
Abstract Der Beitrag widmet sich einer konzeptionellen Annäherung des Drehtüreffekts, um das Phänomen vorzeitiger Rücktritte weiblicher Hochschulleitungen umfassender zu verstehen und zu analysieren. Aus diesem Grund werden die Perspektiven der feministischen Organisationsforschung und der Medienanalyse miteinander verknüpft. Damit wird gezeigt, wie organisationale Widerstände, Abwertungsmechanismen, geschlechterstereotype Berichterstattung und Social-Media-Aktivitäten in neuartiger Weise benachteiligend zusammenwirken können und Frauen aus Führungspositionen verdrängen. Diese Betrachtung ist essentiell für das Verständnis von Macht- und Geschlechterverhältnissen an Organisationsspitzen und zur gleichstellungspolitischen Weiterentwicklung von Maßnahmen.
Abstract Progressive Identitätspolitik ist keine bloße Frage der Anerkennung, sondern sie zielt auf die Überwindung sozialer Herrschaftsverhältnisse ab, die in der Gleichzeitigkeit und Verschränkung verschiedener Unterdrückungssysteme wurzeln. Dieser Beitrag kontextualisiert die Genese der Identitätspolitik auf Grundlage von »Druckerzeugnissen« Schwarzer US-amerikanischer Feminist:innen wie Sojourner Truth, Claudia Jones, Frances Beal und dem Combahee River Collective. Dabei wird deutlich, dass identitätspolitische Kämpfe in diesem Verständnis Kämpfe für universalistische Ideale sind.
Abstract Der vorliegende Beitrag zeigt an ausgewählten literarischen Texten über (imaginierte) Metamorphosen weiblicher Figuren wie in Brigitte Kronauers Wink (2003/04), Han Kangs Die Vegetarierin (orig. 2007) und Camilla Grudovas Auftrennen (orig. 2017), dass hier mittels rhetorischer, sprachspielerischer und traumästhetischer Strategien männlich bzw. patriarchal codierte Macht sowie Gewalt subvertiert werden. Die ausgewählten literarischen Fallbeispiele entwickeln auch in poetologischer Hinsicht Verfahren kontinuierlicher Transformation. Im Sinne einer écriture féminine werden diese Umwandlungs- und Verwandlungsprozesse als fiktionale Akte weiblicher Handlungsmacht (agency) gedeutet.
Abstract Politik ist Kampf um Macht, betonte der Soziologe Max Weber. Für Weber war das politische Machtfeld durchaus emotional, denn dieser Kampf müsse mit Leidenschaft betrieben werden. Das politische Machtfeld galt ihm freilich auch als männlich. Politik konnte Weber sich nicht als »Frauenberuf« vorstellen. Inzwischen ist der Frauenanteil in nationalen Parlamenten sukzessive nicht zuletzt durch Quotenregelungen gestiegen. Allerdings folgt aus Quotenregelungen nicht automatisch deren wirkungsvolle Umsetzung. Vielmehr sind Prozesse der Quoten-Implementierung durch aktiven und passiven Widerstand charakterisiert. Frauen werden so Machtpositionen bewusst vorenthalten. Dieser emotionale und affektive Widerstand greift das affektive Trennungsdispositiv der politischen Moderne bzw. moderner westlicher Politik auf, das Frauen emotionalisiert und daher als untauglich für den politischen Kampf um Macht stigmatisiert. Die Implementierung von Quoten ist eine maskulinistische affektive Form des Regierens. Die »Quotenfrau« ist nur ein diskursives Beispiel für die Beschämung und Disziplinierung von Frauen in der Politik. Der Artikel basiert auf einer vergleichenden Studie in 17 europäischen Ländern von Prozessen der Quotenimplementierung und unterschiedlichen Formen des Widersetzens gegen existierende Regelungen. Durch eine Affektperspektive soll zum einen deutlich werden, dass und wie diese Formen des Widerstands auf traditionelle maskulinistische Konstruktionen von Frauen als Fremde in der Politik oder als Bedrohung des guten Funktionierens von Politik zurückgreifen. Zum anderen legt diese Perspektive auch die nach wie vor existierenden Mechanismen männlicher Solidarität und Loyalität, das male bonding , die gegenseitige Bestärkung der »Geschlechtergleichen« offen. Widerstand gegen Quotenimplementierung ist eine affektive Praxis des Othering von Frauen, der Verhinderung ihres Zugangs zu Machtpositionen und der Selbstaffirmierung von Männlichkeit im politischen Raum, also der Öffnung eines politischen Macht- und Loyalitätsraum männlicher Ausschließlichkeit.
Progressive identity politics is not merely a matter of recognition; rather, it aims to overcome social power structures rooted in the intersection of and simultaneous experience of various systems of oppression. This article contextualizes the genesis of identity politics based on & raquo;pamphlets & laquo; of Black American feminists such as Sojourner Truth, Claudia Jones, Frances Beal, and the Combahee River Collective. In this understanding, identity political struggles are struggles for universalist ideals.