
Friedrich Kapp (1824–1884), Wolfgang Kapp (1858–1922) und Anneliese Kapp (1888–1986) – drei Biographien innerhalb einer Familie, an denen die Wege und Irrwege deutscher Geschichte mit ihren Brüchen zwischen dem Kaiserreich und der frühen Bundesrepublik aus einer intergenerationellen Perspektive sichtbar werden. Der Aufsatz plädiert für eine vielschichtige Geschichte von Revolution und Gegenrevolution, die etablierte Zuschreibungen – wie „links“ und „rechts“ – neu kontextualisiert und ausdifferenziert. Zunächst erfolgt eine historiographische Einordnung des Wirkens des Achtundvierzigers Friedrich Kapp und seines im New Yorker Exil geborenen Sohnes Wolfgang, der 1920 wiederum gegen die frühe Weimarer Republik putschte. In einem weiteren Schritt nimmt der Aufsatz erstmals die bislang kaum beachtete (weibliche) Handlungsmacht der Tochter Wolfgang Kapps, Anneliese, in den Blick. Dabei steht vor allem ihre geschichtspolitische Intervention in öffentliche Debatten über das Scheitern der Weimarer Republik in der frühen Bundesrepublik im Fokus. Die ehemalige Antirepublikanerin beanspruchte an ihrem Lebensende gar, bereits in den 1930er Jahren eine konservative Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus gewesen zu sein. Durch die Verknüpfung von familiärer und politischer Zugehörigkeit leistet der Aufsatz einen Beitrag dazu, längere Linien der deutschen Geschichte auch in ihrer geschichtskulturellen Relevanz neu zu betrachten.