
In der vorliegenden Studie wurden 89 Populationen des Wiesen-Storchschnabels (Geranium pratense L.) analysiert. Nur 42 Populationen ließen sich bestätigen, von denen 33 näher untersucht wurden. Die Populationen wurden dazu in drei Größenklassen eingeteilt und Fitnessvariablen sowie standortökologische Parameter bestimmt. Anhand von SNP-Markern wurde die genetische Diversität der Populationen analysiert. Große Populationen (> 100) fanden sich überwiegend im Extensivgrünland und an Wegrändern. Kleine Populationen (≤ 40) wiesen eine geringere genetische Vielfalt auf. Eine mit der räumlichen Distanz zunehmende genetische Differenzierung zeigte eingeschränkten Genfluss an. Die Landnutzung beeinflusste die Pflanzenhöhe: Pflanzen auf Mähwiesen waren kleiner als auf Brachen und an Wegen. Eine reduzierte Keimfähigkeit auf Brachen deutete zudem auf einen konkurrenzbedingten Zielkonflikt zwischen Wachstum und Reproduktion hin. Durch häufigere und frühere Mahd wird G. pratense zunehmend in Sekundärlebensräume wie Wegränder und Böschungen verdrängt. Diese spielen daher eine immer wichtigere Rolle bei der Arterhaltung. Um die verbleibenden Populationen zu erhalten und miteinander zu verbinden, empfehlen wir dringend, Schutzmaßnahmen umzusetzen: Neben einer an die Ökologie der Art angepassten extensiven Bewirtschaftung sollen gezielte Ansiedlungen durch Auspflanzung erfolgen. Die Erhaltung solcher charakteristischen und wertgebenden Arten ist essenziell, um die Funktionsfähigkeit und vielfältigen Ökosystemleistungen des Grünlands sicherzustellen.
Von 2020 bis 2025 wurden im Oberallgäu (Bayern) auf 13 Probeflächen jährlich zwischen 153 und 192 Birkhähne gezählt. 61 % der Balzplätze und 62 % der Birkhähne befanden sich außerhalb von EU-Vogelschutzgebieten. Im Beobachtungszeitraum war eine leichte Bestandszunahme erkennbar; ein signifikanter Trend lässt sich jedoch noch nicht ableiten. Die durchschnittliche Höhe der Balzplätze stieg von 1.662 m ü. NN im Jahr 2020 auf 1.697 m ü. NN im Jahr 2025, was einer jährlichen Zunahme von rund 6 m entspricht. Die Verlagerung der Birkhähne in höhergelegene, schneebedeckte Bereiche könnte durch die dort günstigeren Bewegungsbedingungen für Balzaktivitäten wie die Vorwärtspose bedingt sein. Gleichzeitig werden nahrungsökologische Faktoren bei den Hennen im Umgriff der Balzplätze vermutet. Mit der Höhenverlagerung ging eine verstärkte Nutzung von Graten gegenüber Bergflanken einher, wodurch eine erhöhte Störungsexposition anzunehmen ist. Die anthropogene Nutzung sensibler Tageszeiten während der Balz hat seit 2021 jedoch abgenommen, obwohl die Besucherzahl in den meisten Monitoringflächen insgesamt zugenommen hat. Eine birkhuhngerechte Bewirtschaftung durch extensive Beweidung dürfte künftig maßgeblich über das Überleben der Art in den Bayerischen Alpen entscheiden. Fachliche Begleitung sowie angepasste Förderinstrumente sind hierfür unverzichtbar.
Das methodische Grundkonzept der raumbezogenen Konfliktrisikobewertung eröffnet die Möglichkeit, Belange des Umwelt- und Naturschutzes frühzeitig und umfassend in räumliche Steuerungsprozesse einzubinden. Der Ansatz ist bereits in vielen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie Strategischen Umweltprüfungen und Potenzialflächenstudien von Bundes- bis hinunter auf Gemeindeebene zur Anwendung gekommen. Durch die transparente Aufbereitung und Bewertung der durch Geodaten repräsentierten Schutzbelange leistet die Methode einen fundierten Beitrag zur strategischen und raumbezogenen Steuerung von Infrastrukturen. Die Auswahl und die gestufte Bewertung der als Kriterien genutzten Flächenkategorien erhalten ihre besondere demokratische Legitimierung durch ihre Ableitung aus rechtlichen Normen und gesellschaftlichen Zielen sowie die enge Einbindung von Fachleuten und Behörden. Je nach Infrastrukturtyp und Planungsaufgabe wird die Auswahl der Flächenkategorien und ihre Wertzuweisung auf die spezifische Entscheidungssituation hin ausgerichtet und erfolgt unter Beteiligung verantwortlicher Entscheidungsträger. Die in der Bewertung erfolgende Verbindung von Sach- und Wertebene findet somit bereits auf der Ebene der Flächenkategorien (Typebene) statt. Für die raumbezogene Bewertung (Objektebene) werden die Flächenkategorien und damit verbundene Konfliktrisiken in den Raum projiziert und aggregiert. Die Möglichkeit der Automatisierung der betreffenden GIS-Prozesse bietet ein großes Potenzial für die Beschleunigung von Planungsprozessen.
Landwirtschaft schafft Kulturlandschaften und trug einst zur Steigerung der biologischen Vielfalt maßgeblich bei. Doch innerhalb der letzten Jahrzehnte hat sich diese Rolle umgekehrt. Effizienzsteigerungen und wirtschaftlicher Druck führten zu einer Intensivierung der Landwirtschaft zulasten der Artenvielfalt. Im Projekt Biogasblühfelder Rhön-Grabfeld wurde ein Ansatz erprobt und untersucht, um wieder Synergien zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und der Förderung der biologischen Vielfalt herzustellen. Die mehrjährige Biogasblühmischung Veitshöchheimer Hanfmix wurde zwischen 2017 und 2023 auf über 100 ha in Unterfranken angebaut. Fünf Flächen wurden hinsichtlich verschiedener Artengruppen untersucht. Dabei konnten insgesamt 40 Vogelarten, 158 Wildbienenarten, 388 Schmetterlingsarten, 64 Spinnenarten und 226 Käferarten erfasst werden. Diese Vielfalt ist enorm und unterstreicht das Potenzial der Landwirtschaft, Biodiversität zu fördern. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung zeigen, dass Felder mit Biogasblühmischungen Inseln der Biodiversität in der Feldflur sind und so eine große Strahlkraft für die Steigerung von Artenvielfalt in Agrarlandschaften haben können. Durch die Integration von Biomasse- und Biodiversitätsertrag können auch intensiv genutzte Agrarlandschaften gezielt aufgewertet werden.
Die Erosion der Artenkenner stellt ein wachsendes Problem für den Naturschutz dar. Das Bundesnaturschutzgesetz macht in diesem Kontext die Beobachtung der Natur und somit auch die Bestimmung von Organismen zur Grundlage effektiver Schutzmaßnahmen. Die Prämisse „Man kann nur schützen, was man kennt“ verdeutlicht die Notwendigkeit, Artenkenntnisse zu fördern. Libellen als relativ leicht bestimmbare Insekten eignen sich aufgrund ihrer Rolle als Bioindikatoren besonders gut für gezielte Naturbeobachtungen. In diesem Artikel wird neben Einblicken in den faszinierenden Kosmos der Libellen eine grafische Bestimmungshilfe für die Imagines dieser Artengruppe vorgestellt, die den Zugang zur zielgerichteten Beobachtung und Bestimmung erleichtert und sowohl Einsteiger als auch Experten anspricht. Die Bestimmungshilfe eignet sich durch die Ansicht auf zwei Din-A3-Seiten zum einen für direkte Bestimmungen im Freiland. Zum anderen ist über die im Rahmen des Artikels vorgestellte Anleitung zum Fotografieren von Libellen ebenfalls die gezielte Nachbestimmung über Fotos möglich. Insgesamt ermöglicht die Bestimmungshilfe über die intuitive Handhabung und die Anschaulichkeit der Bestimmungswege einem weiten naturinteressierten Publikum Einblicke in die faszinierende Arten- und Formenvielfalt unserer heimischen Libellen, wodurch das Bewusstsein für die Bedeutung der Artenkenntnis im Naturschutz insgesamt gestärkt werden soll.