
Die akute Lungenarterienembolie (LAE) bleibt aufgrund ihrer unspezifischen Symptomatik eine klinische Herausforderung in der Notfallmedizin. Eine verzögerte Diagnose geht mit einer höheren Letalität einher. Die Diagnostik und Therapie der LAE hat sich in den letzten Jahren durch die Publikation neuer Leitlinien und neuer Studiendaten in bemerkenswerter Weise weiterentwickelt. Der Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick über das Akutmanagement der LAE in der Notaufnahme mit besonderem Fokus auf die Implementierung der neuen Klassifikation sowie den Stellenwert moderner interventioneller Therapieverfahren. Die 2026 publizierte amerikanische Leitlinie führt eine präzisierte Risikostratifizierung in 5 Kategorien ein. Diese erlaubt es, asymptomatische Patienten (Kategorie A) und symptomatische Patienten mit niedrigem Risiko (Kategorie B) sicher ambulant zu behandeln oder frühzeitig zu entlassen. Gleichzeitig ermöglicht sie es, Patienten mit hohem Risiko (Kategorien D bis E) ohne Verzögerung einer erweiterten Therapie zuzuführen. Neben der optimierten initialen Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin (NMH) rücken bei hohen Risikokategorien zunehmend interventionelle Verfahren in den Fokus. Hierzu zählen die kathetergestützte lokoregionäre Lyse sowie die mechanische Thrombektomie. Eine standardisierte interdisziplinäre und interprofessionelle Behandlung der Lungenarterienembolie erhält zunehmende Bedeutung, was v. a. in der Etablierung von Pulmonary Embolism Response Teams (PERT) zum Ausdruck kommt. Durch abteilungsinterne, evidenzbasierte Protokolle für die Behandlung der Lungenarterienembolie, insbesondere bei der Entscheidung zur systemischen Lyse, aber auch der Anwendung kathetergestützter Interventionen können lebensrettende Therapieentscheidungen schneller, gezielter und ressourcenschonender getroffen werden.
Die Bronchiektasenerkrankung ist eine chronische, ätiologisch heterogene Lungenerkrankung, deren Prävalenz weiter zunimmt. Dazu tragen unter anderem die zunehmende Anwendung der CT-Diagnostik sowie eine gestiegene Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild bei. Die Diagnose erfordert den Nachweis von Bronchiektasen in der CT in Kombination mit typischen klinischen Symptomen wie chronischem Husten, Sputumproduktion und Exazerbationen. Pathophysiologisch dominiert eine neutrophile Entzündung, die zusammen mit gestörter mukoziliärer Clearance, struktureller Bronchialschädigung und chronischer Infektion den „vicious vortex“ der Erkrankung unterhält. Entscheidend für die klinische Praxis sind eine systematische Ursachenabklärung, die Erfassung von Krankheitsaktivität und Exazerbationsrisiko sowie die Suche nach patientenindividuellen, behandelbaren Ursachen („treatable traits“). Im Fokus der Therapie stehen die Optimierung der mukoziliären Clearance und die Kontrolle der Infektion im Rahmen der Exazerbationsbehandlung. Darüber hinaus eröffnen neue krankheitsspezifische Therapieansätze zusätzliche Therapieoptionen, um die prognostisch ungünstigen Exazerbationen zu vermeiden. Der Beitrag gibt einen leitlinienorientierten Überblick für das Management dieser komplexen Erkrankung.
Die Systemtherapie des operablen nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) hat sich durch die Integration der Immuntherapie grundlegend verändert. Darstellung des aktuellen Stellenwerts neoadjuvanter und perioperativer Therapiekonzepte beim resektablen NSCLC. Narrative Übersicht aktueller Phase-III-Daten, Leitlinienempfehlungen und praxisrelevanter Aspekte der interdisziplinären Therapieentscheidung. Bei Patientinnen und Patienten ohne therapieentscheidende EGFR- oder ALK-Alteration hat sich der Behandlungsstandard zunehmend von rein adjuvanten Strategien hin zu neoadjuvanten und perioperativen Konzepten verschoben. Die Kombination aus Platin-basierter Chemotherapie und Immuncheckpointinhibition verbessert pathologische Remissionsraten und ereignisfreies Überleben; für einzelne Konzepte ist inzwischen auch ein Gesamtüberlebensvorteil gezeigt. Voraussetzung für den sicheren Einsatz ist eine frühzeitige molekulare Testung sowie die interdisziplinäre Beurteilung von Resektabilität, funktioneller Operabilität, Tumorstadium, Rezidivrisiko und Toxizitätsakzeptanz. Biomarker wie PD-L1, pathologisches Ansprechen und perspektivisch zirkulierende Tumor-DNA können die Risikostratifikation ergänzen, ersetzen aber nicht die klinische Gesamtbewertung. Neoadjuvante und perioperative Chemoimmuntherapien sind zentrale Bestandteile der modernen Therapie des operablen NSCLC. Entscheidend bleibt die sorgfältige Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten im spezialisierten Tumorboard.