
Das kolorektale Karzinom (KRK) zählt in Europa und Deutschland unverändert zu den häufigsten malignen Erkrankungen. Zugleich sind Prävention und Früherkennung besonders wirksam. Der Grund liegt in der meist langsamen Entwicklung über präkanzeröse Vorstufen und in der Möglichkeit, diese Läsionen endoskopisch zu entfernen. Moderne Vorsorge verbindet Lebensstilberatung, strukturierte Einladungsverfahren, qualitätsgesicherte Koloskopie, immunologische Stuhltests und eine an individuelle Risiken angepasste Nachverfolgung. Der Beitrag fasst aktuelle Evidenz und Leitlinienempfehlungen praxisnah zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Beratung asymptomatischer Personen mit durchschnittlichem Risiko, die Identifikation von Risikogruppen, die Vermeidung von Über- und Unterversorgung sowie die Verbesserung der Teilnahmequote an den Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen. Ergänzend werden zwei klinisch besonders relevante Problembereiche angesprochen: die Zunahme von KRK-Diagnosen vor dem 50. Lebensjahr und die konsequente, genabhängige Vorsorge beim Lynch-Syndrom.
Masern treten in Deutschland vorwiegend importiert oder importassoziiert auf. Wir berichten über zwei Reiserückkehrer mit Masernimpfversagen: einen 49-Jährigen mit primärem Impfversagen nach einmaliger Impfung und schwerer Masernpneumonitis sowie einen 22-Jährigen mit sekundärem Impfversagen bei Verdacht auf Immundefekt und mildem Verlauf mit atypischem Exanthem. Masern sind auch bei Geimpften eine relevante Differenzialdiagnose und die reisemedizinische Beratung sollte den Masernimpfstatus einschließen.
Diabetes mellitus Typ 2 (T2D) ist eine komplexe und chronische Krankheit, die eine kontinuierliche Behandlung in verschiedenen Bereichen erfordert: Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit sowie medikamentöse Therapie. Adhärenz stellt den zentralen limitierenden Faktor in der langfristigen Behandlung des T2D dar. Im vorliegenden Beitrag erörtern wir die systemischen, psychosozialen und lebensstilbezogenen Faktoren, die die Einhaltung ernährungsbezogener Lebensstilinterventionen beeinflussen, sowie deren Auswirkungen auf die klinische Versorgung. In den aktuellen Nationalen Versorgungsleitlinien wird der Interaktion zwischen Patient*innen und Behandelnden ein hoher Stellenwert zugewiesen. Individualisierte Therapieziele, die regelmäßig evaluiert und bei Bedarf angepasst werden müssen, sowie die Betreuung in einem multidisziplinären Team werden als Voraussetzungen für eine gute Adhärenz herausgestellt. Trotz dieser klaren strukturellen Vorgaben gibt es eine Versorgungslücke zwischen den Empfehlungen der Leitlinien und der klinischen Realität, insbesondere bei der langfristigen Adhärenz. Die Adhärenz bei T2D ist durch psychosoziale, verhaltensbezogene und strukturelle Faktoren beeinflusst. Psychologische Faktoren, wie soziale Unterstützung, Depressionsanfälligkeit, Selbstwirksamkeit und das Vorliegen von Bewältigungsstrategien, sowie sozioökonomische Bedingungen gelten als Prädiktoren der Adhärenz. Verschiedene Ernährungsinterventionen, beispielsweise die mediterrane Ernährung, werden hinsichtlich ihrer Adhärenz und ihrer metabolischen Effekte diskutiert. Bei allen Ernährungsinterventionen nimmt die Adhärenz im Verlauf der Zeit ab. Ernährungsformen, die weniger restriktiv sind, haben eine höhere Adhärenz und eine geringere Abbruchquote. Die verfügbare Zeit bei Konsultationen sowie die Integration verhaltensbezogener und psychologischer Versorgung haben essenziellen Einfluss auf die Adhärenz. Die Verbesserung dieser Aspekte könnte die langfristige Adhärenz und damit metabolische Outcomes verbessern.
Multiresistente Erreger (MRE) zählen zu den größten globalen Gesundheitsbedrohungen. Bei gramnegativen Erregern ist vor allem die weltweit zunehmende Carbapenem-Resistenz klinisch bedeutsam; bei grampositiven Erregern stehen Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-Stämme und Vancomycin-resistente Enterokokken im Vordergrund. Resistenzmechanismen umfassen Veränderungen an penicillinbindenden Proteinen, enzymatische Inaktivierung durch β‑Laktamasen, Porinmodifikationen und Effluxpumpen. Die gezielte Therapie von MRE-Infektionen erfordert die Kenntnis des Resistenzmechanismus und eines phänotypischen Antibiogramms. Neue β‑Laktam/β-Laktamase-Inhibitor-Kombinationen haben bei Infektionen durch gramnegative MRE ältere Therapieansätze wie die Behandlung mit Colistin aufgrund der besseren Wirksamkeit und Verträglichkeit weitgehend abgelöst. Die kürzlich erschienene erste deutsche S3-Leitlinie „Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien“ gibt praxisorientierte Therapieempfehlungen bei Vorliegen von Infektionen durch MRE.
Die Krankenhausplanung ist von zentraler gesundheitspolitischer Bedeutung, da sie die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung sicherstellen soll. Ziel des Krankenhausplans Nordrhein-Westfalen (NRW) 2022 ist eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige und zugleich wirtschaftlich tragfähige stationäre Versorgung für die Bevölkerung in allen Landesteilen. Die Koordination zwischen den Leistungserbringern soll gefördert und die Stabilität des Gesamtsystems zugunsten von Patienten, Beschäftigten und Krankenhäusern erhöht werden. Eine konsequente Patientenorientierung ist das zentrale Leitprinzip. Die Einbindung von Krankenhausträgern, Kostenträgern, Ärzteschaft und weiteren Beteiligten erweist sich als entscheidender Erfolgsfaktor. Die Planung verfolgt eine strategische Neuausrichtung von einer primär quantitativen hin zu einer qualitäts- und leistungsorientierten Steuerung. Zentrale Instrumente sind dabei die Konzentration komplexer Leistungen sowie die gleichzeitige Sicherung der wohnortnahen Grundversorgung. Kern der neuen Planungssystematik ist die Abkehr von der bettenbezogenen Planung zugunsten einer leistungsgruppenorientierten Struktur. Hier spielt die Krankenhausplanung NRW eine bundesweite Vorreiterrolle. Das NRW-Leistungsgruppenmodell setzt auf gezielte Steuerungseffekte durch die Auswahl der Leistungsgruppen (allgemeine und spezifische Leistungsgruppen). Die Planung erfolgt auf unterschiedlichen regionalen Ebenen, wodurch eine differenzierte und bedarfsgerechte Steuerung ermöglicht wird. Verfahrensrechtlich zeichnet sich die Planung durch ein zweistufiges Vorgehen aus: Zunächst wird geprüft, welche Krankenhäuser die qualitativen Mindestanforderungen erfüllen; anschließend erfolgt bei Überangebot eine Auswahlentscheidung anhand festgelegter Kriterien. Charakteristisch ist zudem die Konzeption des Krankenhausplans als „lernendes System“, das kontinuierlich fortentwickelt wird. Der vorliegende Beitrag beschreibt die Hintergründe und rechtlichen Grundlagen des Krankenhausplans NRW. Zielsetzungen, Systematik und Bedarfsplanung werden umrissen. Zuletzt wird eine Zwischenbilanz der Umsetzung gezogen und ein Blick in die Zukunft geworfen. Die bisherige Umsetzung des Krankenhausplans NRW ist positiv zu bewerten.
Eine wichtige Komponente von Bedarfsgerechtigkeit in der Medizin ist die Vermeidung von Überversorgung. International wie auch in Deutschland gibt es zahlreiche Beispiele von „low-value care“, d. h. Maßnahmen, die weder zur Gesundheit des Einzelnen noch zum Gesundheitszustand ganzer Patienten- oder Bevölkerungsgruppen einen wertvollen Beitrag leisten. Diese Maßnahmen vergeuden große Anteile der Ressourcen im Gesundheitswesen und haben aus medizinischer Sicht schädliche Folgen für Einzelne wie für die Gemeinschaft. Die treibenden Kräfte für Überversorgung sind vielfältig und liegen sowohl in Systemfaktoren als auch im persönlichen Verhalten von Ärzt:innen und Patient:innen. Seit 2012 gibt es international mit Choosing Wisely und seit 2015 in Deutschland mit Klug entscheiden Initiativen, die auf der persönlichen Ebene Verhaltensänderungen bewirken sollen. Werkzeug sind thematisch eng fokussierte Empfehlungen, die einzelne Maßnahmen als „low-value care“ kennzeichnen und Ärzt:innen und Patient:innen auf kritische Distanz zu ihrer Anwendung bringen sollen. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den treibenden Kräften für Überversorgung, schildert die Kampagnen Choosing Wisely und Klug entscheiden und versucht eine Einordnung ihres Wirksamkeitspotenzials.
Menschen mit nichtdialysepflichtiger chronischer Nierenerkrankung („non-dialysis chronic kidney disease“ [ND-CKD]) berichten häufig eine hohe körperliche Symptombelastung. Traditionelle klinische Ansätze postulieren eine hohe Symptombelastung erst in späten Stadien. Diese Studie vergleicht die Symptombelastung bei ND-CKD aus ärztlicher Sicht mit der Patientenperspektive. In einer deutschlandweiten Onlinebefragung benannten Nephrologinnen und Nephrologen die drei häufigsten Symptome sowie die durchschnittliche Symptombelastung bei chronischer Nierenerkrankung („chronic kidney disease“ [CKD]) mithilfe einer adaptierten Version des Chronic Kidney Disease Symptom Burden Index (CKD-SBI). Die Ergebnisse wurden mit Selbstauskünften im CKD-SBI von Personen der SOMA.CK-Studie mit ND-CKD verglichen. Einschätzungen zur Symptombelastung von N = 108 Nephrologinnen und Nephrologen (durchschnittliche Berufserfahrung: 14,3 Jahre) wurden mit den Angaben von N = 222 Personen mit ND-CKD (Durchschnittsalter = 61,22 Jahre, Standardabweichung [SD] = 14,90) verglichen. Nephrologinnen und Nephrologen nannten Fatigue (69,44
Neue Erkenntnisse zur Hormonwirkung und Krankheitsentstehung ermöglichen zunehmend individualisierte Therapiestrategien und erweitern die Behandlungsmöglichkeiten bei häufigen endokrinen und metabolischen Erkrankungen, die zu den zentralen Treibern der großen Volkskrankheiten zählen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet exemplarisch drei für die internistische Praxis besonders relevante Themenbereiche und fasst die wichtigsten Entwicklungen des vergangenen Jahres zusammen. Besonders dynamisch ist der Erkenntnisgewinn im Bereich der Adipositas, deren Behandlung durch moderne inkretinbasierte Medikamente derzeit einen grundlegenden Wandel erfährt. Diese Therapien eröffnen nicht nur neue Perspektiven für eine effektive Gewichtsreduktion, sondern auch für die Prävention und Behandlung zahlreicher adipositasassoziierter Begleiterkrankungen. Gleichzeitig rücken neue diagnostische Konzepte in den Fokus, die über die klassische BMI(„body-mass index“)-basierte Einteilung hinausgehen und eine differenziertere klinische Risikostratifizierung dieser chronisch progredienten Erkrankung ermöglichen sollen. Auch bei Nebennierenraumforderungen und hormonell bedingten Hypertonieursachen tragen aktuelle Erkenntnisse zu einer präziseren Diagnostik und einem gezielteren Management bei. Darüber hinaus eröffnen selektive Aldosteron-Synthase-Inhibitoren neue therapeutische Optionen für den primären Hyperaldosteronismus, die häufigste Ursache einer sekundären Hypertonie. Ebenso zeichnet sich bei Schilddrüsenknoten und Schilddrüsenmalignomen ein Paradigmenwechsel ab. Im Mittelpunkt stehen risikoadaptierte diagnostische und therapeutische Strategien, die eine zuverlässige Identifikation klinisch relevanter Befunde ermöglichen und gleichzeitig Überdiagnostik sowie unnötige Therapien vermeiden sollen. Insbesondere beim Niedrigrisiko-Schilddrüsenkarzinom gewinnen organerhaltende Operationsverfahren, die selektivere Anwendung der Radiojodtherapie und in ausgewählten Fällen sogar aktive Überwachungsstrategien zunehmend an Bedeutung. Ziel dieser Entwicklungen ist es, bei unverändert hoher onkologischer Sicherheit die therapiebedingte Morbidität zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu erhalten.
Die kardiale Computertomographie (k-CT) hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Baustein der nichtinvasiven kardiovaskulären Diagnostik entwickelt und ist heute sowohl in den Leitlinien als auch im klinischen Alltag fest etabliert. Insbesondere bei Patienten mit niedriger bis intermediärer Vortestwahrscheinlichkeit kommt ihr als Erstlinienverfahren zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit eine Schlüsselrolle zu. Auch im akuten Setting kann sie bei ausgewählten Patientengruppen zur schnellen und sicheren Ausschlussdiagnostik beitragen und so die Patientensteuerung in der Notaufnahme verbessern. Über die reine Stenosebeurteilung hinaus ermöglicht die k‑CT eine umfassende Charakterisierung der koronaren Atherosklerose. Dabei zeigt sich, dass vor allem Plaquevolumen und -zusammensetzung entscheidende prognostische Faktoren darstellen. Moderne Auswertungsverfahren erlauben eine zunehmend standardisierte und quantitative Analyse, die eine individualisierte Risikostratifizierung und Therapieplanung unterstützt. Insbesondere bei Nachweis subklinischer Atherosklerose können frühzeitig präventive Maßnahmen initiiert und die Therapieadhärenz verbessert werden. Technologische Fortschritte wie Photon-counting-Computertomographie und auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Plaqueanalysen erweitern die diagnostischen Möglichkeiten erheblich. Darüber hinaus spielt die k‑CT eine wichtige Rolle bei Patienten nach Revaskularisation sowie in der Planung und Nachsorge struktureller Herzeingriffe. Insgesamt stellt sie ein leistungsfähiges und vielseitiges Verfahren dar, das Diagnostik, Risikobewertung und Therapieplanung in der modernen Kardiologie wesentlich verbessert.
Die KDIGO-Leitlinie 2024 zu Evaluation und Behandlung der chronischen Nierenkrankheit (CKD) stellt ein umfassendes Update der Leitlinie des Jahres 2012 dar und integriert Evidenz aus über 937 Referenzen auf 197 Seiten. Die Leitlinie behält das etablierte CGA-Klassifikationssystem (Ursache, GFR-Kategorie, Albuminurie-Kategorie) bei und führt verstärkte Empfehlungen zur CKD-Progressionshemmung ein. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören erweiterte Indikationen für SGLT2-Inhibitoren, unabhängig vom Diabetesstatus (Empfehlungsgrad 1A für eGFR ≥ 20 ml/min bezogen auf 1,73 m2 KOF), die Integration nichtsteroidaler Mineralokortikoidrezeptorantagonisten (ns-MRA) bei diabetischer CKD sowie die Anerkennung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten für kardiovaskulären und renalen Schutz. Die Leitlinie betont umfassende Risikostratifizierung, Lebensstiloptimierung mit Proteinrestriktion (0,8 g/kgKG und Tag) und Natriumlimitierung (2 g/Tag), Blutdruckziele (systolischer Wert 120 mm Hg, wenn tolerierbar) sowie eine Kombinationspharmakotherapie. Neue Therapieansätze wie Endothelinrezeptorantagonisten und Aldosteronsynthasehemmer erzielen vielversprechende Ergebnisse in Phase-2-Studien. Metaanalysen belegen, dass die Kombinationstherapie aus SGLT2-Inhibitoren, GLP-1-RA und ns-MRA das kardiovaskuläre und renale ereignisfreie Überleben bei Hochrisikopatienten mit Typ-2-Diabetes um 3 bis 5 Jahre verlängern kann.
Die gegenwärtige Pharmakotherapie der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) besteht aus Angiotensinrezeptor-Neprilysin-Inhibitoren, Betablockern, Mineralokortikoidrezeptorantagonisten und Natrium-Glucose-Kotransporter-2-Inhibitoren. In diesem Jahr kamen zwei weitere Substanzen zum existierenden Armamentarium dazu: (1) Digitoxin als Natrium-Kalium-ATPase-Inhibitor und (2) Vericiguat als Stimulator der löslichen Guanylatcyclase. Für Vericiguat konnte bereits vor einigen Jahren gezeigt werden, dass es bei Patienten mit kürzlicher Dekompensation die kardiovaskuläre Mortalität und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen senkt. In diesem Jahr wurde es bei stabiler Herzinsuffizienz ohne vorangegangene kürzliche Dekompensation untersucht. Hier zeigte sich allerdings keine Reduktion für den kombinierten Endpunkt kardiovaskuläre Mortalität und Herzinsuffizienz-Hospitalisierung. Im sekundären Endpunkt wurde jedoch eine signifikante Reduktion der Mortalität deutlich. Außerdem zeigte eine Metaanalyse, die sowohl die Daten bei instabiler als auch bei stabiler Herzinsuffizienz kombinierte, eine Senkung der kardiovaskulären Mortalität und Verringerung der Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen. In der DIGIT-HF-Studie reduzierte niedrig-dosiertes Digitoxin (Serumspiegel 8–18 ng/l) Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen signifikant. Beide Studien belegen, dass sowohl Digitoxin als auch Vericiguat additiv zu den etablierten vier Säulen wirksam sind und die Therapie der HFrEF um zwei Säulen zu erweitern sein wird.
Die bedarfsgerechte Verteilung von Versorgungsressourcen ist eine zentrale Herausforderung für moderne Gesundheitssysteme. Dieser Beitrag vergleicht die Planungssystematiken zur Sicherstellung der bedarfsgerechten Versorgung in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, Schweden und England. Während die deutsche ambulante Bedarfsplanung primär auf Arzt-Einwohner-Schlüsseln basiert und sich auf die ärztliche sowie psychotherapeutische Versorgung beschränkt, zeigen internationale Beispiele innovative Ansätze: Die Niederlande steuern über Ausbildungskapazitäten für 79 Gesundheitsberufe mithilfe von Simulationsmodellen. Österreich verfolgt eine integrierte Planung von Betten, Personal und Erreichbarkeit nach dem Best-Point-of-Service-Prinzip. Schweden setzt auf populationsbasierte, ethisch fundierte Modelle mit dem Care Need Index und einer gesetzlichen Behandlungsgarantie. England nutzt komplexe gewichtete Kopfpauschalenformeln, die explizit vermeidbare Mortalität und sozioökonomische Benachteiligung berücksichtigen. Der Vergleich verdeutlicht erhebliches Weiterentwicklungspotenzial für Deutschland, insbesondere hinsichtlich multiprofessioneller Planung, sektorenübergreifender Steuerung, der Berücksichtigung vertikaler Gerechtigkeit und der Integration nichtärztlicher Berufsgruppen wie Hebammen. Die Analyse zeigt, dass eine Abkehr von rein quantitativen Maßgaben hin zu Outcome-orientierten, sozioökonomisch adjustierten Planungsansätzen notwendig ist.
Der Aufsatz untersucht unter Gerechtigkeitsaspekten einerseits die bestehenden Finanzierungsstrukturen und andererseits die Optionen für Einsparungen im Gesundheitswesen. Die Finanzierung über lohnbezogene Beiträge mit Bemessungsgrenze wird kritisiert, da andere Einkommensarten unberücksichtigt bleiben und Wohlhabende relativ entlastet werden. Die Trennung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung erzeugt Ungleichheiten. Für Einsparungen werden drei Optionen untersucht: Verzicht auf unnötige Maßnahmen, Effizienzsteigerung wirksamer Leistungen, Priorisierung nach Bedarf, Nutzen und Kosten. Die Vorteile der ersten beiden Optionen gegenüber Priorisierungen werden ebenso dargestellt wie die Zuständigkeiten.
Nationale und internationale Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie haben sich über die letzten Jahrzehnte erheblich verändert. Bis 2009 wurde in den meisten Hypertonieleitlinien empfohlen, dem Prinzip „je niedriger, desto besser“ zu folgen. Diese Sichtweise wurde in der zweiten Dekade dieses Jahrhunderts revidiert, hauptsächlich wegen eines Mangels an Daten, die niedrige Zielwerte stützten. Allerdings kam es bald zur nächsten Kehrtwende, angestoßen durch die Interpretation der Daten des Systolic Blood Pressure Intervention Trial (SPRINT) 2015, der eine geringere Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Senkung des systolischen Blutdrucks unter 120 mm Hg belegte. Da die SPRINT-Studie Patienten mit Diabetes ausgeschlossen hatte, erregte der Blood Pressure Control Target in Diabetes (BPROAD) Trial 2025 große Aufmerksamkeit; hier waren Patienten mit Diabetes eingeschlossen. BPROAD kam zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie SPRINT und stützte nun den Nutzen einer Senkung des systolischen Blutdrucks unter 120 mm Hg bei einer breiteren Gruppe von Patienten. Berücksichtigt werden müssen jedoch auch das Blutdruckmessverfahren und die individuelle Verträglichkeit niedriger Blutdruckziele.
Amyloidosen sind seltene Erkrankungen, bei denen Proteine aufgrund einer Fehlfaltung als fibrilläre Aggregate abgelagert werden, was zu potenziell lebensbedrohlichen Organschäden führen kann. Die Ablagerungen können systemisch oder lokal auftreten. Systemische Amyloidosen können mit monoklonalen Gammopathien oder chronischen Entzündungen verbunden oder hereditär bedingt sein. Die Behandlung zielt in den meisten Fällen darauf ab, die Produktion der amyloidbildenden Proteine zu verringern – je nach zugrunde liegendem Protein und dessen Ursprung etwa durch Chemotherapie, antientzündliche Therapien oder Gen-Silencer. Eine frühe Diagnose ist entscheidend, um eine weitere Organschädigung zu verhindern. In den letzten 25 Jahren haben sich Diagnostik und Therapie von Amyloidose-Erkrankungen deutlich verbessert.
Metabolische Knochenerkrankungen sind häufige, jedoch oft unterschätzte Ursachen für Frakturen und chronische Knochenschmerzen in der Inneren Medizin. Sie können lange asymptomatisch verlaufen und werden nicht selten erst im Rahmen von Insuffizienzfrakturen diagnostiziert. Ziel dieses Übersichtsbeitrags ist es, häufige und seltene metabolische Knochenerkrankungen darzustellen und ein praxisorientiertes diagnostisches Vorgehen zu vermitteln. Narrative Übersicht aktueller Literatur unter besonderer Berücksichtigung klinisch relevanter Differenzialdiagnosen und diagnostischer Algorithmen. Neben der sekundären Osteoporose spielen insbesondere Störungen des Kalzium- und Phosphatstoffwechsels eine zentrale Rolle. Wichtige Differenzialdiagnosen umfassen den primären Hyperparathyreoidismus, genetische Osteopathien, Hypophosphatasie sowie Fibroblast-growth-factor-23(FGF23)-vermittelte Hypophosphatämien. Entscheidend für die Diagnostik sind eine strukturierte Anamnese, die Bestimmung von Kalzium, Phosphat, Magnesium, Parathormon und alkalischer Phosphatase sowie bei Bedarf weiterführende Parameter wie das Verhältnis der maximalen tubulären Phosphatrückresorption (TMP) zur glomerulären Filtrationsrate (GFR) und FGF23. Die Magnetresonanztomographie ist essenziell zum Nachweis von Insuffizienzfrakturen. Eine systematische Diagnostik metabolischer Knochenerkrankungen ist entscheidend, da sich hieraus unmittelbar unterschiedliche therapeutische Konsequenzen ergeben und zunehmend spezifische Therapieoptionen zur Verfügung stehen.