
Was ist neu? Die molekulare Diagnostik stellt mittlerweile auch in frühen Stadien des nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) einen essenziellen Bestandteil der Therapieplanung dar. Nach chirurgischer Resektion oder Radiochemotherapie sind mit Osimertinib und Alectinib inzwischen 2 zielgerichtete Substanzen für die adjuvante Behandlung zugelassen. Beim NSCLC im resektablen Stadium kann eine Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren im adjuvanten, neoadjuvanten oder perioperativen Setting erfolgen. Zudem werden aktuell multiple neue Therapieansätze geprüft. Auch die Immuntherapie hat in frühen Tumorstadien von NSCLC und kleinzelligem Lungenkarzinom (SCLC) einen festen Stellenwert erlangt. Auf Grundlage der ADRIATIC-Studie (Durvalumab nach simultaner Radiochemotherapie) erfolgte – analog zum NSCLC – die Zulassung dieser Therapie beim SCLC. In den metastasierten Stadien des NSCLC bilden Chemotherapie, Immuntherapie und zielgerichtete Substanzen die zentralen Therapieelemente. Neue Wirkstoffklassen wie Antikörper-Drug Konjugate, bispezifische Antikörper oder T-Cell-Engager erweitern derzeit das therapeutische Spektrum und könnten zukünftig sowohl beim NSCLC als auch beim SCLC eine wichtige Rolle einnehmen.
Zusammenfassung Eine 75-jährige Patientin stellte sich mit Reizhusten und Belastungsdyspnoe vor. Die initiale CT-Diagnostik zeigte eine ausgedehnte mediastinale Lymphadenopathie bei suspektem rechtsseitigem Schilddrüsenknoten und beidseitigen Halslymphknoten. Punktionszytologisch wurde ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom mit zervikaler lymphogener Metastasierung diagnostiziert. Eine molekulargenetische Analyse ergab keine targetierbaren Mutationen. Das FDG-PET-CT bestätigte multiple mediastinale und bihiläre Lymphknotenmetastasen sowie eine kleine ossäre Metastase im Os ilium. Fortgeschrittenes, mediastinal lymphogen metastasiertes follikuläres Schilddrüsenkarzinom ohne kurativen Therapieansatz. Nach interdisziplinärer Tumorkonferenz wurde eine palliativ intendierte Therapie mit dem Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) Lenvatinib begonnen. Nach achtmonatiger Behandlung zeigte sich eine deutliche Reduktion der mediastinalen Tumormasse, wodurch eine totale Thyreoidektomie mit Lymphadenektomie durchgeführt werden konnte. Anschließend erfolgte eine adjuvante Radiojodtherapie (5,5 GBq I-131). Histologisch zeigte sich ein anaplastisches Schilddrüsenkarzinom mit partieller plattenepithelialer Differenzierung. Sechs Monate postoperativ wurde bei Progression der Metastasen eine Kombinationstherapie mit Lenvatinib und Pembrolizumab begonnen. Unter dieser Therapie ist die Patientin derzeit in stabilem Allgemeinzustand. In ausgewählten Fällen kann eine initial palliativ intendierte Therapie mit einem TKI ein neoadjuvantes Behandlungsergebnis ermöglichen und somit einen kurativen Ansatz eröffnen. Voraussetzung ist eine enge multidisziplinäre Betreuung und regelmäßige Verlaufskontrolle.
Zusammenfassung Die Bestimmungen von Thyreoglobulin (TG) im Serum/Plasma und die Ultraschall-untersuchung des Halses sind derzeit die Hauptpfeiler der postoperativen Überwachung von Patienten mit differenzierten Schilddrüsenmalignomen (DTC). TG kann bei diesen Patienten unter notwendiger Levothyroxin-Medikation in TSH-supprimierender Dosierung als Tumormarker bestimmt werden. Die immunologische TG-Bestimmung als Laborparameter ist in der Schilddrüsenmalignom-Nachsorge immer an eine Bestätigung des Testergebnisses gebunden, um interferierende Störgrößen zu erkennen. Hierzu gibt es zwei häufig eingesetzte Möglichkeiten: erstens die TG-Wiederfindungsrate (Recovery) und zweitens die Bestimmung von Anti-TG-Autoantikörpern (TGAk). Beide Tests lösen aber das Problem der richtigen TG-Bestimmung nur unzureichend. Eine weitere wichtige Störmöglichkeit sind heterophile Antikörper. Die massenspektroskopische TG-Bestimmung ist eine aufwendigere Alternative, die in unklaren Fällen genutzt werden kann.
Zusammenfassung Der Fallbericht beschreibt den außergewöhnlichen Krankheitsverlauf einer 54-jährigen Patientin mit metastasiertem triple-negativem Mammakarzinom (TNBC) und Hirnmetastasen, die ein langfristiges Ansprechen auf Sacituzumab Govitecan (SG) zeigte. Nach Progression unter Standardtherapien, einschließlich Chemotherapie und Immuntherapie, erreichte sie unter SG über 53 Therapiezyklen eine stabile Erkrankungssituation und übertraf die üblicherweise schlechte Prognose dieser Hochrisikogruppe deutlich. Der multimodale Ansatz – bestehend aus chirurgischer Resektion, stereotaktischer Bestrahlung und systemischer SG-Therapie – ermöglichte eine Krankheitskontrolle über mehrere Jahre. Der Fall verdeutlicht das Potenzial von SG bei TNBC mit ZNS-Beteiligung und unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschung zu ADCs und deren Integration in kombinierte Therapiestrategien.
Zusammenfassung Das therapieassoziierte neuroendokrine Prostatakarzinom (tNEPC) ist eine seltene, prognostisch ungünstige Verlaufsform des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms, die typischerweise unter Androgendeprivation oder Androgenrezeptor-Signalweginhibition entsteht. Der zugrunde liegende Prozess der Transdifferenzierung wird durch genetische Alterationen (TP53-, RB1- und PTEN-Verlust), epigenetische Reprogrammierung sowie das Tumormikromilieu begünstigt. Klinisch zeigen tNEPCs ein aggressives Verhalten, viszerale und osteolytische Metastasen, eine häufig geringe PSA-Expression sowie PSMA-negative/ niedrig exprimierende Läsionen im PSMA-PET-CT. Die aktualisierte S3-Leitlinie empfiehlt eine Rebiopsie bei entsprechender Konstellation. Histologisch werden das kleinzellige neuroendokrine Karzinom (SCNEC), das großzellige neuroendokrine Karzinom (LCNEC) sowie gemischte Tumoren (MiNEN) mit neuroendokrinen und adenokarzinomatösen Anteilen unterschieden. In der 5. Edition hat die WHO erstmalig das tNEPC als eigenständige Entität anerkannt. Die immunhistochemische Diagnose stützt sich dabei auf Marker wie Synaptophysin, Chromogranin A, CD56 und INSM1. Neben der Histologie sind [¹⁸F]-FDG- und DOTA-basierte PET/CT-Verfahren sowie zunehmend Liquid-Biopsy-Ansätze (zirkulierende Tumorzellen, cfDNA-Methylierung) für Diagnostik und Verlaufskontrolle relevant. Therapeutisch stellt die platinbasierte Chemotherapie derzeit den Standard dar. Neue Therapiestrategien richten sich gegen molekulare Zielstrukturen wie AURKA, EZH2 oder DLL3. In Einzelfällen kann bei positiver Somatostatinrezeptor-Expression eine Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie erwogen werden. Aufgrund der biologischen Heterogenität und limitierten Evidenzlage erfordert das tNEPC ein individualisiertes und interdisziplinäres Management. Dieser Übersichtsartikel fasst aktuelle Erkenntnisse zu Pathogenese, Diagnostik und Therapieoptionen zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Zusammenfassung Die Therapie des metastasierten Urothelkarzinoms (mUC) wurde viele Jahrzehnte durch platinhaltige Chemotherapien dominiert. Spätestens mit der Einführung von Immuncheckpoint-Inhibitoren, insbesondere in Kombination mit modernen Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC) und FGFR3-Inhibitoren, wurde dieser Therapiestandard in einigen Indikationen überholt. Dennoch kommen biomarkergesteuerte Therapieentscheidungen bislang selten zum Einsatz. Die bislang verfügbaren Biomarker helfen allerdings bislang auch nur in vereinzelten Therapiesituationen. Für ADCs könnte sich dies allerdings bei einer hohen Expressionsvariabilität verschiedener Targets wie NECTIN-4, Her2neu, EGFR und TROP2 substanziell verändern. Das Vorhandensein von aktivierenden FGFR3-Mutationen oder -Fusionen eröffnet zudem eine klar definierte, wenn auch kleine therapeutische Nische, die unter Umständen in Zukunft für lokalisierte Stadien des Urothelkarzinoms größer werden könnte. Um diese therapeutischen Neuerungen in Zukunft zielgerecht und präzise steuern und einsetzen zu können, wird eine Biomarkerstratifizierung von Tumoren in Zukunft vermutlich abdingbar werden. Die aktuellen Entwicklungen stellen somit ein großes Potenzial für eine echte Präzisionsonkologie dar.
Zusammenfassung Mit steigender Zahl an Krebserkrankungen wächst auch die Gruppe der Langzeitüberlebenden, die zunehmend unter den sichtbaren und funktionellen Folgen onkologischer Therapien leiden. Neben den somatischen Belastungen rücken psychosoziale Faktoren wie Selbstwahrnehmung und Lebensqualität in den Fokus der Versorgung. Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung ästhetisch-medizinischer Verfahren in der Betreuung onkologischer Patienten darzustellen und deren Potenzial zur Verbesserung von Lebensqualität, Selbstbild und sozialer Teilhabe zu beleuchten. Anhand aktueller Literatur sowie klinischer Erfahrungswerte werden die häufigsten therapieassoziierten Hautveränderungen aufgeführt und die Anwendung ästhetischer Interventionen wie Botulinumtoxin und dermaler Filler bei onkologischen Patienten kritisch dargestellt. Dabei werden indikationsspezifische Aspekte, Kontraindikationen und besondere Vorsichtsmaßnahmen diskutiert. Ästhetische Behandlungen können bei sorgfältiger Indikationsstellung und enger interdisziplinärer Abstimmung sicher durchgeführt werden. Sie bieten effektive Unterstützung bei der Linderung therapiebedingter Veränderungen wie Narbenbildung, Alopezie oder Volumenverlust. Gleichzeitig bestehen onkologiespezifische Risiken, etwa durch Immunsuppression, Medikamenteninteraktionen und potenzielle immunologische Reaktionen. Die ästhetische Medizin kann einen wertvollen Beitrag zur ganzheitlichen Betreuung onkologischer Patienten leisten. Ihre Integration in die supportive und rehabilitative Versorgung sollte strukturell verankert und weiter wissenschaftlich evaluiert werden.
Ärztinnen und Ärzten können Behandlungsfehler auf ganz unterschiedlichen Weisen vorgeworfen werden. Sei es in der zivilrechtlichen Arzthaftung, die auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gerichtet ist, sei es im Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung/Tötung, im berufsrechtlichen Verfahren vor der Ärztekammer oder im berufsgerichtlichen Verfahren vor dem Berufsgericht für Heilberufe.
Hepatocellular Carcinoma (HCC) is an entity characterized by a highly heterogenous tumor immune microenvironment. The introduction of immune checkpoint inhibitor (ICI) therapy as standard of care in advanced disease stages and with promising results in earlier stages has highlighted the need for a better understanding of the underlying immunobiology. In this review, we provide a summary about the immune landscape in HCC and discuss novel potential therapeutic targets as well as how spatial immune profiling may help identify optimal candidates for ICI therapy.
Zusammenfassung Immunsupprimierte Patienten stellen eine besondere Herausforderung in der thoraxonkologischen Therapie dar. Infektiöse Komplikationen unter Chemotherapie einerseits sowie fehlende Wirksamkeit der onkologischen Therapie unter Immuntherapie anderseits können die Therapieauswahl erschweren. ALK-Translokationen sind seltene Treibermutationen bei nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen. In der Literatur ist die Behandlung ALK-positiver transplantierter Patienten bislang nicht beschrieben.
Die 3. Version der nationalen S3-Leitlinie zum Magenkarzinom befindet sich derzeit in der Endredaktion und wird in Kürze veröffentlicht. Im vorliegenden Übersichtsartikel werden daher vor allem Aspekte der aktuell gültigen Version 2019 diskutiert und ein Ausblick auf Neuerungen in der kommenden Version gegeben. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Verlagerung der Behandlung in Zentren mit entsprechender Expertise. Insgesamt wurde in den bisherigen Überarbeitungen der Leitlinie ein zunehmender Fokus auf die genetischen Aspekte der Erkrankung gelegt und entsprechende Risikogruppen für das Auftreten dieser Neoplasie konkretisiert (u. a. das Vorliegen einer CDH1-Mutation oder HNPCC-Träger*innen). Des Weiteren wurden auch zunehmend „Grenzfälle“ der Chirurgie in der Leitlinie betrachtet, etwa solche Patient*innen mit Oligometastasierung oder Peritonealkarzinose. Diese Patientenkollektive sollten jedoch weiterhin zunächst nur im Rahmen von Studien behandelt werden. Schließlich wird in der Leitlinie neben dem derzeitigen chemotherapeutischen Standard der Behandlung analog zum FLOT-Regime auch der zunehmende Einsatz der Immuntherapie in aktuellen und zukünftigen Behandlungsregimen diskutiert. Neue zielgerichtete Therapieansätze wie die monoklonalen Antikörper gegen Claudin 18.2 werden die Behandlung des Magenkarzinoms ergänzen und sicherlich Bestandteil der nächsten Version der Leitlinie sein.