
Lehrkräfte sind dazu angehalten, das Leitbild Nachhaltigkeit in ihren Unterricht zu integrieren. Dies bringt hohe Herausforderungen mit sich: Sie sollen die Thematik pluralistisch unterrichten und ihre Schüler*innen nicht überwältigen. Zugleich sollen sie diese aber auch dazu motivieren, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Hier ergibt sich ein Spannungsfeld, das von Lehrkräften eine hohe Reflexionsfähigkeit der eigenen Position und Rolle abverlangt und damit Fragen des Professionsverständnisses berührt. In dieser explorativen Interviewstudie wurde mittels dokumentarischer Methode rekonstruiert, wie sich Lehrpersonen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, innerhalb dieses Spannungsfeldes orientieren. Fokus der Rekonstruktion waren Beschreibungen und Erzählungen von Situationen aus Unterricht und Schulalltag, die Aufschlüsse über das Verständnis von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie die Lehrkraftrolle geben. Ausgehend davon wurden drei Orientierungen rekonstruiert und daraus Implikationen für die Lehrkräftebildung abgeleitet.
Im Modell professioneller Handlungskompetenz für Lehrkräfte (Baumert & Kunter, 2006) wird Klassenführungswissen, dessen Bedeutung für erfolgreiches Lehren und Lernen vielfach belegt ist (z.B. Korpershoek et al., 2016), als Subfacette des pädagogisch-psychologischen Professionswissens eingeordnet. Eine Klasse erfolgreich zu führen, schließt ein, Beziehungen aufbauen, fördern und positiv gestalten zu können. Im Linzer Konzept der Klassenführung (LKK; Lenske & Mayr, 2015) wird dies durch die zentrale Facette Beziehungsförderung abgebildet, die gemeinsam mit den Kategorien Verhaltenskontrolle und Unterrichtsgestaltung das Fundament des LKK darstellt. Persönlichkeitsmerkmale wie Selbstwirksamkeit (Bandura, 1997) sowie Belastbarkeit (vs. Neurotizismus), Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit (Big Five; McCrae & Costa, 1999) stehen in engem Zusammenhang mit kognitiven, motivationalen und emotionalen Prozessen und dem Erleben und Verhalten von Lehrkräften (Bach & Hagenauer, 2022; Eckert & Sieland, 2017). Sie sind folglich relevant für die Lehrkraft-Schüler*innenbeziehung. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir, ob höhere Klassenführungskompetenzen im Bereich Beziehungsförderung durch Selbstwirksamkeit und Persönlichkeitseigenschaften vorhergesagt werden können. Dazu bearbeiteten 192 Lehramtsstudierende zu zwei Messzeitpunkten ein Screening zur Selbsteinschätzung ihrer Klassenführungskompetenzen (CSQ-HE), die Scale for Teacher Self-Efficacy (TSE) sowie den Big-Five-Persönlichkeitstest (B5T). Ein Pfadmodell zur Vorhersage der selbst eingeschätzten Kompetenzen zur Beziehungsförderung zum zweiten Messzeitpunkt durch die Selbstwirksamkeit und Big-Five zum ersten Messzeitpunkt zeigt, dass 18 Prozent des praktischen Aspekts der Beziehungsförderkompetenz vorhergesagt werden. Dabei stellten sich Lehrkraft-Selbstwirksamkeit, Belastbarkeit und Offenheit als signifikante Prädiktoren heraus. Lehramtsstudierende sollten demnach in diesen Bereichen besonders gefördert werden.
Studien und Berichte zeigen, dass die praktische Implementierung von Nachhaltigkeitsbildung in der Schule hinter den theoretischen Konzepten einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zurückbleibt. Gründe dafür sind unter anderem das weitläufige Verständnis von BNE, wodurch eine konkrete Verankerung des interdisziplinären Diskurses erschwert wird. Hinzu kommt, dass Lehrkräfte während ihrer Ausbildung nicht ausreichend auf die Querschnittsaufgabe BNE vorbereitet werden, wodurch es ihnen an didaktischen Kompetenzen zur Umsetzung im eigenen Unterricht mangelt. Als Teilbereich einer BNE bietet Umweltbildung, die durch den ökologischen Schwerpunkt besonders im naturwissenschaftlichen Bereich etabliert ist, einen greifbaren Ansatzpunkt, um das Umweltbewusstsein von Schüler*innen im Kontext von Nachhaltigkeit zu fördern. Auf diese Weise soll den Schüler*innen der Einstieg in fächerübergreifende Nachhaltigkeitsdiskurse ermöglicht werden und sie so zu einer aktiven Partizipation an aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozessen befähigen. Um die Potenziale der MINT-Fächer effizient nutzen und fundierte Förderkonzepte entwickeln zu können, wurden der aktuelle Forschungsstand zu den Auswirkungen schulischer Umweltbildungsinterventionen auf das Umweltbewusstsein von Schüler*innen in Form eines systematischen Literaturreviews gesichtet und Forschungsdesiderate identifiziert. Ausgehend von diesen Ergebnissen sollen schließlich weitere Forschungsvorhaben entwickelt werden, um insbesondere konzeptionelle Variablen zu identifizieren, die Lehrkräften als Orientierung in der Un-terrichtsplanung dienen können. Infolgedessen sollen Perspektiven für die effektivere Implementierung einer BNE in den schulischen Alltag geschaffen werden, wodurch langfristig das Umweltbewusstsein von Kindern im Sinne der Nachhaltigkeit gestärkt wird.
Studien zeigen, dass sich (angehende) Lehrkräfte nur unzureichend auf den Unterricht in sprachlich heterogenen Klassen vorbereitet fühlen. Die derzeitige Lehramtsausbildung scheint Lehrkräfte aller Unterrichtsfächer noch nicht hinreichend für die Querschnittsaufgabe Sprachbildung zu qualifizieren. Bisherige Studien fokussieren Lehramtsstudierende und Lehrkräfte. Offen ist jedoch bislang, wie Lehrkräftebildner*innen des Vorbereitungsdienstes als zentrale Akteur*innen der Lehrkräftebildung und zugleich vernachlässigte Zielgruppe der Professionalisierungsforschung Sprachbildung perspektivieren. Die Studie berücksichtigt die dieser Personengruppe inhärente Doppelfunktion (Ausbilder*in im Vorbereitungsdienst und Lehrkraft im Schuldienst). Die Lehrkräftebildner*innen wurden mithilfe vignettengestützter Expert*inneninterviews zu ihren Überzeugungen zur Zuständigkeit für Sprachbildung in der Schule und der damit verbundenen Rolle des Fachunterrichts befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Sprache eine zentrale Funktion für fachliches Lernen zugesprochen wird, die damit einhergehenden Aufgaben des Fachunterrichts und der Verantwortungsbereich der Fachlehrkräfte jedoch unterschiedlich bewertet werden. Die Überzeugungen zur Querschnittsaufgabe Sprachbildung bewegen sich dabei in einem Spannungsverhältnis zwischen fachlichem Selbstverständnis und institutionell-systemischen Rahmenbedingungen. Aus den Befunden werden abschließend Implikationen für die fächerübergreifende Lehrkräftebildung zur Qualifizierung für Sprachbildung abgeleitet.
Der Beitrag stellt die Einführung in das Themenheft „Fächerübergreifende Lehrkräftebildung“ dar und umreißt zunächst die Bedeutung und Potenziale eines fächerübergreifenden Unterrichtens. Durch die Integration verschiedener Disziplinen wie Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Sprachen, Ethik und Kunst können multiperspektivische und tiefgehende Verständnisprozesse gefördert werden, die zu nachhaltigem Lernen beitragen. Fächerübergreifender Unterricht überzeugt durch seine Mehrperspektivität und die Möglichkeit, Wissen in authentischen Kontexten zu verknüpfen. Die Gestaltung eines fächerübergreifenden Unterrichts bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich, beispielsweise mit Blick auf die Professionalisierung der Lehrkräfte. Es ist notwendig, die Lehrkräftebildung stärker auf interdisziplinäres Arbeiten auszurichten und Lehrkräfte zur Reflexion ihrer Fachidentität sowie zu kollaborativem Arbeiten zu befähigen. Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Kompetenzen dürfen hierbei nicht vernachlässigt werden, stellen sie doch eine wichtige Voraussetzung für fächerübergreifendes Arbeiten dar. Insgesamt bedarf es einer stärkeren Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Lehrkräftebildung, um fächerübergreifenden Unterricht nachhaltiger zu fördern und in der Schule zu etablieren. Ebenso notwendig ist eine vertiefte empirische Forschung zur Umsetzung und zur Wirksamkeit fächerübergreifenden Unterrichts. Die Beiträge des Themenhefts gehen der übergeordneten Frage nach, wie angehende Lehrkräfte auf die Anforderungen der Gestaltung eines fächerübergreifenden Unterrichts vorbereitet werden können. Es werden verschiedene theoretisch-konzeptionelle Überlegungen und aktuelle Konzepte für Professionalisierungsmaßnahmen vorgestellt und wo möglich empirische Belege der Wirksamkeit präsentiert.
Lehrer*innenbildung soll Studierende nicht nur in den Bezugsdisziplinen ihrer Schulfächer qualifizieren und sozialisieren und sie – fachdidaktisch – auf die Gestaltung fachlichen Lernens vorbereiten. Sie hat angesichts der zunehmenden Bedeutung darüberhinausgehender Bildungsansprüche auch die Aufgabe, ihnen inter-und transdisziplinäre Erfahrungen zu ermöglichen und sie zu befähigen, fächerübergreifende Zielstellungen, Themen und Formate in der Schule didaktisch adressieren bzw. realisieren zu können. Der Beitrag stellt Grundlagen einer fächerübergreifenden Lehrer*innenbildung und ihre exemplarische Umsetzung in einem bereits erprobten Studienkonzept zur Diskussion. Dazu werden vier Kompetenzbereiche unterschieden, die sich auf die Planung, Gestaltung und Reflexion fächerübergreifenden Lernens beziehen (Perspektivierung, Inszenierung, Aushandlung, Deutung). Fächerübergreifende Lehrer*innenbildung kann zur Bearbeitung damit verbundener Anforderungen an hochschuldidaktische Bezüge wie Interdisziplinarität, Querschnittsaufgaben und neue Formen des Studierens anschließen. Die theoretisch-konzeptionellen Überlegungen werden schließlich anhand des Studiums für das Lehramt an Grundschulen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konkretisiert. Drei obligatorisch zu belegende Module Fächerübergreifender Grundschuldidaktik sollen die Voraussetzung dafür schaffen, dass sich Lehramtsstudierende systematisch mit den Anforderungen fächerübergreifenden Lehrens im Horizont der skizzierten hochschuldidaktischen Bezüge auseinandersetzen können.
Der Beitrag stellt eine Lehrkräftefortbildung zur Förderung digitaler Souveränität aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive vor, die Lehrkräfte der Fächer Geographie, Geschichte sowie Politik/Sozialwissenschaften adressiert. Die Fortbildung wurde als digitales Selbstlernmodul mit einer Bearbeitungszeit von 90 Minuten realisiert und ist vollständig als OER nachnutzbar. Ziel des Beitrags ist es, zu zeigen, wie digitale Souveränität als Gegenstand gesellschaftswissenschaftlicher Bildung und zugleich als Teil der professionellen Handlungskompetenz von Lehrkräften konzeptionell als Fortbildung umgesetzt werden kann. Das Selbstlernmodul wurde in einem Kokonstruktionsprozess zwischen fachdidaktischer Forschung und schulischer Praxis unter aktiver Einbindung von Lehrkräften entwickelt. Es verbindet fächerübergreifende, didaktische und reflexive Zugänge zur Analyse, Reflexion und Gestaltung digitaler Phänomene als Unterrichtsgegenstände, wie Fake News, digitale Karten oder interaktive Zeitleisten. Ausgangspunkt des didaktisch-methodischen Designs der Fortbildung ist die Verschränkung gesellschaftswissenschaftlicher Bildungsanliegen mit digitalen Fachkonzepten, offenen Bildungspraktiken und iterativen Arbeitsweisen des „Design Thinking“ zur Entwicklung anwendungsorientierter Lehrkräftefortbildungen. Der Beitrag erläutert den Entwicklungsprozess und die Struktur des Selbstlernmoduls. Die Verbindung offener Bildungspraktiken mit digitalen Lernumgebungen eröffnet dabei Potenziale, Lehrkräfte in der Entwicklung und Umsetzung eigener Unterrichtskonzepte zu unterstützen.
Bei der Vermittlung argumentativer Fähigkeiten handelt es sich um ein wichtiges Ziel schulischer Bildung. Lehrkräfte aller Fächer müssen dementsprechend dazu befähigt werden, diese Kompetenzen in ihrem Unterricht angemessen zu befördern. In diesem Beitrag möchte ich ein Konzept zur überfachlichen Fort-und Weiterbildung von (angehenden) Lehrkräften in verschiedenen Phasen der Lehramtsausbildung vorstellen. Dieses Konzept basiert im Wesentlichen auf den Ergebnissen der Arbeit des DFG-Netzwerks „Argumentieren in der Schule“ und geht von der grundlegenden Annahme aus, dass basale Begrifflichkeiten und Prinzipien der informellen Logik eine vielversprechende Grundlage zur Vermittlung fächerübergreifender argumentativer Fähigkeiten darstellen.
Der Beitrag stellt das extracurriculare Lehr-Lern-Konzept „Schreiben mit KI im Lehramt“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena vor, das Lehramtsstudierende aller Fächer auf einen reflektierten und didaktisch fundierten Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Kontext des Schreibens vorbereitet. Ausgehend von der doppelten Rolle der Lehramtsstudierenden – als Schreibende im Studium und als zukünftige Lehrpersonen in der Schule – verbindet das Konzept schreibdidaktische Grundlagen mit Aspekten der AI Literacy. In drei Modulen werden die zentralen Aufgaben von Lehrpersonen beim Schreibenlernen – das Vorbereiten, Begleiten und Nachbereiten des Schreibens – systematisch mit KI-bezogenen Anwendungsfeldern verknüpft. Die Evaluation des im Flipped-Classroom-Design angelegten Programms zeigt eine hohe Akzeptanz und Beteiligung der Studierenden. Besonders hervorzuheben ist, dass viele Teilnehmende ihre anfängliche Teilnahme vor allem mit Interesse an KI begründen, im Rückblick jedoch den schreibdidaktischen Erkenntnisgewinn als zentralen Ertrag benannten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI als „Türöffner“ dienen kann, um Studierende für grundlegende Fragen des Schreibens und der Schreibdidaktik zu sensibilisieren. Das Projekt leistet somit einen Beitrag zur Professionalisierung angehender Lehrpersonen im Spannungsfeld von Technologie und Didaktik. Es eröffnet Potenziale für fächerübergreifendes Lernen, indem es sprachliche, fachliche und technologische Kompetenzen zusammenführt.
Sprachbildung gilt als durchgängige Querschnittsaufgabe aller Unterrichtsfächer. Um Lernende angemessen und zielgerichtet entsprechend einem individuellen Sprachförderbedarf unterstützen zu können, müssen Lehrkräfte die sprachlichen Kompetenzen der Lernenden akkurat und differenziert diagnostizieren können. Dies ist die Grundbedingung für die Ableitung von Förderbedarf und Förderschwerpunkten. In dem vorliegenden Beitrag wird eine Studie zur sprachdiagnostischen Kompetenz von Deutschlehrkräften der Sekundarstufe II vorgestellt. Der Fokus liegt hier auf der sprachdiagnostischen Kompetenz im Bereich der Textproduktion. 51 Lehrkräfte wurden im Rahmen dieser Studie des Forschungsprojektes DIEGO gebeten, gemäß ihrer gängigen Korrekturpraxis zwei Schüler*innentexte zu bewerten und aus ihnen Förderschwerpunkte abzuleiten. Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede und Streuungen sowie eine mehrheitliche defizitäre Akkuratheit der Urteile von Lehrkräften. In diesem Beitrag wird die Akkuratheit des Lehrkrafturteils anhand verschiedener Facetten (Fehlerzahl, Korrektur im Text, Förderschwerpunkte) mit einem Expert*innenmaßstab gemessen. Auf Grundlage der Ergebnisse werden Implikationen für eine fächerübergreifende Lehrkräftebildung aufgezeigt.
Als Antwort auf die vielfältigen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Demokratie in der Gegenwart ist die Stärkung von Demokratiebildung in den letzten Jahren stärker in den Fokus sowohl der Öffentlichkeit als auch der Bildungspolitik gerückt. Nach wie vor besteht jedoch eine Lücke zwischen den normativen Bekenntnissen zur Demokratiebildung und den tatsächlich stattfindenden Bildungseinheiten im Schulalltag. Insbesondere in der Grundschule fehlt eine politische Demokratiebildung weitgehend. Auch im sozialwissenschaftlich ausgerichteten Sachunterricht werden nur selten Aspekte von Demokratie und Politik thematisiert. Eine Ursache für dieses Defizit liegt unter anderem in den professionellen Handlungskompetenzen der (angehenden) Lehrkräfte. Der Beitrag stellt ein für die Lehrkräftebildung entwickeltes Fortbildungskonzept vor, das auf die Förderung der fachdidaktischen Professionskompetenz zur Vermittlung von Demokratiebildung abzielt. Der Charakter des Sachunterrichts als Integrationsfach erfordert ein fächerübergreifendes Angebot. Es richtet sich an Lehramtsstudierende und Lehrer*innen aller Fächer und soll die Aneignung von für die Gestaltung von Demokratiebildung erforderlichen fachdidaktischen Kompetenzen unabhängig von den Studien- und Unterrichtsschwerpunkten der Teilnehmenden ermöglichen. Neben der konzeptionellen Vorstellung des Fort- und Weiterbildungsprogramms geht der Beitrag auch auf das Studiendesign sowie erste Ergebnisse der begleitenden quasi-experimentellen Interventionsstudie ein. Anknüpfend an Studien zur professionellen Kompetenz von Politiklehr*innen wurde ein Forschungsprogramm entwickelt, das die Facetten des politikdidaktischen Wissens, der Überzeugungen zum Lehren und Lernen sowie der individuellen Selbstwirksamkeitserwartung in Bezug auf die Behandlung von Demokratiebildung zum Gegenstand hat.
Der Beitrag stellt ein Seminarkonzept vor, bei dem Lehramtsstudierende im Master fächerübergreifend von Bildungswissenschaften und Sachunterrichtsdidaktik auf das Praxissemester vorbereitet und durch dieses begleitet werden. Ziel ist es, die Kohärenz im Studium zu verstärken und die Aneignung von Wissen und Kompetenzen über die Fächergrenzen hinweg anzuleiten. Dazu bieten Dozierende beider Fächer im Teamteaching ein integriertes Seminar an. Konzeptuell orientiert sich die Lerngelegenheit am Ansatz der Core Practices. Diese dienen hier als boundary objects zwischen beiden Fächern. Insbesondere das Ausdifferenzieren der einer Core Practice zugrunde liegenden Wissensbestände bietet Ansatzpunkte, die beiden Fächer auf eine gemeinsame Praktik zu beziehen. Der Beitrag stellt einen auf die fachübergreifende Lehre ausgerichteten Anreicherungszyklus für Core Practices vor. Dieser wird beispielhaft durch die sachunterrichtsbezogene Core Practice „Schüler*innenfragen anregen“ illustriert. Die konzeptuellen Ausführungen werden derart skizziert, dass das Grundkonzept auch auf andere Professionalisierungsgelegenheiten übertragen werden kann.
Gesellschaftswissenschaftliche Integrationsfächer wie Gesellschaftslehre oder Gesellschaftswissenschaften sind in vielen Bundesländern fest etabliert, verfügen jedoch weder über eine konsistente theoretische Fundierung noch über eine spezifische Lehrkräftebildung. Auf Basis bestehender Kompetenzmodelle wird gezeigt, dass die disziplinär geprägte Lehrkräftebildung nur begrenzt auf die Realität integrativer Unterrichtspraxis vorbereitet. Fächerübergreifende Ausbildungs- und Fortbildungsangebote bleiben Ausnahmen. Zugleich fehlt bislang eine theoretisch oder empirisch begründete Legitimation für den spezifischen Mehrwert solcher Fächer gegenüber den Einzelfächern. Der Beitrag diskutiert, wie Lehrkräfte angesichts dieser Herausforderungen dennoch auf das fächerübergreifende Unterrichten vorbereitet werden können, das hohe Anforderungen an Fachlichkeit, Didaktik und Kooperation stellt, und entwickelt auf Basis von Professions-, Handlungs- und Unterrichtstheorien sowie empirischer Evidenz zum fachfremden Unterrichten und der Lernwirksamkeit von Integrationsfächern fünf Thesen für die Weiterentwicklung des Diskurses über die fächerübergreifende Lehrkräftebildung. Dazu zählen die Integration epistemologischer Überzeugungen, der (Berufs-)Rollenidentität und kollegialer Kooperation in Kompetenzmodelle, eine präzisere Bestimmung fachfremden Unterrichts, die Abkehr von der impliziten Annahme der Lernförderlichkeit von Integrationsfächern allein aufgrund der curricularen Organisationsstruktur sowie die theoretisch notwendige Bündelung bislang verstreuter Argumente zu einer konsistenten Begründungslogik für Integrationsfächer. Abschließend werden Perspektiven für Forschung und Ausbildung skizziert.
Eine zentrale Herausforderung in der Lehrer*innenbildung besteht darin, angehende Lehrkräfte in ihrer Medienkompetenz zu stärken. Exemplarisch wird ein Seminarkonzept für die Fächer Biologie und Geographie vorgestellt, in dem Lehramtsstudierende im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) am Lernort Schulgarten ihre digitalen Kompetenzen vertiefen. Die im Rahmen dieses Seminars entwickelten digitalen Escape Rooms stehen anschließend anderen Lernenden (Studierenden und Schüler*innen) im Hochschulgarten zur selbstständigen Nutzung zur Verfügung. Der Beitrag beschreibt die theoretischen sowie methodisch-didaktischen Grundlagen des Seminars, das nachhaltigkeitsbezogenes Lernen in authentischen Kontexten mit digitalen Tools verknüpft. Abschließend werden Gestaltungsprinzipien digitaler Escape Rooms er läutert und anhand eines Erfahrungsberichts die Chancen und Grenzen des Seminarkonzepts aufgezeigt.
Erklärvideos werden für fachliches Lernen im Fachunterricht dann lernwirksam, wenn sie fachdidaktisch treffsicher ausgewählt und aktivierend eingesetzt werden. Der Beitrag stellt ein Fortbildungskonzept vor, mit dem Lehrkräfte ihre Praktiken zum fachdidaktisch treffsicheren und (kognitiv und kommunikativ) aktivierenden Einsatz für verschiedene didaktische Anforderungssituationen ausbauen und dazu wichtige medienbezogene fachdidaktische Hinter gründe (ausgewählte Aspekte des Technological Pedagogical Content Knowledge, TPCK) lernen können. Der Beitrag stellt den konzeptionellen Rahmen und die Realisierung in Fortbildungsaktivitäten vor. Erste Evaluationseinblicke zeigen vielversprechende Entwicklungen in den adressierten Praktiken and Kategorien.
Der Beitrag stellt das Konzept, die Ziele, die Ergebnisse und die Gelingensbedingungen des Verbundvorhabens „Communities of Practice NRW für eine Innovative Lehrerbildung“ (ComeIn) vor. Zwischen 2020 und 2023 arbeiteten in der Arbeitsform der „Communities of Practice“ (CoP) alle zwölf lehr kräftebildenden Universitäten des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), Vertreter*innen des Vorbereitungsdienstes und des Lehrkräftefortbildungssystems zusammen. Im Fokus stand die Förderung von digitalisierungsbezogenen Kompetenzen von (angehenden) Lehrpersonen in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung. ComeIn zielt dabei zum einen auf die Kooperation zwischen Wissenschaft und (Fortbildungs-)Praxis und zum anderen auf den Transfer von Konzepten und Materialien. Erwartet wurde, dass die Form der Communities of Practice in der Lage wäre, Kooperations- und Transferhürden zu überwinden. Dabei war ComeIn als Impuls für nachfolgende Strukturreformen angelegt, für die erforderliche Kontextbedingungen und Wirkungspfade identifiziert werden sollten. Dafür wurde ein umfassendes Qualitätssicherungsverfahren mit drei Säulen etabliert: ein international besetztes, externes Audit, die Qualitätssicherung der in ComeIn generierten Produkte und das verbundinterne Qualitätsmanagement. Der Beitrag arbeitet die Gelingensbedingungen phasenübergreifender Kooperation und des Transfers in fünf Bereichen heraus: (1) die Leistungen unterschiedlicher Kooperationsvarianten, (2) das Austarieren einer offenen, kreativitätsfördernden Kooperationsform und die Notwendigkeit einer steuernden Arbeitsorganisation, (3) die Zusammensetzung und mögliche Beiträge des Mitgliederspektrums, (4) Zielfindungsprozesse sowie Lern- und Produktentwicklungszyklen und (5) die Phasierung von Fortbildungscurriculums- und Materialentwicklung.
Lernaufgaben sollten herausfordernd sein und dennoch mit Hilfe lösbar bleiben. Sie sollten die Lernenden kognitiv aktivieren und weder über- noch unterfordern. Das optimale Lernpotenzial von Lernaufgaben liegt zwischen dem aktuellen Entwicklungsstand der Lernenden (d.h. dem, was bereits selbstständig bewältigt werden kann) und dem potenziellen Leistungsvermögen (d.h. dem, was mit gezielter Unterstützung erreicht werde kann), der sogenannten Zone der proximalen Entwicklung. Dazu müssen Lehrkräfte bei der Aufgabenentwicklung Unterschiede der einzelnen Schüler*innen berücksichtigen. Gestufte Lernhilfen als binnendifferenzierende Unterrichtsmethode können an die Bedürfnisse der Lernenden adaptiv angepasst werden und ermöglichen es ihnen, Aufgaben zu bewältigen, die sie mit Unterstützung erfolgreich lösen, aber ggf. noch nicht eigenständig bearbeiten können. Der vorliegende Beitrag stellt ein Fortbildungskonzept zur Nutzung digitaler, gestufter Lernhilfen im binnendifferenzierten Biologieunterricht vor. Das zugrundeliegende didaktisch-methodische Konzept wird dabei erläutert und theoretisch fundiert. Zudem werden die Ergebnisse zur Evaluation des Fortbildungskonzepts präsentiert.
Der Wechsel von der Primar- zur Sekundarstufe ist für viele Lernende ein bedeutsames Ereignis. Eine besondere Rolle für einen anschlussfähigen Übergang kommt dabei dem Kernfach Mathematik zu, denn gerade im Fach Mathematik existieren auf Seiten der Lehrkräfte je nach Schulform unterschiedliche Vorstellungen zur Gestaltung und zu Prinzipien des Unterrichts. Der vorliegende Beitrag diskutiert Ergebnisse aus dem Projekt „Mathe aus einem Guss“, das sich der Stärkung einer fachbezogenen Zusammenarbeit von Mathematik-Lehrkräften im Übergang widmet. Ziel der entwickelten und umgesetzten Fortbildungsreihe ist es, über den kollegialen Austausch und die kollaborative Aufgabenentwicklung ein gemeinsames Verständnis zum Mathematikunterricht zu entwickeln. Die sich im Laufe der Fortbildungsreihe entwickelnden Reflexionsprozesse der Lehrkräfte über das professionelle Handeln im Mathematikunterricht im Übergang Primar-/ Sekundarstufe wurden im Rahmen einer qualitativen Interviewstudie untersucht. Die Analyse der unterschiedlichen Reflexionsprozesse weist auf die Bedeutsamkeit einzelner fachlicher Fortbildungsschwerpunkte wie auch der schulformübergreifenden Zusammenarbeit für die Weiterentwicklung eines professionellen Verständnisses des Übergangs im Fach Mathematik hin.
Heterogenität wird von Lehramtsstudierenden häufig als große Herausforderung wahrgenommen, da sich viele unsicher sind, ob sie in heterogenen Lerngruppen kompetent unterrichten können. In der Literatur sind jedoch nur wenige Lehr-Lern-Gelegenheiten für diversitätssensibles Unterrichten im Chemieunterricht dokumentiert, insbesondere für den Fokus Sprache und für die Zielgruppe der Bachelorstudierenden. Daher wurde in einem interdisziplinären Team ein entsprechendes Seminar für Bachelorstudierende entwickelt. Mit empirisch wirksamen Ansätzen wie dem Erfahrungslernen wurden die Studierenden für mögliche Barrieren sensibilisiert. Sie erwarben handlungsorientierte Fähigkeiten für einen sprachsensiblen Chemieunterricht und erprobten diese im Microteaching. Die Evaluation zeigte Lernzuwächse bei den Studierenden und eine positive Bewertung des Seminars. Das Seminarkonzept kann niederschwellig in ein chemisches Experimentierseminar integriert werden und eignet sich für Studierende in der frühen Studienphase.
Um die Unterrichtsqualität an Schulen zu verbessern, sollten (angehende) Lehrkräfte die Möglichkeit erhalten, Wissen über Unterrichtsqualitätsmerkmale zu erwerben. Da besonders die Basisdimensionen von Unterrichtsqualität oft schwer direkt zu beobachten sind, können gezielt entwickelte Unterrichtsvignetten dabei helfen, diese sichtbar zu machen. Dieser Beitrag stellt einen systematischen Ansatz zur Entwicklung solcher Unterrichtsvignetten in Form von geskripteten Videos vor. Die Kombination von Erkenntnissen aus der Entwicklung von Unterrichtsvignetten und der Variationstheorie ermöglicht es, typische Unterrichtspraktiken und deren Auswirkungen auf die Basisdimensionen praxisnah und kontrastierend darzustellen. Die in diesem Beitrag vorgestellten Unterrichtsvignetten beziehen sich auf den Mathematikunterricht, der Ansatz ist aber auch auf andere Fächer übertragbar. Wir zeigen konkrete Einsatzmöglichkeiten der entwickelten Unterrichtsvignetten in der Lehrkräftebildung auf und beschreiben entsprechende Erfahrungen.