
Attische Grabreliefs romischer Zeit mit Frauen im Isiskostum pragen unser Bild des Isiskultes und seiner Anhangerinnen. Der Abgleich der Reliefs mit den inschriftlich uberlieferten Informationen uber die Heiligtumer und die Kultpraxis in Athen zeigt jedoch, dass diese keine Spuren in den Bildnissen hinterlassen hat. Auch von den bekannten generischen Darstellungen des Isiskultes weichen sie ab. Statt spezifische Praktiken oder die ausdifferenzierte Amterhierarchie des Kultes wiederzugeben, fugen sich die Darstellungen der Isiacae auf den Grabreliefs alle in einen Typus ein, wie es in diesem Medium ublich ist. Betrachtet man die Isisanhangerinnen im Kontext der anderen dort dargestellten Frauen, zeigen sich Gemeinsamkeiten: Wahrend ihr exotisches Gewand Aufmerksamkeit erzeugt und Wohlstand visualisieren kann, ordnen sie sich durch ihre Charakterisierung als Gattin oder Mutter wieder in die burgerliche Norm ein. Es sind also nicht ausschlieslich kultische Gegebenheiten, die die Gestaltung bedingten, sondern auch das Reprasentationsinteresse der Verstorbenen bzw. ihrer Angehorigen.
Der Aufsatz behandelt die Anfangsphase der Markierung von Amphoren in Knidos (Chronologische Gruppe II). Die Tradition der regelmasigen Stempelung der keramischen Warentransportbehalter geht auf das letzte Drittel des 4. Jhs. v. Chr. zuruck (›Schiffsbugstempel‹, Chronologische Gruppe I). Im ersten Viertel des 3. Jhs. v. Chr. werden die Stempel mit παράσημος durch einzelne Monogramme, Ligaturen, Akronyme und Abbreviaturen ersetzt. Diese Periode dauert bis zu den 250er oder sogar 240er Jahren an und inkludiert unter anderem die Stempel der Gruppen Zenon A und B. Die im Gebiet des Bosporanischen Reiches entdeckten Stempel der Zenon-Gruppe stellen vollig neue Kombinationen zwischen der Namensabkurzung »ZH« und dem Emblem »Schiffsbug« (Abb. 4–7) dar und bilden offensichtlich eine Ubergangsphase zwischen den Chronologischen Gruppen I und II. Zusatzlich wird eine Liste der bekannten Verbindungen der Zenon- und Sophanes-Gruppen mit den Abkurzungen des zweiten Namens vorgelegt.
Die mit den Kampagnen 2017 und 2018 abgeschlossene deutsch-griechische Ausgrabung in der nordwestlichen Unterstadt von Tiryns hat neue Erkenntnisse zum Wandel von Kultur und Umwelt in der mykenischen Palast- und Nachpalastzeit erbracht. Geoarchaologisch-sedimentologische Untersuchungen widerlegen die These einer Uberschwemmungskatastrophe als Ausloser der bekannten Flussumleitung der spaten mykenischen Palastzeit. Die nordlich der Akropolis vorliegenden fluvialen Sedimente wurden nicht auf einmal, sondern bei bis zu 150 Hochwasserereignissen zwischen der Mitte des 14. Jhs. v. Chr. und dem Ende des 13. Jhs. v. Chr. allmahlich akkumuliert. Der Nachweis einer ausgedehnten Planierschicht lasst den Wunsch zur Bebauung des Areals als wichtiges Motiv fur die Flussumleitung erscheinen, eine Planung, die aber wahrend der Palastzeit nicht mehr verwirklicht werden konnte. In dem unbebauten Areal liesen sich vorubergehend Kunsthandwerker nieder, die fur den Palast Mobel aus Holz und Elfenbein sowie andere Luxusguter herstellten. Die am Beginn von Spathelladisch IIIC Fruh einsetzende Bebauung folgte einem in beiden Bauhorizonten des 12. Jhs. beibehaltenen Bebauungsschema aus rechteckigen Modulen mit gleich ausgerichteten Hofen und Hausern. Der sorgfaltig konzipierte Charakter der so geschaffenen ›Planstadt‹ erweist diese als ein Vermachtnis endpalastzeitlicher Bauplanungen und als das wohl einzige Grosbauprojekt, das in SH IIIC in Griechenland verwirklicht wurde. Die Besiedlung der nordwestlichen Unterstadt geriet indes schon nach wenigen Generationen ins Stocken und wurde lange vor dem Ende der mykenischen Zeit aufgegeben.
An der Jahreswende 1900/1901 legte die Expedition Sieglin eine unterirdische Grabanlage in Gabbari am Westhafen von Alexandria frei. In der Kammer mit den wichtigsten Grablegen konnten zwei Bemalungsphasen festgestellt werden. Die altere entspricht den Wanddekorationen mit Schirmkandelabern, die an der Wende vom 1. zum 2. Jh. in der romischen Welt verwendet wurden. Die jungere zeigt agyptisierende Motive. Der datierbare Befund gibt Anlass, die Entwicklung der herausgehobenen Graber in den alexandrinischen Hypogaen zu verfolgen: Aus hellenistischen Klinengrabern in Adikulanischen wurden am Beginn der Kaiserzeit Kistengraber in von Pilastern gerahmten Nischen, die als Dreigraberkammer angeordnet werden konnten. Im 2. Jh. wurden die Graber als Girlandensarkophage gestaltet und von einem Bogen uberfangen. Die agyptisierenden Ausstattungen, die ebenfalls in dieser Zeit haufig werden, lassen auf genaue Kenntnisse agyptischer Jenseitsvorstellungen schliesen. Die Auswahl der Motive erfolgte jedoch nicht im Hinblick auf eine ›Wiedergeburt‹, sondern unter dem Aspekt des gottlichen Schutzes fur den Toten im Grab, wie bei gleichzeitigen, nicht-agyptisierenden Grabbildern auch.
Eine Bauschicht, die stratigraphisch alter ist als die bisher bekannte kārum-zeitliche Bebauung, liefert in der nordlichen Unterstadt wichtige Hinweise auf die fruhe Entwicklung in Bogazkoy. Nach einer Nutzung des Areals in der kārum-Zeit, die ohne erkennbare Unterbrechung bis in die hethitische Epoche reicht, wird auf der Innenseite des Stadttores der nordlichen Unterstadt eine grose Verkehrsflache freigelassen, die den Zugang zur Siedlung erleichtert. Ausgrabungen in der Mitte und im Osten der Terrasse belegen eine intensive Nutzung in hethitischer Zeit, die jedoch nicht bis in die jungere Grosreichszeit andauert. Die Komplexitat der romischen Befunde vermittelt nicht nur einen Einblick in die Geschichte dieser Epoche, sondern last auch Ruckschlusse auf das Verhaltnis zwischen den romischen und lokalen Kraften zu.