
Zusammenfassung Mit der indirekten Immunfluoreszenz-Technik (IFT) lassen sich zahlreiche Autoantikörper diagnostizieren. Insbesondere bei der Entdeckung neuer Autoantikörper ist die IFT häufig zunächst Methode der Wahl. Durch die Charakterisierung der zugrunde liegenden Antigene und die Entwicklung sensitiver und spezifischer Tests, z. B. mittels ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) oder ECLIA (Elektrochemilumineszenz-Immunoassay), verliert die IFT dann für diese Autoantikörper an Bedeutung. Ob dies auch für die zahlreichen neu entdeckten antineuronalen Antikörper zutrifft, welche aktuell mit der IFT gemessen werden, bleibt abzuwarten. Anders verhält es sich für die ANA-IFT-Diagnostik (ANA: antinukleäre Antikörper) auf der HEp2-Zelle (HEp2: Human Epithelioma Type 2). Ihre diagnostische Breite wird durch kein anderes Verfahren erreicht. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist durch eine Standardisierung und Automatisierung deutlich optimiert worden. Auch die Vereinheitlichung der Musterbeschreibung hat den Aussagewert der Ergebnisse stark verbessert. Dies erleichtert dem Kliniker die Interpretation der Ergebnisse. Eine Bestätigung des ANA-Befundes sollte, soweit möglich, durch antigenspezifische Tests erfolgen. Dies zeigt sich insbesondere beim Nachweis von DFS70-Antikörpern (DFS70: Dense Fine Speckles 70 kDa), welche gerade nicht für eine Autoimmunerkrankung sprechen, sondern protektiven Charakter haben. Ohne diese Differenzierung wird bei den betreffenden Patienten schnell eine Fehldiagnose gestellt. Die Komplexität des ANA-Befundes verlangt dem anfordernden Arzt einige Erfahrung ab. Dies betrifft nicht nur die Interpretation der Ergebnisse, sondern auch die Auswahl der Patienten, bei denen die Diagnostik durchgeführt wird. Gerade bei einer niedrigen Prätestwahrscheinlichkeit auf eine systemische Autoimmunerkrankung ist ein Kollagenose-Screen mit gepoolten spezifischen Antigenen eine gute Alternative. Für den geschulten Rheumatologen, der mit der Interpretation der ANA-Befunde vertraut ist, bleibt der ANA-IFT-Test der Goldstandard in der Rheumatologie, auf den nicht verzichtet werden sollte.
Zusammenfassung Die Osteoporose ist eine der häufigsten und folgenschwersten Komorbiditäten bei Patient*innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Basis- und weiterführende Labordiagnostik gemäß DVO-Leitlinie 2023. Die Labordiagnostik spielt zwar in der Diagnostik der Osteoporose eine untergeordnete Rolle, sie dient jedoch 3 essenziellen Zielen: Der Prüfung laborchemisch fassbarer Risikofaktoren bzw. dem Ausschluss einer sekundären Osteoporose, der Differenzialdiagnose einer Osteomalazie sowie der Überprüfung von Kontraindikation für eine medikamentöse Therapie.
Zusammenfassung Die chirurgische Knorpeltherapie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren zur Behandlung fokaler Knorpelschäden mit dem Ziel, Schmerzen zu reduzieren, die Gelenkfunktion zu verbessern und den Zeitpunkt einer Endoprothese hinauszuzögern. Ihre Erfolgsaussichten hängen jedoch wesentlich vom Zustand der gesamten Gelenkeinheit ab. Besonders im Übergang vom fokalen Knorpeldefekt zur Früharthrose ist der Knorpelschaden häufig Teil einer komplexeren Gelenkpathologie. Synovialitis, subchondrale Knochenveränderungen und biomechanische Fehlbelastungen können zum Versagen lokaler Knorpeltherapien beitragen. Bei entzündlich-rheumatischen Gelenkerkrankungen beeinflussen zusätzlich systemische Entzündungsprozesse die Prognose. Für die klinische Praxis sind daher eine sorgfältige Patientenselektion und die Berücksichtigung des gesamten Gelenkstatus entscheidend. Bei fortgeschrittener Gelenkdegeneration bleibt die Endoprothetik eine etablierte Therapieoption.
Zusammenfassung Die Rehabilitation nach knorpelchirurgischen Eingriffen erfordert ein strukturiertes, zugleich individualisiertes Vorgehen. Der Beitrag beschreibt eine phasenorientierte Nachbehandlung vom Entzündungsmanagement über Orthese, Teilbelastung und Muskelaufbau bis zum Return to Sport. Besonderes Augenmerk liegt auf der Verknüpfung zeitbasierter Heilungsprinzipien mit funktionellen Kriterien, neuromuskulären und neurokognitiven Trainingsansätzen sowie einer testgestützten Belastungsfreigabe – ein praxisnahes Konzept für sichere Progression, hohe Belastbarkeit und nachhaltige Sportfähigkeit.
Zusammenfassung Die mikrobiologische Basisanalytik bei Infektionen nativer wie auch endoprothetisch versorgter Gelenke ist die kulturelle Anzucht von Erregern. Unter Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren, welche die diagnostische Sensitivität kritisch beeinflussen (Transportzeiten, Antibiotikaexposition, Chronizität des Krankheitsbildes), sind diese Verfahren häufig ausreichend, um kausale Pathogene zu identifizieren. Kulturelle Ansätze werden durch molekulare Verfahren ergänzt. Kommerziell verfügbare PCR-basierte Tests (PCR: Polymerase-Kettenreaktion) können bei akuten Infektionen gezielt eingesetzt werden, um bei definierten Patientenkollektiven Limitierungen der kulturbasierten Analytik zu überwinden (z. B. lange Turnaround-Zeiten bei Lebensgefahr, Antibiotikagabe). Bei postoperativen periprothetischen Spätinfektionen stoßen kulturbasierte Verfahren häufig an Grenzen. In diesem klinischen Kontext sollten PCR-basierte Assays frühzeitig diagnostisch genutzt werden. NGS-basierte Methoden (NGS: Next-Generation Sequencing) haben das Potenzial, die Diagnostik vor allem bei periprothetischen Infektionen weiter zu verbessern. Eine Reihe von zentralen Aspekten (Kosten, Verfügbarkeit, Standardisierung und Qualitätsmanagement, Befundinterpretation, optimales zu untersuchendes Material) ist jedoch aktuell ungeklärt. Aufgrund dessen sind Verfahren wie sNGS (Shotgun metagenomic NGS) und tNGS (targeted NGS) aktuell wenigen ausgewählten Patienten im Rahmen der Betreuung durch ein interdisziplinäres Behandlungsteam vorbehalten. Prospektive vergleichende Studien mit einheitlicher Definition der periprothetischen Gelenkinfektion sind dringend notwendig, um den Stellenwert der verfügbaren molekularen Verfahren im klinischen Alltag eindeutig zu definieren.
Zusammenfassung Knorpelschäden und Kniearthrose erfordern multimodale Therapiekonzepte. Eine Prähabilitation, ein strukturiertes Training vor operativen Eingriffen, verbessert nachweislich postoperative Funktion, Schmerzreduktion und Lebensqualität nach endoprothetischen Eingriffen am Kniegelenk und ist auf gelenkerhaltende Verfahren übertragbar. Neben einer Bewegungstherapie umfasst die konservative Behandlung biomechanische Maßnahmen, Injektionen und Lebensstilanpassungen. Evidenzlücken bestehen aktuell für strukturierte Prähabilitationsprogramme vor Knorpelrekonstruktionen.
Zusammenfassung Die Reaktive Arthritis (ReA) zählt zu den Spondyloarthritiden und beschreibt eine aseptische Gelenkentzündung im Anschluss an eine extraartikuläre Infektion. Betroffen sind überwiegend jüngere Erwachsene im Alter von 20–40 Jahren. Validierte Diagnosekriterien existieren nicht, sodass die Diagnose auf der klinischen Symptomatik, der Infektanamnese und dem Ausschluss von wesentlichen Differenzialdiagnosen beruht. Die Labordiagnostik kann durch den direkten und indirekten Nachweis des auslösenden Erregers und durch Bestimmung des HLA-B27-Status die Diagnosestellung unterstützen, ohne diese aber zu beweisen. Therapeutisch kommen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Glukokortikoide und krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARD) zur Anwendung. Die Prognose der Reaktiven Arthritis ist in der Regel günstig.
Zusammenfassung Ernährung wirkt in der Knorpeltherapie wahrscheinlich vor allem indirekt über Gewichtsregulation, metabolische Faktoren und niedriggradige systemische Entzündung; direkte Effekte auf das Gelenk sind biologisch plausibel, bislang jedoch deutlich schwächer belegt. Die stärkste Evidenz besteht für Gewichtsmanagement in Kombination mit Bewegung bei Kniearthrose 1. Mediterran geprägte Ernährungsweisen, die vorwiegend auf wenig verarbeiteten Lebensmitteln basieren, zeigen bei rheumatoider Arthritis kleine bis moderate Verbesserungen von Funktion und Lebensqualität 2, während die Evidenz bei Arthrose überwiegend auf Beobachtungsstudien beruht 3. Bei Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) sind die Effekte präparatspezifisch und meist symptomatisch: Für Kollagenderivate, Curcumin und Boswellia wurden teilweise günstige Kurzzeiteffekte auf Schmerz und Funktion beschrieben 4, 5, 6. Glucosamin/Chondroitin sind umstritten – die aktuelle Leitlinie des American College of Rheumatology (ACR) und der Arthritis Foundation (AF) spricht sich bei Knie- und Hüftarthrose gegen die Therapie aus 7. NEM sind rechtlich Lebensmittel; Produktqualität, wirksame Dosis, zulässige Health-Claims und potenzielle Interaktionen mit Arzneimitteln müssen daher besonders beachtet werden 8. Grundsätzlich ist bei der Evidenzbewertung auf Basis der aktuellen Studienlage zu berücksichtigen, dass klinische Studien bislang unzureichend zwischen OA-Phänotypen und -Endotypen (OA: Osteoarthritis) differenzieren, wodurch potenziell relevante Effekte von NEM und Ernährungsmustern auf spezifischen OA-Subtypen maskiert werden könnten.
Zusammenfassung Knorpelregenerative Verfahren sind bei fokalen Gelenkknorpeldefekten etabliert, ihr Stellenwert bei fortgeschrittener Arthrose oder entzündlich-rheumatischen Arthritiden bleibt jedoch Gegenstand aktueller Diskussionen. Kausale Begleitfaktoren wie Achsfehlstellungen, Instabilitäten oder Meniskuspathologien müssen konsequent erkannt und mitbehandelt werden. Dieser Beitrag stellt die Knochenmarkstimulation, matrixaugmentierte Knochenmarkstimulation, autologe Chondrozytentransplantation, osteochondrale Transplantation und Minced Cartilage vor – jeweils mit Blick auf Indikationen, Limitationen und klinische Ergebnisse.
Zusammenfassung Das Akute Rheumatische Fieber (ARF) und die Poststreptokokken-reaktive Arthritis (PSrA) zählen in Deutschland zu den sehr seltenen Erkrankungen. Sie werden weiterhin nach den Jones-Kriterien definiert und unterschieden. Seit der letzten Revision 2015 wird, in Abhängigkeit von der Inzidenz, in 2 Risikogruppen (hoch/niedrig) stratifiziert, wobei Erkrankungen in Deutschland in die Gruppe mit niedrigem Risiko eingeteilt werden. Darüber hinaus kommt erstmalig die Echokardiografie gegenüber der klinischen Untersuchung zur Detektion der Herzbeteiligung zur Geltung. Abzugrenzen ist das ARF von der PSrA.
Zusammenfassung Die Behandlung des juvenilen systemischen Lupus erythematodes (jSLE) ist dabei, sich grundlegend zu verändern. Im Zentrum der Versorgungsstrategien steht die patientenorientierte multidisziplinäre Versorgung, die sich strukturiert an vereinbarten Behandlungszielen und Therapiestrategien ausrichtet sowie an deren Modifikation, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Dieser Artikel beleuchtet die Synergie zwischen dem zielgerichteten Treat-to-Target-Ansatz (T2T) und der partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making, SDM) im klinischen Alltag der Versorgung. Das Bindeglied für den Behandlungserfolg ist die Förderung der Adhärenz. Diese wird gestärkt durch die aktive Einbeziehung der jungen Patient*innen und ihrer Familien sowie ihre Befähigung, an den Behandlungsentscheidungen aktiv mitzuwirken.
Zusammenfassung Die Diagnose der Lyme-Borreliose basiert primär auf charakteristischen klinischen Kriterien, das bedeutet: Die mikrobiologische Diagnostik ist nur bei Vorliegen charakteristischer Symptome angezeigt. Wichtigste Methode ist der Antikörpernachweis, nachgeordnet sind Polymerase-Kettenreaktion (PCR) und Anzucht – wobei das typische Erythema migrans keiner mikrobiologischen Diagnostik bedarf. Um eine hohe Spezifität sicherzustellen, wird der Antikörpernachweis als 2-Stufen-Diagnostik durchgeführt, wobei der als zweite Stufe eingesetzte Immunoblot auch Aussagen bzgl. des Erkrankungsstadiums erlaubt: Frühe Manifestationen zeigen ein enges Bandenspektrum (OspC, VlsE, p41), späte Formen dagegen ein breites Spektrum (u. a. p83, p58, p39). Bei späten Erkrankungsformen sind praktisch immer IgG-Antikörper (Ig: Immunglobulin) nachweisbar, IgM-Antikörper sind hier diagnostisch nicht relevant. Nur positives IgM (bei negativem IgG) spricht gegen die Diagnose einer späten Erkrankungsform.