
Development and piloting of a digital interprofessional round in home care: a participatory Case Study Abstract: Background: In Germany, structures and incentives for interprofessional collaboration (IPC) between home nursing services (HNS) and general practitioners (GPs) are largely lacking; patients have so far been only marginally involved in these processes. Digital technologies may support IPC. Within the TeleCare project, a digital interprofessional round (DIR) was developed to facilitate interprofessional coordination in home care. Aim: What conditions are necessary to implement digital interprofessional rounds between a GP practice and HNS under routine care conditions? What challenges arise during their implementation in everyday practice? Methods: DIR were co-developed in a participatory process with teams of HNS and GP practices. Conditions, opportunities, and challenges of implementation were examined using an exploratory case study approach. Qualitative data were collected through nine individual interviews, six group discussions, one focus group, and eight participant observations with HNS and practice teams, and analyzed using qualitative content analysis. Results: Four tandems from HNS and GP practices participated. Structures to enable and test DIR were established. Supporting factors included established cooperation, patient involvement, and perceived time savings. Challenges included the coordination effort, lack of suitable occasions, and heterogeneous communication structures. Conclusions: Sustainable implementation of DIR requires technical and organizational adjustments, a strong willingness to cooperate and supportive political frameworks.
Zusammenfassung: Hintergrund: National fehlen Strukturen und Anreize für interprofessionelle Zusammenarbeit (IPZ) zwischen Pflegediensten und hausärztlichen Praxen; Patient_innen sind kaum eingebunden. Digitale Technologien können IPZ fördern. Im Projekt TeleCare wurde eine digitale interprofessionelle Visite zur Unterstützung interprofessioneller Abstimmung im ambulanten Kontext entwickelt. Fragestellung: Welche Voraussetzungen sind notwendig, um eine digitale interprofessionelle Visite zwischen einer hausärztlichen Praxis und einem ambulanten Pflegedienst praxisnah zu gestalten? Welche Herausforderungen entstehen dabei in der konkreten Umsetzung? Methoden: Es wurden digitale interprofessionelle Visiten partizipativ mit Tandems aus Pflegediensten und hausärztlichen Praxen entwickelt. Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen der Umsetzung wurden in einem explorativen Fallstudienansatz untersucht. Qualitative Daten wurden mittels neun leitfadengestützter Interviews, sechs Gruppendiskussionen, einer Fokusgruppe und acht teilnehmenden Beobachtungen mit Pflegediensten und Praxisteams erhoben und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ergebnisse: Vier Tandems nahmen teil. Strukturen zur Umsetzung von Visiten wurden geschaffen. Förderlich wirkten etablierte Kooperationen, wahrgenommene Zeitersparnis und Patientenbeteiligung. Zentrale Herausforderungen waren hoher Koordinationsaufwand, fehlende Anlässe und heterogene Kommunikationsstrukturen. Schlussfolgerung: Für eine nachhaltige Umsetzung sind technisch-organisatorische Anpassungen, Kooperationsbereitschaft und politische Unterstützung erforderlich.
Zusammenfassung: Hintergrund: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen erfordert neue Kompetenzen von Gesundheitsfachpersonen. Im deutschsprachigen Raum fehlen umfassende Messinstrumente, die neben individuellen Fähigkeiten auch organisationale Aspekte berücksichtigen. Die englischsprachigen Instrumente DigiHealthCom (5 Faktoren, 42 Items) und DigiComInf (3 Faktoren, 15 Items) erfassen beide Dimensionen, liegen jedoch nicht in deutscher Fassung vor. Ziel: Kultursensitive Übersetzung und Inhaltsvalidierung beider Messinstrumente. Methoden: Die Übersetzung erfolgte gemäß internationalen Leitlinien mittels Vorwärts- und Rückübersetzung zur Erreichung konzeptueller und semantischer Äquivalenz. Zwei Tests mit zwölf, respektive sieben, gezielt ausgewählten Gesundheitsfachpersonen prüften die inhaltliche Äquivalenz (Relevanz, Verständlichkeit) und Inhaltsvalidität über den Content Validity Index (CVI) auf Item- (I-CVI) und Skalenebene (S-CVI/Ave). Ergebnisse: Alle Faktoren zeigten konzeptuelle Äquivalenz und Relevanz. Acht Items des DigiHealthCom wurden semantisch angepasst. Aufgrund unzureichender S-CVI/Ave-Werte für Relevanz (DigiHealthCom: 0.86; DigiComInf: 0.69) und Verständlichkeit (0.93; 0.90) wurden 27 Items überarbeitet. Testung zwei zeigte angemessene S-CVI/Ave-Werte für Relevanz (0.90; 0.76) und Verständlichkeit (0.97; 0.97). Schlussfolgerungen: DigiHealthCom und DigiComInf sind kulturell angepasste und inhaltlich valide Messinstrumente zur Erfassung digitaler Gesundheitskompetenzen im deutschsprachigen Raum. Eine Folgestudie zur Messäquivalenz wird aktuell durchgeführt.
Zusammenfassung: Hintergrund: Angehörige von Menschen mit Demenz übernehmen häufig umfassende Betreuungsaufgaben und vernachlässigen dabei eigene Bedürfnisse und ihre Gesundheit. Ein vertieftes Verständnis ihrer Resilienz ist wichtig, um pflegepraktische Unterstützungsansätze abzuleiten. Ziel: Ziel der Studie war es, Einblicke in die Erfahrungen betreuender Angehöriger von Menschen mit Demenz zu gewinnen und Implikationen für die Pflegepraxis abzuleiten. Methoden: Es wurden 16 leitfadengestützte Interviews mit betreuenden Angehörigen geführt und mittels reflexiver thematischer Analyse nach Braun und Clarke ausgewertet. Ergebnisse: Es zeigten sich vier Themen: (a) Ventile für positive emotionale Freiräume finden, (b) sich mit der Krankheit auseinandersetzen und Akzeptanz entwickeln, (c) Kraft aus dem Umfeld schöpfen und (d) die Notbremse ziehen können. Resilienz zeigte sich besonders in der schrittweisen Übernahme der Betreuungsrolle, im Aufbau tragfähiger Netzwerke sowie in Strategien wie Humor und Auszeiten. Eine zurückhaltende Inanspruchnahme professioneller Hilfe erschwerte teilweise den Zugang zu entlastenden Ressourcen. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse weisen auf pflegepraktisch relevante Ansatzpunkte in der emotionalen Begleitung, Informationsvermittlung, Ressourcenaktivierung und Sensibilisierung für Belastungsgrenzen hin. Das KoRes-Modell bietet einen geeigneten Rahmen zur Einordnung der Befunde.
Zusammenfassung: Hintergrund: Kinder, die zu früh oder mit Beeinträchtigungen geboren sind, benötigen nach der Entlassung eine spezialisierte Nachsorge, die vor allem in ländlichen Regionen unzureichend ist. Das Projekt WELCOME bietet Eltern durch Videosprechstunden und Chatkontakte den direkten Austausch mit spezialisiertem Pflegefachpersonal. Um das WELCOME-Personal auf diese Aufgabe vorzubereiten, wurde ein Schulungskonzept entwickelt, welches auf die fachliche Qualifikation sowie die Erweiterung der digitalen Kompetenz abzielt. Fragstellung: Welche Kompetenzen werden benötigt, um Videosprechstunden im Rahmen einer poststationären Nachsorge von Eltern mit Frühgeborenen oder kranken Reifgeborenen mit erhöhtem Pflegebedarf durchzuführen? Methode: Auf Grundlage einer Literaturrecherche zu Bildungsangeboten im Bereich Telenursing wurde eine dreistufige Befragung durchgeführt, um die praxisorientierte Perspektive zur außerklinischen Begleitung von Familien zu integrieren. Das Schulungskonzept wurde unter Anwendung des ADDIE-Modells konzipiert und implementiert. Ergebnisse: Die Blended-Learning-Schulung zur Durchführung von Videosprechstunden beinhaltet 32 Unterrichtseinheiten und wurde in Zusammenarbeit mit relevanten Berufsgruppen partizipativ abgestimmt. Diskussion und Schlussfolgerung: Zur Vorbereitung von Pflegefachpersonen auf die Durchführung von Videosprechstunden sind sowohl technische als auch kommunikative Schulungen unerlässlich. Empathie, kulturelle Sensibilität sowie kontinuierliches Fortbilden bilden zentrale Voraussetzungen, um eine familienzentrierte digitale Nachsorge sicherzustellen.
Zusammenfassung: Hintergrund: Young Adult Carers (YAC) übernehmen zusätzlich zu Ausbildung/Studium oder Berufseinstieg Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige. Ihre Belastungen sind vielfältig, ihre Situation bleibt jedoch häufig unsichtbar. Auf sie zugeschnittene, digitale Angebote fehlen bislang. Fragestellung/Ziel: Ein partizipatives Forschungsprojekt entwickelt daher gemeinsam mit YAC eine digitale Unterstützungsplattform. Untersucht wird, wie diese gestaltet sein muss, um YAC in ihrer Lebenslage zu unterstützen. Methoden: Bedarfe und lebensweltliche Perspektiven wurden mittels Interviews mit egozentrierter Netzwerkanalyse und der partizipativen Methode Photovoice erhoben. Für die Technikentwicklung kam LEGO ® Serious Play ® zum Einsatz. Neben YAC wurden bei dieser Methode ein Bürgerbeirat sowie das Projektteam einbezogen. Ergebnisse: Die Netzwerkanalyse zeigte die zentrale Rolle informeller Unterstützung in der Sorgegemeinschaft. Photovoice ermöglichte Einblicke in Herausforderungen und Bewältigungsstrategien. Beide Methoden zeigten Unterstützungsbedarfe und mögliche Inhalte für die Plattform auf. LEGO ® Serious Play ® ergänzte die Ergebnisse um zentrale Anforderungen und unterstützte die Visionsentwicklung der Plattform. Schlussfolgerungen: Der multimethodische Ansatz lieferte Einblicke in Belastungen, Ressourcen und Bedarfe der YAC und unterstützte die Entwicklung von Unterstützungsangeboten. Die Ergebnisse bieten erste empirische Grundlagen für bedarfsorientierte Interventionen, deren Generalisierbarkeit jedoch in weiteren Studien geprüft werden muss.
Assessment of knowledge, attitudes and practice regarding physical restraints among nursing students: adaptation of a questionnaire Abstract: Background: Physical restraints (PR) are used despite their negative consequences and application often doesn't adhere to clinical guideline recommendations. Knowledge and attitudes of nursing staff influence the frequency of PR use, making systematic engagement in education essential. To date, no German-language instrument exists to assess knowledge, attitudes, and practice regarding PR among nursing students. Aim: The aim was the translation, cultural adaptation, and content validation of an internationally established questionnaire for the German context. Methods: A suitable questionnaire was translated and culturally adapted according to the ISPOR guidelines. Content validity was assessed using the Content Validity Index (CVI), first through a two-step evaluation by an expert panel (n = 9), and subsequently by nursing students (n = 10) as part of the cognitive debriefing. Results: One item was removed from the original (37-item) questionnaire. In the final questionnaire (36 items), 35 items showed an I-CVI > 0.78. S-CVI/Ave values were 0.87 (Knowledge domain), 0.95 (Attitudes domain), 0.97 (Practice domain), and 0.92 for the entire questionnaire. Conclusions: A German-language questionnaire is now available for assessing the domains of knowledge, attitudes, and practice of PR among nursing students. Further studies on internal structure and internal consistency are recommended to enhance its robustness.
Zusammenfassung: Hintergrund: Stürze sind ein häufiges Ereignis in der Langzeitpflege. Sensortechnologien bieten Potenziale zur Prävention und Analyse von Stürzen, erhöhen die Autonomie der Bewohner_innen und unterstützen Pflegefachpersonen. Ein erfolgreicher Einsatz ist maßgeblich von deren Akzeptanz abhängig. Ziel: Das Projekt „SensiCare“ begleitet die Implementierung einer sensorbasierten Sturzprävention in der Langzeitpflege. In einer ersten Projektphase wurden Erfahrungen und Einschätzungen von Pflegefachpersonen bezüglich des Technologienutzens untersucht. Methodik: In der Mixed-Methods-Studie wurden semistrukturierte Experteninterviews mit 19 Pflegefachpersonen aus dem deutschsprachigen Raum geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Zur Validierung und Vertiefung erfolgte ein standardisiertes Online-Expertenrating mit 49 Pflegefachpersonen. Die Synthese erfolgte mittels Joint Display. Ergebnisse: Die Pflegefachpersonen berichteten überwiegend positive Erfahrungen mit Sensortechnologien. Diese entlasten demnach, indem sie Sturzgefahren erkennen und schnelle Reaktionen nach Stürzen ermöglichen. Sie helfen bei der Analyse von Stürzen und optimieren Präventionsmaßnahmen. Im Gebrauch erfahren sie Sicherheit und den Nutzen der Technologien. Die Integration in den Pflegeprozess und Zeitersparnis sind wichtige Akzeptanzfaktoren. Schlussfolgerung: Pflegefachpersonen, vor allem jene mit hoher Technikkompetenzüberzeugung und Erfahrung mit Sensoren, erkennen den Nutzen von Sensortechnologien. Eine aktive Beteiligung in der Implementierung der Technologie fördert den sicheren und effizienten Einsatz.
Zusammenfassung: Hintergrund: Kindliches Fieber ist einer der häufigsten Gründe, warum das Gesundheitssystem in Anspruch genommen wird. Die Sorge der Eltern kann zu Fehlbehandlung von Fieber führen. Die Aufklärung von Eltern in Deutschland zum Fiebermanagement bei Kindern ist daher von großer Bedeutung. Fragestellung/Ziel: Es wurde hypothesengeleitet geprüft, ob ein Erklärvideo das leitlinienorientierte Fiebermanagement von Eltern in Deutschland verbessern kann sowie das Verhalten und die Einstellung der Eltern zu Fieber vor und nach dem Erklärvideo erfragt. Methoden: Es handelt sich um eine Interventionsstudie im Pretest-Posttest-Design mit einem im Online-Fragebogen integrierten Erklärvideo. Ergebnisse: Insgesamt beantworteten 400 Elternteile den Fragebogen. Nach dem Sehen des Erklärvideos machten 36,3% der Teilnehmenden die Senkung des Fiebers nicht mehr von der Körpertemperatur abhängig. 53,8% fühlten sich sicherer im Erkennen von Fieberwarnzeichen und 88,3% würden das Erklärvideo weiterempfehlen. Bereits vor dem Erklärvideo orientierte sich die Mehrheit der Eltern bei dem Entscheid zur Fiebersenkung an mehreren Faktoren, statt allein an der Körpertemperatur des Kindes. Nach der Intervention konnte dieses Ergebnis noch gesteigert werden. Subjektiv ängstliche Eltern verabreichen nicht mehr Antipyretika als subjektiv sichere Eltern. Es konnte kein Unterschied im Fiebermanagement von Personen mit und ohne medizinische Vorbildung festgestellt werden. Schlussfolgerungen: Ein Erklärvideo könnte ein kurzfristiges Mittel zur Unterstützung des leitlinienorientierten Fiebermanagements von Eltern in Deutschland sein.
Zusammenfassung: Hintergrund: Die Arbeitswelt befindet sich im stetigen Wandel. Als Konsequenz ergeben sich veränderte und neue Kompetenzanforderungen, die häufig als Future Skills beschrieben werden. Ziel: Das Ziel dieses Forschungsvorhabens war die Entwicklung eines Kompetenzmodells mit Future Skills für Pflegefachpersonen. Methoden: In einem qualitativen Forschungsdesign wurden in einem iterativen Prozess 29 halbstandardisierte Interviews und zwei Fokusgruppen sowie ein telefonisches Umlaufverfahren durchgeführt. Zur Datenauswertung wurde die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse angewandt und in Anlehnung an die Grounded Theory gearbeitet. Ergebnisse: Es wurden 17 Future Skills mit 40 Ausprägungen und Bestandteilen identifiziert. Die Future Skills lassen sich drei Ebenen zuordnen und sind eng mit der Schlüsselkategorie Professionalität in der Kompetenzausübung verknüpft. Die pflegerische Kompetenzentwicklung ist in Professionalisierungsprozesse eingebettet und findet lebenslang und stufenweise statt. Schlussfolgerung: In diesem Forschungsvorhaben wurde ein Kompetenzmodell mit Future Skills entwickelt, das pflegerische Kompetenzentwicklungsprozesse in einer ungewissen Zukunft fokussiert. Damit wird ein Grundstein für eine gezielte Personalentwicklung gelegt und ein Beitrag zum Erhalt und zur Förderung zukünftiger Beschäftigungsfähigkeit und der Professionsentwicklung von Pflegefachpersonen geleistet.
Zusammenfassung: Hintergrund: Das Delir ist ein häufiges neuropsychiatrisches Syndrom, welches durch ein multikomponentiges Delirkonzept zur Delirbehandlung und -prävention verhindert werden kann. Fragestellung/Ziel: Das Ziel dieser Studie war die pflegerische Perspektive zum Nutzen, der Umsetzung, der Akzeptanz und Praktikabilität von verschiedenen Bestandteilen des multikomponentigen Delirkonzepts eines Spitals zu evaluieren, welches neu im Mai 2023 implementiert wurde. Methode: Es wurde eine quantitative deskriptive Querschnittsstudie mit Hilfe eines Online-Fragebogens durchgeführt, welcher an die eingeschlossenen Pflegenden (diplomierte Pflegefachpersonen und Fachangestellte Gesundheit) versendet wurde. Ergebnisse: Der Fragebogen wurde an 360 Pflegende versendet, die Rücklaufquote entsprach 15,3%. Der Nutzen des Delirkonzepts wurde bei den Komponenten Erkennung des Delirs, Delirdiagnostik und dem Delirscreening als hoch beschrieben. Bei der Umsetzung des Delirkonzepts wurde die Zusammenarbeit unter den Pflegenden seltener als eine Herausforderung gesehen, während diese Aspekte im multiprofessionellen Team häufiger als Herausforderung beschrieben wurden. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Studie weisen auf einen hohen Nutzen der verschiedenen Komponenten des Delirkonzepts hin, was sich in der große Akzeptanz des Konzept im Pflegeteam und dessen adäquaten Umsetzung im klinischen Alltag widerspiegelt. Um das bestehende Konzept zielgerichtet weiterzuentwickeln, sollte auf der Grundlage dieser Studie eine erneute Evaluation durchgeführt werden, die insbesondere die Perspektive des ärztlichen Dienstes berücksichtigt.
Zusammenfassung: Hintergrund: Krankenhausaufenthalte stellen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eine besondere Herausforderung dar. Insbesondere Verhaltensweisen wie wandering – ungerichtetes oder unkontrolliertes Umhergehen – können sowohl für Patient_innen als auch für Pflegefachpersonen belastend sein. Technologische Lösungen, etwa RFID-basierte Sensorsysteme, bieten Unterstützung, werfen jedoch zugleich ethische sowie praktische Fragen auf. Fragestellung/Ziel: Ziel der Studie war es, das subjektive Erleben von Patient_innen, Mitarbeitenden und Bezugspersonen beim Einsatz eines RFID-basierten Sensorsystems im Krankenhaus zu untersuchen. Methoden: Die Studie folgte einem qualitativen Triangulationsdesign, bei dem sowohl Interviews mit Patient_innen (n = 3) und Pflegefachpersonen (n = 6), als auch eine teilnehmende Beobachtung als Datenquellen verwendet wurden. Das Datenmaterial wurde angelehnt an das Kodierverfahren der Grounded Theory ausgewertet. Ergebnisse: Das Sensorsystem wurde bei mobilen Patient_innen mit wandering eingesetzt. Pflegende erlebten das System als sicherheitsfördernd und entlastend. Die Patientenperspektiven reichten von Befürwortung über Interesse und Skepsis bis hin zu einer eher ablehnenden Haltung. Schlussfolgerungen: Das System stärkt das Sicherheitsempfinden der Pflegenden, erfordert jedoch eine sorgfältige ethische und rechtliche Abwägung im Einsatz. Da Patient_ innen den technologischen Kontext oft begrenzt verstehen, sollte zukünftige Forschung Aufklärung und Kommunikation verbessern, um Akzeptanz und Selbstbestimmung zu fördern.
Zusammenfassung: Hintergrund: In den letzten Jahren haben sich in Deutschland verschiedene aufsuchende psychiatrische Versorgungsmodelle etabliert, deren Wirksamkeit nachgewiesen wurde. Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse und der Vorteile konnte eine flächendeckende Implementierung dieser Angebote bislang nicht realisiert werden. Fragestellung/Ziel: Diese qualitative Studie untersuchte Wirkfaktoren und die Erfahrungen mit der psychiatrischen Zuhause-Behandlung aus der Sicht von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland. Methodik: Es wurden episodische Leitfadeninterviews mit 18 Personen mit psychischen Erkrankungen nach ICD-10 (F2X, F3X, F6X) durchgeführt, die in aufsuchenden Versorgungsangeboten behandelt wurden (psychiatrische Institutsambulanz, ambulante psychiatrische Pflege, assertive community treatment, stationsäquivalente Behandlung). Die Rekrutierung erfolgte mittels eines Gatekeeper-Verfahrens über betreuende Bezugspersonen der jeweiligen Versorgungssettings. Die Datenanalyse erfolgte anhand der thematischen Kodierung nach Flick. Ergebnisse: Die Studie identifiziert vier Wirkfaktoren: Rolle der Bezugsperson, therapeutische Maßnahmen, Lebenswelt und Behandlungscharakteristika. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Rolle der Bezugsperson, die den Therapieerfolg insbesondere durch Empathie, Menschlichkeit und fachliche Kompetenz positiv beeinflusst. Individuelle Maßnahmen im Lebensumfeld stärken die Autonomie und Stabilität. Die Wirkfaktoren weisen darauf hin, dass die Weiterentwicklung der psychiatrischen Zuhause-Behandlung notwendig ist.
Zusammenfassung: Hintergrund: Ältere Menschen leiden häufig unter Schlafstörungen, wobei unzureichender Schlaf Auswirkungen auf Morbidität und Mortalität haben kann. Ziel: Ziel war es, einen Katalog mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Verbesserung der Schlafqualität in der geriatrischen Langzeitpflege zu erstellen, zu implementieren und zu evaluieren. Methode: Diese Forschung gliedert sich in drei Phasen: (1) Bedarfsanalyse, (2) Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs und (3) Implementierung und Evaluation. Die Datenerhebung zur Bedarfsanalyse erfolgte in einem Mixed-Methods-Ansatz. Anhand leitfadenstrukturierter Interviews (n = 9) mit Bewohner_innen wurden Informationen zum Erleben von Schlaf erfasst. In der quantitativen Erhebung (n = 55) wurden mit dem Pittsburgh Schlafqualitätsindex (PSQI) Daten zur Qualität des Schlafes von Bewohner_innen erhoben. Anschließend wurde mit einer Fokusgruppe mit Teilnehmenden aus dem Bereich der Pflege (n = 13) ein Katalog mit nicht-medikamentösen Maßnahmen zur Schlafförderung erstellt und auf zwei Stationen implementiert. Der evaluierende Teil gliederte sich in eine Prä- und Posterhebung mittels PSQI (n = 24) um die gesetzten Maßnahmen zu überprüfen. Ergebnisse: In der Auswertung des PSQI ergab sich in der Präerhebung ein Mittelwert von 8,1 (SD = 0,8), was auf ein schlechtes Schlafverhalten hinweist. In der Posterhebung wurde ein Mittelwert von 5,9 (SD = 0,8) ermittelt, was einem gesunden Schlafverhalten entspricht. Schlussfolgerungen: Es zeigte sich, dass nicht-medikamentöse schlaffördernde Maßnahmen einen positiven Einfluss auf die Schlafqualität haben könnten.
Resilience in family caregivers of people with dementia: a qualitative descriptive study Abstract: Background: Family caregivers of people with dementia often take on extensive caregiving responsibilities, frequently at the expense of their own needs and health. A deeper understanding of their resilience is important to derive practice-relevant implications for nursing care. Aim: The aim of this study was to gain insight into the experiences of family caregivers of people with dementia and to derive implications for nursing practice. Methods: Sixteen semi-structured interviews were conducted with family caregivers and analysed using reflexive thematic analysis according to Braun and Clarke. Results: Four themes were identified: (a) finding outlets for positive emotional relief, (b) coming to terms with the disease and developing acceptance, (c) drawing strength from one's social environment, and (d) being able to apply the emergency brake. Resilience was reflected particularly in the gradual assumption of the caregiving role, the development of stable support networks, and strategies such as humour and taking time out. Reluctance to seek professional help sometimes limited access to supportive resources. Conclusions: The findings point to practice-relevant implications for nursing in emotional support, information provision, resource activation, and raising awareness of personal burden limits. The KoRes model provides a useful framework for interpreting the findings.
Introducing the "DemenzKompetenz" model for German long-term care: Development of a dementia-specific nurse-led care model Abstract: Background: To meet the complex care needs of people with dementia, academically trained nurses must be established in care practice. The implementation of extended nursing roles in German inpatient long-term care requires a reorganization of tasks within the professional care team. Aim: The aim of the study was to develop a tailored, dementia-specific nurse-led care model for inpatient long-term care in Germany. Methods: The study includes theoretical and empirical data collections and analyses for the development of a care model (scoping review, case studies, group Delphi survey, focus groups). A total of 44 practice experts (people with dementia, relatives, staff) and 25 experts at the organizational and system level participated. Results: The dementia-specific nurse-led care model we present, consists of two core principles (advanced nursing expertise, person-centered care culture) and six key components (comprehensive geriatric assessment, needs-based care planning, interprofessional case discussions, person-centered care coordination, knowledge transfer & coaching, and reflection & practice development). In the process of model development, the relevance of the core principles that affect all core elements became particularly evident. Conclusions: This study provides insights into the targeted deployment of academically trained nurses. Further, the DemKo model shows how existing care problems in German inpatient long-term care can be addressed.