen keine Kontraindikationen zur LuTX darstellen. Vielmehr ist die LuTX in dieser Klientel eine sichere und effektive Behandlungsoption. Mögliche Komorbiditäten, wie gastroösophagealer Reflux und Aspiration, renale Beteiligung, Gefäß- und Hautmanifestationen, sowie ggf. eine erforderliche Immunsuppression aufgrund der Grunderkrankung und spezifische onkologische Risiken stellen besondere Herausforderungen im LuTX-Management dar. Grundsätzlich sind eine frühe Zuweisung in ein Transplantationszentrum, eine multidisziplinäre Abklärung mit Fokus auf extrapulmonale Manifestationen, eine individuelle Anpassung der Immunsuppression, eine interdisziplinäre rheumatologische Betreuung und ein spezifisches Nachsorgeprogramm sinnvoll. Das Wiener LuTX-Programm, eines der größten Zentren Europas, verfügt über eine langjährige Erfahrung in der LuTX-Behandlung, darunter auch Patient:innen mit rheumatischen Erkrankungen. Im vorliegenden Artikel werden die Wiener LuTX-Daten dargestellt, die internationale Literatur kritisch beleuchtet und Empfehlungen für das Management dieser besonderen Patient:innengruppe abgeleitet.
Schmerz ist ein komplexes, individuell erlebtes Phänomen, das neben biologischen auch stark von psychosozialen Faktoren beeinflusst wird. Neben nozizeptivem und neuropathischem Schmerz wurde der noziplastische Schmerz als dritte Kategorie eingeführt, bei dem keine klare Gewebe- oder Nervenschädigung vorliegt, sondern eine Modulation der zentralen Schmerzverarbeitung. Insbesondere diese ist häufig mit diffusen Beschwerden sowie psychosozialen Belastungen assoziiert. Die Entstehung noziplastischer Schmerzen ist multifaktoriell und umfasst neben genetischen und hormonellen Faktoren vor allem auch psychosoziale und lebensgeschichtliche Einflüsse. Besonders frühe Belastungen, Stress, Traumata sowie psychologische Faktoren wie Angst oder Katastrophisieren spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig besteht eine wechselseitige Beziehung zwischen Schmerz und psychischer Gesundheit. Neurobiologisch zeigen sich unter anderem Veränderungen in Hirnarealen, die für die Schmerzwahrnehmung und -bewertung relevant sind. Psychologische Therapieansätze wie kognitive Verhaltenstherapie, Akzeptanz- und Commitment-Therapie oder perioperative Interventionen zeigen insgesamt moderate Effekte. Die Pain Reprocessing Therapy (PRT) stellt einen vielversprechenden Ansatz dar, indem sie noziplastischen Schmerz als eine veränderbare, nicht bedrohliche Gehirnaktivität neu interpretiert und so zu einer deutlichen und anhaltenden Schmerzlinderung führen kann.
Arthrose gehört zu den häufigsten muskuloskelettalen Erkrankungen und stellt angesichts demografischer Entwicklungen eine zunehmende Herausforderung für die gesundheitliche Versorgung dar. Neben pharmakologischen und operativen Therapien gewinnen nichtmedikamentöse Ansätze an Bedeutung, insbesondere Ernährung und Bewegung. Ziel dieses Beitrags ist es, eine Brücke zwischen evidenzbasierten Informationen und individuellen Erfahrungen zu bauen, um Betroffene im Umgang mit Arthrose wirksam zu unterstützen.
Der Wandel der Forschungsförderung eröffnet neue Chancen für Praxis, Forschung und Patient:innen. Moderne Programme fördern gezielt die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Klinik, Industrie und Betroffenen und legen großen Wert auf praxisnahe Fragestellungen aus der Versorgung. Erfolgreiche Anträge erfordern eine klare Ausrichtung an den Förderzielen, präzise Fragestellungen, realistische Ziele sowie eine nachvollziehbare Methodik. Neben wissenschaftlicher Exzellenz sind Struktur, Verständlichkeit und breiter Nutzen für die Gesellschaft entscheidend. Interdisziplinäre Kooperationen und die Einbindung von Patient:innen erhöhen Relevanz und Umsetzbarkeit. Ebenso wichtig sind transparente Risikoanalysen, Open-Science-Prinzipien und nachhaltige Projektplanung. Aufgrund hoher Konkurrenz und niedriger Erfolgsquoten sind strategische Planung, ausreichende Vorbereitungszeit und iterative Überarbeitung essenziell. Programme wie Horizon Europe zeigen, dass internationale Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Mehrwert im Zentrum stehen. Erfolgreiche Forschungsprojekte tragen langfristig zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei.
Der vorliegende Konsensus [1] stellt eine individualisierte, pragmatische und praxisnahe Handlungsanleitung dar, um das CVD-Risiko bei Patient*innen mit RA (rheumatoider Arthritis), PsA (Psoriasisarthritis) bzw. SpA (Spondyloarthritis) zu reduzieren. Zusammenfassend scheint es wichtig zu betonen, dass die kardiovaskuläre Betreuung dieser Patient*innen ein kontinuierlicher Prozess ist, weshalb dieser von uns in 3 Phasen gegliedert wurde. Das Erreichen einer anhaltenden Remission scheint jedenfalls eine der wichtigsten kardioprotektiven Maßnahmen zu sein. Zukünftig ist sicherlich eine Verbesserung der Evidenzlage wünschenswert, möglicherweise durch die Vereinheitlichung von Studienendpunkten. Um Empfehlungen zur Risikoreduktion bei allen rheumatischen Erkrankungen verfassen zu können, sollte jedoch Klarheit über den Pathomechanismus von Myokardischämien im Rahmen der jeweiligen unterschiedlichen Erkrankungen geschaffen werden. Eine Zukunftsvision wäre sicherlich eine gemeinsame Strategie unterschiedlicher Fachgesellschaften, die von einem erhöhten kardiovaskulären Risiko ihrer Patient*innen betroffen sind, wie z. B. der Rheumatologie, Gastroenterologie, Dermatologie und auch der Nephrologie.
Die juvenile systemische Sklerodermie (jSSc) ist eine seltene autoimmune Erkrankung mit einer Prävalenz von ungefähr 3 in 1 Mio. Kindern. Sie hat viele Ähnlichkeiten mit der Erwachsenenform der Erkrankung (SSc), unterscheidet sich aber von ihr bezüglich des Organbeteiligungs- und Antikörpermusters. Etwa 70
Knorpelregenerative Verfahren sind bei fokalen Gelenkknorpeldefekten ein etabliertes Verfahren, ihr Einsatz bei Arthrose oder entzündlich-rheumatischen Arthritiden ist Gegenstand aktueller Diskussion. Vorgestellt werden Knochenmarkstimulation, matrixaugmentierte Knochenmarkstimulation, autologe Chondrozytentransplantation sowie osteochondrale Transplantation und „minced cartilage“, jeweils mit Indikationen, Limitationen und Ergebnissen. Kausale Begleitfaktoren (z. B. mechanische Achse) sollten konsequent mitbehandelt werden. Für fokale Läsionen gilt: Mikrofrakturierung mit frühem Benefit, aber nachlassender Dauerwirkung; matrixaugmentierte Knochenmarkstimulation mit besseren Ergebnissen als die alleinige Knochemarkstimulation; autologe Chondrozytentransplantation als Standard für größere Defekte (≥ 2 cm2) mit überlegenem Langzeitergebnis gegenüber der Knochenmarkstiumlation; osteochondrale Transplantation für kleine osteochondrale Defekte; „minced cartilage“ mit wachsender, aber noch begrenzter Evidenz. Die S3-LL Gonarthrose und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie stützen eine zurückhaltende Indikation bei Arthrose. Bei manifester Gonarthrose (Kellgren-Lawrence III–IV) wird von regenerativen Operationen abgeraten; bei Früharthrose kann in ausgewählten Fällen ein Nutzen bestehen. Entzündliche (rheumatoide) Arthritiden gelten als Kontraindikation: Das inflammatorisch-katabole Milieu gefährdet die Regeneration. Bei fortgeschrittener rheumatoider Arthritis bleibt bei hochgradiger Destruktion des Gelenks die Endoprothetik Standard. Eine knorpelregenerative Therapie kann im Einzelfall bei stabiler Kontrolle sowohl der systemischen Erkrankung als auch des zu therapierenden Gelenks sowie bei eindeutig fokaler Symptomkorrelation erwogen werden.
Typ-1-Interferonopathien sind seltene, meist vererbte Erkrankungen des angeborenen Immunsystems, bei denen eine unkontrollierte Typ-1-Interferon-Produktion zu inadäquaten Entzündungsprozessen führt. Aufgrund der pathogenetischen Erkenntnisse stellen Januskinase-Inhibitoren eine mögliche zielgerichtete Therapieoption dar.
Die Psoriasis-Arthritis (PsA) ist eine heterogene, chronisch-entzündliche Erkrankung, die häufig nach oder zusammen mit einer Psoriasis der Haut auftritt. Typische Manifestationen sind Arthritis, Enthesitis, Daktylitis sowie Haut- und Nagelveränderungen. Assoziierte Erkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Uveitis und kardiometabolische Komorbiditäten sind häufig. Pathophysiologisch spielen genetische Faktoren und eine Fehlregulation der IL-23/IL-17-Achse eine zentrale Rolle. Aufgrund der Vielgestaltigkeit der Symptome bleibt die Diagnose oft schwierig; die CASPAR-Kriterien und bildgebende Verfahren können unterstützen. Therapieentscheidungen richten sich nach dem Schweregrad und den betroffenen Manifestationen. Nicht alle Patienten benötigen zu Beginn eine krankheitsmodifizierende Therapie (DMARD). Bei milden Verläufen kann eine symptomatische Behandlung, etwa mit NSAR oder lokalen Maßnahmen, ausreichend sein. Persistiert die Entzündung oder droht Gelenkschaden, sollte frühzeitig eine DMARD-Therapie eingeleitet werden. Eine individuelle, manifestationsbezogene und interdisziplinäre Behandlung ist entscheidend, um Entzündung, Funktion und Lebensqualität langfristig zu erhalten.
Die Kniearthrose (Gonarthrose) stellt eine der häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen und funktionelle Einschränkungen im höheren Lebensalter dar. Das moderne Krankheitsverständnis beschreibt sie nicht mehr ausschließlich als degenerative Verschleißerkrankung, sondern als komplexes Zusammenspiel mechanischer und entzündlicher Prozesse. Insbesondere die synoviale Entzündung mit pathologischer Neoangiogenese und begleitender Nerveninvasion gilt heute als zentraler Treiber der Schmerzchronifizierung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Kniegelenkarterien-Embolisation (GAE, Abkürzung für engl. „genicular artery embolization“) als minimalinvasiver, interventionell-radiologischer Therapieansatz zunehmend an Bedeutung. Die GAE zielt auf die selektive Devaskularisation pathologisch hyperämischer synovialer Areale ab, ohne die physiologische Gelenkversorgung zu beeinträchtigen. Durch die Reduktion des Zustroms proinflammatorischer Mediatoren und die Unterbrechung neurovaskulärer Strukturen kann eine signifikante und anhaltende Schmerzlinderung erzielt werden. Der Therapieerfolg hängt maßgeblich von einer sorgfältigen Patientenselektion ab. Besonders profitieren Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelschwerer Gonarthrose (Kellgren-Lawrence Grad I–III) und nachgewiesener Synovitis. Die GAE schließt damit eine therapeutische Lücke zwischen konservativer Behandlung und Endoprothetik. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass der Eingriff eine spätere Knieendoprothese nicht negativ beeinflusst und somit auch als „Brücke zur Operation“ eingesetzt werden kann. Zukünftige randomisierte Studien sowie die Weiterentwicklung bildgebender und biomarkerbasierter Prädiktoren werden den Stellenwert der GAE im Behandlungsalgorithmus der Kniearthrose weiter präzisieren.
Fatigue ist ein häufiges und hoch belastendes Symptom bei entzündlich-rheumatischen und postinfektiösen Erkrankungen. Trotz leitlinienbasierter Empfehlungen sind nichtpharmakologische Unterstützungsangebote in der Routineversorgung häufig nur eingeschränkt zugänglich. Ziel des Projekts „Digitale Ergotherapie gegen Fatigue und Konzentrationsstörungen“ (DiEgO) ist die partizipative Überführung bewährter ergotherapeutischer Inhalte aus der Vorgängerintervention „Ergotherapeutische Intervention bei Long-COVID“ (ErgoLoCo) in eine webbasierte Anwendung. Die DiEgO wurde im Rahmen einer partizipativen Entwicklungsstudie gemeinsam mit Menschen mit Fatigue, praktizierenden Ergotherapeut:innen und akademisch Forschenden entwickelt. In 6 Forschungswerkstätten (2 Gruppen) wurden priorisierte Inhalte aus ErgoLoCo über 3 iterative Entwicklungs- und Anpassungsschleifen digital adaptiert. Der Entwicklungsprozess wurde belastungssensibel gestaltet, unter anderem durch geplante Pausen, reduzierte Informationsdichte und flexible Beteiligungsmöglichkeiten. Der resultierende Prototyp (Stand vor externer Praxisevaluation) umfasst 13 Module, bestehend aus 2 Informationseinheiten, 10 ergotherapeutischen Einheiten sowie einem optionalen Bewegungs- und Entspannungsbaustein. Querschnittlich integriert sind ein Selbstmonitoring der Energieressourcen, Pausenmanagement und eine differenzierte Berücksichtigung postexertioneller Malaise (PEM). Die modulare Struktur ermöglicht eine orts- und zeitunabhängige Nutzung zur Unterstützung des individuellen Selbstmanagements. Die partizipativen Forschungswerkstätten ermöglichten eine fatiguesensible Digitalisierung ergotherapeutischer Inhalte. DiEgO verdeutlicht das Potenzial einer eskalierbaren digitalen Ergotherapie, Versorgungslücken bei Fatigue – auch im rheumatologischen Kontext – zu adressieren. Eine externe Anwendbarkeits- und Akzeptanzevaluation im Praxissetting wird derzeit durchgeführt.
Schmerzen bei Bewegung stellen ein häufiges und klinisch relevantes Symptom im Kindes- und Jugendalter dar, auch im Kontext rheumatischer Erkrankungen. Während akute bewegungsassoziierte Schmerzen meist somatisch erklärbar sind, können Schmerzen unter Bewegung/Belastung bei einem Teil der Betroffenen trotz kontrollierter oder fehlender entzündlicher Aktivität persistieren. In diesen Fällen tragen psychologische und soziale Einflussfaktoren wesentlich zum Schmerzerleben, zum Bewegungsverhalten und zur funktionellen Beeinträchtigung bei. Chronische muskuloskelettale Schmerzen lassen sich verschiedenen Facetten zuordnen, darunter inflammatorische, mechanische und zentral vermittelte Schmerzen. Angst-Vermeidungs-Mechanismen, Lern- und Gedächtnisprozesse sowie elterliche Kommunikations- und Bewältigungsmuster beeinflussen die Wahrnehmung von Schmerz und Bewegung im Kindesalter maßgeblich. Klinisch zeigen sich bei chronischen Schmerzen häufig Konstellationen mit ausgeprägter Funktionsbeeinträchtigung bei geringen oder fehlenden somatischen Befunden. Für die pädiatrische Rheumatologie ergeben sich daraus konkrete Implikationen für Anamnese, ärztliche Gesprächsführung und therapeutische Zielsetzung. Bewegung stellt ein zentrales medizinisches und psychologisches Therapieprinzip dar, bei dem nicht Schmerzfreiheit, sondern Kontrollierbarkeit, Selbstwirksamkeit und Teilhabe im Vordergrund stehen. Bei chronifizierten, ambulant therapieresistenten Verläufen mit hoher Alltagsbeeinträchtigung kann eine interdisziplinäre multimodale stationäre Schmerztherapie indiziert sein.
Ein 8‑jähriges Mädchen wurde vom Kinderarzt zugewiesen mit einer seit 4 Wochen bestehenden schmerzhaften Schwellung des linken Knies. Zwei Monate vor dieser Präsentation bestand bei dem Mädchen hohes Fieber und eine eitrige Tonsillitis. Diese wurde nach einer positiven Diagnose für Streptokokkeninfektion (Rachenabstrich und Schnelltest) mit Penizillin behandelt. Nach einem symptomfreien Intervall kam es zu einer plötzlichen Gonarthritis links, welche für 4 Wochen anhielt. Die Zuweisung erfolgte nun zum Ausschluss einer rheumatischen Erkrankung.
Die Lues-Infektion zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen mit steigender Prävalenz. Sie wird in verschiedenen Stadien eingeteilt und kann je nach Stadium alle Organsysteme befallen und sich klinisch vielfältig äußern. Die Symptomatik kann hier denen einer Kollagenose, wie denen eines systemischen Lupus erythematodes, stark ähneln und auch laborchemisch können sich bei beiden Erkrankungsentitäten gleiche Auffälligkeiten zeigen. Die Antikörperdiagnostik und Biopsie spielen hier eine entscheidende Rolle zur Diagnosesicherung. Eine Einordnung der Antikörper im Rahmen der vermuteten Erkrankung sollte stets erfolgen, da Antikardiolipin-Antikörper auch bei der Lues-Infektion auftreten können. Eine bestätigte Lues Infektion bedarf stets einer antiinfektiven Therapie. Die Mitbehandlung des Sexualpartners und ein Screening auf andere sexuell übertragbare Erreger sollte stets ergänzt werden. Insbesondere als Facharzt mit Spezialisierung sollte man Fixierungsfehler meiden und infektiologische Differenzialdiagnosen in Betracht ziehen.