Identitätspolitik wurde zu einem ideologischen Kampfbegriff gegen queer-feministische und postkoloniale Bewegungen. Der Artikel argumentiert, dass das Konzept Identitätspolitik für rechtsautoritäre Strategien herrschaftskritisch anwendbar ist und zeigt am Beispiel Deutschlands und Österreichs, dass rechte Parteien explizit Männer ansprechen, um Männlichkeit zu resouveränisieren. Die autoritäre Rechte konstruiert eine Bedrohung weißer Männlichkeit und verspricht Rettung durch maskulinistische Identitätspolitik.
Abstract Politik ist Kampf um Macht, betonte der Soziologe Max Weber. Für Weber war das politische Machtfeld durchaus emotional, denn dieser Kampf müsse mit Leidenschaft betrieben werden. Das politische Machtfeld galt ihm freilich auch als männlich. Politik konnte Weber sich nicht als »Frauenberuf« vorstellen. Inzwischen ist der Frauenanteil in nationalen Parlamenten sukzessive nicht zuletzt durch Quotenregelungen gestiegen. Allerdings folgt aus Quotenregelungen nicht automatisch deren wirkungsvolle Umsetzung. Vielmehr sind Prozesse der Quoten-Implementierung durch aktiven und passiven Widerstand charakterisiert. Frauen werden so Machtpositionen bewusst vorenthalten. Dieser emotionale und affektive Widerstand greift das affektive Trennungsdispositiv der politischen Moderne bzw. moderner westlicher Politik auf, das Frauen emotionalisiert und daher als untauglich für den politischen Kampf um Macht stigmatisiert. Die Implementierung von Quoten ist eine maskulinistische affektive Form des Regierens. Die »Quotenfrau« ist nur ein diskursives Beispiel für die Beschämung und Disziplinierung von Frauen in der Politik. Der Artikel basiert auf einer vergleichenden Studie in 17 europäischen Ländern von Prozessen der Quotenimplementierung und unterschiedlichen Formen des Widersetzens gegen existierende Regelungen. Durch eine Affektperspektive soll zum einen deutlich werden, dass und wie diese Formen des Widerstands auf traditionelle maskulinistische Konstruktionen von Frauen als Fremde in der Politik oder als Bedrohung des guten Funktionierens von Politik zurückgreifen. Zum anderen legt diese Perspektive auch die nach wie vor existierenden Mechanismen männlicher Solidarität und Loyalität, das male bonding , die gegenseitige Bestärkung der »Geschlechtergleichen« offen. Widerstand gegen Quotenimplementierung ist eine affektive Praxis des Othering von Frauen, der Verhinderung ihres Zugangs zu Machtpositionen und der Selbstaffirmierung von Männlichkeit im politischen Raum, also der Öffnung eines politischen Macht- und Loyalitätsraum männlicher Ausschließlichkeit.
Die Frage, was politisches Handeln von anderen Aktivitätsformen in den Bereichen Ökonomie, Kultur oder der so genannten Privatsphäre unterscheidet, das Problem also, ob es eine spezifische und mithin exakte Definition des Politischen gibt, ist eine der höchst umstrittenen Fragen in den Sozialwissenschaften. Das ist nicht gerade ein ermutigender Ausgangspunkt, der aber zur genaueren Spezifizierung des je eigenen Denkens über Politik herausfordert.
Das Geschlecht ist eines der zentralen Gliederungsprinzipien einer Gesellschaft. Die Einteilung in Männer und Frauen erscheint vergleichsweise selbstverständlich; ja zu wissen, ob er/sie Mann oder Frau ist, wird als geradezu notwendig empfunden, um mit einem Menschen kommunizieren zu können. Auch für pädagogisches Handeln sind Geschlechtsunterschiede bedeutsam – so als unbeabsichtigte Auswirkungen der Tatsache, dass der Pädagoge/die Pädagogin Mann oder Frau ist, als geschlechtstypisch wahrgenommene Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen oder als Orientierung an Theorien und Konzepten einer geschlechterdifferenzierenden Pädagogik.
This study explores the structural imbrications between gendered news media ownership and masculinist authoritarian populism from the lens of a feminist political economy of communication. The existing literature offers useful insights into the authoritarian-capitalist restructuring of media but fewer into how these processes are gendered. Drawing on primary data and secondary resources of ownership ties in Austria, Slovenia, and Turkey, we explore the masculinist configuration of news media ownership in countries that saw the rise of authoritarian-populist politics in recent years, albeit in varying degrees. We employ the concept of structural masculinism and the perspective of feminist political economy of communication to reveal the ways in which news media ownership structures are gendered. We argue that female underrepresentation coupled with patriarchal family business models, ownership concentration, and clientelist-masculinist ties between politics and the media create a fertile ground for media influence and control by masculinist authoritarian populists.
Während Wissenschaftler sich in großer Zahl um eine Theorie der Transformation und Demokratisierung bemühen, verhalten sich Wissenschaftlerinnen geradezu abstinent. Unbeschadet unterschiedlicher Zugänge und normativer Orientierungen sind aber „Geschlecht“ als Untersuchungskategorie wie auch Geschlechterverhältnisse als Untersuchungsgegenstand spektakulär abwesend. (Westliche) Transformationsforschung erweist sich mithin als Element von Wirklichkeitskonstruktion: Die Marginalisierung von Frauen und die Zentrierung von Männern in den Transformationsprozessen Ostmitteleuropas korrespondieren mit der Marginalisierung von Frauen und der impliziten Universalisierung des Untersuchungsobjekts Mann in den begleitenden Wissenschaften. Folgende Aspekte von Transformations- und Demokratisierungstheorien machen die geschlechtsblinde Grammatik aus: erstens die Renaissance (soziologischer) Modernisierungs- und Differenzierungstheorien, zweitens ein Modell der „transition to democracy“ mit einem bias zu politischen Institutionen, einem formalistischen Demokratieverständnis und einem funktionalistisch verkürzten Begriff von Politischer Kultur sowie schließlich drittens die Prominenz von Rational-Choice-Theorien. Alle drei Perspektiven arbeiten mit „Verlusten“ — dem Verlust gesellschaftlicher Subjekte, eines Herrschaftsbegriffs, eines gesellschaftlichen Strukturbegriffs sowie eines prozessualen Politik- und Institutionenbegriffs. Eine geschlechtersensible Konzeptualisierung von Transformations- und Demokratisierungsprozessen sollte die gegenseitige Konstitution von Geschlechterverhältnissen und Wandlungsprozessen in den Blick nehmen. Transformationen sind geschlechtlich kodierte Verschiebungen zwischen öffentlich und privat sowie zwischen Staat und Gesellschaft.
Electoral gains and anti-democratic developments indicate an ongoing normalization of far-right parties in Europe. Normalization is a bi-directional process of profound and sustainable discursive shifts as well as policy changes towards right-wing ideologemes and narratives. Mainstream parties take an active role in shaping the context of far-right normalization. Furthermore, gender and anti-gender mobilization are well suited to creating crisis scenarios and fostering a moral panic. This article introduces the concept of a 'conjuncture' to show how right-wing actors in Austria and Germany combine the contradictory neoliberal developments of fundamental economic and social transformations into one consistent narrative - namely the narrative of a crisis of masculinity. This crisis, they promise, will be solved by the right-wing authoritarian solution of a 'masculinist identity politics', which promises to restore men's control over their lives through clear-cut male identity positions. The anti-gender discourse not only enables including neoliberal in the future conjuncture, but also conservative actors, and thus contributes to the discursive normalization of the far right.