
Der herausfordernde Wandel der Medizin des 21. Jahrhunderts zwischen Robotik, Künstlicher Intelligenz (KI) und Digitalisierung des Arbeitsalltages steht bürokratischen Hürden, Fachkräftemangel und sozioökonomischem Druck in einem alternden System gegenüber. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über aktuelle Möglichkeiten und Anwendungen von KI in der (peri)operativen Versorgung von traumatologischen PatientInnen. Schon bevor Operateure den OP betreten, könnten präoperative KI-Planungstools zukünftig Effizienz steigern. Intraoperativ sind Navigation und Robotik bereits etabliert und verbessern die Präzision. In Zukunft können Ambient AI und Digital Twins voraussichtlich zudem perioperative Daten verknüpfen sowie Abläufe und Entscheidungen optimieren. Die KI-gestützte Dokumentation entlastet Ärztinnen und Ärzte zunehmend, birgt aber weiterhin Risiken und Interoperabilitätsprobleme. Zentrale Hürden der KI im OP bleiben Datenheterogenität, fehlende Standardisierung sowie Kosten. Auch und gerade im OP ist wichtig, dass die ethische Verantwortung für die Kontrolle (teil)autonomer Systeme beim Menschen bleibt.
Pseudarthrosen stellen eine multifaktorielle Komplikation der Frakturheilung dar. Eine ausschließlich zeitbasierte Definition bildet die zugrunde liegenden Heilungsstörungen nur unzureichend ab und bietet allein keine ausreichende Grundlage für die Therapieentscheidung. Entscheidend ist vielmehr die systematische Analyse der Faktoren, die eine knöcherne Konsolidierung verhindern. Hierzu zählen insbesondere eine mögliche frakturassoziierte Infektion, mechanische Defizite, ein eingeschränktes biologisches Heilungspotenzial sowie patientenbezogene Risikofaktoren. Auch bei klinisch aseptisch erscheinenden Pseudarthrosen muss eine okkulte Infektion berücksichtigt werden. Mechanische Instabilität erfordert eine Wiederherstellung adäquater Stabilität, während biologische Defizite gegebenenfalls eine gezielte Augmentation notwendig machen. Modifizierbare Patientenfaktoren sollten parallel optimiert werden. Da mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen können, sollte die Behandlung nicht allein an zeitlichen oder morphologischen Kriterien ausgerichtet sein, sondern an den individuellen Ursachen der ausbleibenden Frakturheilung. Ein systematisches, ursachengerichtetes Vorgehen ermöglicht damit eine gezielte und bei multifaktorieller Genese kombinierte Therapie.
Ein neunjähriger Junge stellte sich initial nach einem Sturz von einem Trampolin mit einer geschlossenen, metaphysären Querfraktur des distalen rechten Femurs vor. Da klinisch und radiologisch zunächst kein Anhalt für eine pathologische Fraktur bei adäquatem Trauma vorlag, erfolgte die primäre Versorgung mittels antegrader elastisch-stabiler intramedullärer Nägel (ESIN). Im postoperativen Verlauf imponierten eine persistierende Schmerzsymptomatik, eine progrediente Weichteilschwellung sowie eine radiologisch atypische Kallusreaktion mit beginnenden Osteolysen. Nach Zuweisung in unser kindertraumatologisches Zentrum erhärtete die radiologische Umgebungsdiagnostik den Verdacht auf ein teleangiektatisches Osteosarkom, kompliziert durch eine iatrogene Tumorzellverschleppung entlang des ESIN-Markraumkanals im Sinne einer Skip-Läsion. Die Diagnose wurde histopathologisch gesichert. Nach neoadjuvanter Chemotherapie gemäß EURAMOS/COSS-Protokoll mussten aufgrund der intramedullären Tumorzellverschleppung eine En-bloc-Resektion des gesamten Femurs, inklusive des Kniegelenks, und eine Rekonstruktion mittels modularer Totalendoprothese durchgeführt werden.
Pilonfrakturen stellen komplexe Verletzungen der gewichtstragenden Gelenkfläche der distalen Tibia dar und sind sehr oft mit einer relevanten Weichteilschädigung vergesellschaftet. Die Behandlung erfordert ein strukturiertes Vorgehen, bei dem die Weichteilsituation eine zentrale Rolle spielt. Diese Frakturen entstehen entweder durch niedrigenergetische Rotationsverletzungen oder durch hochenergetische axiale Kompressionstraumata. Während Erstere meist bei älteren Patient:innen mit geringer Weichteilschädigung auftreten, führen Letztere häufig zu komplexen Frakturmustern mit ausgeprägter Gelenkimpaktion und metaphysärer Trümmerzone. Heute gilt das zweizeitige Behandlungskonzept als Goldstandard. Initial erfolgt die Anlage eines gelenküberbrückenden Fixateur externe zur Wiederherstellung von Länge, Achse und Torsion sowie zur Entlastung der Weichteile. Anschliessend erfolgen nach dem Prinzip „Span – Scan – Plan“ die CT-Diagnostik und Planung der definitiven Versorgung. Offene Frakturen erfordern eine sofortige i.v.-Antibiotika-Therapie, ein konsequentes Débridement sowie die Entfernung avaskulärer Knochenfragmente. Bei kritischen Weichteilverhältnissen sollte frühzeitig die plastische Chirurgie hinzugezogen werden. Weichteilbedrohende resp. irreponible Fragmente müssen bereits im initialen Setting mittels minimalinvasiver Techniken adressiert werden. Eine notfallmässige primäre Fibulaosteosynthese wird hingegen nicht empfohlen, da sie die spätere anatomische Rekonstruktion des Gelenks erschweren kann. Die Versorgung der Fibula sollte in der Regel gemeinsam mit der definitiven Osteosynthese erfolgen. Ein erfolgreiches Outcome setzt neben einer präzisen knöchernen Rekonstruktion insbesondere ein sorgfältiges Weichteilmanagement voraus.