
Generative KI-Systeme haben sich in eine Art epistemische Infrastruktur verwandelt: Sie entscheiden mit, was als glaubwürdig, relevant und wissenswert gilt. Dieser Beitrag argumentiert, dass die größte pädagogische Herausforderung nicht in fehlenden Werkzeugkompetenzen liegt, sondern im epistemischen Auslagern – der habituellen Delegation von Urteilsleistungen an algorithmische Systeme. Der Beitrag plädiert für epistemische Resilienz als kultivierte Tugend des kritischen Urteilens und zeigt, wie Kompetenzrahmen und Haltungsbildung einander ergänzen. Dies ist nicht nur eine pädagogische Forderung, sondern eine demokratische Notwendigkeit.
Digitale Medien sind für junge Menschen eine zentrale Ressource zur Gestaltung von Peerbeziehungen. Während ihre Bedeutung für jugendliche Lebenswelten breit untersucht ist, fehlen empirische Studien dazu, wie junge Menschen mit Behinderung digitale Medien in stationären Lebenskontexten nutzen. Der Beitrag untersucht das peerkulturelle Medienhandeln von Jugendlichen mit körperlichen und/oder psychischen Beeinträchtigungen in einem internatsähnlichen Setting auf Grundlage einer qualitativ-empirischen Studie, die u. a. teilnehmende Beobachtungen, digitale Medientagebücher und leitfadengestützte Interviews kombiniert. Die Analyse zeigt, dass das soziale Miteinander über digitale Medien in institutionellen Ordnungen ausgehandelt, über wiederkehrende Routinen performativ stabilisiert und in situativen Konstellationen flexibel organisiert wird. Peerbeziehungen erscheinen dabei weniger als stabile Einheiten denn als relationales Geschehen, das sich über mediale Routinen und geteilte Praktiken fortlaufend formiert.
Der Beitrag untersucht die strategische Normalisierung rechtsextremer Narrative im digitalen Raum am Beispiel von Dogwhistling, Meme-Kultur und codierter Symbolik. Ausgangspunkt ist das Konzept der kalkulierten Ambivalenz, das als zentrales rhetorisches Instrument zur Grenzverschiebung des Sagbaren dient. Anhand einer theoriegeleiteten, hermeneutischen Analyse ausgewählter Fallbeispiele – darunter Meme-Formate, antisemitische Codierungen wie „Gnome-Jagd“ sowie die Re-Kontextualisierung popkultureller Figuren – wird gezeigt, wie rechtsextreme Akteure Mehrdeutigkeit, Humor und visuelle Codes strategisch einsetzen. Die Analyse verdeutlicht zudem das Zusammenspiel dieser Kommunikationsformen mit neuen technischen Möglichkeiten zur Vernetzung Gleichgesinnter, indem auf Social-Media-Plattformen mittels Hashtags-Suche ganz einfach nach entsprechenden Codes gesucht werden kann. Die Empfehlungsstrukturen bzw. -algorithmen sozialer Plattformen verstärken diese Funktionalität in einem Ausmaß, das klassische Parteiwerbung im TV- und Printbereich nie leisten konnte. Daraus ergeben sich zentrale Implikationen für die Medienpädagogik. Insbesondere wird die Fähigkeit, Mehrdeutigkeit, Unsicherheit und Widersprüchlichkeit wahrzunehmen, kognitiv zu verarbeiten und in solchen Situationen handlungsfähig bzw. angemessen reagieren zu können, immer wichtiger.
Dieser Beitrag stellt ein Unterrichtsprojekt für die Sekundarstufe I vor, das die oft als rein instruktional genutzte Software PowerPoint als Plattform für ein interaktives Multiple-Choice-Quiz zur Förderung des kulturellen Austauschs nützt. Indem Schülerinnen und Schüler basierend auf ihren eigenen Sprachbiografien Quizfragen entwickeln, sich selbst als „Expertinnen und Experten“ ihrer Herkunftskultur filmen und diese Inhalte technisch in ein Quizspiel implementieren, werden zentrale Kompetenzbereiche der Medienbildung verknüpft. Der Artikel analysiert die didaktischen Ebenen dieses Projekts – von der Wertschätzung der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit über die produktionsorientierte Videoarbeit bis hin zu ersten Schritten in der informatorischen Bildung.
Der vorliegende Artikel untersucht das Konzept der Vermittlung von Medienkompetenz, die als zentrale Voraussetzung für mündiges politisches Handeln durch digitale Öffentlichkeiten geprägt ist. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Medienöffentlichkeit, wie wir sie in der Gegenwart vorfinden, wird analysiert, wie junge Menschen befähigt werden können, Medieninhalte kritisch zu reflektieren, sie verantwortungsvoll zu nutzen und dadurch eine politische Urteils‑ und Handlungskompetenz entwickeln, um aktiv und verantwortungsvoll an demokratischen Prozessen teilzunehmen. Der Beitrag diskutiert theoretische Grundlagen, didaktische Ansätze und Implikationen sowie Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Digitalisierung und Medialisierung politischer Kommunikation für die Vermittlung von Medienkompetenz ergeben. Abschließend werden Kriterien und praktische didaktische Ansätze aus mediendidaktischen Demokratievermittlungsworkshops mit Kindern und Jugendlichen vorgestellt, die eine Stärkung selbstverantwortlicher Medienkompetenz in Bildungsprozessen unterstützen und damit einen Beitrag zur Förderung demokratischer Kompetenzen und Partizipation leisten.